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Grundlagen des heutigen Bildungssystems – Völlig verhegelt?

In den letzten Jahren äußerten immer mehr Eltern Kritik am heutigen Bildungswesen. Möglichst knapp zusammengefasst würde ein einzelnes Wort genügen, die Vielzahl der Stimmen auf einen Nenner zu bringen: Ineffizient. Ist der Unmut berechtigt oder nicht?

In einem Artikel des „stern“ vom 30. September 2012 aus der Feder von Uli Hauser hieß es dazu: „Kinder können viel mehr, als wir ihnen zutrauen. Ihre Fähigkeiten verkümmern, weil Anerkennung immer von guten Noten abhängt. Fördert endlich alle Talente.“ Und weiter (Hervorhebungen durch mich):

„Wie kann das sein? In einer Zeit, in der wir mehr Wissen anhäufen als jemals zuvor, attestiert Gerhard Roth, Hirnforscher und ehemaliger Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes, dem deutschen Schulsystem einen »Wirkungsgrad, der gegen null strebt«. Ein Wirkungsgrad, das habe ich jetzt mal schnell gegoogelt, beschreibt das Verhältnis von abgegebener Leistung zu zugeführter Leistung. Bezeichnet die Effizienz von Energie. Wie viel gebe ich hinein? Und was bekomme ich dafür? Das Ergebnis: Schule, so wie sie heute organisiert ist, ist Energieverschwendung. […] Mit jetzt 50 Jahren komme ich einigermaßen im Leben zurecht. Alles, was ich dafür brauche, habe ich nicht in der Schule gelernt. Den Umgang mit dem Scheitern. Die Kunst, seine Gefühle zu erkennen. Das Wissen, was einem wirklich guttut und was nicht. Die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu bewahren, schwierig genug. Das Leben, ein Geschenk, zu genießen. […] Ist Ihnen auch schon mal der wehmütige Gedanke gekommen, was Sie alles hätten unternehmen können, statt in der Schule über Dinge zu grübeln, die mit ihrer Lebenswelt nichts zu tun hatten? Was Sie vielleicht lieber gelernt hätten, jetzt, mit dem Wissen, was man im Leben so braucht? Geht es Ihnen so wie mir? Ich wüsste heute so gern so sehr viel mehr über Physik, aber unser Lehrer paukte in erster Linie Gehorsam.“

Die Welt„, 11. April 2016 (Hervorhebungen durch mich): „Immer mehr Deutsche scheitern in Ausbildung oder Studium. Eine Studie zeigt: Die politisch gewollte Inflation der Abschlüsse wurde mit einer dramatischen Absenkung der Anforderungen erkauft.

Die „Bundeszentrale für politische Bildung“ stellte dazu folgende Fragen: „Kontroversen über das angemessene Bildungsideal und seine Verwirklichung kommen auch in aktuellen Diskussionen über die Schule zum Tragen: Ob es nun um die Gestaltung der Schulstruktur geht, die Definition von Bildungsstandards, die Inhalte des Lehrplans, das Rollenverständnis von Lehrkräften – immer werden hier auch ganz grundlegende Fragen verhandelt: Soll Bildung zweckfrei sein oder vor allem verwertbar auf dem Arbeitsmarkt? Soll Wissenserwerb im Vordergrund stehen oder Persönlichkeitsentwicklung? Gehört zum Bildungsauftrag der Schule auch Erziehung? Bildungsideale verbinden sich so von Beginn an mit der Bildungspolitik und dem Bildungssystem als dem bevorzugten Ort, von dem man die Realisierung der Ideale erwartet.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung„, 12. Oktober 2014: „Möchte Liessmann »die Qualität von Bildungseinrichtungen« danach »beurteilen, wie viel Freiheit, wie viel Risiko, wie viel Neugier, wie viel ästhetische Erfahrung, wie viel Nutzloses, wie viele Seitensprünge sie erlauben«, so scheint ihm immer noch das Bild Wilhelm Meisters vorzuschweben. Und obwohl Nida-Rümelin vehement den Wert beruflicher Bildung gegen den »Akademisierungswahn« verteidigt, preist er doch, als wäre er ein Jünger der griechischen Philosophie, »ein Leben im Gleichgewicht, in innerer und äußerer Harmonie«. Beide Kritiker brauchen und gebrauchen den alten, anspruchsvollen Begriff der Bildung, der einst das vollendete Individuum beschreiben sollte, um nun daran die aktuelle, höchst unvollendete Erziehung von Jugendlichen zu messen.“

