Geschichtsklitterung: Mainstreamer haben wieder mal keinen Plan | ZEIT OFFLINE – Teil 4

Wie bereits erwähnt, erhielten auch die Rebellen in Syrien Unterstützung u.a. aus Saudi-Arabien, Qatar sowie von amerikanischer Seite. Am 8. März 2013 erschien im „Guardian“ ein entsprechender Artikel, Titel: „West training Syrian Rebels in Jordan“ („Der Westen trainiert syrische Rebellen in Jordanien“). Darin hieß es:

„Britische und französische Ausbilder sind beteiligt an anmerikanischen Anstrengungen, säkulare Elemente in Syriens Opposition zu stärken, sagen Quellen. Westliches Training syrischer Rebellen findet derzeit in Jordanien statt im Rahmen eines Versuches, säkulare Elemente als Bollwerk gegen islamischen Extremismus zu wappnen und Sicherheitskräfte auszubilden, die nach dem Sturz Baschar al-Assads die Ordnung aufrecht erhalten sollen. Jordanische Quellen behaupten, das Training fände unter Leitung der Vereinigten Staaten statt, allerdings sei auch britisches und französisches Personal beteiligt. Das englische Verteidigungsministerium dementierte, englische Soldaten seien direkt an militärischem Training der Rebellen beteiligt gewesen, obwohl eine kleine Zahl an Personal, inklusive Spezialkommandos, sich im Land aufhielt, um das jordanische Militär auszubilden.“

Die in alternativen Medienkreisen bekannte FBI-Whistleblowerin Sibel Edmonds konnte ob dieser Meldung nur mit den Schultern zucken:

„Ist das ein akkurater Bericht? Ist er richtig und glaubwürdig? Ja – definitiv. Allerdings ist das, was da berichtet und zur großen, schlagzeilenwürdigen Nachricht aufgebauscht wird, so muffig wie ein fünfzehn Monate alter, schimmeliger Laib Brot. Woher ich das weiß? Boiling Frogs Post [die Homepage von Sibel Edmonds, d. Autor] brachte diese Story bereits vor fünfzehn Monaten. Zusammen mit James Corbett kamen wir damit heraus – als einzige Nachrichtenquelle dieser Art, während wir ignoriert und in manchen Fällen vom Mainstream sowie Pseudo-Alternativen angegriffen wurden. Lassen Sie mich ganz klar machen, was wir vor fünfzehn Monaten berichtet haben, und nach dem Grund oder den Gründen fragen, warum der Mainstream und seine quasi-Ableger solange den Deckel darauf hielten. Dies war unser erster Bericht vom 11. Dezember 2011: »BFP exklusiv – Hunderte US-NATO-Soldaten treffen an der jordanisch-syrischen Grenze ein und beginnen Operationen. Ausländische Truppen verteilen sich in der Nähe von Dörfern um Al-Mafraq. Berichten aus erster Hand sowie Nachrichten mehrerer jordanischer Quellen zufolge trafen ausländische Truppen in geschätzter Zahl von mehreren hundert Individuen in den letzten Stunden in der Nähe von Dörfern um die nordjordanische Stadt »Al-Mafraq« ein, die an der jordanisch-syrischen Grenze liegt. Ein Offizier des jordanischen Militärs, der anonym bleiben wollte, sagte, hunderte Soldaten, die nicht Arabisch sprachen, seien in den letzten zwei Tagen in Militärfahrzeugen zwischen dem König Hussein-Luftwaffenstützpunkt von al-Mafraq (10 Kilometer von der syrischen Grenze) und Dörfern im syrischen Grenzgebiet gependelt, darunter Albaej (5 Kilometer von der Grenze), im Gebiet um den Damm von Sarhan sowie in den Dörfern Zubaydiah und al-Nahdah, ebenfalls in der Nähe der syrischen Grenze. Ein anderer Bericht einer Quelle in Amman identifizerte ein zusätzliches US-NATO-Kommandozentrum in »al-Houshah«, einem Dorf nahe al-Mafraq.“

