Geschichtsklitterung: Mainstreamer haben wieder mal keinen Plan | ZEIT OFFLINE – Teil 1

Vor einem Jahr wurde der „Islamische Staat“ aus Mossul vertrieben, dann wurden die Menschen alleingelassen. Dabei müsste der Westen gerade jetzt auf den Irak schauen.

Quelle: Mossul: Nach den Bomben fehlt wieder einmal der Plan | ZEIT ONLINE

Hochverehrte Frau Backhaus, ich glaube, der „Westen“ hat jetzt wirklich lange genug auf den Irak geschaut auf Rüstungsprofite geschielt und geostrategische Agenden bedient. In Ihrem Artikel muten Sie Lesern ganz ernsthaft folgende Passage zu:

„Mit dem Krieg in Syrien war das so. Viele hörten erst von ihm, als Hunderttausende Menschen nach Europa flohen. Das war im Herbst 2015; der Krieg ging schon drei Jahre lang, Machthaber Assad hatte Tausende foltern oder umbringen lassen, viele Syrer waren bereits monate- oder jahrelang auf der Flucht. Doch in der europäischen Politik und Öffentlichkeit herrschte Aufruhr – so, als könne sich niemand erklären, woher all die verzweifelten Menschen kamen. Statt dafür zu sorgen, dass Assad und Putin aufhören, ganze Städte in Trümmer zu bomben, konzentrierte man sich auf die Frage, wie man die Flüchtlinge wieder loswird.“

Nun haben Sie nicht ganz Unrecht, wenn Sie schreiben, viele Menschen hätten erst seit Abfeuern der NWO-Migrationswaffe auf Europa (ganz im Kalergi’schen Sinne) vom Krieg in Syrien gehört; doch war dem ja nur deshalb so, weil besonders das Feigenblatt,  für das Sie schreiben, diesen ständig a) zu einem „Bürgerkrieg“ umlog, statt wahrheitsgemäß darüber zu berichten, wer diesen Krieg unbedingt wollte und warum und b) die nicht ganz unwesentliche Beteiligung eben jenes „Westens“ totschwiegen aus Versehen vergaßen, von dem Sie fälschlicherweise behaupten, er hätte keinen Plan.

Mithin ist der Versuch, diesbezüglich noch unterschiedliche ethische Ränge besetzen zu wollen, ein außerordentlich schlechter, makabrer Witz angesichts der Tatsache, daß es den dort beteiligten ausländischen Parteien, also vor allem Russland und Amerika, eher weniger um Frieden und Liebe und so geht, sondern – auf beiden Seiten – um knallharte geopolitische und auch wirtschaftliche (ressourcenlogistische und rüstungsprofitable) Interessen. Wie dem auch sei, so hat sich meine Wenigkeit hingegen etwas früher damit beschäftigt, nicht erst seit 2015. Auch wenn das Buch, aus dem ich gleich ausgiebig rezitieren werde, erst im Februar 2015 erschien …

Ich erspare mir mühseliges Neuverfassen langer Texte und – da es in Ihrem Elaborat ja vorwiegend um den Irak und Syrien geht – werde daher einfach die entsprechenden Kapitel aus meinem Buch „Die Welt auf Kriegskurs“ wiedergeben, in denen ich mich bereits ausführlich dazu ausgelassen hatte – inklusive einiger Ergänzungen, die im Buch nicht enthalten sind. Halten Sie davon, was immer Sie mögen. Es kann aber einfach nicht sein und hat mit „Qualitäts“-Journalismus rein gar nichts mehr zu tun, wenn ständig längst widerlegte Falschbehauptungen perpetuiert werden. Womit ich freilich nicht gesagt haben wollte, ich wäre im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit; aber was der Mainstream diesbezüglich absondert, ist nur noch eine einzige Katastrophe. Auf diese Art werden Leser nie zu einem besseren Verständnis gelangen; es ergibt nicht nur nicht den allergeringsten Sinn, sondern ist aus meiner Sicht schlicht unerträglich und auch unverantwortlich, sämtliche Erkenntnisse der jüngeren Geschichte zu den Hintergründen einfach weiterhin komplett zu ignorieren. Bei allem Respekt: Sie arbeiten für eine „führende deutsche Wochenzeitung“; machen Sie bitte ihren Job anständig.


