Sanktionen: USA verlangen weltweiten Import-Stopp für iranisches Öl – WELT

Die USA wollen nach ihrem Austritt aus dem Atomabkommen mit dem Iran dem Land mit einem Total-Embargo beim Öl die wichtigste Einnahmequelle nehmen. Wer sich nicht daran halte, müsse mit Sanktionen rechnen.

Quelle: Sanktionen: USA verlangen weltweiten Import-Stopp für iranisches Öl – WELT

Verzeihen Sie bitte, wenn ich als leidgeprüfter Kenner der Außenpolitricks der Vereinigten Schurkenstaaten von Zentralbankierika erstmal wieder meinen Kiefer einrenken muß. Vom Gähnen. Wissen Sie, wenn man sich nur lange genug mit den Hintergründen vermeintlich zufälliger, unzusammenhängender geopolitischer Großereignisse bzw. Großergüsse, vor allem Blutergüsse, beschäftig, kann einen eigentlich nichts mehr überraschen.

Nun möchten die USA unter Trump also einen weltweiten Import-Stopp für iranisches Öl durchsetzen. Aber warum? Woher kommt denn diese „plötzliche“ Entscheidung?

Nun, weil der Iran schon seit langer Zeit auf der Abschußliste steht. Beziehungsweise, einer Abschußliste mit sieben Ländern, die ursprünglich in fünf Jahren „befreit“ werden sollten – was im Klartext bedeutet, befreit von, na sagen wir mal, „unamerikanischen Umtrieben“.

Ich möchte hierzu aus meinem Buch „Die Welt auf Kriegskurs“ zitieren (sorry für die Eigenwerbung, ich reiß auch gleich die Fenster auf), denn es enthält eine in diesem Kontext sehr erhellende Passage:

„Wesley Clark, US-Vier-Sterne-General a.D., Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte im Jugoslawien-Krieg 1999, gab der Journalistin Amy Goodman von ‚Democracy Now‘ im Jahre 2007 ein äußerst erhellendes Interview. Er sprach darin über einen Plan des Pentagon, sieben Länder in fünf Jahren anzugreifen. Nachfolgend ein Ausschnitt aus dem Interview:

‚Amy Goodman: Nun, in der restlichen Stunde werden wir General Wesley Clark bezüglich eines möglichen Angriffes auf den Iran hören, eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Bush, die Verwendung von Clusterbomben, die Bombardierung von Radio-Television Serbia während des Kosovo-Krieges unter seinem Kommando und vieles mehr. Ich interviewte General Clark am Dienstag in der 92sten Straße in New York.

A. Goodman: Lassen Sie uns nun über den Iran reden. Sie haben eine ganze Webseite der Verhinderung dieses Krieges gewidmet.

W. Clark: www.stopiranwar.com.

A. Goodman: Sehen Sie hier eine Wiederholung der Geschehnisse, die zum Irakkrieg führten – die Vorwürfe der Existenz von Massenvernichtungswaffen, die auf diesen Zug aufspringenden Medien?

W. Clark: Nunja, gewissermassen. Aber wissen Sie, Geschichte wiederholt sich nicht in genau derselben Weise. Wovor ich warnte, als ich vor dem Kongreß im Jahre 2002 meine Aussage machte, war: Wenn ihr euch über einen Staat sorgen machen wollt, sollte es nicht der Irak sein, sondern der Iran. Aber diese Regierung, unsere Administration, wollte sich um den Irak sorgen, nicht den Iran. Ich wußte warum, weil ich direkt nach 9/11 im Pentagon unterwegs war. Ungefähr zehn Tage nach 9/11 ging ich durchs Pentagon und sah Verteidigungsminister Rumsfeld sowie seinen Stellvertreter Wolfowitz. Ich ging die Treppe hinunter, um einigen der Leute des Vereinigten Stabes, die für mich gearbeitet hatten, Hallo zu sagen. Einer der Generäle bestellte mich zu sich. Er sagte »Sir, Sie müssen hereinkommen und eine Sekunde mit mir reden«. Ich sagte »Naja, Sie sind doch zu beschäftigt«. Er sagte »Nein, nein. Wir haben uns entschieden, Krieg gegen den Irak zu führen«. Das dürfte am 20. September gewesen sein. Ich fragte »Wir führen Krieg im Irak? Warum?«. Er sagte »Ich weiß es nicht. Ich denke, sie wissen nicht, was sie sonst tun sollen«. Also sagte ich »Nun, fanden sie denn irgendwelche Informationen, daß Saddam Verbindung zu al-Qaida hat?«. Er sagte »Nein, nein. Da gibt es nichts Neues. Sie haben sich ganz einfach entschieden, den Irak anzugreifen. Ich denke, wir wissen nicht, was wir gegen Terroristen unternehmen sollen, aber wir haben ein gutes Militär und können Regierungen zu Fall bringen«. Dann sagte er »Ich glaube, wenn das einzige Werkzeug in ihrem Arsenal ein Hammer ist, muß jedes Problem wie ein Nagel aussehen«

