Dr. Dialektik oder wie ich lernte, synthetische Lösungen für künstlich geschaffene Probleme zu lieben – Teil 2

Dr. Dialektik oder wie ich lernte, synthetische Lösungen für künstlich geschaffene Probleme zu lieben – Teil 2

Wie Sie im ersten Teil erfahren haben, war Edward Bernays, Erfinder der modernen Massenpropaganda, der Ansicht, eine „bewußte und intelligente Manipulation“ des Denkens und Wollens der „Massen“ sei für das reibungslose Funktionieren einer „demokratischen Gesellschaft“ unabdingbar:

Die bewußte und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diese unsichtbaren Mechanismen der Gesellschaft beeinflussen, bilden eine unsichtbare Regierungwelche die wahre Regierungsmacht unseres Landes darstellt. Wir werden beherrscht, unsere Denkweisen werden geschmiedet, unsere Geschmäcker geformt und unsere Ideen werden uns größtenteils suggeriert von Menschen, von denen wir noch nie gehört haben.“ 

Wäre noch zu klären, was man eigentlich unter einer demokratischen Gesellschaft bzw. Demokratie verstehen soll. Gemeinhin lautet die Definition von Demokratie: „Alle Macht geht vom Volke aus“. Also Volksherrschaft. Die Bürger eines demokratischen Landes wählen Politiker, um ihre Interessen repräsentieren zu lassen. Es handele sich um „Staatsdiener“, die in ihrer täglichen Arbeit alles tun werden, um Schaden von den Repräsentierten abzuwenden und ihren Nutzen zu mehren, sowohl im Landesinneren als auch nach außen, also gegenüber den Volks-„Repräsentanten“ anderer Länder. Angeblich.

Wenn das die gültige Definition sein soll, dürfte sich mancher Leser gewiß schon am Kopf kratzen: Warum wurden die Steuerzahler dann nie befragt, wenn es um bestimmte Entscheidungen geht? Gab es zur Einführung des Euro z.B. jemals einen „Volksentscheid“? Wurden diejenigen, die solche Einsätze bezahlen dürfen, also die Bürger, je gefragt, ob sie sich eine Beteiligung der Bundeswehr an bestimmten Kriegen im Ausland wie z.B. im Irak, in Afghanisten, in Libyen, Mali oder Syrien tatsächlich wünschen? Hat die derzeit durch alle Munde gehende „Asylkrise“ eine demokratische Grundlage? Wurde sie „demokratisch“ abgesegnet? War das der Wunsch der „Masse“? Und wenn die Entscheidungsgrundlage der Politik tatsächlich demokratisch, also auf das Wollen und Wünschen dieser „Masse“ gegründet sein soll – wieso, wäre dann noch zu fragen, sperren sich so viele deutsche Politiker, also „Repräsentanten“ eben dieser Masse, gegen Volksentscheide? Wie, um nur eines der bekannteren Beispiele zu nennen, z.B. der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck?

„Bundespräsident Gauck lehnt Volksabstimmungen ab“, hieß es in einem Artikel der „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“, DWN, vom 24. Januar 2014. Und weiter hieß es – jetzt wird es schon etwas interessanter: „Bundespräsident Joachim Gauck findet Volksabstimmungen keine gute Idee. Er glaubt nicht, dass das Volk in der Lage sei, komplexe Entscheidungen so kompetent zu beurteilen wie die Parteien“. In einem Artikel der „Welt“ wurde der Herr Ex-Präsident wie folgt dazu zitiert: „Bei Volksentscheiden bin ich skeptisch“. Ebenso in anderen Blättchen.

Öhm … ja wie? Ach so ist das also? Mit anderen Worten sollen die „Volks“-Parteien also befähigter sein, beurteilen zu können, was gut für die „Repräsentierten“ ist, die „Masse“ der solcherart Umsorgten,  Umhegten und -pflegten, Regierten und Genudgden, Geführten und Angeleiteten, an der Hand Genommenen und dort, wo sie sind, Abgeholten? Soso. Sind wenige hundert Bundestagsabgeordnete  mit einem Kanzler oder einer Kanzlerin an der Spitze also alle schlauer, kompetenter, klar- und scharfsichtiger,  aufgeklärter, mündiger, entscheidungsfähiger? Tatsächlich? Eine durchaus streitbare Hypothese. Aber was genau ist das denn nun, „Demokratie“? Lassen Sie uns doch mal bei Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi nachlesen, dem „Vater der EU“, dem Begründer des „Paneuropäischen Gedankens“:

„Die Verfassungsform, die Feudalismus und Absolutismus ablöste, war demokratisch; die Herrschaftsform plutokratisch. Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht. […] Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer ist.“ (Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, „Praktischer Idealismus – Adel, Technik, Pazifismus“, Paneuropa-Verlag, 1925, S. 39. Hervorhebungen durch mich).

Nun könnte man behaupten, Kalergi habe diese erhellenden Äußerungen ja schon vor vielen Jahrzehnten geschrieben. Das war ja 1925. Langt ist’s her. Puh, betrifft uns Heutige also nicht mehr! Ich werde diese Frage an dieser Stelle nicht ausführlich beantworten, denn dazu wäre eine eigene Artikelreihe nötig. Es wurden schließlich schon ganze Bücher über die „Netzwerke der Macht“ geschrieben, die in „unserer“ „Demokratie“ tatsächlich die „Fäden ziehen“, weshalb die gewiß tröstliche, aber leider nicht durch die machtpolitische Realität gedeckte Annahme, seit Veröffentlichung von Kalergis Schrift habe sich diesbezüglich doch viel geändert, auf sehr wackeligen Füßen steht. Fakt ist: Auch heute noch gibt es eine Plutokratie oder, wenn Sie so wollen, Oligarchie, eine – im Bernay’schen Sinne – „unsichtbare Regierung“, die sich „uralte soziale Kräfte“ nutzbar macht, um die „Welt zu binden und zu führen“. Es läßt sich allerdings vorzüglich darüber streiten, ob sie wirklich unsichtbar ist. Denn eigentlich ist sie das nicht. Im Gegenteil: Wie man im Englischen sagen würde, ist sie „hidden in plain sight“, man hat sie direkt vor der Nase. Sie versteckt sich gar nicht. Problem ist nur: die Massenmedien berichten nie darüber. Und falls doch, handelt es sich – Sie erraten es sicher schon – um eine „Verschwörungstheorie“. So „unsichtbar“ wie Bernays behauptete, sind die federführenden Machteliten dieser Welt gar nicht …

