Geschichtsklitterung: Mainstreamer haben wieder mal keinen Plan | ZEIT OFFLINE – Teil 2

Dr. Udo Ulfkotte, Autor des Bestsellers „Gekaufte Journalisten“, veröffentlichte im Oktober 2014 auf seinem facebook-Profil ein Foto aus seinem Privatbesitz, das, so der bekannte Journalist und Publizist, einen vergasten iranischen Soldaten zeige.

Auch Ulfkotte behauptet, das Giftgas habe u.a. aus deutscher Produktion gestammt. Weitere Berichte dieser Art in internationalen Zeitungen folgten – in Deutschland hingegen herrschte wie immer weitestgehend Stillschweigen.

Bis zum Ende des Kalten Krieges konnte man also von einem (gewollten) geopolitischen Hauen und Stechen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten sprechen. Als das (nutzdialektische) Feindbild im Osten zur Transformierung der Welt jedoch wegfiel, mußte ein neues gefunden werden, um – wie wir im Kapitel über das „Project for a New American Century“ gesehen haben – den seitdem stetig sinkenden Ausgaben für den Verteidigungshaushalt bzw. den militärisch-industriellen Komplex Amerikas entgegenwirken zu können, was man in diesen Kreisen als äußerst bedrohlich für die globale Vorherrschaft der Vereinigte Staaten als „Einziger Supermacht“ empfand. Das war der Hauptgrund für die Entstehung des Phänomens des sogenannten „Internationalen Terrorismus“, der, auch das ist heute zweifelsfrei belegt, in seiner wohl bekanntesten Ausprägung weltweit, nämlich der Terrorgruppe al-Qaida, eine Schöpfung Brzezinskis und der CIA war, wie der Chef-Geostratege ja bereits selber freimütig zugab.

Auch über die Hilfestellungen Washingtons für den irakischen Diktator im Zuge der von ihm vom Zaun gebrochenen Kriege erschienen zahlreiche Berichte in den internationalen Medien. So zum Beispiel über die Unterstützung Husseins durch die CIA bei seinen Gasangriffen auf Iraner. In einem Artikel vom 26. August 2013 im „New York Magazine“ beispielsweise hieß es:

„Die Vereinigten Staaten scheinen sich wegen des angeblichen Einsatzes chemischer Waffen durch Präsident Bashar al-Assad auf eine militärische Aktion in Syrien zuzubewegen. Allerdings zeigt ein neuer Bericht, erschienen in »Foreign Policy«, daß die US-Regierung solche Taktiken nicht immer vehement ablehnte. Kürzlich freigegebenen CIA-Dokumenten sowie Interviews mit ehemaligen Geheimdienstoffizieren zufolge war die US-Regierung im Besitz von Beweisen, daß der Irak im Jahre 1983 chemische Waffen einsetzte, hielt diese jedoch gegenüber dem Iran zurück, als dessen Regierung sich vor den Vereinten Nationen darum bemühte, genau das zu beweisen. Schlimmer noch: Gegen Ende des Krieges gab man Informationen über die Positionen des iranischen Militärs an den Irak weiter, obwohl man wußte, daß dies wahrscheinlich zu einem chemischen Angriff führen würde. »Foreign Policy« zufolge sind die Enthüllungen «gleichbedeutend mit einem offiziellen amerikanischen Eingeständnis einer Mitschuld an einem der grausamsten Chemiewaffen-Angriffe, die jemals durchgeführt wurden«.

 

Lange bevor die US-Regierung entschied, beide Nationen als Teile einer »Achse des Bösen« zu deklarieren, zog man einen Sieg des Irak über den Iran vor, auch dann, wenn das bedeutete, in die andere Richtung zu schauen, als Saddam Hussein seine Feinde und auch seine eigenen Leute vergaste. Als der Irak 1983 begann, Senfgas einzusetzen, gab es zwar keine geheimdienstliche Kooperation zwischen der US-Regierung und Hussein, aber CIA-Berichte zeigen, daß führende Mitarbeiter der Reagan-Regierung über die Angriffe informiert wurden. Es wurde nichts unternommen, diese zu verhindern, obwohl US-Regierungsbeamte sowohl um die Bemühungen des Irak, solche Waffen herzustellen, als auch die Standorte der Chemiefabriken wußten. In einem CIA-Dokument hieß es, »wenn die Iraker große Mengen an Senfgas produzieren oder anderweitig in ihren Besitz gelangen, werden sie diese auch ganz gewiß entweder gegen iranische Truppen oder grenznahe Städte einsetzen«.“

