Bösartiger, korrupter Kriegstreiber und Scharlatan – LewRockwell

Übersetzung des Interviews mit Doug Casey durch Axel B.C. Krauss

Quelle: Vicious, Venal Warmonger and Phony – LewRockwell

Justin: Doug, die Mainstreammedien erinnern sich an McCain größtenteils als Patrioten, Querdenker und anständigen Mann. Aber wir beide wissen, daß, deine Meinungen vom Mainstream oft abweichen. Also … was denkst du über McCain und seine Hinterlassenschaft? 

Doug: Wo soll man bei McCain anfangen? Natürlich gilt es allgemein als unschicklich, schlecht über die Toten zu reden. Aber warum? Ich habe kein Problem damit, weil ich Ross und Reiter gerne beim Namen nenne, vor allem aber, wenn es um Karrierepolitiker geht. Warum wird ausgerechnet ihnen besonderer Respekt zuteil? 

Seit seinem Tod wurden über McCain in den Mainstreammedien nur Luftnummer geschrieben. Hagiographien, die für Heilige angemessen sind. Das Establishment versucht, ihn heilig zu sprechen, während das gemeine Volk nur das glaubt, was ihm immer und immer wieder aufgetischt wird. Das ist beschämend und unangemessen.

Nun, ich habe den Mann nie persönlich getroffen, aber es scheint, daß er über persönlichen Charme verfügte. Sein notorisch volatiles Temperament wurde als Zeichen von Authentizität vermarktet, statt von Instabilität. Das, zusammen mit seiner Zeit als Kriegsgefangener [POW], ist die die Grundlage, auf der sein gesamter Ruf gründet. 

Fünf Jahre als POW zugebracht zu haben, war – zumindest im Rückblick – das beste, was McCain jemals passierte. Sein gesamtes Leben, seine Reputation und Position kreisen um diese Tatsache. Es schadete ihm auch nicht, Sohn eines hochrangigen Admirals zu sein. Wie könnte jemand, der in seiner Jugend ein bekannter Versager war, sonst die politischen Höhen erklimmen, auf denen er stand?

Justin: Was meinst du damit? Wieso war McCain ein „Versager“ in seiner Jugend? 

Doug: Es ist bekannt, daß McCain in seiner Jugend kräftig gegen den Strom schwamm. Daran ist auch nichts auszusetzen. Wenn überhaupt, ist es ein Plus, zeigt es doch, daß er kein Weichei war, der nur für die Anerkennung anderer lebte. Aber war offenbar schuld an zwei schweren Flugzeugunfällen, inklusive des Desasters auf der USS Forrestal, das 134 US-Seeleuten das Leben kostete. 

Marineflieger sind Elite, sie bekommen nicht viele zweite, geschweige denn dritte Chancen. Es gibt Grund zur Annahme, daß er nur deshalb nicht aus der Navy geworfen wurde, weil er Sohn eines Admirals war. Natürlich ist bei einem hochgradig politisierten Charakter wie McCain schwer zu sagen, was genau ablief. Niemand will schlecht über ihn reden. 

Justin: Und das liegt größtenteils daran, was ihm in Vietnam widerfuhr? 

Doug: Ja. McCain wurde bekanntlich abgeschossen und verbrachte fünf Jahre in einem Gefangenenlager. Aber die simple Tatsache, daß jemand ein POW war, sagt nicht unbedingt viel über diese Person, außer daß man viel Pech hatte. Ich symphatisiere mit Menschen in so einer Position, aber fast jeder amerikanische Flieger, der als POW gefangen gehalten wurde, überlebte.  

Es ist sehr traurig, daß McCain sowas erleben mußte. Die Details darüber, was ihm geschah, was er tat oder auch nicht und aus welchen Gründen, sind skizzenhaft und umstritten. Ich kann mir vorstellen, daß beinahe jeder in so einer Situation unter großem Druck stünde, Dinge zu tun, die er später bereut. 

