Hintergründe zum Libyenkrieg als wesentlichem Auslöser der „Migrationskrise“ – Teil 4

Dann tauchten auch noch spannende Meldungen über den Verbleib des libyschen Goldes auf. Aus einem Artikel des Portals „Charleston Voice“, 20. Oktober 2011:

„Der US/NATO-Goldraub in Libyen. […] Der wahre Grund für den Angriff Barack Hussein Obamas auf Libyen hat nichts mit humanitären Motiven zu tun. Sondern sehr viel mit einem Goldraub. Barack Hussein Obama schickte unrechtmäßig US-Kräfte nach Libyen, um die großen Ölvorkommen (schwarzes Gold) des Landes sowie seine 144 Tonnen Gold zu kontrollieren. Heute fielen die Vereinigten Staaten, England, Kanada und andere NATO-Kriegsverbrecher in Libyen ein, um das Gold des libyschen Volkes zu stehlen. Amerikanische und britische Truppen befinden sich bereits am Boden (unter Verletzung der UN-Resolution von 1973), um das Gold zu extrahieren. Es ist dieses gestohlene Gold, das Barack Obama der Europäischen Union anbietet. Die bankrotten Vereinigten Staaten beabsichtigen einen Bailout der bankrotten Europäischen Union mithilfe des gestohlenen libyschen Goldes. Ein Dieb hilft einem anderen Dieb mit gestohlenen Gütern. Wie humanitär von Obama. Libyens Führer Muammar Gaddafi plante die Einführung eines Gold-Dinar – kurz bevor die Vereinigten Staaten und Frankreich ihren illegalen Krieg gegen Libyen begannen. Gaddafi verlangte außerdem Gold als Bezahlung für das Öl seines Volkes. Das war der zweite Grund für die USA/NATO, Krieg gegen Libyen zu führen. Dem IMF [International Monetary Fund, Internationaler Währungsfonds, d. Autor], der WTO [World Trade Organisation, Welthandels-Organisation, d. Autor], der Weltbank sowie anderen Agenten der Vereinigten Staaten – den illegalen Federal Reserve-Gangstern – drohte eine Rückkehr zu einer ehrlichen Währung – gedeckt durch Gold und Silber. […] Viele wissen nicht, daß Gaddafis Plan, den Gold-Dinar einzuführen, eine einzige afrikanische Währung für den gesamten Kontinent, eine Alternative zu den wertlosen und impotenten Federal Reserve Notes hätte darstellen und afrikanischen Ländern erlauben können, den Wohlstand zu teilen. Es ist gewiß kein Zufall, daß der frühere Führer des Irak, Saddam Hussein, genau dasselbe vorhatte, kurz vor der US-Invasion, um »Massenvernichtungswaffen« aufzuspüren. […] Die unsauberen Anwälte der Weltbank sowie der Federal Reserve haben bereits angeboten, Libyen beim Wiederaufbau zu »helfen«, indem sie das Land in Schulden zu verkrüppelnden Zinsraten ersticken, die niemals zurückgezahlt werden können, während sie die echten Schätze Libyens runterschlingen.“

Abgesehen von Gaddafis Plan, eine gedeckte Währung einzuführen, soll es beim Libyenkrieg auch um eines der größten Bewässerungsprojekte gegangen sein, die jemals in Angriff genommen wurden: das „Great Man-Made River Project“, die weltgrößte Trinkwasser-Pipeline, die eine bessere Wasserversorgung sicherstellen sollte. Einem Bericht der Webseite „Human Rights Investigations“ zufolge soll die NATO das System unter Beschuß genommen haben (Hervorhebung durch mich):