Die Webseite des „Global Policy Forum“, GPF, bietet einen guten Überblick über die Strippenziehereien anglo-amerikaner Außen-, Geo- und Energiepolitik rund um Aufstieg und Fall des irakischen Despoten:

„US-Geheimdienste halfen Saddams Ba’ath-Partei bei ihrer Machtergreifung zum ersten Mal 1963. Indizien deuten darauf hin, daß Saddam schon 1959 auf der Gehaltsliste der CIA stand, als er an gescheiterten Attentatsversuchen auf den irakischen Machthaber Abd al-Karim Qassem teilnahm. In den 1980ern unterstützten die Vereinigten Staaten sowie England Saddam in seinem Krieg gegen den Iran, indem sie ihm Waffen lieferten, Geld, Daten aus der Satellitenaufklärung, ja sogar Grundstoffe für chemische und biologische Waffen. Ganze 90 US-Militärberater standen irakischen Truppen zur Seite und halfen ihnen bei der Auswahl von Zielen für irakische Luft- und Raketenangriffe.“

Auch die englische Zeitung „The Daily Mail“ berichtete darüber. In einem Artikel vom 26. August 2013 hieß es: „CIA ‚helped Saddam Hussein carry out chemical weapons attack on Iran‘ in 1988 under Ronald Reagan“ („CIA ‚half Saddam Hussein bei Chemieangriffen auf den Iran‘ 1988 unter Ronald Reagan“). Und weiter:

„Die USA gaben Aufklärungsdaten über die Positionen iranischer Truppen an den Irak weiter; auf Basis dieser Informationen setzte der Irak 1988 Senf- und Saringas ein; die Vereinigten Staaten unterstützten den Irak während des achtjährigen Krieges; bis zu 20.000 iranische Soldaten kamen bei den Einsätzen von Senf- und Nervengas ums Leben.“

Als Begründung für den unter den Neocons begonnenen Irakkrieg im Jahre 2003 wurde bekanntlich angegeben, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen sowie Verbindungen zur von Whistleblowern aus dem Militär und den Geheimdiensten bereits scherzhaft so genannten „al-CIAda“. Seitdem wird vor allem in den alternativen Medien immer wieder die leider nur teilweise richtige Behauptung wiederholt, beides hätte sich als Lüge herausgestellt. Teilweise deshalb, weil zwar tatsächlich keine Verbindungen der Regierung Husseins zu al-Qaida nachgewiesen werden konnten; was jedoch die Chemiewaffen betrifft, sollen diese durchaus existiert haben, aber von der Bush-Regierung vertuscht worden sein. Aber welchen Sinn ergäbe das? Erst behauptet man, der irakische Diktator verfüge über Chemiewaffen – der damalige US-Außenminister Colin Powell hielt vor der UN einen langen und breiten Vortrag darüber zur Rechtfertigung einer militärischen Intervention – dann stellte es sich angeblich als Lüge heraus, und wieder etwas später soll es doch welche gegeben haben? Warum dann aber die Existenz solcher WMDs verschleiern? Das waren doch die Beweise, die man so verzweifelt gesucht hatte!

