Erstmals ist im Opiumkrieg wieder Frieden möglich. Scheeen.

Erstmals in 17 Jahren zeigt sich, dass in Afghanistan Frieden möglich ist. Doch bis die Regierung und auch die Nato-Staaten am Ziel sind, gilt es noch einige schwierige Schritte zu gehen.

Quelle: Erstmals ist im Afghanistan-Konflikt Frieden möglich

Schön zu hören. Also, daß in denjenigem Land, in dem seit 17 Jahren um die höchsten Ausfuhrquoten der Welt für Rohopium gekämpft wird, u.a. mit deutscher Beteiligung, vielleicht doch noch Frieden und Liebe und so am Hindukush möglich sind. Scheeen. Wissen Sie, es ist mir ja schon lange zu doof, jedesmal, wenn die üblichen Geschichtsklitterungen und Fake News von den Mainstreammeistern der Postfaktizität ausgeschieden werden, regelmäßig das Kleinkunst- und Kabarettzentrum meines Hirns zu martern, was man sich dazu denn noch alles an Satirischem und Sarkastischem einfallen lassen könnte. Und da ich erst neulich zum Vernichtungskrieg in Libyen der Einfachheit halber ein Kapitel aus meinem Büchlein „Die Welt auf Kriegskurs“ rezitiert hatte, mache ich beim südasiatischen Binnenstaat jetzt dasselbe. Der Quatsch muß ja mal aufhören …


Rohstoffe in Afghanistan? Dann brauchen wir die Taliban!

„Die Liste an mineralischen Bodenschätzen liest sich wie die Wunschliste einer Industrienation. Lithium, Beryllium, Edelsteine, Seltene Erden, Kupfer, Molybdän, Gold, Niob, Blei, Zink, Öl, Gas und Kohle sind in Afghanistan bereits nachgewiesen. Weiterhin verfügt das Land im gesamten Osten über mehrere Milliarden Tonnen hochwertiges Eisenerz. Von Kabul bis Kandahar verläuft eine sehr reichhaltige Chromader. In Mittelafghanistan sind große Mengen an Bauxit nachgewiesen, dies ist ein Aluminiumerz. Marmor und Granit sind über den Osten und Mittelafghanistan verteilt. Öl und Gasvorkommen gibt es im Norden. Das Gesamtpotential an Öl-Ressourcen in Afghanistan wird auf 1,6 Mrd. Barrel und die Gas-Ressourcen auf 15690 Mrd. cf geschätzt“, hieß es in einem Bericht des „Institutes für Seltene Erden und Metalle“ vom 17. April 2012.

Und weiter (Hervorhebungen durch mich): „Das Kupfer, welches südöstlich von Kabul liegt, wird bereits von chinesischen Firmen im Detail geortet. Das Investitionsvolumen der Chinesen liegt bei US$ 5 Mrd., ein Produktionsbeginn ist für das Jahr 2014 geplant. In der Provinz Bamiyan befindet sich ein Weltklasse-Eisenvorkommen. Es sollen über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, die Bruttowertschöpfung dieses Vorkommens wird auf US$ 288 Mrd. geschätzt. Ausschreibungen laufen bereits. Es wurde weiterhin eine Eisenmine in Hajigak, eine Goldmine an den Ufern des Amu Darya, die Öl- und Gasförderung im Norden und einige Vorkommen von Kupfer und Molybdän projektiert. […] Es bleibt nun nur noch abzuwarten, wie sich die Situation mit den Taliban entwickelt. In letzter Zeit gab es immer wieder Anschläge dieser Gruppierung. Im Hinblick auf den allgemeinen Truppenrückzug aus Afghanistan, der in den nächsten Jahren erfolgen soll, bleibt das Land für Investitionen ein begehrtes, aber sehr heißes Eisen.“

