Mathias Döpfner: Hält er seine Leser für komplett doof?

Von allen Seiten nimmt die versuchte Einflussnahme auf die Arbeit der Journalisten zu. An ihrer Freiheit und Unabhängigkeit darf nicht gerüttelt werden. Der physische und ideelle Schutz von Journalisten ist Kernbestand der inneren Sicherheit eines Rechtsstaats.

Quelle: Mathias Döpfner: Das Prinzip Zeitung – WELT

Wenn ausgerechnet der Chef der Lügenterror-Organisation „Springer’scher Tiefenstaat“, Bannerträger transatlantischer bzw. anglo-amerikanischer Postfaktizität,  seinen Lesern etwas über freie, unabhängige Journalisten erzählen möchte, kann man sich die Lektüre der entsprechenden Elaborate sparen. Stattdessen sollte man auf eines der berühmtesten Zitate aus der Welt des gedruckten Wortes verweisen – aus der Feder eines Menschen, der es wissen mußte, da er selber in diesen Strukturen steckte.

Und mehr habe ich der Schwallbacke Döpfner nicht zu sagen. Sowas ist eine Zumutung und eine Frechheit. Freie und unabhängige Presse. Wen will dieser Heini eigentlich verarschen?

„So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, durchweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

  • John Swinton, US-Journalist und Publizist, 1883

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