„In Haigs Anwesenheit bezog sich Kissinger auf Soldaten demonstrativ als »törichte, dumme Tiere, die man wie Schachfiguren« für außenpolitische Zwecke einsetzen könne.“

Bob Woodward & Carl Bernstein, „The Final Days“, Kapitel 14, Seite 194 (Paperback-Version 1995)

Dauerkriegsgebiet Irak

Der von der sogenannten „Koalition der Willigen“ unter Führung der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreiches am 20. März 2003 begonnene Krieg im Irak sollte als eines der unrühmlichsten außenpolitischen Kapitel der anglo-amerikanischen Machtsphäre in die Geschichte eingehen. Und zwar nicht nur in den Augen garstiger „Anti-Amerikanisten; diese Erkenntnis ist längst auch in der offiziellen Geschichtsschreibung angekommen. Wenn sogar Wikipedia, das ansonsten stark dazu neigt, alle inoffiziellen Lesarten von Geschichte ratzfatz in die Seppel-Ecke zu stellen, in seinem Eintrag zum Irakkrieg unter Führung der Neocons schon offen schreibt, es habe sich um eine „völkerrechtswidrige Invasion“ gehandelt, kann sich auch der ergebendste Journalist der Atlantik-Informationslücke e.V. ruhig sämtliche Haare ausreißen: Sorry, da ist nichts mehr zu machen. Es war ein Angriffskrieg, einer, der unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geführt wurde, kurz: er basierte auf Lügen.

Da man im deutschen Journatolismus jedoch sehr gerne Geschichtsklitterung betreibt, obendrein um das recht kurzlebige Gedächtnis eines im Anderthalb-Minuten-Takt von unterschiedlichsten Informationen – oder Desinformationen – mikrofragmentierten „öffentlichen Bewußtseins“ weiß, das rund um die Uhr von minisalamischen Wissenshäppchen und komplexe Sachverhalte auf sensationalistische, simplizistische und mental retardierte Schlagzeilen herunterbrechenden Einzeilern stroboskopartig anästhisiert wird, ist es keine allzu große Überraschung, daß man heute natürlich vesucht, die Geschichte dieses Krieges kurzerhand umzulügen und scheinheilig zu fragen: Krieg? Welcher Krieg? Es ist kein Wunder, daß gerade im Zuge der lauter werdenden Kritik am radikalbellizistischen Kurs der Unleugbar Guten™, deren geostrategische Grundzüge im letzten Kapitel erläutert wurden, nun versucht wird, Spuren zu verwischen, Hintergründe von den Fluten des Atlantiks fortspülen zu lassen und gerade so getan wird, als sei das Chaos lediglich regionalen politischen und religiösen Spannungen geschuldet, keineswegs einer verlogenen militärischen Invasion sowie – siehe das Interview mit dem Vier-Sterne-General Wesley Clark auf den letzten Seiten des vorigen Kapitels – kontinuierlichen Versuchen, Länder wie den Irak und den Iran durch Unterstützung terroristischer Aktivitäten zu destabilisieren.

Wie sowas funktioniert und man ein Land auch nach Kriegs-„Ende“ weiter in Chaos hält und bestehende Konflikte weiter anheizt oder gar heraufbeschwört, zeigte u.a. eine Dokumentation der englischen BBC in Zusammenarbeit mit der Zeitung „Guardian“, Titel: „The Search for retired Colonel James Steele“ („Die Suche nach Colonel James Steele a.D.“). In einem Artikel des „Guardian“ vom 6. März 2013 hieß es dazu:

„Das Pentagon schickte einen US-Veteran für »Schmutzige Kriege« in Zentralamerika, um sektiererische Polizeikommandos zu leiten, die geheime Gefangenen- und Folterlager aufbauten, um Informationen aus Aufständischen zu pressen. Diese Einheiten verübten einige der schlimmsten Folterakte während der US-Besetzung und beschleunigten den Abstieg des Landes in einen intensiven Bürgerkrieg.

 

Colonel James Steele war ein 58jähriger, pensionierter Spezialkommando-Veteran, als er von Donald Rumsfeld dazu berufen wurde, paramilitärische Kräfte zu organisieren im Versuch, einen sunnitischen Aufstand zu ersticken, wie eine Untersuchung des »Guardian« und der »BBC Arabic« zeigt. Nachdem das Pentagon eine Sperre für schiitische Milizen aufhob, die es ihnen verbot, Sicherheitskräften beizutreten, setzten sich die Mitglieder des »Special Police Commando« (SPC) zunehmend aus gewalttätigen schiitischen Gruppen zusammen – wie z.B. den Badr-Brigaden.