Der Grund für meine Hervorhebung dürfte klar sein: Es geht in der Geostrategie der „American Primacy“, die im Abschnitt über Zbigniew Brzezinskis „Großes Schachbrett“ näher erläutert wurde, schließlich nicht nur um hegemoniale Ansprüche, sondern selbstverständlich auch um die Sicherstellung von Ressourcen, die für moderne Industrien unabdingbar sind. Dazu zählen natürlich nicht nur Öl oder Gas, sondern auch Mineralien, Erze und „Seltenen Erden“. Brezinski selber hatte als „geostrategischer Stichwortgeber“ für die politischen Machteliten Amerikas immer wieder betont, wie wichtig es sei, Russland und China nicht zu groß und stark werden zu lassen. Die US-Geopolitik der letzten Jahre verlagerte nicht zuletzt deshalb ihren Fokus zunehmend vom Atlantikraum hin zum Pazifik sowie zum Indischen Ozean, also in Richtung des chinesischen Konkurrenten, um im Wettlauf um den globalen „Mutterkuchen“ mithalten zu können. Die Führung in Peking macht freilich genau dasselbe: Sie sucht emsig nach neuen Rohstoffquellen für ihre hungrigen Industrien. Auch auf dem afrikanischen Kontinent war Peking in den letzten Jahren äußerst aktiv, was auch der Grund für die verstärkte Präsenz der Vereinigten Staaten auf dem afrikanischen Kontinent ist – wiederrum unter dem Vorwand der Bekämpfung des „Internationalen Terrorismus“. Wen soll es da noch überraschen, daß laut einem Artikel des „Focus“ vom 22. November 2014 Obama „weitere Militäreinsätze in Afghanistan“ genehmigt habe.

Und genau dasselbe galt für den 2001 begonnenen Krieg in Afghanistan. In einem lesenswerten Artikel der Webseite „FTM Daily“ (FTM: „Follow the Money“), die von Edelmetall-Investor Tom Cloud betrieben wird, schrieb Autor Jerry Robinson, der als „Austrian Economist“, also Ökonom der Österreichischen Schule ausgewiesen wird, unter dem Titel „The Petrodollar Wars: The War in Afghanistan and the New Great Game“ („Die Petrodollar-Kriege: Der Krieg in Afghanistan und das neue Große Spiel“):

„Am 7. Oktober 2001 setzte die Bush-Regierung die US-Kriegsmaschinerie in Richtung der schroffen Berge Afghanistans in Bewegung – unter dem Banner der Operation Enduring Freedom. Zur offiziellen Begründung der militärischen Aggression hieß es, es ginge um die »Befreiung« Afghanistans vom Terroristenetzwerk Al-Qaida, darum, Osama Bin Laden aufzuspüren sowie um die Zerschlagung des Taliban-Regimes. Innerhalb weniger Wochen hatte das US-Militär die meisten der Top-Taliban-Anführer in das benachbarte Pakistan vertrieben. […] Der Krieg in Afghanistan wurde zu Amerikas längstem Krieg und wirkte sich verheerend auf die Moral der Truppen aus. Über 20.000 Afghanen und 2.000 US-Soldaten starben in diesem elfjährigen Kampf. Ganz zu schweigen von der Zahl der Amputierten und anderer, die dauerhafte Verletzungen davontrugen. Die Zahl der US-Soldaten, die nun unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden (PTSD) [Post Traumatic Stress Disorder, d. Autor], schießt wie eine Rakete in die Höhe und tausende Veteranen warten auf ihre versprochenen Unterstützungsleistungen. […] Ich habe festgestellt, daß nur wenige Amerikaner wissen, warum Amerika immer noch in Afghanistan ist oder warum wir dort überhaupt einmarschierten. Manche denken, der Afghanistan-Krieg sei wichtig gewesen, um die »Terroristen, die hinter 9/11 stecken«, dingfest zu machen. Aber die offizielle Geschichte, die der politisch-mediale Komplex der amerikanischen Öffentlichkeit im Gefolge der tragischen Ereignisse von 9/11 servierte, warf mehr Fragen auf, als sie beantwortete. Innerhalb von zwei Wochen nach den Angriffen von 9/11 behauptete das FBI, eine Terrororganisation namens Al-Qaida sei dafür verantwortlich. Wie auch immer: Osama Bin Laden, der vorgebliche Anführer von Al-Qaida, wurde nie offiziell angeklagt für die Angriffe des 11. September. Bin Ladens »Most Wanted«-Poster, das vom FBI herausgegeben wurde, erwähnte nie seine Verwicklung in 9/11. Warum? Weil, wie der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des FBI, Rex Tomb, zugab, „der Grund dafür, warum 9/11 nicht auf Osama Bin Ladens Most Wanted-Steckbrief erwähnt wird, darin besteht, daß das FBI keine harten Beweise hat, die Bin Laden mit 9/11 in Verbindung bringen könnten.“

Persönliche Anmerkung zum Zeitpunkt des Wiederabdrucks des Kapitels (9. Juli 2018): Leider ist der Link zum Artikel heute tot, sonst hätte ich ihn selbstverständlich angegeben. Als ich das Buch schrieb, war er noch quicklebendig. Schon merkwürdig, wieviele Texte aus dem Internet in den letzten Jahren stillschweigend verschwanden, die den ganzen Lügendreck aus den Ritzen des offiziellen bzw. veröffentlichten Meinensollens kratzten.