Da liegt nicht das Problem. Das Problem ist, daß er seine fragwürdige Militärlaufbahn benutzte, um darauf seine politische Karriere aufzubauen. Damit steht er nicht alleine. John Kerry machte dasselbe mit seinen fragwürdigen Auszeichnungen, um Senator zu werden, demokratischer Präsidentschaftskandidat sowie Außenminister. 

Als der Vietnamkrieg 1973 endete, fanden Verhandlungen zwischen Henry Kissinger und der vietnamesischen Regierung bezüglich der POWs statt. Zu dieser Zeit schien ziemlich sicher, daß es ein paar tausend amerikanische POWs gab, die von den Vietnamesen gefangen gehalten wurden. Aber nur 500 von ihnen kehrten in die Vereinigten Staaten zurück. Die anderen, ungefähr 1500, wurden in Nordvietnam festgehalten. 

Justin: Und warum war das so?

Doug: Es scheint, als wären sie als Trumpfkarte zurückgehalten worden. Die Vietnamesen erwarteten Reparationszahlungen für die immensen Schäden, die Amerikaner ihrem Land zugefügt hatten. 

Die Verhandlungen über die Bedingungen ihrer Repatriierung waren festgefahren; die USA wollten die von Hanoi geforderten Entschädigungen nicht zahlen. Und nach einer Weile wollten weder die Vietnamesen noch die Amerikaner die Existenz dieser POWs anerkennen. Sie waren beiden Regierungen peinlich. Man geht deshalb davon aus, daß sie still und heimlich im Gefängnis starben. Vielleicht sind sie einfach „verschwunden“. 

Aber wir werden die Wahrheit nie erfahren, da McCain maßgeblich daran beteiligt war, sicherzustellen, daß die Aufzeichnungen darüber, was geschah, begraben wurden. Wir werden vermutlich nie wissen, was mit diesen echten oder mutmaßlichen POWs passierte. Sie werden hinter einem Schleier der Geheimhaltung versteckt. 

Justin: Warum sollte er das tun? 

Doug: Wer weiß? Nun, McCain wußte es. Und das ist wichtig, denn seine gesamte politische Karriere fußt auf seinen Vietnamkriegserlebnissen. Trotzdem ist seine militärische Laufbahn nichts Besonderes. ODer vielleicht sogar irgendwo zwischen unauffällig und beschämend einzuordnen. Aber es ist schwierig, hier an Fakten zu kommen. 

Warum dem so ist? Vielleicht dachten Elemente im Establishment, die USA bräuchten einen Volkshelden im Kongreß. Ich kann mich nicht an allzu viele erinnern, mit Ausnahme des Astronauten John Glenn. Man braucht in fast jeder Generation Helden – entweder echte oder fabrizierte –  um das Image des Kongresses reinzuwaschen. Niemand will glauben, daß es sich zu 100% um Diebe und Drecksäcke handelt. McCain befand sich als Vorsitzender des Armed Services Committee in einer idealen Position, um alle Arten von Finanzmitteln zu genehmigen. Sein Heldenstatus heiligte, was er tat.  Es scheint tatsächlich so zu sein, daß er vergöttert wurde, weil sie einen Helden brauchten. 

Justin: Und was würdest du über McCains Erbschaft als Politiker sagen? 

Doug: Nun, das ist viel einfacher, weil wir wissen, was er getan hat, seit er in Amt und Würden stand. Seine Laufbahn als Politiker ist schrecklich, wenn man fiskalische Kreditwürdigkeit, persönliche Freiheit oder Frieden schätzt – diejenigen drei Dinge, auf die es für jemanden in politischen Ämtern ankommt. Er war eine Art negatives Spiegelbild von Ron Paul. 

Zum einen war er in den Keating Five-Skandal involviert, bei dem kein Zweifel besteht, daß er eine Menge Geld von Keating während des Bausparkassen-Skandals erhielt. Und irgendwie schaffte er es, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. 