Aus einem Artikel der englischen Zeitung „The Independent“ vom 15. Oktober 2014, Titel: „Iraq’s ‚hidden‘ chemical weapons: US ‚covered up‘ discovery of chemical weapons after 2003 invasion – with many are now in ISIS‘ hands“ („Die ‚versteckten‘ Chemiewaffen des Irak: Die USA vertuschten die Entdeckung chemischer Waffen nach der Invasion 2003 – viele davon befinden sich nun in den Händen von ISIS“:

„Das US-Militär hat Berichten zufolge die Entdeckung einer großen Zahl chemischer Waffen im Irak vertuscht – Bestände, die nun in den von ISIS kontrollierten Gebieten lagern. Laut einem Exposé, das heute in der New York Times veröffentlicht wurde, haben amerikanische Soldaten ungefähr 5000 mit Chemiewaffen bestückte Sprengköpfe oder Bomben nach der Invasion des Irak und der Beseitigung Saddam Husseins im Jahre 2003 gefunden. Zwischen 2004 und 2011 waren mindestens 17 US-Soldaten und sieben irakische Polizeibeamte Nerven-Kampfstoffen oder Senfgas-Chemikalien ausgesetzt, wurden aber vom Pentagon dazu ermuntert, jede Verletzung herunterzuspielen oder nur marginal darüber zu berichten, behauptete die Times. Details über die Lagerbestände irakischer Chemiewaffen kamen erst jetzt durch irakische sowie US-Regierungsbeamte, herausgegebene Geheimdokumente und Interviews mit Soldaten heraus, weil sie, so heißt es in dem Papier, die Regierung möglicherweise in Verlegenheit hätten bringen können.

 

Präsident George W. Bush führte Amerika in den Irakkrieg auf Basis von Annahmen, Saddam Hussein sei im Besitz frisch produzierter Massenvernichtungswaffen, Vorräte, die im Gefolge der Angriffe von 9/11 angewachsen seien. Und doch stammten alle Chemiewaffen, die von Soldaten gefunden wurden, aus der Zeit vor 1991, berichtete die Times. Sie bstanden vorwiegend aus 155-Millimeter Artilleriegeschossen oder 122-Millimeter Raketen – nicht entwickelt zur Massenvernichtung und hergestellt in den 1980ern während des Iran-Irak-Krieges. Der Times zufolge waren die Berichte dem Pentagon deshalb so peinlich, weil in fünf der sechs Fälle, in denen Soldaten durch Chemiewaffen verletzt wurden, die Munition offenbar »in den Vereinigten Staaten entwickelt, in Europa hergestellt und abgefüllt wurde in Produktionsstraßen, die westliche Unternehmen im Irak errichtet hatten«“

Wie hätte das denn auch ausgesehen, hätte der amerikanische Präsident erklären müssen, die tatsächlich vorgefundenen Chemiewaffen seien von Lastern mit amerikanischen und europäischen Kennzeichen gefallen; jedoch habe man den verantwortlichen Fahrern, die unter starkem Alkoholeinfluß standen, für ihren unverantwortlichen Schlingerkurs selbstverständlich fristlos gekündigt. Peinlich.

Weitere Berichte dieser Art über die Herkunft der Kampfstoffe sowie ihre Folgen für amerikanische Soldaten folgten, beispielsweise auf der Webseite des „Christian Science Monitor“ („US-Militär verweigerte Behandlung für Soldaten, die Chemiewaffen ausgesetzt waren“)99 oder des „Ron Paul Institute for Peace and Prosperity“ („Das wahre Geheimnis der Biowaffen des Irak“).

Doch kommen wir noch einmal zu den Motiven hinter dem „Zweiten Irakkrieg“ oder, wie er auch genannt wird, „Dritten Golfkrieg“ zurück. Die vermeintlichen Verbindungen Saddam Husseins zu al-Qaida erwiesen sich ja als Quietsche-Ente, und über die Existenz der Chemiewaffen wurde, wie wir gerade gesehen haben, schnell ein Mantel peinlich berührten Schweigens geworfen. Wir wissen ebenfalls, daß trotz der saudischen Pässe von 15 der 19 Attentäter des 11. September seltsamerweise nicht die saudische Regierung ins Visier genommen wurde, sondern sofort die irakische. Welche angebliche oder tatsächliche Bedrohung könnte denn nun tatsächlich dahintergesteckt haben?