Und weiter heißt es im Artikel:

„Während der Irak-Krieg offensichtlich dem Zweck diente, das amerikanische Petrodollar-System zu schützen, schien der Krieg in Afghanistan zumindest etwas gerechtfertigter zu sein. Warum? Weil es eine bekannte Tatsache war, daß Afghanistan Mitgliedern islamischer Terrorgruppen einen Hafen sowie Unterstützung bot. Allerdings wissen nur relativ wenige Amerikaner, daß die Vereinigten Staaten Milliarden von Dollar ausgegeben haben, um die afghanischen Mujahadin während der 1980er und 1990er zu finanzieren. Diese Gelder für afghanische Radikale und islamische Milizen erfolgten im Rahmen eines verdeckten CIA-Programms, bekannt als Operation Cyclone. […] Falls Ihnen die Operation Cyclone noch nicht bekannt ist, empfehle ich Ihnen wärmstens, sich mit diesem interessanten Abschnitt der US-Geschichte einmal auseinanderzusetzen. Diese extrem teure verdeckte CIA-Operation, die mit finanzieller Unterstützung Saudi-Arabiens koordiniert wurde, begann unter Präsident Jimmy Carter und wurde unter Präsident Ronald Reagan stark ausgeweitet. Die Finanzierung und Bewaffnung dieser islamischen Radikalen durch die CIA und die Saudis wurde später gerechtfertigt als Versuch, die sowjetische Armee während der Ära des Kalten Krieges zu demoralisieren und zu erodieren. Die Tatsache, daß die USA islamische Milizen bis an die Zähne bewaffnet und mit Milliardenbeträgen in zweistelliger Höhe ausgestattet haben – in Form sogenannter „Entwicklungshilfe“ -, ist offensichtlich ein peinlicher Abschnitt der US-Geschichte. Es läßt einen grübeln, wieviele US-Soldaten getötet oder verstümmelt wurden durch unsere eigenen Waffen in diesem jüngsten Krieg.“

Zur Geschichte der Taliban sowie der Terrorgruppe al-Qaida wußte auch Andreas von Bülow sehr Interessantes zu berichten. In seinem im Kapitel über 9/11 bereits erwähnten Buch „Die CIA und der 11. September“ heißt es dazu:

„Beim Aufbau der muslimischen Söldnertruppe zum Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan spielt nun Osama bin Laden, unterstützt mit Milliarden Dollar aus saudischen wie amerikanischen Geldtöpfen, seine Rolle als Werber und Vermittler besonders fundamentalistischer und in aller Regel nicht nur antisowjetisch, sondern auch antiwestlich eingestellter Kämpfer. Es waren die von Präsident Reagan und der gesamten westlichen Medienlandschaft als Freiheitskämpfer gefeierten Männer muslimischen Glaubens. […] Bin Laden hat rund 10.000 der insgesamt mindestens 30.000 Geheimdienstkämpfer aus über 40 islamischen Staaten des Mittleren Ostens, aus Nord- und Ostafrika sowie aus Zentralasien und dem Fernen Osten angworben und zur Ausbildung in Lager des pakistanischen Geheimdienstes, der CIA, aber auch in Militäreinrichtungen der USA vermittelt. Nach Aussagen des früheren Stationschefs der CIA in Pakistan gelang es bin Laden in den Jahren 1986 bis 1989, monatlich 20 bis 25 Millionen Dollar aus Saudi-Arabien und den arabischen Golfstaaten zur Finanzierung des Kriegs zu beschaffen. Das waren immerhin zusätzliche Mittel von jährlich 200 bis 300 Millionen Dollar. 1993 sollen die Zahlungen Saudi-Arabiens auf Drängen Washingtons eingestellt worden sein. Die Ausbildung der Söldner wurde in speziellen Lagern vorgenommen. Kommandozentralen, Lagerräume für Waffen und Munition sowie Rückzugsräume für die Kämpfer in den Bergen waren in unterirdischen Höhlensystemen angelegt, die von Osama bin Ladens Bauunternehmen mit Hilfe der CIA hergerichtet worden waren. Es ist die gleiche Infrastruktur, die jetzt noch von der Basis Al Kaida genutzt wird.“

  • Andreas von Bülow, „Die CIA und der 11. September – Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste“, Piper Verlag, München, 3. Auflage Oktober 2011, Kapitel 2, Seiten 41-42.