Also suchte ich ihn ein paar Wochen später nochmal auf, als wir bereits Afghanistan bombardierten. Ich sagte »Werden wir immer noch Krieg im Irak führen?«, und er antwortete: »Oh, es ist viel schlimmer als das«. Er beugte sich über seinen Tisch und nahm ein Papier in die Hand. Und er sagte »Ich habe das hier von oben hereingereicht bekommen« – er meinte damit das Büro des Verteidigungsministers – »Und zwar heute«. Dann sagte er »Dies ist ein Memo, das beschreibt, wie wir sieben Länder in fünf Jahren ausschalten werden, beginnend mit dem Irak, dann Syrien, den Libanon, Libyen, Somalia, Sudan, und dann erledigen wir den Iran«. Ich fragte »Unterliegt es der Geheimhaltung?«, er antworte »Ja, Sir«. Ich sagte »Nun, dann zeigen Sie es mir nicht«. Ich sah ihn vor ungefähr einem Jahr nochmal, und er sagte »Erinnern Sie sich daran?«. Er sagte »Sir, ich habe Ihnen dieses Memo nicht gezeigt. Sie haben es nicht von mir gezeigt bekommen!«.

A. Goodman: Verzeihung, wie lautete sein Name nochmal?

W. Clark: Ich werde Ihnen seinen Namen nicht geben.

A. Goodman: Okay, dann gehen Sie nochmal die Länder durch.

W. Clark: Nun, es startet mit dem Irak, dann Syrien und der Libanon, dann Libyen, Somalia, der Sudan und dann der Iran. Wenn Sie sich den Iran anschauen, sagen Sie: »Ist das eine Wiederholung?« Eine exakte Wiederholung ist es nicht. Aber das ist die Wahrheit: Der Iran hat von Anfang an die Präsenz der Vereinigten Staaten im Irak als Bedrohung gesehen – andererseits als Segen, weil wir Saddam Hussein und seine Baathisten beseitigt haben.  Mit denen kamen sie nicht klar. Wir haben uns um die gekümmert. Aber eben auch als Bedrohung, weil sie wußten, daß sie als Nächstes auf der Liste stehen. Und so haben sie sich beteiligt. Sie haben eine Million Menschen während des Krieges mit dem Irak verloren, und sie haben eine lange Grenze, die nicht zu schützen und nicht zu sichern ist. Also lag es in ihrem vitalen Interesse, im Irak massiv involviert zu sein. Sie tolerierten unsere Angriffe auf die Baathisten. Sie waren glücklich, daß wir Saddam Hussein erwischten.

Aber sie bauen ihr eigenes Netzwerk der Einflußnahme auf, und um es zu zementieren, leisten sie gelegentlich militärische Unterstützung, trainieren und beraten entweder direkt oder indirekt beide Seiten, sowohl die Rebellen als auch die Milizen. Und in diesem Sinne läuft es eben nicht exakt parallel, weil es, soweit ich weiß, eine kontinuierliche iranische Einmischung gab, zum Teil legal, zum Teil illegal. Ich meine, Sie können dem Iran kaum vorwerfen, daß sie Irakern, die medizinische Hilfe brauchen, Augenoperationen anbieten. Das ist vielleicht kein Vergehen, wegen dem man in den Krieg ziehen könnte. Aber es ist ein Versuch, an Einfluß zu gewinnen.