Er verließt seine Frau, wie große Gesundheitsprobleme hatte und heiratete eine reiche Erbin. Nun macht jeder mal Fehler in seinem Leben. Aber sowas finde ich unehrenhaft. Ich kenne die genauen Umstände nicht – wir haben nur Informationen aus den Nachrichten dieser Zeit – aber es sieht nicht gut aus. Niemand spricht darüber. 

Was wichtiger ist: Er hatte keine politischen Leitprinzipien, abgesehen davon, die Macht des Staates zu vergrößern. Er tarnte das durch Kultivierung seines Außenseiter-Images. 

Er stilisierte sich zum Querdenker, weil er nicht oft mit dem republikanischen Establishment übereinstimmt. Das ist ja auch lobenswert und verständlich. Aber es war nicht irgendwelchen Prinzipien geschuldet. Er tat dies, weil er im Wesentlichen ein Demokrat war. Er teilte all die Werte, die auch Demokraten im Herzen tragen. Er war ein archetypischer RINO, also ein „Republican in name only“, nur dem Namen nach. Er tat nichts und glaubte auch an nichts, wofür die Republikaner angeblich stehen. Ich sage deshalb angeblich, weil das Bild der Republikaner als Repräsentanten fiskalischer Kompetenz und einer schlanken Regierung ein Schwindel ist. Sind sie erstmal an der Macht, bauen sie den Wohl- und Kriegsfahrtsstaat ebenso schnell aus wie die Demokraten.  

Es war einfach nur Öffentlichkeitsarbeit geschuldet, daß aus einem Mann ohne alle Prinzipien ein liebenswürdiger Querdenker wurde. Er war das genaue Gegenteil. Er war lebenslang Mitglied des Deep State. 

McCain verkörperte das Schlimmste aus beiden Parteien. Aus innenpolitischem Blickwinkel war er ein Erzlinker, ein Wohlfahrts-Etatist, der ständig anderer Leute Geld ausgab. Unter diesem Aspekt stand er beispielhaft für die übelsten Züge des demokratischen Partei. Geht es um Außenpolitik, müßte ich ihn schlicht als Verbrecher charakterisieren. Es gab keinen einzigen Krieg, den er nicht aktiv unterstützte – Bosnien, Kosovo, Libyen, Irak, Iran, Afghanistan, Westafrika, die Ukraine sowie das aktuelle Desaster in Syrien. Er versuchte, Kriege mit Russland und China zu provozieren.  

Der Charakter dieses Mannes kam auf den Punkt, als er dabei aufgenommen wurde, „Bomb Bomb Iran“ zu singen – zur Melodie des Liedes „Barbara Ann“ von den „Beach Boys“.

Alles – und ich meine wirklich alles – was er in Sachen auswärtiger Beziehungen tat – sein berühmtestes Feld – war falsch ausgerichtet, destruktiv und desaströs. 

Justin: Und doch scheint das Establishment ihn zu lieben. Warum? 

Doug: Nun, er war der größte Freund des Pentagon. Und wie Randolph Bourne sagte: „Krieg ist die Nahrung des Staates“. Er war ein pathologischer Kriegstreiber. Krieg war offensichtlich eine Kraft, die seinem Leben Bedeutung gab. 

Aber heute wagt man es nicht, irgendwas Schlechtes über McCain zu sagen. Ich habe die Online-Ausgabe der „Times of London“ abonniert, und sie veröffentlichten eine Heilighudelei über ihn. Jemand schrieb dem Herausgeber einen Brief, der ihn vollständig debunkte. Obwohl er in einer höflichen und gebildeten Sprache verfaßt war, wurde der Brief gleich am nächsten Tag von der Seite entfernt. 

Dieser Brief ist nun der Vergessenheit angeheim gefallen, abgesehen von anderen Briefen, die sich auf ihn beziehen. Die Herausgeber der „Times“ dachten wohl, es käme einem Sakrileg gleich, ihn online zu halten. Niemand in den Mainstreammedien wagt es, seit seinem Tod schlechtes über McCain zu sagen. 

