Einige Gedanken zum „längsten Bullenmarkt der Geschichte“ | Sovereign Man

Well, it happened. Yesterday the US stock market broke the all-time record for the longest bull market ever. This means that the US stock market has been generally rising for nearly a decade straight……

Quelle: Some thoughts on the ‘longest bull market ever’ | Sovereign Man

Artikel von Simon Black vom 23. August 2018. Übersetzung durch Axel B.C.
Krauss. 

Es geschah also. Gestern brach der US-Aktienmarkt den Allzeitrekord für den längsten jemals gemessenen Bullenmarkt. 

Das bedeutet, daß der US-Aktienmarkt im Allgemeinen für eine Dekade durchweg stieg … oder, um spezifischer zu werden, daß der Markt für 3.453 Tage ohne 20%ige Korrektur lief. 

Das ist ein ziemlicher Meilenstein. Und es ist kein Ende in Sicht. Es ist also möglich, daß der Markt für die absehbare Zukunft höher klettert. 

Aber wenn man mal einen Schritt zurücktritt und sich das Gesamtbild anschaut, gibt es eine Menge Dinge, wegen derer sich ein vernünftiger Mensch am Hinterkopf kratzt. 

Zum Beispiel steht der Russell 2000-Index (der sich aus kleineren Unternehmen zusammensetzt, deren Anteile in verschiedenen US-Börsen gelistet werden) gegenwärtig auf seinem Allzeithoch. 

Doch gleichzeitig – dem Wall Street Journal zufolge – werden volle 60 Prozent der Unternehmenskredite, die im Russell 2000 angeführt werden, als Junk eingestuft. 

Wie ist das überhaupt möglich – eine Schuldeneinstufung als Junk im Verbund mit einem Allzeithoch? Es ist, als würden Investoren sagen: „Nun, die Chance, daß diese Firmen ihre Schulden zurückzahlen werden, ist sehr gering … doch pfeif drauf, ich werde trotzdem einen Rekordpreis bezahlen, um die Aktien zu kaufen.“

Es ergibt keinen Sinn. 

Schaut man sich die größeren Unternehmen im „Land of the Free“ an (die den S&P 500-Index ausmachen), ist die gegenwärtige „CAPE Ratio“ die zweithöchste jemals gemessene. 

„CAPE“ steht für „Zyklisch berichtigte Preis/Einkommens-Rate“. Im Wesentlichen zeigt sie an, wie viel Investoren für Anteile eines Unternehmens zu zahlen bereit sind in Relation zu den durchschnittlichen Langzeit-Gewinnen der Firma.

Und im Augenblick sind Investoren bereit, das 33fache der Durchschnittsgewinne für das typische S&P-500-Unternehmen zu zahlen. 

Die mittlere CAPE-Rate – basierend auf Daten, die bis ins neunzehnte Jahrhundert zurückreichen, beträgt ca. 15.6.

Bei einem Stand von 33 bedeutet dies, daß Investoren buchstäblich mehr als das Doppelte für jeden Dollar der Langzeitgewinne eines Unternehmens bezahlen, mehr als jemals in der gesamten Geschichte des US-Marktes. 

Der Wert stand nur einmal höher – nämlich kurz bevor dem Aktiencrash 2000 (als die Dotcom-Blase platzte). 

33 ist höher als kurz vor der Krise von 2008. Es ist sogar höher als vor der Großen Depression. 

Zusätzlich zur CAPE-Rate ist die Price-to-Book-Rate der Durchschnittsfirma ebenfalls die höchste seit dem 2000er-Crash. 

Mit anderen Worten zahlen Investoren nicht nur einen nahezu rekordverdächtigen Betrag für jeden Dollar der Langzeit-Durschnittsgewinne eines Unternehmens, sie zahlen auch Rekordpreise für jeden Dollar der Netto-Vermögensposition einer Firma. 

Die Liste dieser rekordverdächtigen Raten ist schier endlos. Investoren zahlen also, um nur ein Beispiel zu nennen, eine geschichtsträchtige Price-to-Revenue-Rate … was bedeutet, daß Investoren niemals einen höheren Preis für jeden Dollar an Unternehmensgewinnen gezahlt haben … niemals

Das allgemeine Narrativ lautet, daß es der US-Wirtschaft superduper geht und dies auch für immer so bleiben wird bis zum Ende der Zeit. 

Ich stimme auf jeden Fall zu, daß die US-Wirtschaft an der Oberfläche derzeit viel Kraft hat. 

Ich frage mich jedoch nach den Langzeit-Effekten. 

