Herzig: Die plumpe Methodik der Amateurzensur-Streisand-Stiftung

Quelle: Trends und Dauerbrenner der Verschwörungsideologien ~ Amadeu Antonio Stiftung

Wissen Sie, ich habe lange über die Formulierung der Schlagzeile nachgedacht. Tue ich den Mitarbeitern der Gedankenpolizei-Stiftung von Annette Kahane damit womöglich Unrecht? Meinen die das wirklich ernst oder ist es vielleicht ein verdeckter Versuch, unter dem Tarnmantel der politisch verordneten geistigen Volkshygiene die Leute gerade durch Verwendung bestimmter Begriffe, Namen real existierender Organisationen usw. auf selbige hinzuweisen und zu eigenen Recherchen, eigenem Nachdenken anzuregen? Oder liegt die Sache eventuell noch viel einfacher: Zeigt sich hier ganz einfach der altbekannte „Streisand-Effekt“? Ist es also nur Schusseligkeit, Trotteligkeit?

Wie auch immer dem sei, auf jeden Fall ist die Liste an „verschwörungsideologischen Begriffen“, Trends und „Dauerbrennern“, die von der Stiftung in oben verlinktem Beitrag auf ihrer Website präsentiert wird, von so atemberaubend schlichtem Strickmuster, daß ich mich ernsthaft fragen muß, welchen „Erfolg“ man sich eigentlich davon erhofft. Und um das gleich mal klarzustellen: Ja, es handelt sich in der Tat um Dauerbrenner – kein Wunder, weil viele der angeführten Themen in der Welt schon seit geraumer Zeit, na ich sag‘ mal, vor sich hin kokeln, schwelen und brodeln, ja, bis heute leider noch nicht umfassend genug aufgearbeitet wurden, als daß man sie einfach mit ein paar lieblos hingekläfften Wadenbeißervokabeln wegbellen könnte.

Dafür ist es ohnehin zu spät, viel zu spät: diese Themen haben längst Einzug in Diskussionen unterhalb des Radars des veröffentlichten Meinensollens gefunden, und das ist verdammt gut so. Es wurde auch allerhöchste Zeit, daß die „Schutzbefohlenen“ mal erfahren, welches Schindluder mit ihren Steuergeldern zuweilen getrieben wird; es ist höchste Eisenbahn, daß gewisse „Netzwerke der Macht“ endlich ans Tageslicht gezerrt werden, und zwar gnadenlos. Denn was dort ausgekungelt wird, wirkt sich auf die Leben von Abermillionen Menschen nicht unbedingt vorteilhaft aus.

Doch nun zu einigen der rührend hilflosen und tolpatschigen Methoden, völlig legitime Begriffe zu kriminalisieren. Wie man das macht? Nichts gedanklich einfacher grobgehobelt als das: Mische zu einer Liste faktisch einwandfreier Termini ein paar in der Tat anrüchige, ja schlicht falsche wie z.B. das unselige Gequatsche von einer „jüdischen Weltverschwörung“, rühre einmal kurz um – et voilà, fertig ist der Diffamierungsbrei.

„»Bilderberger« und Trilaterale Kommission
 
Signalbegriffe: »Bilderberger«, »Jüdische Weltverschwörung«, »Neue Weltordnung«, Weltregierung“

So einfach ist das also. Bzw., soll es wohl sein. Was die regelmäßig abgehaltenen Bilderberger-Konferenzen und die Trilaterale Kommission oder ihre Tochtergesellschaft, also die „Trilaterale Kommission für Europa“ mit einer „jüdischen Weltverschwörung“ zu tun haben sollen, diese überaus berechtigte Frage beantworten die Amateur-Gedankenpolizisten natürlich nicht. Wäre auch schwer möglich, denn dahinter stecken weder „die Juden“ noch das „Weltjudentum“ oder ähnlich unsinnige kollektivistische Kampfbegriffe. Und Phrasen wie „Neue Weltordnung“ sind ja keine bloße Erfindung; Adolf Hitler hatte sie schon bemüht, ein paar Jahrzehnte später der Sohn eines seiner größten finanziellen Gönner (Prescott Bush), also der 41. Präsident der United States Corporation, George Herbert Walker Bush. Da es mir ungeheuren Spaß macht, meinen Mitmenschen regelmäßig eine nette Aluminiumvergiftung anzuhexen, hol‘ ich dann mal wieder etwas aus:

„4.4.2 Was auch Paul Warburg und Henry Kissinger sagen
 
Und ihr politisches Programm besagt mit anderen Worten nichts anderes als das, was Paul Warburg unverfroren und selbstbewußt am 18. Februar 1950 vor dem Senatsausschuß der Vereinigten Staaten erklärt hatte:
 
»Wir werden eine Weltregierung haben, ob Sie es wollen oder nicht, mit Gewalt oder mit Zustimmung.«
 
Ihr Inhalt besagt nichts anderes, als das, was der amerikanische Kolumnist Paul Scott schrieb:
 
»Es ist Kissingers Überzeugung […] daß man mit der Kontrolle der Lebensmittel Menschen kontrollieren kann, und daß man durch die Kontrolle der Energie, insbesondere des Öls, Nationen und ihre Finanzsysteme kontrollieren kann. Indem Lebensmittel und Öl zusammen mit dem Weltwährungssystem internationaler Kontrolle unterstellt werden, könnte nach Kissingers Meinung eine lose geknüpfte Weltregierung bis 1980 eine Realität werden.«
 
4.4.3 Furcht als politisches Instrument der CFR
 
Ihr Inhalt besagt nichts anderes als das, was etwa Quina von Brackenhausen in einer Dissertation über die CFR-Elite schrieb:
 
»Aber Kissinger hatte bereits 1957 als Alternative zu einer nuklearen Katstrophe von der Möglichkeit begrenzter Kriege gesprochen, die von »Atempausen für politische Kontakte« unterbrochen würden. Diese Idee fiel bei vielen CFR-Experten auf fruchtbaren Boden […] In etwas anderer Form wird dieser Gedanke von Blechman und Fried ausgedrückt: Die amerikanische Militärmacht hat zu einem großen Teil die Aufgabe, die Außenpolitik zu unterstützen; sie besteht nicht einfach darin, die Nation gegen Angriffe zu verteidigen.«
 
Ihr Inhalt besagt nichts anderes als die Ansicht des in derselben Dissertation zitierten Senior Research Fellow des 1980er Projektes des CFR, »The Management of Interdependence«, Miriam Camps:
 
»Diese allgemeine Furcht vor der Vernichtung sollte in solche Bahnen gelenkt werden, daß sich auf beiden Seiten die Bereitschaft einstellt, Einschränkungen der Handlungsfreiheit zu akzeptieren, und der Weg frei wird für eine Verbindung von Independenz und Interdependenz. Welche anderen Faktoren könnten alle industrialisierten Demokratien veranlassen, alle oder einige ihrer politischen Freiheiten aufzugeben und auf eine supranationale Institution zu übertragen?«
 
Ihr Inhalt besagt nichts anderes, als das, was Mister Bush am 30. Januar 1991 unter dem Beifall sämtlicher geleithammelter One-World-Staatsmänner erklären konnte: Nach dem Krieg mit dem Irak werde man eine neue Weltordnung unter amerikanischer Führung errichten. »Annuit« und »Coeptis« – unsere Unternehmungen sind von Erfolg gekrönt.
 
[…]
 
5.0.12 »Bestimmte weise Männer«
 
Doch keine Angst. Wie George W. Walker, einstiger Koordinator der trilateralen Kommissare, erklärte, gedenke man »bestimmte weise Männer« einzusetzen, um diese schöne Neue Ordnung zu verwirklichen, in einer Welt, in der der »alte Rahmen der internationalen Politik mit ihren Einflußbereichen, Militärbündnissen zwischen Nationalstaaten, der Fiktion der Souveränität, den doktrinären Konflikten aus den Krisen des 19. Jahrhunderts – ganz eindeutig nicht mehr mit der Realität zu vereinbaren«

  • E.R. Carmin, „Das Schwarze Reich“, Verlag Ralph Tegtmeier, 1994, S. 217, 218, 307, 308, Hervorhebungen durch mich.