Und zu den Taliban erklärt er:

„Zur Zeit der Anschläge in den USA herrschten inzwischen die sogenannten Taliban über Afghanistan. Das Wort »Taliban« stammt aus dem Persischen. Taliban ist der Plural des arabischen Wortes »talib« und bedeutet »Schüler«. Es sind afghanische Schüler, die Ende der achtziger Jahre aus den afghanischen Flüchtlingslagern in Pakistans strenggläubige Koranschulen vermittelt worden waren. Dank der gemeinsamen Geheimdienstfinanzierung gelang es, in über 8000 der wie Pilze aus dem Boden schießenden Schulen eine Kadertruppe strenggläubiger, Pakistan dankbar verbundener Moslems zu schaffen. […] Die Herrschaft über Afghanistan konnten sich die Taliban wiederrum mit Unterstützung des amerikanisch-saudisch-pakistanischen Geheimdienstdreiecks erobern, als die siegreichen, durch die Gelder des Drogengeschäfts allzu unabhängig gewordenen Warlords der Mujaheddin das Land ins Chaos stürzten und sich plündern und vergewaltigend über die Bevölkerung hermachten. Um Ordnung im Lande zu schaffen, vertrieben die Taliban sogar den größten Warlod Afghanistans, den Liebling von CIA und ISI [pakistanischer Geheimdienst, d. Autor] im Kampf gegen die Sowjets, Hekmatyar, von der Macht. […] Nach dem Fall von Kabul begrüßte die amerikanische Ölgesellschaft Unocal die Taliban-Machtübernahme als positiv für sich und für Afghanistan. Unocal hatte noch vor dem Fall Kabuls in Verhandlungen mit den Taliban über eine Gasfernleitung gestanden, deren Trasse das westliche Afghanistan queren und Gas aus Turkmenistan nach Pakistan liefern sollte. Chris Taggart, stellvertretender Präsident von Unocal und zuständig für das Pipelineprojekt, hatte bereits vor dem Aufflammen der Kämpfe zu erkennen gegeben, daß er den Taliban Unterstützung zukommen lasse als Gegenleistung für deren Hilfe bei der Verwirklichung des zwei Milliarden Dollar schweren Projekts. […] Die CIA setzte wohl im Gegensatz zum State Department bis wenige Tage vor den Attentaten noch auf die Taliban als die das Pipelineprojekt sichernde Ordnungsmacht in Afghanistan. So konnte eine Delegation der Taliban noch im August 2001 in Florida Verhandlungen mit hochrangigen Vertretern von Unocal führen.“

  • ebda., Seiten 44-47

Hamid Karzai, Präsident Afghanistans von 2001 bis 2014, war übrigens Berater eben dieser Ölfirma »Unocal« sowie ein „CIA-Asset“, also ein – augenzwinkern ausgedrückt – »Schätzchen« des US-Auslandsgeheimdienstes. Die Webseite „Counterpunch“ schrieb dazu in einem Artikel vom 10. Januar 2002 („Bush, Enron, Unocal und die Taliban“):

„Die Verstrickung der Bush-Administration mit Enron beginnt sich zu entwirren, nachdem die Regierung nun zugab, daß Enron-Vorstandsmitglieder im letzten Jahr sechs Mal im Weißen Haus zu Gast waren, um im Geheimen die Energiepolitik der Regierung mit Vizepräsident Cheney zu diskutieren, bevor der in Texas ansässige Energiegigant zusammenbrach. Unterdessen braut sich noch mehr Ärger für unseren ehemaligen Texas-Ölmann-wird-Präsident zusammen, da Berichte enthüllen, daß Unocal, eine anderes großes Energieunternehmen, zusammen mit der US-Regierung mit den Taliban ins Bett geht – in einem großangelegten, fortgesetzten Versuch, Pipelines vom ölreichen Kaspischen Becken in Zentralasien durch Afghanistan zu legen.“