Und die Regierung weigerte sich beharrlich, mit dem Iran über seine Wahrnehmung der Sache zu reden, teilweise deshalb, weil sie es sich nicht verscherzen will mit ihrer inländischen – unserer US-inländischen politischen Basis, dem rechten Flügel, außerdem, weil sie keine Regierung legitimieren will, die sie ja umzustürzen versuchte. Wenn Sie der Iran wären, würden Sie wahrscheinlich glauben, daß Sie sich eh längst im Krieg mit den Vereinigten Staaten befänden, da wir ja behauptet hatten, Ihre Regierung benötige eine Regimewechsel, und den Kongreß darum baten, dafür 75 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, außerdem unterstützen wir offensichtlich terroristische Gruppierungen, die sowohl den Irak als auch den Iran infiltrieren und dort Sachen in die Luft jagen. Und wenn wir es nicht tun, naja, lassen Sie es mich so formulieren: wir wissen wahrscheinlich darum und ermutigen dazu. Es ist also nicht überraschend, daß wir uns auf eine Punkt zubewegen, an dem es zum Konflikt und zur Krise mit dem Iran kommt.

Soviel dazu. Also sieben Länder in fünf Jahren: Irak, Syrien (!), Libanon, Libyen (!), Sudan, Somalia (Trump stockte dort bereits Truppenkontigente auf) – und zum Schluß den Iran. Sonst noch Fragen zur „Zufälligkeit“ oder hirnzertretsmühlenartig wiederholten Fake News, Donald Trump sei „unberechenbar“ und „unkalkulierbar“? Er folgt einer außenpolitischen bzw. geostrategischen Agenda, die schon viele Jahre auf dem Buckel hat – bevor er überhaupt als Präser kandidierte.

Doch es kommt noch besser. Viel, viel besser, und ich will ganz ehrlich sein: Es macht mir, pardon, einen verdammten orgiastischen Heidenspaß, Ihnen diese Informationen zu präsentieren. So manchem Leser dürften die Augen aus den Höhlen quellen. Lesen Sie im Folgenden das Protokoll einer US-Senatsanhörung von 2007, in dem niemand geringerer als der 2017 verstorbene „Meisterstratege“ der „Neuen Weltordnung“, Zbigniew Brzezinski, das weitere Vorgehen im Nahen und Mittleren Osten ausführlichst erläuterte (das Exzerpt stammt ebenfalls aus „Die Welt auf Kriegskurs“):

„In einer Anhörung vor dem US-Senat am 1. Februar 2007 sagte Brezinski wortwörtlich, es handele sich beim Krieg gegen der internationalen Terrorismus um eine »mystische historische Erzählung« (Hervorhebungen durch mich):

»Sollten die Vereinigten Staaten fortfahren, sich auf ein langwieriges Engagement im Irak einzulassen, wäre die Endstation dieser Talfahrt ein Konflikt mit dem Iran und mit einem großen Teil der islamischen Welt. Ein plausibles Szenario für eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran beinhaltet ein Versagen im Irak und ein Verfehlen der dortigen Ziele, gefolgt von Anschuldigungen, der Iran sei für dieses Scheitern verantwortlich; dann von irgendeiner Provokation im Irak oder einem Terrorangriff in den USA, den man dem Iran in die Schuhe schieben wird, kulminierend in einer ‚defensiven‘ US-Militäraktion gegen den Iran, durch die ein einsames Amerika in einem sich ausweitenden und vertiefenden Morast versinken würde, der sich schlußendlich durch den Irak, Iran, Afghanistan und Pakistan ziehen wird. Ein mystisches historisches Narrativ zur Rechtfertigung eines solchen langwierigen und potentiell ausgedehnten Krieges wird bereits formuliert. Ursprünglich gerechtfertigt durch Falschbehauptungen über die Existenz von WMDs [Weapons of Mass Destruction, Massenvernichtungswaffen, d. Autor] wird der Krieg nun umdefiniert zu dem »entschlossenen ideologischen Kampf« unserer Zeit schlechthin, der an die Zusammenstöße mit dem Nazismus und Stalinismus erinnere. In diesem Kontext werden der islamistische Extremismus und al-Qaida als Entsprechung zur Bedrohung durch Nazi-Deutschland und dann die Sowjetunion präsentiert, 9/11 als Entsprechung zum Angriff auf Pearl Harbor, der Amerikas Eintritt in den Zweiten Weltkrieg herbeiführte. Dieses simplizistische und demagogische Narrativ übersieht die Tatsache, daß der Nazismus auf der militärischen Stärke des industriell am weitesten fortgeschrittenen europäischen Staates basierte und der Stalinismus fähig war, nicht nur die Ressourcen der siegreichen und militärisch mächtigen Sowjetunion zu mobilisieren, sondern auch weltweite Anziehungskraft über die marxistische Doktrin ausübte. Im Gegensatz dazu akzeptieren die meisten Muslime den islamischen Fundamentalismus nicht; al-Qaida ist eine isolierte fundamentalistisch-islamistische Irrung; die meisten Iraker sind wütend über die amerikanische Besetzung des Irak, die den irakischen Staat zerstörte; während der Iran – auch wenn er regional einflußreicher wird, selber politisch geteilt sowie ökonomisch und militärisch schwach ist. Zu argumentieren, Amerika befände sich in der Region bereits im Krieg mit einer größeren islamischen Bedrohung, deren Epizentrum der Iran sei, läuft darauf hinaus, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu verbreiten