Der Blog „Fassadenkratzer“ grub schon etwas tiefer und lieferte in einem Beitrag vom 20. Dezember 2013 interessante Einblicke in die Historie des heutigen Bildungssystems (Hervorhebungen durch mich): „Die staatliche Schule ist in obrigkeitsstaatlichen Zeiten entstanden. […] »Im 18. Jahrhundert setzte sich der Polizei- und Militärstaat mit seinen merkantilistischen Interessen dem Individuum gegenüber absolut. Er benutzte auch die Pädagogik als Mittel, um seine ´Macht´ und seinen ´Reichtum´ zu vermehren. Von jedem Untertan wurden angespannte Tätigkeit, Gehorsam und Pflichterfüllung verlangt, wobei aus dem staatlichen Machtwillen eine eigentümliche Dynamik erwuchs. Im pädagogischen Bereich kam dies in der Forderung, auf die künftige Brauchbarkeit vorzubereiten, deren inhaltliche und funktionale Bestimmung sich aus der Zuordnung zu einem der Stände ergab, zum Ausdruck. Der Grundsatz, ´das Kind gehört dem Staat´, den jede totalitäre Staatsform vertritt, war hier bereits vorweggenommen. ´Die gefährlichste Verobjektivierung des pädagogischen Ziels´ lag darin, dass sich die Sorge nicht auf das Gedeihen des Heranwachsenden richtete, sondern auf seine künftige Brauchbarkeit, seine ´Leistung´ (Hermann Nohl). Das Schulwesen stand in erster Linie im Dienste der merkantilistischen Wirtschaftspolitik, der Zwecke des Militärs und der Verwaltung. (…) Die Auswahl der zu fördernden Eigenschaften war von der durch den ´Staat´ geforderten Brauchbarkeit festgelegt. (…) Auch die Diskussion über die verschiedenen Schulformen und die Schulgesetze lassen erkennen, dass der Heranwachsende zu einem seinem Stande entsprechenden tugendhaften, nützlichen und brauchbaren Glied eines Territorialstaates erzogen werden sollte.« (Carl-Ludwig Furck: Das pädagogische Problem der Leistung in der Schule, Weinheim/Berlin 1967, S. 74, 75)

Insbesondere über das Prüfungs- und damit verbundene Berechtigungswesen (sowie den Beamtenstatus der Lehrer) übte der Staat einen starken Anpassungs- und Lenkungsdruck auf die Schulen aus. Für die 1788 erfolgte Einführung des Abiturs in Preußen, dem Vorbild für alle anderen berechtigenden Prüfungen, ist anfangs sicher der Wunsch nach für das Studium gut vorbereiteten Studenten veranlassend gewesen. Sehr schnell aber entdeckten – wie C.L. Furck nachweist (a. a. O.) – diejenigen, die das herrschende Staats- und Untertanenverständnis repräsentierten, die ungeheuren Möglichkeiten, die dieses Prüfungs- und Berechtigungsmonopol für ihre Ziele bot. Indem die staatlichen Schulbehörden den Kanon der im Abitur zu fordernden Kenntnisse und Leistungen vorschrieben, mussten alle Gymnasien ihre Schüler auf die feststehenden Bildungsvorstellungen des Staates ausrichten.“

