Dokumentenmäppchen: Der Briefwechsel zwischen G.W. Snyder und George Washington über Illuminaten und Jakobiner

Der Briefwechsel zwischen G.W. Synder und George Washington

 An George Washington von G.W. Snyder, 22. August 1798

 von G.W. Snyder

 Frederick-Town (Maryland), 22. August 1798

„Sir,

Sie werden es, hoffe ich, nicht als Anmaßung eines Fremden empfinden, dessen Name wahrscheinlich nie ihr Ohr erreichte, wenn er sich selbst an den kommandieren General einer großen Nation wnedet. Ich bin Deutscher, geboren und freiheitlich erzogen in der Stadt Heydelberg, in der Pfalz am Rhein. Ich kam 1776 in dieses Land und fühlte bald nach meiner Ankunft eine enge Verbundenheit zu der Freiheit, für die diese konföderierten Staaten damals kämpften.

Dieselbe Verbundenheit glüht nicht nur, sondern brennt immer nich in meiner Brust. Zur selben Zeit, da ich unter den Maßnahmen, die von unserer Regierung übernommen wurden, frohlocke, fühle ich mich erhaben in der Vorstellung meiner Wahlheimat. Ich bin sowohl der Blüte der Erziehung sowie der reifen Forschung und Suche zugetan wie den simplen Doktrinen des Christentums, die öffentlich zu lehren ich die Ehre habe; und ich verachte mit ganzem Herzen die Nörgler des Unglaubens. Unsere gegenwärtige Zeit, die mit den schockierendsten Übeln und Unglücken schwanger geht, droht unsere Freiheit und unsere Regierung zu ruinieren. Im Geheimen sind die verborgensten Pläne in Aktion: Pläne, die darauf ausgelegt sind, die Unachtsamen einzulullen, die Frechen und Irreligiösen anzuziehen und sogar die am besten Aufgestellten zu ködern, sich zusammenzuschließen in einer allgemeinen Maschine zum Sturze aller Regierungen und aller Religionen.

Es ist schon etwas her, da ein Buch miz dem Titel „Beweise für eine Verschwörung usw.“ von John Robinson in die Hände fiel, das „eine volle Beschreibung einer Gesellschaft von Freimaurern“ liefert, die sich selbst den Namen „Illuminaten“ gaben und deren Plan darin besteht, sämtliche Regierungen und Religionen umzuwerfen, sogar natürliche; und die es darauf anlegen, jede Vorstellung eines höheren Wesens auszulöschen und den Menschen vom Tier nur durch seine Form zu scheiden.

Mir kam der Gedanke, daß manche in den Logen der Vereinigten Staaten sich die Infektion zugezogen haben und mit den Illuminaten oder dem Jakobinerclub in Frankreich kooperieren könnten. Fauchet wird von Robinson als begeisterter Anhänger erwähnt: und wer kann daran zweifeln, daß für Genet und Adet dasselbe gilt? Haben sie nicht ihre Getreuen in diesem Land? Sie benutzen dieselben Ausdrücke und sind generell keine religiösen Menschen. Nach reiflicher Überlegung gelangte ich zum Schluß, daß es vielleicht in Ihrer Macht liegt, den schrecklichen Plan davon abzuhalten, die Brüder der englischen Loge zu korrumpieren, der Sie vorsitzen.

Ich schicke Ihnen »Beweise für eine Verschwörung usw.«, das, daran habe ich keinen Zweifel, Sie zufriedenstellen und Ihnen eine ganze Reihe von Ideen liefern wird, die sich zugunsten des Glückes unseres Landes auswirken könnten.

Sollten Sie das Buch bereits durchgesehen haben, vertraue ich darauf, daß mein vorliegender Brief und das beigefügte Buch nicht Ihren Widerwillen erweckten. Er entspringt der Aufrichtigkeit meines Herzens und meinen glühenden Wünschen für das Beste des Allgemeinwohls.

Möge der oberste Herrscher aller Dinge Sie uns in diesen gefährlichen Zeiten lange erhalten: möge er Sie mit der Stärke und Weisheit ausstatten, unser Land aus den bedrohlichen Stürmen und sich zusammenbrauenden Wolken der Fraktionen und Unruhen zu erretten! Und wenn Sie seine Arbeit auf diesem irdischen Fleckchen verrichtet haben, möge er Sie mit der glorreichen Freiheit der Kinder Gottes segnen – dies ist der Wunsch Ihres sehr bescheidenen und hingebungsvollen Dieners,

G.W. Snyder“

Im Mai dieses Jahres veröffentlichte Snyder in Philadelphia eine Schrift mit dem Titel „Das Zeitalter der ungebührlichen Vernunft; oder die Dummheit, offenbarte Religion abzulehnen.“ [„The Age of Reason Unreasonable; or the Folly of Rejecting Revealed Religion“].