Es ließen sich noch viele andere Zitate berühmter Persönlichkeiten aus der Geschichte anführen, um Bernays‘ „krude“ Behauptung der Existenz einer „unsichtbaren“ Regierung, eines „Staates im Staate“, eines „Tiefenstaates“, sozusagen, zu untermauern. Solche Begrifflichkeiten führen meiner Meinung nach allerdings in die Irre, denn es ist kein „tiefer“, sondern eigentlich „hoher“ Staat, da die Macht dieser Zirkel über die Entscheidungsreichweite der „Repräsentanten“ des Volkes hinausreicht. Zur Erinnerung nochmal Kalergi: „Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer ist.“ So ist es: die Politik ist ihr Werkzeug und Helfershelfer. Doch wie gesagt: der Staat steht eben nicht über ihr; beide kooperieren aufs Engste miteinander, beide liegen im selben Bett, und in vielen Fällen ist die Regierung bzw. der Staat nur ein Werkzeug, ein Mittel zum Regierungszweck, ein Tool, dessen man sich bedient. Aus einem ganz einfachen Grund: Weil man auf Regierungsebene Gesetze, also gesetztes Recht für die „Masse“ durchsetzen kann, also – ein ganz wichtiger Punkt – für alle Menschen im „Einzugsbereich“ des Regierungs-„Werkzeuges“. Es gibt einen anderen Terminus für diese Art der Kooperation: Korporatismus, also die enge Verflechtung von Großkapital/Schwerindustrie mit dem staatlichen Gewaltmonopol.

Eines der berühmtesten Zitate in dieser Richtung stammt von Woodrow Wilson, dem 28. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika:

„Seit ich Politiker bin, haben mir Männer ihre Ansichten hauptsächlich privat anvertraut. Einige der größten Männer in den USA auf dem Gebiet des Handels und der Industrie haben Angst vor jemandem, haben Angst vor irgendetwas. Sie wissen, daß es irgendwo eine Macht gibt, so organisiert, so geheimnisvoll und subtil, so wachsam, so vernetzt, so vollständig, so allgegenwärtig, daß sie besser nur im Flüsterton abfällig darüber sprechen. Sie wissen, daß Amerika nicht der Ort ist, von dem gesagt werden kann – wie das früher üblich war – hier könne ein Mann seinen eigenen Weg gehen und ihn so weit verfolgen, wie ihn seine Fähigkeiten tragen; denn heute existieren Organisationen, die, sollte er bestimmte Felder betreten, Mittel gegen ihn aufwenden werden, die ihn davon abhalten, ein Geschäft aufzuziehen, dessen Entstehung sie verhindern wollen; Organisationen, die dafür sorgen werden, daß ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird und die Märkte sich ihm verschließen. Denn sobald er an bestimmte Einzelhändler verkaufen wird, ja an alle Einzelhändler, wird das Monopol sich weigern, mit diesen Geschäfte zu machen, und diese Händler werden dann aus Angst die Waren des neuen Mannes nicht kaufen.“ (Woodrow Wilson, „The New Freedom“, Kapitel 1: „The Old Order Changeth“. Übersetzung und Hervorhebung durch mich).

Zum Abschluß dieses zweiten Teiles möchte ich noch einen amerikanischen Geschichtsprofessor namens Carroll Quigley zitieren:

„Zusätzlich zu diesen pragmatischen Zielen hatten die Kräfte des Finanzkapitalismus noch ein weiteres, weitreichenderes Ziel, nämlich nichts weniger, als ein weltweites System der finanziellen Kontrolle in privaten Händen zu erschaffen, dazu fähig, das politische System jedes Landes und die Weltwirtschaft als Ganzes zu dominieren. Dieses System sollte in feudalistischer Manier von den im Konzert agierenden Zentralbanken der Welt gesteuert werden, durch geheime Abkommen, die bei regelmäßigen und privaten Treffen und Konferenzen getroffen werden“, so Quigley. Aufgabe dieser Zentralbanken sei es, „das Ausmaß der wirtschaftlichen Aktivität im jeweiligen Land zu beeinflussen … […] In jedem Land basierte die Macht der Zentralbank weitestgehend auf ihrer Kontrolle der Kredit- und Geldströme. Im weltweiten Maßstab beruhte die Macht der Zentralbanker auf ihrer Kontrolle der Kredite sowie der Goldflüsse.“ (Carroll Quigley, „Tragedy and Hope“, , The Macmillan Company, New York 1966, S. 324. Übersetzung aus dem Englischen und Hervorhebungen durch mich).

Bei diesen „Zentralbankern“ handelt es sich übrigens um die auch von Kalergi angesprochenen Plutokraten, die den Staat bzw. eine Regierung  – nämlich durch Kreditvergabe, also Kontrolle über die umlaufende Geldmenge – wie ein Werkzeug zur Umsetzung ihrer Agenden schwingen.

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.