Dr. Dialektik oder wie ich lernte, synthetische Lösungen für künstlich geschaffene Probleme zu lieben – Teil 1

Dr. Dialektik oder wie ich lernte, synthetische Lösungen für künstlich geschaffene Probleme zu lieben – Teil 1

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie gehören einer im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zahlenmäßig verschwindend kleinen Gruppe an, die bestimmte (geo)politische Ziele verfolgt. Diese laufen darauf hinaus, Macht an sich zu reißen, Macht über Millionen, ja sogar Milliarden von „Serfs & Slaves“, „Dienern und Sklaven“, einer breiten Masse von Knechten, die möglichst immer das tun sollen, was Sie wollen.

Nun stellen Sie sich vor, Sie stünden vor dieser Masse, stolz exklamierend: „Hört mal zu, ihr Doofköppe, morgen früh ab acht Uhr hört ihr alle auf mein Kommando, damit das gleich mal klar ist. Widerspruch wird nicht geduldet! Ja gut, ein bisschen schon, aber nur in der Kneipe beim Stammtischgespräch, beim Einkaufen, im Kino, auf’m Fußballplatz, in euren Gärtchen beim sommerabendlichen Grillen mit Würsten & Bier, mir doch wurscht – da dürft ihr euch gerne auskotzen über »die da oben« – mehr aber auch nicht. Ansonsten haltet ihr bitte die Schnauze – eure Meinung interessiert uns eh nicht – und tut das, was uns gut tut. Capice?“ Was meinen Sie, wieviel Erfolg Sie mit dieser Vorgehensweise hätten? Eben: LOL.

So funktioniert es gewiß nicht. Also auf dem Wege einer direkten Konfrontation mit denjenigen, die Sie zu beherrschen, zu regieren, in die von Ihnen gewünschte Richtung zu lenken trachten. Sie werden sich also etwas Smarteres einfallen lassen müssen. Ansonsten würden Sie schon von der schieren Überzahl der Untertanen im Streitfall hoffnungslos überrannt. Keine Chance.

Also was tun? Es müssen „gute Gründe“ her. Dieses Vorgehen muß irgendwie legitimiert werden. Man muß es den Knechten schmackhaft machen. Ach, viel besser noch, hey, das ist ja mal genial: sie müssen es selber wollen. Was kann es denn Besseres geben als einen Knecht, der so denkt, wie ich es mir von ihm wünsche? Was könnte denn bitte formidabler sein, als ihn soweit zu bringen, meine Vorstellungen, wie die Welt gebunden und geführt werden sollte, für seine eigenen zu halten? 

Doch wie? Denn wie gesagt, mit physischer Gewalt, z.B. durch knallharten Zwang, mit Knüppelpolitik geht es nicht.

Nun heißen Eliten nicht umsonst so. Denn die nehmen ja nicht am „Dschungelcamp“ teil, wenn Sie verstehen. Sie heißen so, weil sie sich meistens durch überdurchschnittliche geistige Fähigkeiten auszeichnen. Was natürlich nicht ausschließt, daß diese Kapazitäten eventuell auch für Zwecke genutzt oder von anderen eingespannt werden, die nicht im Interesse der „breiten Masse“ liegen, deren Denken, Fühlen und Handeln in eine gewünschte Richtung „genudged“ werden soll, wie man neudeutsch sagen würde, also „geknufft“ oder „gestupst“ werden soll.

Aber woher, wird der geneigte Leser jetzt sicher fragen wollen, will der Autor eigentlich wissen, daß die Ziele auf Macht bzw. Machtkonzentration in wenigen elitären Händen lauten? Das ist ja zunächst mal nur irgendeine Behauptung. Vielleicht meinen sie es wirklich nur gut mit uns? Mal ganz zu schweigen davon, daß es in der Weltgeschichte schließlich schon immer Eliten gab, die nunmal befähigter sind als „der Durchschnitt“. Und irgendjemand „muß“ ja regieren. Ganz ohne Führung geht es nicht, sonst gäbe es nur Chaos, Anarchie, ein heilloses Durcheinander, dann wäre überhaupt kein geregeltes gesellschaftliches Miteinander mehr möglich; alles würde auseinanderfallen. Die soziale Ordnung wäre dahin.

Oder?

Gar keine einfache Frage. Denn zuvorderst wäre zu fragen: Ist der Mensch wirklich so „schlecht“, wie ihm – vor allem von machtelitärer Seite – gerne eingeredet wird, daß er ohne elitistische Anleitung in atavistisches, urtümliches, unzivilisiertes, barbarisches Sozialverhalten zurückfiele? Oder dienen solche Suggestionen manchmal nicht vielleicht auch dem Zweck, einfach nur Politiken bzw. Agenden umsetzen und den „Massen“ leichter schmackhaft machen zu können, die eher im Interesse derer liegen, die sie formulieren, als der Regierten?