John Robinsons „Beweise für eine Verschwörung gegen alle Religionen und Regierungen Europas“, veröffentlicht in Philadelphia im Jahre 1798, befand sich zum Zeitpunkt seines Todes in der Bibliothek George Washingtons. Dieser Brief von Snyder löste eine Briefgestöber zwischen ihm und Snyder aus. Am 25. September erwiderte George Washington:

„Sir,

ich bitte Sie vielmals um Entschuldigung, mich nicht für den Empfang Ihrer hilfsbereiten Gunst vom 22. bedankt zu haben, und früher auch nicht für das Buch, das mir zu schicken Sie die Güte hatten.

Ich habe viel vom schändlichen und gefährlichen Plan sowie den Doktrinen der Illuminaten gehört, bekam das Buch aber nie zu Gesicht, bis Sie es mir dankbarerweise schickten. Dieselben Gründe, die mich von einer Danksagung für den Empfang Ihres Briefes abhielten, hielten mich auch von der Lektüre des Buches ab; nämlich die Vielzahl der Angelegenheiten, die zuvor auf mir lasteten sowie der geschwächte Zustand, in dem ich mich danach befand, als ein schweres Fieber endlich verschwand. Was es mir erlaubt, nun etwas mehr hinzuzufügen als nur Dank für Ihre liebenswürdigen Grüße und wohlwollenden Gefühle, abgesehen von einem Fehler, dem Sie unterlagen, als Sie behaupteten, ich stünde den englischen Logen in diesem Land vor. Tatsächlich stehe ich gar keiner vor, auch war ich nie mehr als ein- oder zweimal in einer solchen im Zeitraum der letzten dreißig Jahre.

Ich glaube nichtsdestotrotz, daß keine der Logen in diesem Land mit den der Gesellschaft der Illuminaten zugeschriebenen Prinzipien kontaminiert sind. Respektvoll, Ihr gehorsamer, demütiger Diener: Washington.“

Da er von George Washington nichts hörte, schrieb Synder ihn am 1. Oktober aus Frederick-Town erneut an:

„Vor einigen Wochen schickte ich Ihnen einen Brief mit Robinsons Beweisen für eine Verschwörung, von dem ich hoffe, daß Sie ihn empfangen haben. Ich bin seitdem noch mehr überzeugt von der Vorstellungen, die ich Ihnen nahelegte bezüglich eines Ordens von Menschen, die sich in Deutschland Illuminaten nannten – Deutsche Union – Lesegesellschaften – und in Frankreich unter dem Namen des Jakobiner-Clubs, und das diese nun auch in den Vereinigten Staaten existieren. Mir kam außerdem der Gedanke, daß Sie in diese Richtung zielten, als Sie sich negativ über Treffen der demokratischen Gesellschaften aussprachen, die mir ein Zweig dieses Ordens zu sein schienen, obwohl viele Mitglieder vom Plan möglicherweise überhaupt nichts wußten. Diese Menschen hängen so sehr französischen Prinzipien an und zeigen alle Anzeichen des Jakobinismus.

Erst werfen sie alle religiösen Verbote ab, wodurch sie sich für die Ausführung jedes Aktes der Unmenschlichkeit bereit machen. Und es ist bemerkenswert, daß die meisten von ihnen tatsächlich alle religiösen Prinzipien verspotten.

Man sagt, daß die »Theodorus-Loge in Bayern berüchtigt war für die vielen dreisten und gefährlichen Sentimente gegenüber Religion und Politik, die in ihren Tiraden ausgestoßen wurden, und ihre Mitglieder für ihren Eifer, andere zu bekehren«; (kein Wunder, da sich der Orden anschickte, die Welt zu beherrschen.) Gibt es keine auffällige Ähnlichkeit zwischen ihrem Prozedere und dem der vielen Gesellschaften, die den Methoden unserer gegenwärtigen Regierung ablehnend gegenüberstehen? Sogar hier in diesem kleinen Ort ist die französische Fraktion sehr zahlreich – ihre Äußerungen ähneln denen der Blutigen Lutetia [Lutetia Parisiorum, oder Paris]: ihre Gefühle stehen in exaktem Einklang mit denen des Jakobiner-Clubs: ihre Herzen hecheln für Reisigbündel und Guillotinen. Das Fundament ihres Heiligtums ist mit Lügen ausgelegt, und jeder Stein der Superstruktur besteht aus Falschheit.