Na, hat’s geschmeckt?

Es geht aber immer noch ein Eckchen peinlicher:

„Federal Reserve System (Fed) und »Zinskritik«
 
Signalbegriffe: »Freigeldmodell«, »internationale Hochfinanz«, »jüdisches Großkapital«, »Zinsknechtschaft«“

Welche Meinung man auch immer zum Zins und Zinseszins haben will: eine sachliche Auseinandersetzung damit ist noch kein Antisemitismus. Seit wann das denn bitte? Dasselbe gilt für das Federal Reserve System, seit dessen Gründung der US-Dollar übrigens nicht ganz umsonst ca. 95% seiner Kaufkraft einbüßte (!). Es entstand ein Geldmonopol, das sich selbstverständlich auch als Macht- bzw. Herrschaftsmittel einsetzen läßt; welche gravierenden Folgen eine hohe Manipulierbarkeit des „Lebensblutes“, das durch jede Wirtschaft fließt, also des Geldes, haben kann, davon erzählt die Geschichte zahlreicher Staatspleiten, Rezessionen und Bankrotte des 20. Jahrhunderts eine ziemlich beredte Sprache.

Wie „clever“ von der Amateurzensur-Stiftung, auch hier in eine Reihe absolut legitimer Begriffe Reizvokabeln wie „jüdisches Großkapital“ zu schmuggeln. Gibt es eine internationale Hochfinanz? Ja. Definitiv. Autoren wie Carroll Quigley oder der US-Historiker Antony C. Sutton sprachen in ihren Büchern zurecht von der „Bankenbruderschaft der Welt“. Das ist keine bloße Erfindung. Nur ist es eben keine jüdische. Die Erfindung des modernen Bankwesens geht im Wesentlichen auf die Templer zurück, die bereits vor Jahrhunderten das sogenannte „fraktionale Teilreserve-System“ erfanden, auch wenn man es damals eigentlich noch nicht so nennen konnte. Hintergrund war folgender: Aufgrund der Möglichkeit von Raubüberfällen und somit schmerzlichen Verlusten bei größeren Geldtransporten über weite Strecken ersann man ein System, in dem lediglich ein Schein, also ein Papier ausgestellt wurde, das dem Überbringer garantierte, am Zielpunkt seiner Reise, also z.B. einer Templerfestung, eine bestimmte Menge an Gold ausbezahlt zu bekommen. Das war sozusagen die „Geburtsstunde“ des modernen Papiergeldes; anderen Quellen zufolge reichen die Ursprünge noch viel weiter zurück, nämlich bis ins alte China vor etwas über 3000 Jahren, Dr. John Coleman schreibt, die heutigen Bankiers-Eliten hätten sich dabei von einem alten indischen System inspirieren lassen, doch dies zu erörtern, ist hier nicht der Platz.

„Freimaurer, Illuminaten und andere Geheimgesellschaften
 
Signalbegriffe: »3. Weltkrieg«, allsehendes Auge, B’nai Brith, Bonesman, Club of Rome, Freimaurer, Illuminaten, »Neue Weltordnung«, Round Table, Skull & Bones.“

Die Existenz von Geheimgesellschaften wurde bereits nachgewiesen. Die B’nai B’Rith-Loge ist real. Der Club of Rome ist real. Der „Skull & Bones“-Club an der amerikanischen Elite-Uni Yale ist real, über den Sutton übrigens ein ganz exquisites Buch schrieb („America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull and Bones“). Es gibt Freimaurer. Die Illuminaten waren ein realer Orden, und viele Insider aus Freimaurerzirkeln selber sagen, sie wären heute noch überaus fleißig am Werke. Das Geflecht der sogenannten Geheimgesellschaften, Orden und esoterisch-okkulten Zirkel ist mittlerweile so dicht und an einzelnen Namen so zahlreich, man könnte auch sagen: Legion, daß man schnell den Überblick verlieren kann. Von der „Prieuré de Sion“ (einer der bis heute nach wie vor weithin unbekannten und mächtigsten, historisch traditionsreichsten Gesellschaften) über die „Rosenkreuzer“, „Templer“, den „Orden der hermetischen Schüler der goldenen Dämmerung“ („Order of the Hermetic Students of the Golden Dawn“), die Nautonier, Martinisten, Jakobiner (hinter denen wiederrum Illuminaten standen) – und und und. Das alles einfach leugnen oder ins Reich bloßer Spinnerei verbannen zu wollen, ist schlicht lächerlich. Jeder, den Willen dazu besitzt, kann hier selber forschen – und zwar anhand gründlich recherchierter, durchaus seriöser Literatur.