 

Ein zweiter Spezialberater, der pensionierte Colonel James H. Coffman, arbeitete neben Steele in Gefangenenlagern, die mithilfe mehrerer Millionen US-Dollar errichtet wurden. Coffman erstatte direkt an General David Petraeus Bericht, der im Juni 2004 in den Irak geschickt wurde, um neue irakische Sicherheitskräfte zu organisieren und trainieren. Steele, der von 2003 bis 2005 im Irak weilte und 2006 dorthin noch einmal zurückkehrte, berichtete direkt an Rumsfeld. Die Vorwürfe von US-amerikanischen und irakischen Zeugen, die in der Dokumentation des Guardian und der BBC präsentiert werden, implizieren zum ersten Mal US-Berater im Zusammenhang mit Menschenrechtsverstößen, die von den Kommandos begangen werden. Es ist außerdem das erste Mal, daß Petraeus – der letzten November als Direktor der CIA wegen eines Sexskandals zurücktreten mußte – über einen Berater mit diesen Mißhandlungen in Verbindung gebracht wurde.Coffman berichtete Petraeus und beschrieb sich selbst in einem Interview mit der amerikanischen Militärzeitschrift »Stars and Stripes« als Petraeus‘ »Augen und Ohren am Boden« im Irak.

 

»Sie arbeiteten Hand in Hand«, sagte General Muntadher al-Samari, der mit Steele und Coffman ein Jahr lang kooperierte, um die Kommandos aufzubauen. »Ich sah sie niemals getrennt in den 40 oder 50 Begegnungen, die ich mit ihnen in den Gefangenenlagern hatte. Sie wußten alles, was dort vor sich geht … die Folter, die schrecklichsten Arten von Folter«. […] Kurz bevor Petraeus und Steele den Irak im September 2005 verließen, wurde Jabr al-Solagh zum neuen Innenminister ernannt. Unter Solagh, der den gewalttätigen Badr-Brigaden nahestand, nahmen die Vorwürfe bezüglich der von den Kommandos verübten Folter und Gewalt sprunghaft zu. Es wird außerdem weithin angenommen, daß die Einheiten sich zu Todeskommandos entwickelten. Wie der Guardian erfuhr, haben hochrangige Iraker, die mit den USA nach der Invasion zusammenarbeiteten, Petraeus vor den Konsequenzen einer Ernennung Solaghs gewarnt, jedoch wurden ihre Apelle ignoriert.

 

Die Langzeit-Auswirkungen der Finanzierung und Bewaffnung dieser paramilitärischen Kraft bestanden darin, eine tödliche sektiererische Miliz zu entfesseln, die die sunnitische Gemeinschaft terrorisierte und Keimzelle eines Bürgerkriegs war, der bereits mehrere zehntausend Leben forderte. Auf dem Höhepunkt dieses sektiererischen Konflikts waren die Straßen des Irak jeden Monat mit 3000 Leichen übersät.“

Es zeigt sich dabei – wieder einmal – ein Muster, das uns auch in Libyen und Syrien wieder begegnen wird: Nutze bereits bestehende Konflikte – egal welcher Art, ob nun politischer, religiöser oder territorialer Natur – und verschiebe bzw. verzerre die existierenden Machtverhältnisse dadurch, eine bestimmte Konfliktpartei gezielt zu fördern, zu bewaffnen, zu finanzieren und trainieren. Im Falle Colonel James Steeles, der direkt dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterstand sowie ihm und Vizepräsident Dick Cheney sowie General Petraeus Bericht erstattete, nutze man die schon seit langer Zeit schwelende und sich immer wieder in Gewalt entladende Antipathie zwischen Schiiten und Sunniten, um auch nach dem Ende des Krieges das Land unruhig zu halten, indem man eine schiitische Miliz aufbaute. Bestand diese – laut der Dokumentation der BBC und des Guardian – zunächst nur aus einigen hundert, später ca. 1500 Kämpfern, hatte sie einige Jahre später bereits eine Kampfstärke von über 10.000 Mann – so spaltet man erfolgreich ein Land, so verursacht man weiteres Chaos und Leiden, das man den Bürgern daheim mit ernster, seriöser präsidialer Miene vor laufender Kamera als „guten Grund“ für weitere „humanitäre Missionen“ verkaufen kann.

