Putin bleibt cool und verhindert den Dritten Weltkrieg – LewRockwell

Der Artikel von Robert Bridge (Strategic Culture) erschien am 22. September 2018 auf der Website von Lew Rockwell. Übersetzung durch Axel B.C. Krauss. 

Quelle: Putin Keeps Cool and Averts WWIII – LewRockwell

Israel, Frankreich und den Vereinigten Staaten war bei ihrer Initiierung eines Angriffs auf die syrische Provinz Latakia, in der sich die russische Luftwaffenbasis Khmeimim befindet, gewiß klar, daß sie mit einem potentiellen Disaster flirteten. Trotzdem führten sie die Operation durch.

Unter dem Vorwand, der Iran bereite sich auf eine Lieferung technischer Systeme zur Waffenproduktion an die Hisbollah im Libanon vor, zerstörten israelische F-16-Kampfflugzeuge, unterstützt von französischen Raketenstarts im Mittelmeer, eine mutmaßliches Munitionsdepot der syrischen Armee. 

Was danach geschah, wurde bereits gut dokumentiert: ein russisches Il-20-Aufklärungsflugzeug, das die israelischen Kampfjets Berichten zufolge als Deckung benutzten, wurde von einem S-200-Boden-Luft-Raketensystem der syrischen Armee abgeschossen. Fünfzehn russische Soldaten verloren bei dem Unglück ihr Leben, das man hätte verhindern können, hätte Israel mehr als nur eine einminütige Warnung vor dem Angriff ausgesprochen. Das Resultat war Chaos. 

Ob es nun stimmt oder nicht, der Iran habe Waffenproduktionssysteme an die Hisbollah im Libanon liefern wollen, ist ein irrelevanter Punkt, der auf löchriger Logik fußt. Ein Angriff auf ein Munitionsdepot in Syrien – in der Nähe der russischen Khmeimim-Luftwaffenbasis – um Israel zu schützen, ergibt nicht viel Sinn, wenn die Konsequenz einer solchen „Schutzmaßnahme“ einen Flächenbrand von der Dimension eines Dritten Weltkrieges hätte sein können. Dies wäre ein unakzeptabler Preis gewesen, um ein so begrenztes Ziel zu erreichen; zudem hätte es besser mit Unterstützung Russlands umgesetzt werden können statt mithilfe des Nato-Partners Frankreich. Jedenfalls gibt es ein sogenanntes „Deeskalations-System“ zwischen Israel und Russland, das entwickelt wurde, um genau diese Art von Vorfällen zu verhindern. 

Nur Stunden vor dem israelischen Schlag gegen das angebliche syrische Munitionslager befanden sich Putin und der türkische Präsident Recep Edogan in Sochi, um Details über einen Plan zur Rückeroberung der Provinz Idlib vorzustellen, der letzten verbliebenen Terroristen-Hochburg des Landes. Der Plan umfaßte die Schaffung einer demilitarisierten Pufferzone zwischen der Regierung und Rebellenkräften inklusive Beobachtern, die über die Umsetzung des Planes wachen sollten. Mit anderen Worten wurde er entwickelt, um exakt das vermeiden, worum sich westliche Beobachter sorgten, nämlich „Kollateralschäden“. 

Was machen also Frankreich und Israel nach der Erklärung eines zumindest relativen Friedens sowie der Ankündigung einer effektiven Maßnahme zur Reduzierung von Opfern? Sie starten einen zynischen Angriff auf Syrien, durch den sie genau diejenigen syrischen Zivilisten der Gefahr eines militärischen Konfliktes aussetzen, vor dem sich zu fürchten westliche Oberhäupter behaupten.

Israel wechselt zu „Schadenskontrolle“

Obwohl Israel den seltenen Schritt ging, die Beteiligung am Angriff auf Syrien zuzugeben und sogar „Reue“ für den Verlust russischer Leben auszudrücken, bestand man darauf, Damaskus solle für die Tragödie zur Verantwortung gezogen werden. Das ist ein höchst diskussionswürdiges Argument.

Angesichts der Tatsache, daß die französischen und israelischen Kräfte sich verbündet hatten, um das Territorium eines souveränen Landes anzugreifen, wodurch sie Syrien dazu zwangen, Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen, ist ziemlich offensichtlich, wer wirklich für den Abschuß des russischen Flugzeuges verantwortlich ist.

„Die Schuld für den Abschuß des russischen Flugzeuges und den Tod der Besatzung liegt voll und ganz auf israelischer Seite“, sagte der russische Verteidigungsminister Sergey Shoigu. „Die Aktionen des israelischen Militärs fanden nicht im Geiste der russisch-israelischen Partnerschaft statt, also behalten wir uns das Recht vor, darauf zu reagieren.“

Nichtsdestoweniger versprach Putin nach dieser extrem bedachten und verhaltenen Bemerkung, Russland würde besondere Schritte zum Schutz seiner Truppen in Syrien unternehmen und sagte, es werde sich um solche handeln, „die jedermann klar erkennt.“

Nun macht man sich in Israel Sorgen, die IDF könnten in ihrer Freiheit, Operationen gegen Ziele in Syrien durchzuführen, stark eingeschränkt werden. Weil Russland, das gerade erst einen Verlust aufgrund „freundlichen Feuers“ durch sein eigenes, veraltetes S-200-System erlitt, auf die Idee kommen könnte, Syrien mit dem fortschrittlicheren S-300-Luftverteidigungssystem zu beliefern.

Zu einem früheren Zeitpunkt dieses Jahres trafen Putin und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ein Abkommen, das die Stationierung dieser Verteidigungssysteme in Syrien verhindern sollte. Dieses Abkommen ist nun ernsthaft gefährdet. Zusätzlich zu anderen Verteidigungsmaßnahmen könnte Russland im Prinzip die Bedingungen für eine veritable Flugverbotszone über dem Westen Syriens durch den Umstand schaffen, daß es für ausländische Flugzeuge einfach zu gefährlich sei, die Zone zu durchfliegen.

Die gesamte Situation, die sich gewiß nicht wie geplant entwickelte, zwang Israel dazu, Schadenskontrolle zu betreiben, da sie nun versuchen, ihre russischen Pendants davon abzuhalten, Syriens Westgrenze im Prinzip abzuschotten.

Am Donnerstag werden der israelische Generalmajor Amikam Norkin und Brigadegeneral Erez Maisel zusammen mit Offizieren der Nachrichtendienste und Operationsdirektoren der israelischen Luftwaffe für einen Besuch nach Moskau reisen, wobei erwartet wird, daß sie dort ihre Sorgen bezüglich „kontinuierlicher Versuche des Iran, strategische Waffen an die Hisbollah-Terrororganisation zu liefern und eine iranische Militärpräsenz in Syrien aufzubauen“, äußern.

Moskau wird seine israelischen Partner gewiß fragen, ob es sich rechtfertigen läßt, russische Soldaten inakzeptablen Gefahren bis hin zum Tod auszusetzen, nur um israelische Interessen zu verteidigen.  Es bleibt abzuwarten, ob beide Seiten im Nebel des Krieges eine ehrliche Methode finden werden, den syrischen Konflikt zu beenden, was die israelischen Sorgen hinsichtlich des iranischen Einflusses in der Region stark mindern würde.

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