Während einige Portale aus dem alternativen Medienbereich, die frühzeitig über solche und ähnliche Aktivitäten berichteten, sich wie gewohnt den Vorwurf gefallen lassen mußten, „anti-amerikanische Verschwörungstheorien“ zu verbreiten, wurden ihre angeblich kruden Behauptungen – wie schon so oft zuvor – irgendwann Mainstream. So veröffentlichte eine der größten und bekanntesten Nachrichtenagenturen weltweit, „Reuters“, am 27. Januar 2014 eine Meldung dazu: „Kongreß genehmigt im Geheimen US-Waffen für syrische Rebellen“; die „Washington Post“ vom 11. September 2013: „CIA startet Waffenlieferungen an syrische Rebellen“; das „Wall Street Journal“ vom 18. April 2014: „Ausgedehnte Waffenlieferungen an syrische Rebellen. Lieferungen von Panzerabwehrraketen werden erweisen, ob die Kämpfer in der Lage sind, Waffen von Extremisten fernzuhalten.“ Das deutsche „Handelsblatt“, 19. September 2014: „US-Kongreß genehmigt Bewaffnung syrischer Rebellen. Auch der US-Kongress hat seine Zustimmung zur Bewaffnung syrischer Rebellen gegeben. Jährlich sollen 5000 oppositionelle Kräfte ausgebildet werden. Durch die Trainingsmission kommen auf die USA hohe Kosten zu“. „Spiegel Online“ vom selben Tag: „Kampf gegen »Islamischen Staat«: US-Kongreß stimmt für Bewaffnung syrischer Rebellen“.

Keine Angst: Es sind ja Mainstream-Quellen. Und wenn die nicht seriös sind – na wer denn dann? Lassen Sie sich nicht in die Irre führen: Bei diesen Meldungen ist ganz entscheidend, daß sie erst nach geraumer Zeit in den Leitmedien erschienen, um es so aussehen zu lassen, als sei die Bewaffnung der Rebellen lediglich eine Reaktion der Vereinigten Staaten auf die fortwährenden Konflikte in der Region. In Wahrheit bewaffnete man sie nicht nur schon viel früher, sondern – wie am Beispiel des „Benghasi-Gate“ deutlich wurde – von Anfang an, um Syrien destabilisieren und, wie Kissinger es ganz unverblümt aussprach, „balkanisieren“ zu können. Teile und herrsche.

Heute ist bekannt, daß die „Moderaten“ leider nicht fähig waren, „Waffen von Extremisten fernzuhalten“. Denn einige dieser Waffen, deren Lieferung vom US-Kongreß genehmigt wurde, gelangten wenig später in die Hände einer Organisation, die heute unter dem Kürzel „IS“ („Islamischer Staat“) für weltweite Negativschlagzeilen sorgt. Ursprünglich hatte ich geplant, für diese ominöse Truppe, die bereits unter mehreren Kürzeln firmierte – ISIL, ISIS, nun IS – einen eigenen Abschnitt einzurichten. Dies ergibt aber keinen Sinn, da die „neue“, jetzt noch viel gefährlichere Truppe – unter anderem – dem Zweck dient, doch noch einen (ohnehin schon seit langer Zeit geplanten) Krieg in Syrien führen zu können. Aber woher kamen diese Kopfabschneider? Wie wurden sie zur „reichsten Terrorgruppe der Welt“? Manchmal muß man nach den Antworten nicht lange und umständlich suchen. Manchmal, aber nur manchmal, steht die Antwort sogar in der Tageszeitung – wenn auch, wie zu erwarten, unter Vorbehalten und mit unsichtbaren schwarzen Balken über den wesentlichen Informationen zwischen den Zeilen.

Der „Tagesspiegel“, 26. Juli 2014:

„»Es ist eine Schande«, empörte sich der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III. Younan, nachdem Terroristen des »Islamischen Staates« (IS) am vergangenen Wochenende alle 25.000 Christen aus Mossul vertrieben hatten. Es gebe nur einen Weg, diese mörderischen Kommandos zu stoppen – ihnen die Geldflüsse zu entziehen. »Woher beziehen diese Terroristen ihre Waffen? Von den fundamentalistischen Staaten am Golf, stillschweigend gebilligt von den westlichen Staatslenkern, weil sie deren Öl brauchen«, kritisierte der Geistliche. In der Tat, die USA und die EU wissen seit langem, dass die gekrönten Häupter von Kuwait, Katar, den Emiraten und Saudi-Arabien alle Augen zudrücken, wenn superreiche Privatleute, salafistische Stiftungen und Moscheevereine sunnitische Gotteskrieger finanzieren, damit sie gegen Baschar al Assad in Syrien und Nuri al Maliki im Irak zu Felde ziehen. Beide arabischen Regime sind den sunnitischen Emiren und Königen am Golf schon lange ein Dorn im Auge, weil sie schiitisch dominiert sind und enge Kontakte zum Erzfeind Iran pflegen. »Saudi-Arabien bleibt ein entscheidender Geldgeber von Al Qaida, den Taliban und anderen Terrorgruppen«, urteilte laut Wikileaks schon 2009 die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton. 15 der 19 Attentäter vom 11. September 2001 stammten aus dem Königreich, heute sind nach Schätzungen von Geheimdiensten 3000 bis 4000 junge Saudis in Syrien auf heiligem Kriegspfad, die meisten in den Reihen der schwarzen IS-Kommandos. 2400 Petrodollar kostet die »Patenschaft« für einen Gotteskämpfer, auf Wunsch wird die Spende mit einem Kurzvideo des jungen Mannes in Aktion honoriert.“