„Es ist ein Kriegsverbrechen, zivile Infrastruktur anzugreifen. Libyen besteht zu 95% aus Wüste, 70% der Libyer sind abhängig von Wasser, das vom Nubischen Sandstein-Grundwassersystem unter der Wüste im Süden zugeleitet wird. Diese Wasserrohr-Infrakstruktur ist wahrscheinlich die wichtigste zivile Infrastruktur Libyens. Der Schlüssel zur Gewährleistung ihres kontinuierlichen Funktionierens, erst recht in Zeiten des Krieges, ist die Rohrfabrik Brega, die Löcher und Bruchstellen im System repariert. Die NATO gab zu, am 22. Juli diese Fabrik angegriffen zu haben und gab als Begründung an, sie sei als militärische Lagerstätte genutzt worden, von der aus Raketen verschossen worden sein sollen.“

Der „Guardian“, 27. Mai 2011:

„»Libyen könnte ein landwirtschaftliches Geschäft aufbauen, das demjenigen des San Joaquin Valley in Kalifornien vergleichbar wäre. Wie Libyen ist auch Kalifornien im wesentlichen Wüste, aber dank der Bewässerungsprojekte wurde dieses Wüstental der weltgrößte Produzent von Nahrungsmitteln und Baumwolle, mithin zur neuntgrößten Wirtschaft der Welt«, verriet Patrick Henningsen, Gründer und Herausgeber des 21st Century Wire, IPS [der Nachrichtenagentur „Inter Press Service“, d. Autor]. Im Augenblick sind die einzigen beiden konkurrierenden Agrar-Märkte, die Zitronen und einige andere beliebte Supermarkt-Produkte nach Europa liefern, Israel und Ägypten. In 10 oder 20 Jahren könnte Libyen beide überholt haben, da sie nun das Wasser zur Begrünung der Wüste haben«. Im Mittleren Osten und Nordafrika (MENA) war Wasser die Ursache wachsender regionaler Krisen und könnte sich als Impuls für weitere Unruhen herausstellen. Die Nachfrage steigt mit der rasant wachsenden Bevölkerungszahl – die Reserven nehmen stark ab, die Nahrungsmittelknappheit forderte in finanziell klammen Ländern, die von Nahrungsmittelimporten abhängig sind, bereits ihre Opfer. »Es gibt mehrere Gründe für das libysche Schlamassel. Einer davon ist sicherlich Wasser. Ich würde das Thema durch einen Verweis auf ähnliche Situationen in Süd- und Zentralasien hervorheben«, sagte Tariq Saeedi, Redakteur der News Central Asia, gegenüber IPS. […] »Um es kurz zu machen: Wer NSAS [Nubian Sandstone Aquifer System, Nubisches Sandstein-Grundwassersystem, d. Autor] kontrolliert, kontrolliert die Volkswirtschaften, die Außenpolitik und Schicksale mehrerer Länder in dieser Region, nicht nur in Nordost-Afrika«, erklärt Saeedi. Letzen Monat warnten Regierungsbeamte Libyens davor, NATO-Luftschläge gegen die GMMR-Pipelines [„Great Man-Made River Project“, d. Autor], könnten eine humanitäre und ökologische Katastrophe heraufbeschwören. Allerdings könnten auch Kräfte, die dem Regime nahestehen, die Wasserströme unterbrechen, um z.B. von der Opposition besetzte Gebiete im Osten, die nur vom Ajdabiya-Reservoir gepeist werden, auszutrocknen – die dortigen Wasservorräte reichen nur einen Monat.“

Das „Foreign Policy Journal“ behauptete in einem Artikel vom 14. Mai 2011, NATO-Streitkräfte hätten in Libyen außerdem Uranmunition eingesetzt, ein Vorwurf, der auch schon während der Einsätze im Kosovo, im Irak und in Afghanistan erhoben wurde:

„NATO vergiftet Libyen mit abgereichertem Uran. NATO-Flugzeuge sind routinemäßig mit panzerbrechenden Raketen ausgerüstet, die mit Sprengköpfen aus abgereichertem Uran bestückt sind. Es wurde breitflächig berichtet, daß die NATO hunderte solcher panzerbrechenden Raketen in vielen Teilen Libyens einsetzte, inklusive in unmittelbarer Umgebung der libyschen Hauptstadt Tripolis. Das bedeutet, daß tausende Kilogramm abgereicherten Urans in den letzten Wochen in Libyen zum Einsatz kamen. Abgereichertes Uran, auch bekannt als DU [Depleted Uranium, d. Autor], entzündet sich beim Aufprall auf gepanzerte Fahrzeuge. Die Verbrennung verwandelt das DU in ein mikroskopisches Pulver, gemessen in Mikrons oder dem millionsten Teil eines Zoll [Ein Zoll bzw. Inch = 2.54 Zentimeter, d. Autor]. Beim Aufschlag erzeugt DU einen Feuerball, der in vielen Fällen hunderte Fuß [ein Fuß = 30.48 Zentimeter, d. Autor] in die Atmosphäre ragt und vom Wind über große Gebiete verteilt wird.“

Lassen Sie uns die wichtigsten Punkte des Libyenkrieges noch einmal zusammenfassen:

  • Es ist erwiesen, daß Teile der sogenannten „Oppositionskräfte“, die gegen das Regime Muammar al-Gaddafis kämpften, vom US-Auslandsgeheimdienst CIA sowie seinem britischen Pendant MI6 mit Waffenlieferungen unterstützt wurden. Darunter befanden sich auch alte Bekannte aus den Reihen der Terrororganisation al-Qaida, einer ursprünglich von Zbigniew Brzezinski und der CIA zusammengetrommelten und organisierten Truppe, angeführt von Osama Bin Laden aus der Familie der Bin Ladens, die langjährige, blühende Geschäftsbeziehungen zur Bush-Dynastie aus dem Umfeld der Neocon-„Kriegsfalken“ vorweisen kann. Ebenso unstrittig ist, daß Libyen schon lange vor dem dort begonnenen Krieg auf der geostrategischen Wunschliste ebendieser Herrschaften stand. Es sollten sieben Länder in fünf Jahren „befriedet“ werden: Irak, Iran, Syrien, Libanon, Libyen, Sudan, Somalia.
  • Gaddafi soll, ebenso wie vor ihm schon Hussein, eine Abkehr vom US-Dollar als Handelswährung geplant haben: es sollte eine goldgedeckte Währung eingeführt werden, der „Afrikanische Dinar“. Damit hätte ein weiteres Land dem Federal Reserve-Dollar Lebewohl gesagt.
  • laut einem Bericht der UN gehörte Libyen vor dem Krieg zu den am höchsten entwickelten, wohlhabendsten Ländern Afrikas. Ein Bewässerungsprojekt namens „GMMRP“ („Great Man-Made River Project“) hätte eine Landwirtschaft entstehen lassen können, die es sogar mit dem berühmten „Joaquin Valley“ in Kalifornien hätte aufnehmen und Konkurrenten wie Ägypten oder Israel den Rang als größte Lieferanten von Nahrungsmitteln Richtung Europa hätte ablaufen können. Kurz: Es hätte in der Region eine Rolle als wirtschaftlich aufstrebender, „dominanter geopolitischer Spieler“ einnehmen können, die laut Brzezinski auf jeden Fall verhindert werden müsse. Dieser schrieb in seinem Buch „Die einzige Supermacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ wortwörtlich, wer den Mittleren Osten und Eurasien im Griff habe, könne auch Afrika „unterwerfen„. Aus der Zeit der Bush-Cheney-Regierung ist bekannt, daß man sich nach dem Mittleren Osten verstärkt Afrika zuwenden wollte – u.a. wegen des dort reichlich vorhandenen Öls, aber auch wegen anderer Rohstoffe, die für jede moderne Industriegesellschaft überlebenswichtig sind.
  • Der wohl berühmteste Vorfall im Kontext und Gefolge des Libyenkrieges, der international Schlagzeilen machte, die sogenannte „Benghasi-Affäre“, wurde von der US-Regierung unter Obama vertuscht. Es handelte sich nicht um einen zufällig erfolgten Angriff auf ein „Konsulat“, von dem heute bekannt ist, daß es als eine Art Schaltzentrale zur Weiterleitung von Waffen an Rebellen und „Freiheitskämpfer“ diente, die bald darauf in Syrien auftauchten, um dort Krawall zu machen, sondern eine von Washington stillschweigend hingenommene Attacke, um Spuren einer direkten Beteiligung der US-Regierung sowie des Geheimdienstes CIA an Waffenschmuggeleien zu verwischen. Präsident Obama und sein Stab wußten eindeutig mehr, als sie öffentlich zugaben: Sie sollen schon im Vorfeld über einen bevorstehenden Angriff informiert gewesen sein, aber nichts unternommen haben, um Schlimmeres zu verhindern.