Doch werfen wir kurz einen Blick auf den Despoten, der in den Augen Bushs, Blairs, Cheneys und Rumsfelds unbedingt beseitigt werden mußte – Saddam Hussein. Denn auch hier lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen – um festzustellen, daß die Motive für diesen Krieg keineswegs in einem Wunsch nach mehr „Demokratie“ und „Freiheit“ für die Menschen des Irak zu suchen waren.

Dazu ein Auszug aus dem Buch „Out of the Ashes – the Resurrection of Saddam Hussein“ von Andrew und Patrick Cockburn, erschienen im Jahre 2000:

„Mit dem Tod des früheren CIA-Direktors Richard Helms liefern die Konzernmedien einen seltenen Einblick in die CIA-Praxis der »Politischen Attentate«. Unglücklicherweise ist die Berichterstattung stark bereinigt. Sie verschweigt mehr, als sie enthüllt. Im Gegensatz zu dem Eindruck, den die Konzernmedien zu erwecken versuchen, sind Attentate keine saubere, chirurgische Methode zur Beseitigung ganz bestimmter politischer Feinde. Sie sind nur ein kleines Element in einem größeren Verbund von Verbrechen, die von der CIA zur Ausführung eines Regimewechsels begangen werden. Die Realität ist, daß die CIA-Praxis der Attentate zur Liquidierung politischer Führer historische Verbindungen zu vielen anderen politischen Verbrechen aufweist, die möglicherweise noch viel schlimmer waren.

 

Wenn es zum Beispiel um die Planung, Koordinierung und Bewaffnung, das Training und die Finanzierung repressiver militärischer Coups geht, so wie die CIA sie viele Male durchführte, waren ihre Handlanger immer wieder in Massenverhaftungen, -folter und -mord verstrickt. Es ist ein hässliches Geschäft. Wie Kissinger einmal über den Verrat der CIA an irakischen Kurden sagte, sollten verdeckte Operationen nicht mit missionarischer Tätigkeit verwechselt werden. Obwohl 32 der 98 der neuesten Geschichten über Richard Helms (gefunden über eine Google-Suche) den Begriff »Attentat« erwähnen, geht keiner dieser Artikel auf die folgenden Begriffe ein, die für CIA-Operationen ebenso relevant sind: Folter, Mord, Verhaftung.

 

Nur 4 der 98 neuesten Berichte über Helms erwähnen den Begriff »Coup«. In einem Fall gebraucht ein Artikel den Terminus zur Lobpreisung Helms‘; er habe einen journalistischen Coup gelandet, als er Adolf Hitler im Jahre 1935 interviewte. Doch Helms‘ Kontakt zu Nazis hörte damit nicht auf (und fing wahrscheinlich auch nicht erst damit an). Helms arbeitete später eng mit General Reinhard Gehlen zusammen, den notorischen Nazi-Meisterspion, der von US-Geheimdiensten engagiert wurde, eine Organisation innerhalb der CIA aufzubauen. Die Gehlen-Organisation rekrutierte tausende von Nazis, um nach dem Krieg verdeckte Operationen in Osteuropa durchzuführen. Natürlich wird Gehlen in keiner einzigen der jüngsten Nachrichten über Helms erwähnt. Auch nicht die Tatsache, daß der OSS (die Vorgängerorganisation der CIA) [OSS, „Office of Strategic Services“, d. Autor] mit der SS eine Menge gemeinsam hatte.

 

[…] Ein weiteres sehr gutes Beispiel für einen von der CIA organisierten Regimewechsel war ein Coup im Jahre 1963, der sich politischer Attentate, Massenverhaftungen, Folter und Mord bediente. Es war derjenige militärische Coup, der Saddam Husseins geliebte Ba’ath-Partei im Irak an die Macht brachte. Zu dieser Zeit war Richard Helms Direktor des Planungsbüros der CIA. Das ist die Top-Position des Geheimdienstes bezüglich der Ausarbeitung verdeckter Operationen, wie z.B. der Organisierung von Coups. Helms diente in dieser Funktion bis 1966, als er zum Direktor ernannt wurde.

 

[…] Der Name des Anführers, der ermordet wurde, wird entweder Qasim, Qassim oder Kassem geschrieben. Unabhängig davon, wie man seinen Namen auch immer aussprechen will, zog er sicherlich Washingtons Aufmerksamkeit auf sich, als er in einem vom Volk unterstützten Coup im Jahre 1958 die Macht ergriff.