Aus einem Artikel der Online-Zeitung „The Intelligence“, 26. August 2012, Titel: „Petrodollar: Ein Kernelement der Geld- und Kriegspolitik“:

„Was ist ein »Schurkenstaat«? Könnte es sein, dass diese Bezeichnung vorwiegend dann Verwendung findet, wenn die Regierung eines Landes beschließt, Öl gegen Euro statt gegen Dollar zu verkaufen? Nachdem es eine weltweite Leitwährung gibt, nämlich den US-Dollar, ist es auch für die Entwicklung des Euro von Bedeutung, wie es um diesen Dollar steht. Träumten manche Politiker ursprünglich vielleicht gar, der Euro könnte den Dollar als Leitwährung ablösen? Es gibt jedenfalls einige Fakten, deren Kenntnis zum Verständnis der höchst angespannten Weltlage von größter Bedeutung ist. Und dazu zählt der Petrodollar. […] Im Jahr 1971, unter Präsident Richard Nixon, wurde diese Goldgarantie ersatzlos aufgehoben. Trotzdem behielt der US-Dollar seine Funktion als Leitwährung bei. Wie war das möglich? Aufgrund der bis dahin gegebenen Golddeckung wurde der größte Teil aller internationalen Geschäfte in US-Dollar abgewickelt. Insbesondere im Rohstoffbereich. Die Frage war jedoch, wie lange diese Situation weiterbestehen würde, da es sich beim Dollar von nun an um keine gesicherte Währung mehr handelte? Eine ungedeckte Währung verfügt nur solange über Wert, solange Vertrauen in sie besteht. […] Bei Erdöl handelt es sich zweifellos um den weltweit bedeutendsten Rohstoff. 1960 schlossen sich die wichtigsten erdölexportierenden Länder zu einer Organisation, die als OPEC bekannt ist, zusammen. 1975, also vier Jahre nach Aufhebung der Golddeckung, erklärten sich alle OPEC-Staaten bereit, ihr Öl ausschließlich gegen US-Dollar zu verkaufen. Und damit war der Petrodollar geboren. Die ständige Nachfrage nach der US-Währung war gesichert. […] Auch wenn der Ölpreis in US-Dollar angegeben wird, sagt dies wenig über die direkten Geschäfte jenseits des Spotmarktes aus. Im Februar des Jahres 1991, zu der Zeit, als die Amerikaner zum ersten Mal den Irak bombardierten, verfasste der anerkannte Systemkritiker Noam Chomsky eine Analyse der Situation. Natürlich ging es in diesem Krieg nicht um die Befreiung Kuwaits und schon gar nicht um den Schutz der irakischen Zivilbevölkerung vor dem »bösen Diktator«. Es ging um die Kontrolle des Öls. Und diese Kontrolle besteht solange, solange es in US-amerikanischer Währung gehandelt wird. Trotz aller Sanktionen, trotz aller Drohungen, schien Saddam Hussein aber nicht locker zu lassen. Am 13. November 2000 erschien im Time-Magazine ein Artikel, der mit folgendem Satz begann: »Europas Traum, den Euro zur Konkurrenz des US-Dollars werden zu lassen, könnte von Saddam Hussein begünstigt werden.«“

Auszug aus dem im Artikel des „Intelligence“ erwähnten Berichtes des Time-Magazin, 13. November 2000:

„Europas Traum, den Euro als Konkurrenz zum US-Dollar zu etablieren, könnte von Saddam Hussein Auftrieb erhalten. Der Irak verlautbarte, er wolle sein Öl in Euros handeln, ungeachtet der Tatsache, daß die geplagte europäische Währung, die etwas mehr als einen Euro wert war, auf ca. 82 Cents fiel. Der Irak erklärte, daß man Dollars als Währung für Öl nicht mehr akzeptieren wird, da man nicht in der »Währung des Feindes« handeln wolle.“

»I rest my case«, wie man im US-Rechtssystem sagen würde – damit dürfte in der Tat sehr viel klarer geworden sein, warum man im Irak tatsächlich Krieg führte. Einem Artikel der Springer-Zeitung „Die Welt“ vom 4. Oktober 2010 zufolge sollen im Irak sehr viel größere Ölreserven liegen, als bis zu diesem Zeitpunkt vermutet wurde. Unter dem Titel „Neue Schätzung erklärt Irak zur Öl-Supermacht“ hieß es:

„Die irakischen Ölreserven sind offenbar deutlich größer als bislang angenommen. Je nach Berechnung liegt das Land nun weltweit auf Platz zwei“.