Diese knappen und in der Sache korrekten Ausführungen über die geschichtlichen Wurzeln des heutigen Bildungs- bzw. Schulsystems lassen schon erahnen, woher es rührt, dieses – wie eingangs erwähnt – berechtigte Gefühl, daß die heutigen Schulen (die immer noch so strukturiert sind, wie in obigem Zitat beschrieben) nicht mehr die individuellen Veranlagungen, Stärken und Talente der Kinder berücksichtigen, sondern sie – vereinfacht ausgedrückt – nur zu gut funktionierenden, folgsamen Untertanen „ausbilden“ sollen; mit vorgefertigten Lehrplänen, die befolgt werden müssen. Ich gehe sogar noch einen sarkastischen Schritt weiter: darf man sich angesichts der Tatsache, daß die Schüler einer Klasse immer einer Lehrkraft folgen sollen, die an einer Tafel die vorgekauten Inhalte ausgibt, eigentlich noch wundern, wenn dieselben Kinder, sind sie erst erwachsen, immer noch einem Vortänzer und -kauer folgen, ganz gleich, ob nun Kanzler oder Kanzlerin? Manche Leser mögen das für überzogen halten. Ich hingegen behaupte: aber ja, es besteht hier ein Zusammenhang. Schon die Kleinen werden regelrecht darauf „gedrillt“, einer Stimme zu folgen. Weshalb ich Schulen in ihrer heutigen Form gerne auch „kollektivistische Kinderzwinger“ nenne. Es sind Zwinger für den Geist.

Gräbt man noch etwas tiefer, was die pädagogischen, menschenbildlichen und sozialphilosophischen Grundlagen dieses Systems betrifft, wird es noch viel interessanter. Nachfolgend ein Auszug aus Antony C. Suttons Buch „America’s Secret Establishment: An Introduction to the Order of Skull & Bones“, in dem er die Herkunft des US-Bildungswesens aufdröselte. Bevor – berechtigterweise – sofort gefragt wird, was denn das amerikanische mit dem deutschen System zu tun hätte: weil seine Fundamente tatsächlich in Deutschland entwickelt wurden.

„Wilhelm Wundt (1832-1920), Professor für Philosophie an der Universität Leipzig, hatte zweifellos großen Einfluß auf G. Stanley Hall. Moderne Erziehungspraxis stammt aus der Hegel’schen Sozialtheorie, kombiniert mit der Experimentalpsychologie Wilhelm Wundts. Wo Karl Marx und Bismarck Hegel’sche Theorie im Feld der Politik zur Anwendung brachten, war es Wilhelm Wundt, beeinflußt von Johann Herbart, der Hegel in die Erziehung brachte, was wiederrum von Hall und John Dewey sowie modernen Erziehungstheoretikern in den Vereinigten Staaten aufgegriffen wurde. […] Das Magnum Opus Wilhelm Wundts, Völkerpsychologie, wird heute im Internationalen Freimaurerlexikon (Seite 50) empfohlen. Abseits der historischen Verbindungen ist Wundt für die Geschichte des amerikanischen Erziehungswesens aus folgenden Gründen wichtig:

(1) Er etablierte 1875 das weltweit erste Laboratorium für experimentelle Psychologie, um individuelle Reaktionen auf Stimuli zu untersuchen.

(2) Wundt glaubte, der Mensch sei nur die Summe seiner Erfahrung, also der Stimuli, die auf ihn einwirken. Daraus folgt für Wundt, er habe keinen eigenen Willen, keine Selbstbestimmtheit. Der Mensch sei lediglich Gefangener seiner Erfahrungen, eine Schachfigur, die der Führung bedarf.

(3) Studenten aus Europa und den Vereinigten Staaten kamen nach Leipzig, um von Wundt die neue Wissenschaft der experimentellen Psychologie zu erlernen. Diese Schüler kehrten dann in ihre Heimatländer zurück, um Schulen für Erziehung oder Institute für Psychologie aufzuziehen, wo sie hunderte Doktoren im neuen Feld der Psychologie unterwiesen.