In einem Artikel vom 24. November 2001, veröffentlicht auf dem Portal des renommierten Heise-Verlags, nahm Autor Mathias Bröckers Bezug auf ein Buch der Geheimdienstexperten Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié („Bin Laden – La Vérité Interdite“). Er zitiert aus einer Besprechung des Buches durch Julio Godoy vom „Centre for Research on Globalisation“ (Hervorhebung durch mich):

„Die Autoren schreiben, dass es das Hauptziel der USA war, das Taliban-Regime zu konsolidieren und sich so den Zugang zu den zentralasiatischen Ölreserven zu sichern. Bis Anfang August 2001 sahen die USA die Taliban als »eine Quelle der Stabilität in Zentralasien, die den Bau einer Pipeline ermöglichen würde, die die Ölfelder Turkmenistans, Kasachtans und Usbekistans durch Afghanistan und Pakistan mit dem Indischen Ozean verbindet«. Bisher, so heißt es weiter, »wurden die Ölreserven Zentralasiens von Rußland kontrolliert. Das wollte die Bush-Regierung alles ändern«. Doch konfrontiert mit der Weigerung der Taliban, auf die US-Konditionen einzugehen, »wandelten sich«, so die Autoren, »die energiepolitischen Anstrengungen in militärische«. An einem bestimmten Punkt der Verhandlungen, so Brisard in einem Interview in Paris, »sagten die US-Vertreter den Taliban: Entweder ihr akzeptiert unser Angebot eines Teppichs aus Gold, oder wir begraben euch unter einem Teppich aus Bomben«.“

In einem Gastkommentar für die englische Zeitung „Guardian“ vom 6. September 2003 ging der ehemalige britische Umweltminister Michael Meacher mit dem „Krieg gegen den Terror“, den Plänen der Neocons für eine weltweite amerikanische Vorherrschaft und den Kriegen im Irak sowie in Afghanistan hart ins Gericht. Unter dem Titel „This war on terrorism is bogus“ („Dieser Krieg gegen den Terrorismus ist ein Schwindel“) schrieb er mit Blick auf die seit 9/11 zusammengetragenen Beweise, die gegen die offiziellen US-Regierungserklärungen in Sachen „Anti-Terror-Kampf“ sprechen:

„Keiner dieser angehäuften Beweise, die aus öffentlich zugänglichen Quellen stammen, verträgt sich mit der Idee eines echten, entschlossenen Krieges gegen den Terrorismus. Die Liste der Beweise paßt jedoch sehr gut, hält man sie gegen die Pläne des PNAC. Aus dieser Sicht scheint es, daß der sogenannte »Krieg gegen den Terrorismus« größtenteils als Deckmantel aus Lügen genutzt wird, um größere US-strategische, geopolitische Ziele zu erreichen. In der Tat deutete Tony Blair das sogar selber an, als er dem Commons Liason Committee sagte: »Um ehrlich zu sein, hätte ohne die Geschehnisse vom 11. September so gut wie keine Möglichkeit bestanden, die öffentliche Zustimmung für eine plötzliche Kampagne in Afghanistan zu bekommen« (Times, 17. Juli 2002). Analog dazu war Rumsfeld so entschlossen, eine Begründung für einen Angriff auf den Irak zu finden, daß er bei 10 verschiedenen Gelegenheiten die CIA darum bat, Beweise zu finden, die das Land mit 9/11 in Verbindung bringen; die CIA kam allerdings jedesmal mit leeren Händen zurück (Time Magazine, 13. Mai 2002). […] Ähnliche Beweise existieren mit Blick auf Afghanistan. Die BBC berichtete (am 18. September 2001), daß Niaz Niak, einem ehemaligen pakistanischen Außenminister, von leitenden amerikanischen Beamten bei einem Treffen in Berlin Mitte Juli 2001 mitgeteilt wurde, »Mitte Oktober« begännen »militärische Aktionen gegen Afghanistan«. Bis zum Juli 2001 betrachtete die US-Regierung die Taliban als Quelle der Stabilität in Zentralasien, die die Konstruktion von Pipelines von den Öl- und Gasfeldern in Turkmenistan, Uzbekistan und Kazachstan durch Afghanistan und Pakistan bis zum Indischen Ozean gewährleisten könne. Als die Taliban sich weigerten, die von den USA gestellten Bedingungen zu akzeptieren, antwortete man ihnen, »entweder ihr akzeptiert unser Angebot eines goldenen Teppichs, oder wir werden euch unter einem Bombenteppich begraben« (Inter Press Service, 15. November 2001).“