Schauen Sie sich den US-Durchschnittskonsumenten an: trotz der ultraniedrigen Arbeitslosenrate in Amerika haben sich die Durchschnittseinkommen kaum von der Stelle gerührt. 

Pew Research veröffentlichte diesen Monat einen sehr guten Artikel, der zeigt, daß die Löhne der meisten US-Arbeiter seit Jahrzehnten stagnieren, sofern man sie inflationsbereinigt darstellt. 

Außerdem haben wir alle die Statistiken gesehen, wie wenig der durchschnittliche Amerikaner an Ersparnissen zur Seite gelegt hat. 

Daten, die von der Federal Reserve in ihrer „Survey of Consumer Finances“ erhoben wurden, zeigen, daß der durchschnittliche Kontostand gerade mal 2.900 Dollar beträgt. Und für diejenigen unter 35 Jahren beträgt er gerade mal 1.200. 

Alles in allem hat der durchschnittliche US-Konsument stagnierende Löhne, nur wenig Erspartes, so gut wie nichts für die Rente zurückgelegt, rekordverdächtige Kreditkartenschulden, dasselbe gilt für Studienkredite … und nun gibt es eine steigende Inflation. 

Ich bin also einfach nur neugierig, woher all diese Unternehmen ihre Langzeit-Gewinnsteigerungen hernehmen wollen. Wer wird ihre ganzen Produkte kaufen? Denn der US-Konsumer scheint ziemlich abgegriffen zu sein.

(Und wenn die Dinge zu Zeiten eines Booms schon so schlecht stehen, stellen Sie sich mal vor, wie es US-Konsumenten ergehen wird, wenn die Rezession wieder zuschlägt …)

Und abgesehen vom US-Konsumenten gibt es außerdem eine Menge Unternehmen, die sich noch tiefer verschulden. 

Ich schreibe oft über Netflix, das jedes Jahr Milliarden an Dollar Kredite aufnehmen muß, nur um sich über Wasser zu halten. 

Aber auch größere Firmen haben bizarre, kopfkratzverdächtige Probleme.

Coca Cola ist ein tolles Beispiel – eines der ältesten, stabilsten Unternehmen am US-Markt. 

Im Jahre 2006 verdiente Coca Cola über fünf Milliarden Dollar. Letztes Jahr waren es nur noch 1.3 Milliarden. 

2006 hatte Coca Cola 1.3 Milliarden Langzeitschulden. Letztes Jahr waren es 31 Milliarden. 

Dennoch steht der Aktienkurs der Firma auf einem Rekordwert, mehr als doppelt so hoch wie 2006. 

Welchen Sinn ergibt das? 

Darüber hinaus beträgt Coca Colas „Free Cash Flow Yield“ nun 2.8%. 

Das bedeutet, daß – nach allen Ausgaben, Berichtigungen und Investments – das Geschäft gerade genug Geld erzeugt, um Investoren eine Dividende zu zahlen, die 2.8% des derzeitigen Aktienpreises beträgt. 

Trotzdem lautet Coca Colas tatsächliche Dividende 3.4%. 

Wie ist es möglich, daß Coca Cola seinen Investoren mehr Geld bezahlt, als das Unternehmen verdient? Simpel. Sie verschulden sich einfach weiter. 

General Motors ist ein anderes Paradebeispiel: GM zahlt seinen Investoren eine Dividende von 4.1%. Und das ist superattraktiv. Trotzdem ist GMs Cash Flow tatsächlich negativ

Gegenwärtig wird sehr viel Nonsens dieser Art getrieben – Firmen verschulden sich immer weiter, um Dividenden zu zahlen und ihre Aktienpreise zu stützen, ungeachtet einer glanzlosen Geschäftsleistung. 

Aber nunja, um es nochmal zu wiederholen: Trotz der wachsenden Schulden (und des steigenden Niveaus an Junk-Krediten) sind Investoren immer noch bereit, ein rekordhohes Vielfaches für ihre Investments auszugeben. 

Das scheint mir nicht gerade ein geeigneter Weg, um Vermögen und Wohlstand zu erzeugen. 

1 Kommentar

  1. „Daten, die von der Federal Reserve in ihrer „Survey of Consumer Finances“ erhoben wurden, zeigen, daß der durchschnittliche Kontostand gerade mal 2.900 Dollar beträgt. Und für diejenigen unter 35 Jahren beträgt er gerade mal 1.200.“
    Sind da auch schon die Kontensalden der Bezos, der Gates, des Muckerzwergs und ähnlichen Vermögenden eingerechnet?

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