Rumms. Doing. Pardauz. Klingeling. Good morning, sunshine. Waky Waky.

Diese außenpolitische Entwicklung kommt also alles andere als überraschend. Denn solche Sanktionen werden selbstverständlich aus Gründen der Provokation verhängt; es geht hier ganz eindeutig darum, Teheran „in die Knie zu zwingen“ und zu „Kurzschlußreaktionen“ zu bewegen, eben solchen, wie Brezinski sie in obigem Auszug aus der Mitschrift einer US-Senatsanhörung beschrieben hatte.

Geehrte Herrschaften Mitläufer, Kollaborateure und Komplizen der transatlantrickreich versifften Kriegstreiberpresse – ihr wißt schon, wen ich meine: Sollte es tatsächlich (schlimmstenfalls) zum Krieg gegen den Iran kommen, werden die Folgen nicht nur dramatisch, sondern katastrophal sein.

Um es gleich klarzustellen: Nein, ich bin weder Apologet noch Freund des Mullah-Regimes in Teheran. Absolut nicht. Doch die Frage hier ist eine ganz andere: Glaubt ihr ernsthaft, nach dem gezielt aufgerührten Chao™ in der (von Brezinski in seinem Buch „The Grand Chessboard“ so genannten) „Zentraleurasischen Region“, zu der auch der Iran gehört, nach all den kriegerischen Zerstörungsorgien im Irak, in Afghanistan, in Syrien und vor allem in Libyen – glaubt ihr ernsthaft, dieses Mal würde alles anders? Glaubt ihr wirklich, dieser Krieg diene nun aber wirklich ausnahmsweise mal der „Demokratisierung“ und „Befreiung“ des Landes? Entschuldigung, aber wollt ihr mich verarschen?

Ich kann euch jetzt schon sehr genau sagen, wie ein solcher Feldzug ausginge: Mal abgesehen von den unmittelbaren Folgen (unzähligen Toten, Leid, Elend, Not und Zerstörung, so wie bisher auch …) wäre das sich direkt daran knüpfende Resultat eine erneut dramatisch anschwellende Massenmigration aus dieser Region. Denn das Risiko ist exorbitant hoch, daß ein solcher Krieg die gesamte Region entzünden könnte. Und wohin würden all diese Menschen dann fliehen? Auf selbstgehäkelten Flössen nach Amerika paddeln? Nach Australien schwimmen? Zu den Malediven durchtauchen, um dort Perlen und Korallen für Touristen zu sammeln?

Jo, eben: Es wird Richtung Europa gehen. Und somit natürlich auch Deutschland. Viel Glück, kann ich da nur sagen.

Mal ganz zu schweigen von der dadurch stark steigenden Weltkriegsgefahr: Denn sollte die Nato (Nordatlantische Terrororganisation) unter Führung der USA dort für ausgelassene Partystimmung sorgen (zumindest in den Chefetagen der amerikanischen Rüstungskonzerne, die von einem solchen „humanitären Einsatz“ profitieren würden), hätten Russland und China gewiß ihre, naja, Einwände.

Es ist einfach nicht mehr lustig, dabei zusehen zu müssen, wie eine Bande psychopathischer Kriegshetzer die Welt in Brand zu stecken versucht.

 

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