Sie sind strebsam darauf aus, Zwietracht zu stiften – öffentlichte Tugenden auszulöschen – die Schranken der Religion einzureißen – Atheismus zu etablieren und am Niedergang unserer bürgerlichen und religiösen Freiheit zu arbeiten. Sollten ihre perfiden Intrigen Erfolg haben (ich zittere schon vor dem bloßen Gedanken an die Konsequenzen), was würde aus unserem Columbia?“

[…]

Am 17. Oktober schrieb Snyder an George Washington:

„[…] Ich sollte sehr glücklich sein angesichts der guten Meinung Eurer Exzellenz, daß das ansteckende Gift des Illuminismus oder Jakobinismus dieses Land noch nicht erreicht hätte; doch wenn ich den anarchischen und aufrührerischen Geist bedenke, der sich in den Vereinigten Staaten seit der Ankunft der Herren Genet und Fauchet (der definitiv dem Orden angehört) zeigte und seine aufständischen Doktrinen propagierte, die der illuminierte Doktor aus Birmingham so leidenschaftlich zu stärken gedachte, muß ich gestehen, daß ich mich meines Verdachtes nicht erwehren kann: trotzdem vertraue ich darauf, daß der allwissende und omnipotente Herrscher des Universums den Verstand der Menschen dieser Vereinigten Staaten dergestalt zurechtlegen wird, daß wahre Religion und eine rechtschaffene Regierung die Privilegien dieser Nation bleiben werden! Ich kann nicht schließen, ohne Eurer Exzellenz bekannt zu machen, daß ich Auszüge aus »Robinsons Beweise für eine Verschwörung« angefertigt und diese solcherart zusammengestellt habe, um der Öffentlichkeit eine informierte Zusammenfassung des gefährlichen und bösartigen Planes der »Illuminaten oder Jakobiner« vorlegen zu können, und sie durch einige Anmerkungen davor zu warnen. Ich ließ sie in hiesiger »Bartgis’s Federal Gazette« veröffentlichten, aus der sie kopiert und der »Baltimore Federal Gazette« in der 9. Ausgabe eingefügt wurden. Ich schreibe unter dem Namen Cicero. Ob meine Bemühungen der Öffentlichkeit nutzen, kann nur die Zeit erweisen. Ich kann guten Gewissens behaupten, nicht schaden zu wollen. Sollte Eure Exzellenz die Muße haben, den Artikel durchzusehen, sähe ich es als besonderen Gefallen an, Eure Meinung darüber zu hören.“

George Washingtons Antwort vom 24. Oktober aus Mount Vernon brachte den Briefwechsel zum Abschluß:

„[…] mein einziges Motiv, Sie mit dem Empfang dieses Briefes zu belästigen, liegt in der Erklärung und Korrektur eines Fehlers, von dem ich glaube, daß die große Eile, unter der Briefe zu schreiben ich oftmals genötigt bin, Sie ihm anheim fallen ließ.

Es war nicht meine Absicht anzuzweifeln, daß die Doktrinen der Illuminaten und die Prinzipien des Jakobinismus sich nicht in den Vereinigten Staaten ausgebreitet haben. Im Gegenteil, niemand ist zufriedener mit dieser Tatsache, als ich es bin.

Die Vorstellung, die ich vermitteln wollte, war, daß ich nicht glaube, die Logen der Freimaurer in diesem Land hätten, als Gesellschaften, etwas unternommen, um die diabolischen Grundsätze ersterer zu propagieren oder die schändlichen Prinzipien letzterer (falls man sie überhaupt voneinander scheiden kann). Daß einige Individuen aus ihren Reihen dies getan haben mögen, und daß der Gründer, oder das Instrument, das daran arbeitete, demokratische Gesellschaften in den Vereinigten Staaten zu gründen,  diese Ziele gehabt haben mag – und tatsächlich eine Trennung des Volkes von seiner Regierung im Blick hatte, ist zu offensichtlich, um geleugnet zu werden.

Meine Tätigkeiten lassen mir nur wenig Muße, um Zeitungen oder Bücher jedweder Art zu lesen; das Lesen von Briefen und das Verfassen von Antworten nehmen viel meiner Zeit in Anspruch. Mit Respekt verbleibe ich als Ihr hörigster, demütigster Diener,

George Washington“

Quelle:

„To George Washington from G. W. Snyder, 22 August 1798“

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