Warum Japan die nächste Krise auslösen könnte | The Daily Bell

Quelle: Why Japan may spark the next crisis | The Daily Bell

Artikel von Simon Black (Sovereignman.com) vom 1. August 2018. Übersetzung durch Axel B.C. Krauss.

In einer Welt rücksichtsloser und extremer Geldpolitik schießt Japan zweifellos den Vogel ab.

Das Land hat Gesamtschulden von mehr als EINER BILLIARDE YEN (ungefähr 10 Billionen Dollar) und treibt seine Staatsschuldenquote auf kolossale 224% – womit es sogar den hoffnungslosen Fall Griechenland überflügelt, dessen Staatsschuldenquote bei 180% liegt.

Japan wendete letztes Jahr 24.1% seines Gesamteinkommens (ungefähr 23.5 Billionen Yen) für den Schuldendienst auf – sowohl für Kreditsummen als auch Zinsen. Und diese Prozentsatz hat sich dieses Jahr noch erhöht.

Vergessen Sie dabei nicht, daß es sich hier nicht um irgendeine Bananenrepublik handelt. Es ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Die Wirtschaft des Landes ist dermassen verschraubt, daß die Zentralbank, die „Bank of Japan“ (BOJ) Billionen von Yen aus dünner Luft schöpfte, um Staatsschulden aufzukaufen.

Die BOJ druckte Yen, um im Wesentlichen sämtliche der ausstehenden 9.5 Billionen an Staatsschulden kaufen zu können. Als die Anleihen zum Ankauf ausgingen, begann sie damit, Aktien zu erwerben. Nun ist die Bank unter den ersten Zehn Anteilseignern unter 40% der gelisteten japanischen Unternehmen.

Unlängst startete sie ein Programm zur „Kontrolle der Renditekurve“, was im Wesentlichen bedeutet, daß sie tun wird, was immer nötig ist, damit die Regierung nicht mehr als 0.1% Zinsen zahlen muß.

Doch in den letzten paar Wochen geschah etwas Interessantes …

Trotz des Versprechendes der BOJ, die Raten konstant und Anleiherenditen niedrig zu halten, wurden die anderen Eigner von japanischen Staatsanleihen (JGBs) nervös. Und begannen zu verkaufen.

Der Verkaufsdruck drückte die Anleihepreise (und umgekehrt Renditen und Raten nach oben) … in weniger als zwei Wochen schoßen die Renditen für JGBs mit einer Laufzeit von zehn Jahren von 0.03% auf 0.11% – ein Maximum in einem Zeitraum von 18 Monaten.

Wenn Sie einen Vermögenswert besitzen und nicht glauben, daß er gut performen wird, verkaufen Sie ihn. So fühlen sich die Leute ganz deutlich bezüglich Japans Schulden. Die Anleihen werfen ohnehin  fast nur noch null Gewinn ab.

Japan kämpft seit langer Zeit gegen Deflation. Und mit der Deflation – wenn die Kaufkraft Ihres Geldes sich jedes Jahr erhöht – könnten Sie darüber nachdenken, eine Anleihe zu halten, die so gut wie nichts abwirft – weil Sie ja immer noch ihre Kaufkraft bewahren.

Aber im Laufe des letzten Jahrzehnts oder etwas mehr verschrieb sich Japan der Inflation. Und heute hat es das Land mit einer Inflation von ca. 1% pro Jahr zu tun (mit einem Ziel von 2% pro Jahr).

Nun wird jeder, der JGBs hält, garantiert Geld verlieren. Und wer, der noch bei klarem Verstand ist, wird einen Wert halten, mit dem man garantiert Geld verliert?

Also verkaufen die Leute diese Anleihen. Mit dem Resultat, daß sich die Renditen erhöhen.

Renditen, die von 0.03% auf 0.11% steigen, mögen für Sie nicht sonderlich aufregend klingen. Aber denken Sie daran, was das für Japan bedeutet …

Das Land gibt bereits ein Viertel seines Steuereinkommens nur für den Schuldendienst auf. Es kann sich noch nicht mal den kleinsten Anstieg der Zinsraten erlauben.

Und weil Halter von Anleihen verkaufen und die Raten stiegen, hat die BOJ dreimal innerhalb einer Woche interveniert … um alle Anleihen aufzukaufen, die die Leute verkauft haben – im verzweifelten Versuch, die Zinsraten unten zu halten.

Das ist ganz offensichtlich eine finanzielle Verzweiflungstat.

Und um ehrlich zu sein, ist es ein wenig beängstigend.

Japan versinkt bereits bis zu den Augenrändern in Schulden … aber die BOJ erzählt der Welt, sie hätten gerade erst begonnen, noch mehr Anleihen zu kaufen – egal, was es kostet.

Es ist verrückt, sich anhören zu müssen, daß die mächtigsten Entscheidungsträger in Sachen Wirtschaftspolitik der drittgrößten Wirtschaft der Welt sagen, daß sie Zinsraten unten halten werden – ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden.

Es bedeutet, daß sie sich nicht um fiskalische Verantwortlichkeit scheren, wie sie die Kaufkraft der Ersparnisse der Bürger durch Inflation plündern werden oder ihre unterfinanzierten Renten, darum kämpfend, Erträge zu generieren. Das alles juckt sie nicht.

Die Regierung richtet den Fokus nur darauf, die Zinsraten niedrig zu halten … was sie tun müssen, um sicherzustellen, daß Japan nicht Bankrott anmelden muß.

Sollten die Zinsraten in Japan auch nur um 1% steigen, überstiege der jährliche Schuldendienst des Landes buchstäblich die gesamten Steuereinnahmen der Regierung.

Und deshalb ist das eine wirklich große Sache:

Erinnern Sie sich noch daran, wie im Juni verrückt gespielt wurde, als irgendein italienischer Finanzminister den Job nicht bekam?

Die Märkte rund um den Globus flippten völlig aus.

Der potentielle Sturz, der aus den derzeitigen Geschehnissen in Japan resultieren könnte, wäre 1000 mal schlimmer. Nochmal: Es handelt sich um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Die japanische Regierung kämpft gerade um ihr Überleben (ohne auch nur EINEN Gedanken an ihre anderen finanziellen Verpflichtungen zu verschwenden). Und es ist klar, daß sie ausgeben werden, was immer sie können, um einem Anstieg der Zinsraten entgegen zu wirken.

Das wird nicht gut ausgehen.

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