Leider gibt es auch einen Zusammenhang zwischen dem NATO-Einsatz in Afghanistan und der seit Kriegsbeginn in diesem südasiatischen Binnenstaat, der an Pakistan, China und den Iran grenzt, wieder stark gestiegenen Opium-Produktion, was in den Zitaten aus dem Buch von Bülows ja bereits anklang. In einem Artikel des „American Free Press Newspaper“ hieß es am 26. März 2014:

„Der Heroingebrauch ist quer durch die USA in die Höhe geschossen. Aber wie gelangten diese Drogen ins Land, und ist die CIA zu ihren alten Tricks zurückgekehrt, indem sie Drogengelder zur Finanzierung verdeckter Operationen verwendet? […] Der tragische Tod des Oscarpreisträgers Philip Seymour Hoffman, der an einer Überdosis verstarb, ließ das Interesse an der Frage wiedererwachen, wie das billige Heroin eigentlich auf Amerikas Straßen gelangt. Quer durch das ganze Land ist der Heroingebrauch wieder im Steigen begriffen, trotz der Milliarden von Dollar, die die Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten in die Drogenbekämpfung stecken. Kürzlich gab es im Südwesten von Pennsylvania 22 Fälle innerhalb einer Woche, die auf eine Überdosis mit verunreinigtem Heroin zurückzuführen sind; dutzende Süchtige wurden in Camdnen, New Jersey, hospitalisiert – aufgrund eines hochwirksamen Derivates, das auf den Straßen der Stadt verkauft wurde. Eine der großen Fragen, die von naiven Medien-Schwätzern gestellt wird, lautet: Woher kommt nur all dieses Heroin? Die Antort ist dieselbe, die schon vor einer Dekade gegeben wurde anläßlich einer CIA-geführten Invasion in Afghanistan: 75-80% des weltweiten Heroins wird aus Afghanistan exportiert. Trotz der Tatsache, daß das US-Militär einen großen Teil des bergigen Landes kontrolliert, erreichten die Produktionsausstöße letztes Jahr neue Rekordhöhen.“

Das in Wien ansässige Büro der UN für Drogen und Verbrechen, UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) gab dazu eine Studie heraus. Ein Sprecher des Büros bestätigte im Jahre 2013, daß die Opiumproduktion in Afghanistan auf rekordverdächtige Werte angestiegen sei. Am 1. April 2008 schrieb Andrew G. Marshall in einem Artikel für den „Geopolitical Monitor“ unter der Schlagzeile „Afghan Heroin & the CIA“:

„Wer profiitiert vom Drogenhandel? Wall Street und Großbanken. […] Der IMF berichtete, daß in den späten 1990ern der Anteil der Geldwäsche am globalen GDP [Gross Domestic Product, Bruttoinlandsprodukt; hier ist natürlich das globale Bruttosozialprodukt gemeint, d. Autor] 2-5% betrage, und ein großer Prozentsatz der 590 Milliarden bis 1.5 Billionen gewaschener Gelder »direkt mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht werden kann«. Dieser lukrative Handel mit Drogen erzeugt Profite, die in »zahlreichen ausländischen Banken in der Schweiz, in Luxemburg, den britischen Channel-Inseln, den Caymans und an etwa 50 anderen Orten rund um den Globus gewaschen werden«. Diese ausländischen Häfen würden »kontrolliert von großen westlichen Banken und Finanzinstitutionen«, die »großes Interesse daran haben, den Drogenhandel aufrecht zu erhalten und zu stützen«. Als Beispiel für das Interesse von Londoner und Wall Street-Bankiers am internationalen Drogenhandel werfen wir einmal einen Blick auf Kolumbien und die FARC-Rebellengruppe. Im Jahre »1999 reiste der Vorsitzende der NYSE [New York Stock Exchange], Dick Grasso, nach Kolumbien, um sich dort mit dem Anführer der FARC-Rebellen zu treffen, die das südliche Drittel des Landes kontrollieren. Grasso hatte die kolumbischen Rebellen darum gebeten, ihre Profite an der Wall Street anzulegen«. Associated Press berichtete, Grasso habe dem Rebellenführer gesagt, »halten Sie Frieden, dann können Sie große ökonomische Vorteile von globalen Investoren erwarten«, außerdem habe er ihn zu einem Besuch an der Wall Street eingeladen. Um Investitionen mit Drogengeld in westlichen Finanzinstitutionen zu ermöglichen, hätten »große Banken wie die Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley, Deutsche Bank sowie JPMorgan Chase sehr reichen Kunden private Dienste angeboten, ohne Fragen zu stellen«.“