Ihnen ist sicher schon aufgefallen, daß der Begriff des „Populismus“ in den letzten paar Jahren eine geradezu hyperinflationäre Verwendung fand. Jeder, der auch mal Partei für den sogenannten „kleinen Mann von der Straße“ ergreift, also für „das Volk“, wird gerne und schnell als „Populist“ gebrandmarkt – als wäre das eine per se negative Eigenschaft. Nur wo steht das geschrieben? Warum ist es angeblich immer schlecht, sich auch mal für die „einfachen Leute“ einzusetzen?

Und hat die Politik – ich beschränke mich jetzt mal willkürlich auf einen bestimmten Zeitraum – gerade der letzten zwanzig Jahre nicht eindeutig gezeigt, daß dem eben nicht immer so sein muß? Wurde nicht ein ums andere Mal einfach über die Interessen der Steuerwollepflücker hinwegregiert?

Sind die Klagen der „kleinen Leute“ wirklich so unberechtigt, die „denen da oben“ vorwerfen, über ihre Köpfe hinweg, an ihren Interessen vorbei und nur zugunsten des eigenen Machterhaltes sowie politischer Ziele zu regieren, Gesetze zu verabschieden und Agenden zu pflegen, die mehr oder weniger nur die herrschende Kaste schützen bzw. dieser dienen? Vor allem aber wäre zunächst mal zu klären: Wer genau sind denn nun „die da oben“?

Übrigens, das nur als kleiner Einschub: Jeder Politiker ist strenggenommen „Populist“. Denn will er gewählt werden, wird er seinen Wählern ja nun irgendetwas erzählen müssen, um ihre Stimmen zu gewinnen; er wird sie umgarnen, ihnen – in den meisten Fällen läuft es über diese Schiene – Versprechungen machen müssen, von deren angeblicher Umsetzung nach der Wahl sich die angesprochene Klientel  einen Vorteil erhofft. Da die großen „Volksparteien“ natürlich möglichst viele Stimmen brauchen, um – günstigstenfalls – die gewünschte Regierungsmehrheit zu erreichen, werden sie also die größtmögliche Klientel suchen. Ergo könnte man dieses Verhalten mit Fug und Recht als Populismus bezeichnen.

Um eine bestimmte Artikellänge nicht zu überschreiten – meiner Erfahrung nach werden sehr lange Texte nur ungerne gelesen – werde ich meine diesbezüglichen Erläuterungen in mehrere Teile aufspalten. Und möchte diesen ersten Teil deshalb auch schon beschließen – mit einem Zitat aus einem Buch, das von einem Herrn namens Edward Bernays verfaßt wurde, dem Neffen Sigmund Freuds. Bernays gilt als Erfinder der modernen Massenpropaganda und arbeitete unter anderem für das „U.S. Committee on Public Information“, CPI, dessen Aufgabe es war, den kriegsunwilligen Amerikanern den Eintritt in den Ersten Weltkrieg schmackhaft zu machen. Darin heißt es (Übersetzung aus dem Englischen und Hervorhebungen durch mich):

Die bewußte und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diese unsichtbaren Mechanismen der Gesellschaft beeinflussen, bilden eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Regierungsmacht unseres Landes darstellt. Wir werden beherrscht, unsere Denkweisen werden geschmiedet, unsere Geschmäcker geformt und unsere Ideen werden uns größtenteils suggeriert von Menschen, von denen wir noch nie gehört haben. Dies ist die logische Folge der Art und Weise, wie unsere demokatische Gesellschaft aufgebaut ist. Große Mengen an Menschen müssen in dieser Weise kooperieren, wollen sie in einer reibungslos funktionierenden Gesellschaft leben. Unsere unsichtbaren Führer sind sich in vielen Fällen der Identität ihrer Kollegen im inneren Kabinett nicht bewußt. Sie steuern uns durch ihre natürlichen Führungsqualitäten, ihrer Fähigkeit, notwendige Ideen zu liefern sowie durch ihre Schlüsselposition in der Sozialstruktur. Welche Meinung zu diesem Umstand man auch immer haben will, so bleibt es eine Tatsache, daß wir in fast jeder Handlung unseres täglichen Lebens – sei es in der Sphäre von Politik und Geschäft, in unserem Sozialverhalten oder ethischen Denken, von einer vergleichsweise kleinen Zahl von Personen dominiert werden – einer winzigen Gruppe innerhalb unserer Bevölkerung von ca. hundertzwanzig Millionen – die die geistigen Prozesse und sozialen Muster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden zur Kontrolle der öffentlichen Meinung ziehen, die sich alte soziale Kräfte nutzbar machen und neue Wege erdenken, die Welt zu binden und zu führen.“ (Edward Bernays, „Propaganda“, Horace Liveright, Inc., 1928, S. 9-10).

 

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