Und nun stellen Sie sich vor, die irakische Regierung wäre damit „durchgekommen“, das Öl des Landes nicht mehr in Dollar zu fakturieren, sondern nur noch gegen Euro. Gut, die Abkehr eines einzelnen Landes vom Petrodollar als weltweiter Ölhandelswährung Nr. 1 hätte vielleicht noch nicht das Ende der ungedeckten Federal Reserve-Fiatwährung bedeutet, aber darum ging es auch gar nicht. Entscheidend war hier, daß das Beispiel des Irak Schule hätte machen können. Und genau das wollte man verhindern. Es gibt im Englischen einen berühmten Spruch, eine Art Faustregel, wenn es um die Analyse großer Konflikte und Kriege geht: „Follow the money“, „Folge dem Geld“. Das galt erst recht für den zweiten Irakkrieg unter Führung der Neocons und ihres Präsidenten George W. Bush.

Fassen wir zum Abschluß des Kapitels über den Irak noch einmal schnell zusammen:

  • Im Jahre 1997 erklärte der Chef-Geostratege des Projektes der „Neuen Weltordnung“, über die auch Präsident George Herbert Walker Bush, George W.s Vater, ein Henry Kissinger und zahlreiche andere Mitglieder der amerikanischen Machtelite immer wieder sprachen und sprechen, in seinem Buch „The Grand Chessboard“ en detail die Geostrategie zur Ausdehnung und Absicherung der „American Primacy“, der globalen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten. Er hebt vor allem die von ihm so genannte „Zentraleurasische Region“ als in diesem Sinne eminent wichtiges geopolitisches Gebiet hervor, ein Gebiet, in dem auch der Irak liegt. In dieser Region, so Brzezinski, dürfe kein „dominanter geopolitischer Spieler“ entstehen, der die hegemonialen Machtansprüche der USA herausfordern könne. Außerdem liegen in dieser zentraleurasischen Region ganz beträchtliche Mengen an Rohstoffen wie Öl und Gas (nebst anderen Ressourcen, die vor allem für die moderne Elektronik- bzw. Halbleiter-Industrie von größter Bedeutung sind). Es sei dem Leser überlassen, sich auszurechnen, ob eine Verbindung bestehen könnte zwischen der Tatsache, daß Brzezinski von David Rockefeller aus dem Rockefeller-Öl-Imperium gefördert wurde und dem besonderen Augenmerk des Geostrategen auf Weltregionen, die förmlich durchtränkt sind vom Schwarzen Gold.
  • Drei Jahre später, im Jahre 2000, veröffentlichen die sogenannten Neocons ein Strategiepapier, in dem sie ihrer Sehnsucht nach Regimewechseln Ausdruck geben, vor allem im Irak, und beziehen sich dabei im Wesentlichen auf die von Brzezinski ausgearbeitete Geostrategie.
  • Dick Cheney, ehemaliger Chef von Halliburton, außerdem US-Vizepräsident von 2001 bis 2009, warnte eindringlich vor einem Phänomen namens „Peak Oil“: Die Erdölreserven, so Cheney, gingen allmählich zur Neige; wollten die USA nicht nur ihre militärische, sondern auch wirtschaftliche Vormachtstellung sichern, müßten neue Quellen erschlossen werden. Michael T. Klare, ein Professor für „Friedens- und Weltsicherheitsforschung“ am Hamsphire College, verfaßte im Rahmen des „Second Annual Meeting of the Association for Study of Peak Oil, Paris, France, 26-27 May 2003“ („Zweites Jahrestreffen der Vereinigung zur Untersuchung von Peak Oil, Paris, Frankreich, 26.-27. Mai 2003“) eine kleine Schrift zu dieser Thematik, die Sie hier herunterladen können. Titel: „The Bush/Cheney Energy Strategy: Implications for US-Foreign and Military Policy“ („Die Bush/Cheney Energie-Strategie: Implikationen für die amerikanische Außen- und Militärpolitik“). Darin heißt es übrigens wortwörtlich: „Another area that is viewed by the Bush Administration as a promising source of oil is West Africa“ („Ein anderes Gebiet, das von der Bush-Administration als vielversprechende Ölquelle betrachtet wird, ist Westafrika“). Wir werden im Kapitel über den Libyen-Krieg und die dahinterstehende AFRICOM-Strategie darauf zurückkommen.
  • Die irakische Regierung wollte das Öl des Landes nicht mehr in Dollar handeln, sondern in Euro. Dies hätte einen vielleicht nicht vernichtenden, auf jeden Fall aber schweren Schlag für den Status des US-Fiat-Geldes der Fed als Weltleitwährung bedeutet. Andere Regierungen hätten dem Beispiel folgen und sich ebenfalls in größerer Zahl vom Petrodollar abwenden können. Und das obendrein zu einer Zeit, da sich die Probleme des Dauerdruckens ungedeckter Papierzettel, massiv gefördert und ausgeweitet durch den in Fachkreisen als „Sir Printalot“ verspotteten Fed-Chef Alan Greenspan – ich nenne ihn auch gerne „Mister Paperspleenspan“ – bereits am volkswirtschaftlichen Horizont Amerikas abzeichneten. Von der Doofenpresse wurde nach dem Zusammenbruch der Lehmann-Bank im Jahre 2008 fälschlicherweise verbreitet, das habe niemand kommen sehen können. „Experten“ waren und sind seitdem ständig „überrascht“. Der weltweit bekannte, renommierte Trendforscher Gerald Celente sagte allerdings bereits in seinem „Trends Journal 2000“ voraus, die vom damaligen Präsidenten Bill Clinton (gesponsert von Goldman Sachs) auf Empfehlung seines Finanzministers Robert Rubin (Goldman Sachs) abgesegnete Abschaffung des „Glass-Steagall Acts“ (Trennbanken-System) sowie Alan Paperspleenspans sogenannte „Verbriefungs-Revolution“ (im Wesentlichen ein Hypothekenkredit-Schneeballsystem) könne über kurz oder lang nur zu massiven Verwerfungen im Finanzsystem bis hin zu einem möglichen Kollaps führen. Er war nicht der einzige.