 

[…] Im Jahre 1959 mißglückte ein Attentatsversuch auf Qasim. Der gescheiterte Assasine war niemand geringerer als der junge Saddam Hussein. 1963 glückte ein von der CIA organisierter Coup, das Attentat auf Qasim war erfolgreich, Saddams Ba’ath-Partei kam zum ersten Mal an die Macht. Saddam kehrte aus seinem Exil in Ägypten zurück und übernahm eine Schlüsselstellung als Kopf des irakischen Geheimdienstes. Die CIA versorgte die neue, folgsame irakische Regierung mit den Namen tausender Kommunisten und anderer linker Aktivisten und Organisatoren. Tausende dieser Unterstützer Qasims und seiner Politik waren bald darauf tot – dank eines tobenden Massenmordes, ausgeführt von den engen Freunden der CIA im Irak.“

Dazu seien folgende Anmerkungen gemacht: Nicht nur die Vereinigten Staaten hatten im Irak ihre Finger im Spiel, auch die Sowjetunion mischte kräftig mit. Sie zählte zu den größten Waffenlieferanten des Irak – laut einem Papier der „Rand Corporation“Das „Investigate Magazine“ lieferte in einem Artikel mit dem Titel „Who armed Iraq?“ („Wer bewaffnete den Irak“) eine ausführlichere Gegendarstellung. Nachfolgend ein kurzer Auszug aus dem Text:

„Ein beliebter Mythos dieser Tage möchte Sie gerne glauben machen, Saddam Hussein sei eine Schöpfung der CIA gewesen, ein Strohmann des Westens, bis an die Zähne bewaffnet und von der Leine gelassen dank Amerika. Die Wahrheit ist, wie Ian Wishart zeigt, nicht ganz so einfach …

 

Nun, da die Kugeln fliegen: Wer kann als Saddam Husseins Lieferant von Massenvernichtungswaffen ausgemacht werden? Mit bitterer Ironie lautet die Antwort: Frankreich und Deutschland, inklusive einiger derselben europäischen Politiker, die sich so vehement gegen den US-geführten Krieg aussprachen. Es ist eine Geschichte massiver Wahlkampfspenden des Irak an französische und deutsche Politiker, zusammen mit viele Millionen Dollar schweren Verträgen über Waffenlieferungen und Infrakstruktur-Projekte. Es ist außerdem eine Geschichte über eine vergessene Ära der modernen Welt – den Kalten Krieg.

 

Während viele Bürger des Westens in der Lage waren, Amerika zahlreiche Vorwürfe zu machen wegen zwielichtiger Verbindungen zu Regimen wie dem im Irak in der Vergangenheit, stehen nur wenige dieser Vorwürfe im richtigen historischen Kontext.

 

Bis zum Jahre 1990, und durch die gesamten Sechziger, Siebziger und Achtziger, wurde die Sicherheit der Welt durch einen delikaten Balance-Akt zwischen zwei Supermächten definiert, den USA und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, UdSSR. Die kommunistische Sowjetunion war entschlossen, ihr politisches System in so viele Länder wie möglich zu exportieren, nötigenfalls mit Gewalt, und beide Supermächte steckten letzendlich hinter einer Reihe von geheimen und weniger geheimen Kriegen in einer Schlacht um die Kontrolle über Territorien sowie strategische Ressourcen wie Öl. Der Mittlere Osten – instabil und Heimat großer Teile dieses Öls – war ebenso eine Schachfigur in diesem Spiel der Supermächte wie z.B. der Suez-Kanal als Schlüssel-Transportweg, mit Gruppierungen auf beiden Seiten, die bereit waren, ihre Loyalität dem Meistbietenden zu verkaufen.“

[Persönliche, nicht im Buch enthaltene Anmerkung meinerseits: Die Rede von zwei „unterschiedlichen“ Machtblöcken, also in diesem Kontext den USA und der UdSSR, ist aus historiographischer Sicht hinfällig, da beide Seiten denselben Machteliten und Logenzirkeln unterstanden bzw. von ihnen geführt wurden. Zum Einstieg in diese Thematik möchte ich interessierten Lesern das Buch „The Best Enemy Money Can Buy“ von Antony C. Sutton empfehlen, was die finanzielle sowie rüstungstechnische „Päppelung“ der Sowjetunion durch „westliche“ (globalistische) Eliten betrifft; was die Logenhintergründe betrifft, greifen Sie bitte zu E.R. Carmins „Das Schwarze Reich“].

In Teil 2 geht’s weiter …

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