Am 27. Oktober 2009 erschien ein Artikel in der „New York Times“, Titel: „Brother of Afghan Leader Said to Be Paid by CIA“ („Bruder des afghanischen Oberhauptes soll von der CIA bezahlt worden sein“). Darin hieß es:

„Ahmed Wali Karzai, der Bruder des afghanischen Präsidenten und ein Verdächtiger im blühenden, illegalen Opiumhandel des Landes, erhält heutigen und ehemaligen US-Regierungsbeamten zufolge regelmäßige Zahlungen von der Central Intelligence Agency. Der Dienst bezahlt Karzai für eine Brandbreite verschiedener Dienste, darunter auch für die Rekrutierung einer afghanischen paramilitärischen Einheit, die auf Anweisungen der CIA in und um die Stadt Kandahar operiert, der Heimat Karzais. Die finanziellen Verbindungen und engen Arbeitsbeziehungen zwischen dem Geheimdienst und Karzai werfen erhebliche Fragen hinsichtlich der amerikanischen Kriegsstrategie auf, die momentan vom Weißen Haus untersucht wird.“

Die genannten Quellen sollen genügen, um zu zeigen, daß es auch bei der wieder einmal in einen total cool klingenden Friedensglückskeks-Euphemismus gekleideten „Schutzmission“ – „International Security Assistance Force“, ISAF – in Afghanistan keineswegs nur um eine „Befreiung“ des Landes ging, auch nicht um die Bekämpfung der selbstgestrickten Terrorgruppe al-Qaida, ebenso wenig um die „Ergreifung“ ihres angeblichen Anführers Osama bin Laden – sondern um ganz andere handfeste Interessen, die sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen lassen:

  • Ein Land von zentraler geostrategischer Bedeutung in der „Zentraleurasischen Region“ als, wie Brzezinski sagen würde, „geopolitical pivot“, also als „geopolitischen Angelpunkt“ im Machtdreieck zwischen Russland, China, Pakistan und Indien unter Dach und Fach bringen zu können;
  • Einen Hafen für Waffenschiebereien und Terrorismus zu schaffen, gemäß der Strategie, „nötigenfalls“ – sollten Russland oder China neoimperiale Ambitionen zeigen und die Vormachtstellung Amerikas herausfordern – ehemalige Sowjetrepubliken im näheren Umfeld Russlands oder an der Grenze zu China destabilisieren und somit den Kreml oder Beijing in Atem halten zu können und mit einer Art „Sprenggürtel“ explosiver Konfliktzonen zu umgeben;
  • Ein Paradies für Drogenhandel zu schaffen, Gelder, die in großen Bankhäusern der Wall Street sowie der City of London gewaschen werden und aus denen die CIA teilweise ihre verdeckten, illegalen Operationen rund um den Globus finanziert;
  • Die in rauhen Mengen vorhandenen Rohstoffe des Landes nicht den größten Konkurrenten wie Russland, China oder Indien zu überlassen, sondern möglichst für die eigene Industrie zu sichern.

Und damit es nicht zu einseitig wird und Leitjournalisten keine Krokodilstränchen vergießen, soll hier natürlich auch gar nicht verschwiegen werden, daß die ISAF-Mission in Afghanistan ohne die tatkräftige Unterstützung des Kreml gar nicht möglich gewesen, zumindest aber sehr viel schwieriger verlaufen wäre. Denn es war Moskau – zusammen mit oligarchischen Regimen in zentralasiatischen Republiken wie Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan – das wichtige logistische Hilfe beim Transport von Truppen und Nachschub leistete. Wäre Putin wirklich der „Friedensfürst“ und angeblich unbestechliche Widerständler gegen die Kriege der von ihm stets so scharf kritisierten westlichen Polit-Eliten, vor allem Washingtons, als der er von manchen „Lichtgestalten“ der alternativen Medien gerne beworben wird, hätte er durchaus die Möglichkeit gehabt, ihnen diese Unterstützung zu verweigern. Es gibt übrigens auch Verbindungen der russischen Regierung zu den Drogenbaronen und „War Lords“ der sogenannten „Nord-Allianz“, die der Marionetten-Regierung Washingtons in Kabul, seinerzeit vertreten durch den CIA-Mann und ehemaligen Unocal-Berater Hamid Karzai, innenpolitisch den Rücken freihielt.