Auch einige andere bekannte Köpfe aus der Finanz- und Investorenwelt warnten davor. Wenn kompetente Leute wie Celente, die zwar über exzellente Kontakte verfügen, aber nicht zur Welt der Entscheider „hinter den Kulissen“ gehören, das schon ahnen konnten – glauben Sie wirklich, die politischen und hochfinanziellen Eliten Amerikas wären völlig unbedarft und ahnungslos gewesen?

Dagegen spricht schon, daß es ausgerechnet Greenspan selber war, der nach den ersten schweren Problemen, die das von ihm propagierte Verbriefungs-System und die „Subprime-Kredite“ zeitigten – sog. „zweitklassige Kredite“, was bedeutete, das Darlehen massenhaft auch an Kunden vergeben wurden, von denen von vornherein klar war, daß sie bei der Rückzahlung große Schwierigkeiten haben würden -, monierte, dieses sei für die Allgemeinheit intellektuell wohl zu anspruchsvoll gewesen [siehe dazu F. William Engdahl, „Der Untergang des Dollar-Imperiums“, KOPP-Verlag, 1. Auflage 2009, Kapitel 12 („Der Todeskampf des Amerikanischen Jahrhunderts – Greenspans »Finanzrevolution« geht schief), Seite 370. Engdahl zitiert Greenspan dort mit folgenden Worten (Hervorhebung durch mich): „[…] Die Finanzinstrumente einer vergangenen Zeit, Stammaktien und Schuldtitel, wurden durch eine breite Palette komplexer hybrider Finanzprodukte ergänzt, die es ermöglichen, das Risiko zu isolieren; diese Instrumente übersteigen jedoch in vielen Fällen anscheinend den menschlichen Verstand“.]