Auch wenn diese im „Mainstream“ natürlich nie besprochen wird, schon klar. Wo kämen die Mächtigen dieser Welt auch hin, erführen ihre „Untergebenen“, die „Profanen“, die Steuerwollepflücker, die – wie ein Rockefeller sich einmal ausdrückte – „Serfs and Slaves“, also die „Diener und Sklaven“ etwas mehr über die Herrschaftsstrukturen und -methoden ihrer Overlords …

Was die „Round Table“-Gruppen betrifft, so empfehle ich dazu immer wieder Quigleys Arbeit („Tragödie und Hoffnung“), der darin ausführlich auf diese Gruppen, ihre Geschichte, ihre personellen Geflechte und Finanzierungshintergründe aus der anglo-amerikanischen Machtsphäre eingeht. Und was bitte soll an der Vorstellung eines möglichen „Dritten Weltkriegs“, so unangenehm und keinesfalls wünschenswert sie auch sein mag, dubios sein? Es gab schließlich schon zwei …

Abschließend nur noch ein letztes Beispiel für den verzweifelten Versuch, nicht mehr zu leugnende Realitäten unter „Strafe“ eines „Gedankenverbrechens“ stellen zu wollen:

„»Neue Weltordnung« (»New World Order«, NWO), »Überwachungsstaat« und Matrix
 
Signalbegriffe: 1984, Matrix, »Neue Weltordnung«, »NWO«, Matrix, »Rote Pille«, »Überwachungsstaat«“

Also da bin ich ehrlich gesagt etwas ratlos. Und müßte mich jetzt wiederholen, denn erstens sind sämtlicher dieser Begriffe nicht nur völlig legitim, sondern vor allem einer davon – nämlich „Neue Weltordnung“ – wurde von den für dieses historische Langzeit-Projekt verantwortlich zeichnenden Eliten bereits selber offen im Munde geführt. Sogar in den „Leitmedien“. Also wo liegt das Problem? Was soll an der traurigen Möglichkeit eines Überwachungsstaates – man denke nur an die DDR, die Sowjetunion oder das heutige, in puncto Kontrolle und Überwachung der Bürger erschreckend weit fortgeschrittene China – „krude“ oder abwegig sein? Freiheiten und Bürgerrechte sind nichts Garantiertes, nichts Selbstverständliches; sie müssen geschützt und gelebt werden, und zwar von möglichst gut informierten Menschen. Sonst kann es schnell passieren, daß sie von „interessierter Seite“ – also von Machthabern – durchaus zügig wieder abgebaut und abgeschafft werden.

Sicherheitshalber sei angemerkt, daß die Warnung vor antisemitischem Gedankengut an sich natürlich völlig berechtigt ist: ja, es gibt antisemitische Kreise, die mit solchen Theorien hantieren und sie zum Schüren von Hass auf Juden mißbrauchen. Das muß hier ja nicht diskutiert werden, und selbstverständlich ist es richtig, dagegen etwas unternehmen zu wollen. Gerade ich als jemand, der seit langer Zeit auf diesen Themenfeldern unterwegs ist, kann mit Gewißheit sagen, daß man mitunter höllisch aufpassen muß, in welches Fahrwasser man im Zuge seiner Recherchen gerät. Man sollte seine Quellen nach bestem Gewissen prüfen, am besten nicht nur drei-, sondern zwölfmal. Zu schnell werden heutzutage falsche oder unvollständige, irreführende und manipulative Informationen verbreitet. Gerade deshalb aber müssen offene Diskussionen darüber geführt werden, sachlich und möglichst fundiert; Sprachverbote oder die Inkriminierung bestimmter Begriffe helfen hier nicht weiter.

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