Man sollte außerdem nicht vergessen, daß Russland und China direkt nach den USA zu den größten Waffenproduzenten und -exporteuren in aller Herren Länder gehörenEinem Bericht des „Economist“ zufolge stehen fünf Länder ganz oben auf der Rangliste der größten Waffenlieferanten der Welt: Amerika, Russland, Deutschland, China und Frankreich. Und eines steht fest: Moskau und Peking werden den Teufel tun, als den globalen Kuchen einfach der US-geführten NATO zu überlassen. Hinter den Kulissen tobt ein geostrategisches Armdrücken – und selbstverständlich auch ein Propagandakrieg. Allerdings nicht nur von östlicher und asiatischer Seite, wie in den gleichgeschalteten deutschen Mähdien gerne geblökt wird – sondern selbstverständlich auch von westlicher. Aber keine Sorge, denn nun düsen wir nach Libyen. Dieses Mal kommt alles ganz anders! Jetzt wird alles besser! Ist der Despot Gaddafi erst einmal beseitigt, verwandelt sich die Welt in einen kandierten Kürbis. Versprochen!

Nachtrag des Autors vom 9. Juli 2018: In einem anderen Blogbeitrag hatte ich einen geostrategischen Fahrplan umrissen, der ausgerechnet durch NWO-Meisterstratege Zbiggy Brzezinski selber bei einer Senatsanhörung vom 1. Februar 2007 zu Protokoll gegeben wurde. Dabei ging es um eine „Einkreisungsstrategie“ mit Blick auf den Iran. Nun liegt Afghanistan an einer der „Flanken“ des Iran, nämlich der Ostflanke, während der Irak die Westflanke bildet. Verstehen Sie jetzt etwas besser, warum der Krieg in Afghanistan für so lange Zeit nicht nur nicht zur Ruhe kam, sondern auch gar nicht kommen sollte? Und warum fast dasselbe für den Irak galt?

Man wollte sich beide Flanken offenhalten für den seit langer Zeit geplanten Irankrieg. Vergessen Sie bitte nicht die berühmte „Sieben Länder in fünf Jahren“-Liste, die General a.D. Wesley Clarke einmal geleaked hatte: „Irak, Syrien, Libyen, Libanon, Sudan, Somalia – und zum Schluß der Iran“. Glücklicherweise dauerte es sehr viel länger als fünf Jahre, die halbe oder schlimmstenfalls ganze Welt in Brand zu stecken, denn im Falle eines Irankrieges würden Russland und China, die dort vitale Interessen haben, gewiß ein Wörtchen mitreden wollen; das Risiko eines Dritten Weltkrieges stiege.

So wie es bisher aussieht, scheint US-Präsidentenpuppe Donald Trump diesen Plan fortführen zu wollen, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß er kurz vor der Präsidentschaftswahl auf einer AIPAC-Zusammenkunft die Lüge verbreitete, der Iran unterhalte das „größte Terrornetzwerk der Welt“ und man werde sich „darum kümmern“: „And we’ll deal with it, I promise you that.“ Nun läßt sich zwar nicht bestreiten, daß Teheran in der Region des Nahen und Mittleren Ostens ebenso seine Interessen und seine verdeckten Finger hat wie andere Mächte auch, aber zu behaupten, das Land sei der größte Unterstützer des „Internationalen Terrorismus“, ist, mit einem unfeinen Wort: Bullshit. Denn der weltgrößte Financier nutzidiotischer Terror-Fußtruppen zur Durchsetzung geostrategischer Langfristinteressen ist immer noch Washington, D.C. – nachweislich, that is. Nein, keine „krude Theorie. Kein Wunder, ist man doch nach wie vor der weltgrößte Waffenexporteur – und irgendjemandem muß man den ganzen Krempel ja verticken …

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