Vielleicht hat diese Form der US-Außen- und Geopolitik auf dem afrikanischen Kontinent ja auch etwas zu tun mit einer Agenda, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entworfen und unter dem Titel „NSSM200“ – „National Security Study Memorandum 200“ – bekannt wurde. Es handelte sich um ein Strategiepapier, das vom „National Security Council“ am 10. Dezember 1974 fertiggestellt und von Präsident Gerald Ford als offizielle US-Politik akzeptiert und genehmigt wurde. Das Projekt stand unter der Leitung von Henry Kissinger. Darin hieß es (Hervorhebung durch mich):

„Die US-Wirtschaft wird große und steigende Mengen an Mineralien aus Übersee benötigen, besonders aus weniger entwickelten Ländern [siehe dazu die Nationale Kommission zur Rohstoffpolitik, «Für eine nationale Rohstoffpolitik«, grundlegende Daten und Aspekte, April 1972]. Diese Tatsache sorgt für gehobenes Interesse der USA an der politischen, ökonomischen und sozialen Stabilität der Lieferländer. Wo immer eine Verringerung des Populationsdrucks durch reduzierte Geburtenraten die Aussicht auf eine solche Stabilität erhöht, wird Bevölkerungspolitik für die Rohstoffversorgung und die wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten relevant. … Die Lagerstätten bekannter Reserven hochwertigerer Erze der meisten Mineralien begünstigen eine zunehmende Abhängigkeit aller industrialisierten Regionen von Importen aus Entwicklungsländern. Die wirklichen Probleme der Mineralienversorgung liegen nicht im bloßen physischen Vorhandensein der Stoffe, sondern in den politisch-ökonomischen Aspekten ihrer Zugänglichkeit, den Bedingungen für Exploration und Ausbeutung sowie der Aufteilung der Profite zwischen Produzenten, Konsumenten und den Regierungen der Anbieterländer.“

Um einen der Schlüsselsätze zum Verständnis der heutigen AFRICOM-Politik für den afrikanischen Kontinent noch einmal zu wiederholen: „Wo immer eine Verringerung des Populationsdrucks durch reduzierte Geburtenraten die Aussicht auf eine solche Stabilität erhöht, wird Bevölkerungspolitik für die Rohstoffversorgung und die wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten relevant„.

Und in guter Tradition der vorangegangenen Kapitel auch diesmal wieder ein kleines Schmankerl zum Schluß – in Form zweier Datenblätter. Sie können den Gesamtüberblick unter diesem Link ganz in Ruhe studieren oder z.B. ins pdf-Format konvertieren und herunterladen. Es geht um Waffenexporte der EU nach Libyen. Viel Vergnügen beim Betrachten der menschenrechtlichen, humanitären Konsequenz und der „Friedensprinzipien“ (Berthold Kohler, FAZ) des unleugbar guten™ europäischen Paradiesprojektes:

Aus einem Artikel des „Guardian“, 1. März 2011

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