Böse Verschwörungszungen vermuteten allerdings, Greenspans habe damit seinen Kumpanen der Wall Street leidglich ein Signal geben wollen nach dem Motto: „Pssst, Jungs – die Schleusen sind weit geöffnet, also zockt, was das Zeug hält. Das dumme Volk schnallt’s doch eh nicht“. Mit anderen Worten: Es blickte kaum jemand so recht durch, wie genau es eigentlich funktioniert. Abgesehen von seinen Erfindern, versteht sich – sie wußten sehr genau, worauf sie sich einließen, was ebenfalls durch Äußerungen des ehemaligen Fed-Chefs belegt ist. Nachfolgend zwei Quellen, um zu verdeutlichen, daß schon recht früh klar war, was auf die amerikanische Volkswirtschaft zurollte (Hervorhebung in Fettschrift durch mich):

„Nach Angaben des Verbandes der Hypothekenmakler für verantwortungsbewußte Kreditvergabe (Mortgage Brokers‘ Association for Responsible Lending), einer amerikanischen Verbraucherschutzgruppe, betrug der Anteil der »Lügenkredite« bis zum Jahre 2006 nicht weniger als 62 Prozent aller Hypotheken in den USA. Bei einer unabhängigen Stichprobe dieser Hypothekenkredite ohne wirklichen Einkommensnachweis (»stated-income mortgage loans«) in Virginia im Jahre 2006 stellten die Prüfer anhand der Unterlagen beim Finanzamt fest, daß bei fast 60 Prozent dieser Kredite die Einkommen um mehr als 50 Prozent übertrieben worden waren. Diese Kredite erwiesen sich nun als Bumerang. Die Welle von Ausfällen bei diesen Lügenkrediten, die jetzt die gesamten USA überrollt, stellt das Abfallproblem der Hühnerfarmen von Tyson Foods total in den Schatten. Nichts von alledem wäre möglich gewesen ohne die Verbriefung, ohne die volle Unterstützung der Fed unter Greenspan, ohne die Abschaffung des »Glass-Steagall Acts«, ohne die Monoline-Versicherungen, ohne die geheimen Absprachen der großen Ratingagenturen und ohne den Verkauf dieses Risikos durch die hypothekenausstellenden Banken an die Zeichner, die diese Papiere bündelten, bewerteten und versicherten, und zwar mit der Höchstnote AAA. Tatsächlich hat Greenspans »New-Finance-Revolution« buchstäblich die Schleusen für den Betrug auf allen Ebenen geöffnet: von den Hypothekenmaklern über die Kreditinstitute, die Verbriefungsbanken an der Wall Street und in der Londoner City bis hin zu den Ratingagenturen.“ (ebda, S. 390)

Hedgefonds-Manager Julian Robertson, der in Investoren-Kreisen als Legende gilt, gab dem amerikanischen Nachrichtensender CNBC („Consumer News and Business Channel“) im Jahre 2005 ein Interview. Gefragt, wie er denn die Entwicklung an den Finanzmärkten einschätze, sagte er kurzerhand einen totalen ökonomischen Zusammenbruch für das Jahr 2015 voraus. Nachfolgend ein Auszug aus einem Artikel der Webseite „Der Klare Blick“ vom 4. Februar 2014 (Hervorhebungen durch mich):

