Nervengift-Miterfinder: „Alle haben Russland hofiert. Niemand hat das Gift verboten“ – WELT

Erneut wurden in Großbritannien zwei Menschen durch Nowitschok vergiftet. Das auch beim Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal verwendete Gift wurde von der Sowjetunion erfunden. Wil Mirsajanow war Teil des Entwickler-Teams. Er wirft Europa schwere Versäumnisse vor.

Quelle: Nervengift-Miterfinder: „Alle haben Russland hofiert. Niemand hat das Gift verboten“ – WELT

Gleich an den Anfang meines bescheidenen Beitrages zu dieser Burleske, dieser geckenhaft-gimpelgrotesken Inszenierung, die selbst RTL2 wegen Unglaubwürdigkeit als „Großen TV-Roman“ gewiß abgelehnt hätte, möchte ich das passende Zitat setzen:

„Die deutsche Journalistik war und ist zum größten Theile noch ein wahrer Schandfleck unsrer Culturgeschichte. Man konnte die öffentlichen Urtheile in den Blättern nurt eintheilen in absichtlich lügenhafte oder bornirte.“

  • Karl Leberecht Immermann

Vielleicht noch ein zweites, das der unfreiwilligen Komik solcher Vermeldungen gerechter wird:

»Es sprach der Zeitungsredakteur: Eine Schlagzeile muß her! Ich glaube fast das isse: „Hornist erschlägt Hornisse“«

  • Erhard Horst Bellermann

Und wer es etwas temperamentvoller, pfeffriger mag:

„Der Journalismus ist eine Hölle, ein Abgrund, in dem alle Lügen, aller Verrat, alle Ungerechtigkeit lauert; niemand bleibt rein, der ihn durchschreitet.“

  • Honoré de Balzac

Schon der erste angebliche Anschlag mit Nowitschok bleibt bis heute unaufgeklärt. Niemand vermag mit Gewißheit zu sagen, was wirklich vorfiel. Es tauchten widersprüchliche Berichte auf, zahllose sogar. Erst wurde behauptet, nur die Sowjetunion könne dieses Nervengift herstellen, eine Falschbehauptung übrigens, der internationale Fachleute widersprachen: das Gift könne heuer von ca. 20 Staaten synthetisiert werden. Den Giftstoff gibt es auch in Labors von Nato-Ländern. Übrigens befindet sich ganz in der Nähe des Tatorts, an dem die Skripals angeblich mit dem russischen Toxin in Berührung gekommen sein sollen, in Porton Down, ein Labor der englischen Regierung, das auch Nervengifte untersucht …

Kurz und schlecht, das ganze Affentheater namens „Skripal-Affäre“ war und ist bis heute ein einziges Kuddelmuddel. Dies schien für die Nato-Werbeflyer der hiesigen Atlantikpresse allerdings kein größeres ethisches Hindernis darzustellen, die auf einer Beweislage, neben der Treibsand so solide erscheinen muß wie ein Atombunker oder die Tresortüren von Fort Knox, putzmunter drauflos geiferten und sich sogar noch vor Veröffentlichung irgendwelcher Ermittlungsergebnisse bemüßigt fühlten, den Hanussen zu mimen und die Resultate gleich hellzusehen.

Doch Sarkasmus mal beiseite: Worum könnte es hier wirklich gehen? Denn wenn in kurzer Zeit gleich zweimal hintereinander derselbe Schmuh aufgetischt wird, leidet die Glaubwürdigkeit recht deutlich.

Also ich könnte mir da mehrere Szenarien denken:

  1. Entweder steht es trotz aller Durchhaltepropaganda – „Den Finanzsystemen des Westens wird es noch in tausend Jahren besser gehen als bisher gedacht!“ – um selbige weitaus schlechter, als Experten für Keynsianismus, sprich Sorglos-Schuldenmacherei bei bzw. Verpfändung von Arbeitskraft Neugeborener an Zentralbanker-Dynastien, sich bislang auch nur vorzustellen vermochten. Es wäre ja nicht das erste Mal in der Geschichte, daß Kriegsgetöse Kassensturzgeklingel übertönen soll.
  2. Durch die sichtlich verkrampft, arg bemüht und drehbuchös wirkende Aufrechterhaltung dieser Bedrohungskulisse soll den Arbeitern und Bauern der Eurubelzone die „Notwendigkeit“ einer gemeinsamen™ europäischen „Verteidigung“ schmackhafter gemacht werden. Vorstöße in dieser Richtung wurden ja erst neulich unternommen, nicht zuletzt durch die Dauerpropaganda über dauerversagendes deutsches Wehrmaterial. Ich meine, wenn Deutschland schon nicht mehr kann, herrje, da hilft wohl wirklich nur noch eine EU-Armee …
  3. und am unwahrscheinlichsten: Irgend so ’ne Journulpe der Springerpresse hatte Langweile und gab sich wieder ihrem russophoben Tourettesyndrom hin.

Und was würde es nützen, würde ich wahrheitsgemäß kontern: „Alle haben die USA stets hofiert. Niemand hat Munition aus abgereichertem Uran verboten.“

Was soll’s. Mein Tipp: Lassen Sie sich von solchen billigen und plumpen Versuchen, Ihnen Angst einzujagen, nicht den schönen Sommer verhageln. Für diejenigen, die solche G’schichten tatsächlich glauben, kommt – sorry, isso – ohnehin jede Hilfe zu spät.

 

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