Was die gute Hillary dabei natürlich verschwieg: Al-Qaida ist ein politisches Frankensteinmonster aus der US-geostrategischen Hexenküche. Schon viele Kommentatoren haben verwundert gefragt, warum es in den letzten Monaten einen so auffälligen Fokus auf Saudi-Arabien gab. War das Königreich in den Jahren zuvor und seit dem 11. September 2001 nie ein größeres Thema – und das, obwohl, wie wir gesehen haben, frühzeitig bekannt war, daß 15 der 19 mutmaßlichen Attentäter aus dem ölreichen Ländle stammten, was auch im Artikel des „Tagesspiegel“ noch einmal zur Sprache kam – scheint sich der Blick nun zunehmend auch auf die absolute Monarchie in Vorderasien zu richten. Wie ließe sich das erklären – wenn überhaupt? Ganz einfach: Werfen Sie doch nochmal einen Blick auf die von Brzezinski umrissene „Zentraleurasische Region“, die er als eminent wichtig für die US-Vorherrschaft bezeichnete. Zoomen wir nochmal näher heran:

Die „Zentraleurasische Region“ Z. Brzezinskis, aus „The Grand Chessboard“, Kapitel 2, Seite 53

Nicht nur der Irak und der Iran, Syrien und Afghanistan – sämtliche derjenigen Länder, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen überfallen bzw. destabilisiert wurden, liegen in dieser Region, sondern eben auch – Saudi-Arabien.

Und das ist auch schon das ganze Geheimnis hinter dem „merkwürdigen“, „plötzlichen“ Schielen auf das Land, das trotz – oder gerade wegen – der sehr engen Beziehungen seiner Herrscher zum Bush-Clan, der wiederrum der Familie Bin Laden sehr zugeneigt war, und seiner Verbindungen zu den Anschlägen des 11. September jahrzehntelang einer der wichtigsten Partner und Verbündeten der Vereinigten Staaten war. Es ist dasselbe Land, das – neben Washington, Qatar und dem NATO-Partner Türkei – an der Finanzierung und Bewaffnung derjenigen syrischen Rebellen Teil hatte, deren geostrategische Feuerwerkskörper sich nun teilweise in den Händen des „IS“ befinden. Es ist diejenige Monarchie, deren absolutistische Herrscher es mit Menschenrechten nicht so genau nehmen, von „Welt“-Journalist Clemens Wergin aber nichtsdestotrotz als unverzichtbarer Verbündeter bezeichnet wurde. Wenn der IS Menschen enthauptet, handelt es sich um unvorstellbare Grausamkeiten. Köpft man in Saudi-Arabien, wird der westliche Wertekanon um einen wichtigen Partner bereichert.

Lassen wir zum Thema „Islamischer Staat“ noch einmal Dr. Steve Pieczenik zu Wort kommen, den Mann, der unter vier US-Präsidenten tiefe Einblicke in den US-Regierungs- und Geheimdienstapparat gewinnen konnte. In seinem Blog „Steve Pieczenik Talks“ schrieb er am 8. August 2014:

„Präsident Obama wurde der neue »Lord of War«: Schicke noch mehr Waffen, Kampfflugzeuge und Spezialkommandos in den Irak, um amerikanische Waffen zu zerstören, die zuvor der gescheiterten irakischen Armee/Regierung gegeben wurden. Letzte Nacht konnten Sie Obamas fadenscheinigem, zögerlichem Beharren darauf beiwohnen, Amerika müsse zum vierten Mal in den Irak, um die Kurden, Christen und Yesiden [eine Minderheit] zu retten. Diese einstudierten Gründe für ein weiteres Engagement im Irakkrieg, der nun schon ein Jahrzehnt kontinuierlichen amerikanischen Versagens und selbst zugefügter Wunden umspannt, sind weder überzeugend noch zwingend. Mehr als fünf Jahre lang habe ich davor gewarnt, daß Christen im ganzen Mittleren Osten abgeschlachtet werden, aber Obama hat diesen Slogan des religiösen Schutzes und der »humanitären Bedenken« nur dazu genutzt, mehr Drohnen zu schicken; Kampfflugzeuge; und amerikanische Militärberater, um der nicht-existenten irakischen Regierung zu helfen. Wie auch immer, was Obama und seine militärischen/geheimdienstlichen Lakaien dabei zu unterstreichen vergaßen, ist der Umstand, daß die neue, von der CIA erschaffene Bedrohung: ISIS – sich hochwertiges militärisches Gerät unter den Nagel riß, das die USA dem dysfunktionalen irakischen Militär geschickt hatten. Obama und seine unfähigen Kriecher im Weißen Haus verletzten das elementarste Prinzip einer Filmfigur, die von Nicolas Cage so brillant verkörpert wurde, nämlich im zeitlosen Film »Lord of War« von 2005, geschrieben und inszeniert von Andrew Niccol. Über allem stünde die Regel, so betonte der »Lord of War«: »Werde nie, niemals angeschossen von deinen eigenen Waffen«. In welcher Beziehung steht das zu den heutigen Schlagzeilen?