„Das folgende CNBC-Interview wurde im Mai 2005 geführt. Angesichts der aktuellen Lage scheinen die Aussagen jedoch brisanter und aktueller denn je. Robertson beendete seine Ausführungen, indem er sagte, daß »er hofft, nicht mehr am Leben zu sein, um das zu sehen, was kommt. Die Glücklichen sind diejenigen, die jetzt in meinem Alter sind«. Julian Robertson führte Tiger-Management, den größten Hedge-Fonds der Welt. Er managte die Robertson-Group of Fonds. Man nannte ihn an der Wall Street auch den »Never-Been-Wrong-Robertson«, da er nie falsch lag. Er hatte jeden Wirtschaftszyklus, jede Katastrophe, jeden Haussemarkt und jeden Baissemarkt vorausgesagt. Robertson sagte, daß er sehr beunruhigt sei wegen der spekulativen Blase am Häusermarkt und angesichts der Tatsache, daß mehr als 1/4 aller Ausgaben der Privathaushalte jetzt durch diese Blase gestützt werden, wodurch 20 Millionen Bürger ihre Häuser in einem Zusammenbruch dieser spekulativen Blase verlieren könnten, und daß die Fed sowie die Zentralbanken weltweit im Konzert aus der Verzweiflung heraus handeln würden, mit dem Ziel, die Weltwirtschaft durch Re-Inflationierung wiederaufzublasen, wobei eine in der Wirtschaftsgeschichte des Planeten nie dagewesene Inflationsspirale geschaffen wird. »Wo endet es?«, wurde Robertson gefragt, und er sagte, »vollständiger globaler Zusammenbruch«. Nicht einfach nur wirtschaftlicher Zusammenbruch, sondern vollständiger Zerfall der gesamten Infrakstruktur und aller öffentlichen Strukturen, auch der Regierungen. […] »In 10 Jahren, sagte er, wird, wer auch immer noch auf diesem Planeten am Leben ist, wieder effektiv von vorn anfangen müssen«. […] Julian Robertson macht das »Bush-Cheney-Regime«, wie er es nennt, für all das verantwortlich. Er sagt, daß »sie jetzt ihre Macht und ihr Geld auf diesem Planeten in das maximal mögliche Maß der Ausdehnung gebracht haben. Die Nettoliquidität der gesamten Welt, also der Netto-Free-Cash-Flow, befindet sich jetzt bereits im negativen Bereich. Der Planet sinkt nicht nur in ein Meer aus roter Tinte, er wurde bereits versenkt. Die Leute begreifen es aber derzeit noch nicht«.

 

Robertson sagt, daß »das Bush-Cheney-Regime die Nation auf den Übergang von der Demokratie zur Zwangsherrschaft vorbereitet, weil eine Diktatur notwendig sein wird, um in 5 Jahren die Nahrungsaufstände und den Wasseraufruhr zu kontrollieren«. Er sagte, »die Bundesregierung wird, mittels Patriot II-Gesetz, riesige Internierungslager bauen müssen, sozusagen innerhalb des Landes gelegene Exile, wahrscheinlich im mittleren oder hinteren Westen, wo das Land für die Unterbringung von potenziell 50 Millionen oder mehr Bürgern verfügbar ist, die sich im finanziellen Ruin befinden«. […] »Die Leute werden ihre US-amerikanischen Dollars in Schubkarren transportieren, wie einst in Deutschland«. […] Er sagte, daß »der amerikanische Verbraucher jetzt den Rest des Planeten unterstützt, da in allen anderen Nationen der Privatkonsum bis zu dem Punkt gefallen ist, an dem die Steuereinnahmen der Regierungen, die geschäftlichen Umsätze und die Industrien, die jene Staaten versorgen, jetzt netto im negativen Bereich liegen hinsichtlich des Gesamt-Schuldendienstes und der öffentlichen Kosten, und das praktisch in jeder Nation auf diesem Planeten«. Er sagte, »noch wichtiger, und ich überlege, wie wir das hier einbeziehen, beziehungsweise wie wir den Leuten erklären, in welchen außergewöhnlichen Zeiten wir leben, und wie der Grundstein für die Zerstörung des Planeten durch die Bushonian-Kabale in den Jahren 1980-1992 gelegt worden ist, und dann ab 2001 die wirtschaftliche Liquidität des Planeten effektiv zerstört hat«.“

Wie gesagt: Man muß man schon sehr naiv sein, zu glauben, außer ein paar wenigen Mahnern und Warnern wie Celente oder Robertson hätte das niemand ahnen können. Die anglo-amerikanische Machtelite konnte sich frühzeitig denken, wohin diese Entwicklung führen würde – war sie doch ihr Urheber. Niemand sollte glauben, man sei in diesen Kreisen absolut inkompetent oder völlig schimmerlos gewesen. Und dann sagt dieser kleine Frechling aus Baghdad dem Dollar auch noch den Kampf an! Oh mei. Das ja konnte nur Knatsch geben. Also worum ging es im zweiten Irakkrieg wirklich? Na sicher: Demokratie, Freiheit für Iraker, Weltfrieden. I rest my case.

In Teil 3 geht’s nach Syrien …

Schreibe einen Kommentar