Tatsächlich gibt es keinen Grund, irgendwas Gutes über ihn zu sagen. Er war einfach nur ein Typ, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, der einen Hintergrund und eine Persönlichkeit hatte, aus der man einen Prominenten schustern konnte. Er wird zu einem Heiligen gemacht, ebenso wie die Leute Lincoln, Wilson und FDR nach deren Tod zu Heiligen machten. Es ist kein Zufall, daß es sich bei ihnen – zusammen mit Lyndon B. Johnson – um die schlechtesten Präsidenten handelt, die die USA jemals hatten – unter Gesichtspunkten wie persönliche Freiheit, Steuergerechtigkeit und Frieden. Aber aus Sicht des Deep State waren sie eben die besten. 

Wir leben zunehmend in einer mediengetriebenen, von PR saturierten Welt. Regierungen und Politiker nutzen das natürlich aus sowie die Tatsache, daß die Öffentlichkeit Idole will – deshalb machen sie einen aus ihren Reihen zu eineer Art Helden oder Heiligen, wann immer dies möglich ist. Besser, als die Wahrheit zu sagen: Diese Leute sind nicht die besten, klügsten oder ethischsten. Sie sind keine großen philosophischen Denker. Sie sind einfach nur politische Mitläufer, die an der Aufrechterhaltung des Status Quo arbeiten und die Macht des Staates überall ausbauen. 

Korrupte, käufliche Niemande, die sich ihren Weg an die Spitze erschleimten und rückenmesserten, kann man leicht zu Helden machen. Man kann sich das vorstellen wie eine stark übertriebene Version dessen, was Peter Sellers‘ Figur in „Being There“ widerfuhr. Ein Zeugnis des traurigen Zustandes der heutigen Zivilisation. 

McCain ist vielleicht das größte Beispiel dafür. Jemand, der – wie charmant er manchmal auch gewesen sein konnte – nur ein destruktiver Kriegstreiber war, vermarktet als Vorbild, das nach Flaggen auf Halbmast schreit. Es ist ein Beweis für die Existenz des Deep State, bei dem es sich im Wesentlichen um eine lose Seilschaft aus Leuten handelt, die dirigistische Werte teilen. Wenn einer ihrer Frontleute abschmiert, schließen sie ihre Reihen und arbeiten daran, ihn großartig und gut aussehen zu lassen. Sie wollen die Zuschauer davon überzeugen, daß – wie im Falle des kanonisierten McCain – Mitglieder des Deep State im Grunde supertoll sind. 

Justin: Ich glaube, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich weiß nicht, ob du die Geschichte mit George W. Bush mitbekommen hast, der Michelle Obama auf der Trauerfeier für McCain Süßigkeiten überreichte. Die Leute sagten Dinge wie „Och, das wärmt aber mein Herz“ oder „Welch eine süße Geste.“

Und ich sage nicht, daß die Leute nicht so empfinden sollten. Aber es ist doch interessant, wie die Wahrnehmung der Öffentlichkeit sich gegenüber bestimmten politischen Figuren so schnell verändert. Ich meine, die Mainstreammedien sehen George W. Bush als eine Art niedliche Großvaterfigur oder Heiligen. Alle scheinen schnell die ganzen schrecklichen Dinge vergessen zu haben, die er in seiner Amtszeit tat.

Doug: Nun, die meisten dieser politischen Gestalten haben ein paar ausgleichende Eigenschaften. Hitler, Stalin und Mao hatten alle einige ansprechende Merkmale. Deshalb gelangten sie ja auch in solche Positionen. Sie hatten durchaus ein paar Tugenden und konnten auf persönlicher Ebene charmant sein. Aber das ist unwichtig, wenn man einen Politiker vor sich hat. Wichtig sind die Auswirkungen auf die Welt. 

Und ich würde sagen, daß McCain aus Sicht der Wirtschaft, aus dem Blickwinkel individueller Freiheit und unter Gesichtspunkte des internationalen Friedens ein Totalschaden war. 

Wir sollten alle ganz einfach dankbar sein, daß er nie Präsident wurde. 

Justin: Danke, Doug. Guter Stoff, wie immer. 

Doug: Keine Ursache. 

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