Der Kern unseres Problems ist, daß Wundts Arbeit auf Hegel’scher Philosophie basierte und Hegels Sichtweise des Menschen als wertloses Zahnrädchen im Getriebe des Staates spiegelte, eine Sicht, die von Wundt ausgeweitet wurde dahingehend, den Menschen als bloßes Tier zu betrachten, das nur von täglichen Erfahrungen geprägt wird. Dieses Wundt’sche Weltbild wurde aus Leipzig von G. Stanley Hall sowie anderen Amerikanern in die Vereinigten Staaten gebracht, um eine Prozedur zur durchlaufen, die unter Psychologen als »Amerikanisierung von Wundt« bekannt ist.“ (Antony C. Sutton, „America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones“, TrineDay LLC, 2002, 2009, S. 86-87. Übersetzung aus dem Englischen und Hervorhebungen durch mich, mit Ausnahme von „Völkerpsychologie“ und „Internationales Freimauerlexikon“.

Das moderne Erziehungs- bzw. Bildungswesen basiert also nachweislich auf Hegel’scher Sozialtheorie und einer „experimentellen Psychologie“ eines Mannes, der die Ansicht vertrat, der Mensch sei eine Schachfigur, die der Führung bedarf.

Keine weiteren Fragen.

Auch wenn einige Leser bei „Verschwörungsthemen“ dieser Art gewiß mit den Augen rollen und sich schnell ausklinken werden: darauf nehme ich keinerlei Rücksicht und werde das auch in Zukunft nicht tun. Tut mir leid. Denn ich bin der Meinung, daß sogenannte erwachsene Menschen mit Informationen, die ihnen präsentiert werden, zunächst mal ganz unvoreingenommen und sachlich umgehen können sollten, ohne gleich abzuwiegeln, nur weil ihnen etwas „unwahrscheinlich“, „krude“ oder in sonst irgendeiner Weise „unglaubwürdig“ vorkommt. Ich werde daher nicht darauf verzichten, Suttons Ausführungen über den Zusammenhang zwischen den genannten Philosophen und dem Orden der „Illuminaten“ zu präsentieren:

„Johann Herbart studierte an der Universität Jena und kam unter den Einfluß von Johann Herder, Friedrich Schiller, Johann Fichte und Johann Goethe. Später kam Herbart in der Schweiz in Kontakt mit Johann Pestalozzi. Interessant an diesen Namen, die den wichtigsten Einfluß auf Herbart ausüben, ist, daß sie entweder bekannte Mitglieder der Illuminaten sind oder den Ruf haben, diesen nahe zu stehen:

  • Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) war »Damascus Pontifex« in den Illuminati.
  • Johann Fichte […] stand den Illuminaten nahe und wurde von Goethe (»Abaris«) für seinen Posten an der Universität Jena vorgeschlagen, wo Johann Herbart studierte.
  • Friedrich Schiller (1759 – 1805) war im Zirkel bekannt, es gibt allerdings keine verläßlichen Aufzeichnungen über seine Mitgliedschaft bei den Illuminaten.
  • Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832) war »Abaris« im Illuminaten-Orden.

Wir haben eine noch präzisere Verbindung bezüglich eines anderen bekannten Illuminaten, Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), eines angesehenen schweizerischen Lehrers in Interlaken und bekannt als »Alfred« im Illuminaten-Code. Bevor Herbart seine Doktorarbeit an der Wende zum 19. Jahrhundert vollendete, verbrachte er drei Jahre im schweizerischen Interlaken. Aus dem Kontakt mit Pestalozzi resultierte ein Buch über Pestalozzis Erziehungstheorien, die stark auf Herbart abfärbten. Es trägt den Titel »Pestalozzi’s Idee eines ABC der Anschauung als ein Cyklus von Vorübungen im Auffassen der Gestalten«. […] Dies ist nicht bedeutungslos. Es handelt sich um einen Kommentar eines Autors, der gewichtigen Einfluß auf die heutige Erziehung hatte, basierend auf einem Illuminaten-Buch.“ (Antony C. Sutton, „America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones“, TrineDay LLC, 2002, 2009, S. 79, Hervorhebungen durch mich)

Daß der Orden der Illuminaten einmal existierte, steht außer Frage. Ob dem heute noch so ist und falls ja, in welcher Form und Stärke bzw. Ausdehnung, darüber kann man gewiß diskutieren. Ich werde in einer anderen Artikelreihe auf die Geschichte des Ordens näher eingehen.

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