 

[1] USA/Israel belieferten den Irak, Kurden und ISIS-Gruppen mit allen möglichen Waffen. Wie in früheren Blogs bereits erwähnt, ist ISIS eine »Frankenstein-Kreatur unserer sich selbst verstümmelnden CIA« und ihrer militärischen Kohorten.

 

[2] Die CIA »verarztete« »moderate« Terroristen, um gegen das syrische Regime Dr. Baschar Assads zu kämpfen, der vier Jahre lang die Christen, Juden, Drusen und Schiiten schützte. Natürlich wollen Obama und seine stramm ignorante Gruppe von Beratern des Weißen Hauses, die auch die Libyen-Intervention verteidigten, um »einen Genozid zu verhindern« [erinnern Sie sich an Susan Rice, Clinton, Samantha Power], nun in den Irak, um einen »weiteren Genozid« an den Yesiden abzuwenden.

 

[3] Obama verletzte damit ein weiteres Rezept des »Lord of War«: »Führe niemals Krieg gegen dich selbst!«

 

Dennoch haben wir nichts anderes gemacht, als gegen uns selbst Krieg zu führen, angefangen vom Bush Jr./Cheney-Angriff auf Amerikaner (WTC), um nicht-existente Massenvernichtungswaffen zu zerstören, die nicht wir an Saddam Hussein geliefert hatten. Aber dann benutzten wir Waffen, um Saddams Waffen aus amerikanischer Herstellung unschädlich zu machen, und richteten ein komplettes Chaos im Irak an.

 

Danach schickten wir noch mehr Waffen an die nicht-koalitionäre Regierung Malikis, der vom Iran unterstützt wurde und auch mit diesem zusammen gegen unsere eigenen Waffen kämpfte, die den sunnitischen Soldaten zur Verfügung gestellt wurden, die aus Saddams Militär desertierten – dank Bremer und Slocombe.

 

Erkennen Sie diesen unglaublichen Teufelskreis, den wir »gerechtfertigte Kriege« nennen, um die Welt und Amerika zu schützen gegen genau diejenigen sunnitischen Terroristen, die wir, Saudi-Arabien, UAE [United Arab Emirates, Vereinigte Arabische Emirate, d. Autor], Qatar und die Türkei zu erschaffen halfen?

 

Wie könnte eine Lösung des zunehmenden militärischen Schlamassels aussehen, das unser inkompetenter Präsident und seine Kriecher im Mittleren Osten anrichten?

  • Laßt Israel die Peschmerga verteidigen, waren Barzanagi und die Kurden doch jüdisch und Teil der seit sieben Jahrzehnten bestehenden strategischen Verteidigungslinie, die in den 1930ern von Ben Gurion initiiert wurde.
  • Bestehen wir darauf, daß unsere hinterhältigen Verbündeten – Saudi-Arabien, UAE, Qatar, Golfstaaten – aufhören, die von der CIA erschaffenen und gefütterten sunnitischen »Terroristen«-Gruppen zu finanzieren.
  • Hören wir auf, »moderate Terroristengruppen« in Syrien zu unterstützen.
  • Lassen wir den Iran sich um die Probleme der iranisch dominierten irakischen Situation kümmern. Die islamischen revolutionären Garden sind weitaus effektiver und erfahrener darin, ISIS zu bekämpfen, als unser magerer SOF.
  • Lasst die Türkei in dieser »humanitären Krise« intervenieren.

Mit anderen Worten, wir Amerikaner haben keine nationalen Sicherheitsinteressen in welchem Teil des Mittleren Ostens oder der Ukraine auch immer. Gegenwärtig entwickelt sich ein weiterer anhängiger Krieg im Fernen Osten und China schaut verwirrt dabei zu, wie unser »Lord of War« sich in dieser verwickelten Lage namens Mittlerer Osten selbst zerstört. Selbst Alexander der Große verstand, daß er diese Region niemals einnehmen konnte.“

Bis gleich in Teil 5 …

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