Wie man das Monster füttert – von Philip Giraldi – The Unz Review

Washingtons Rücksichtslosigkeit ermöglicht israelische Brutalität

Quelle: Feeding the Monster, by Philip Giraldi – The Unz Review

Übersetzung durch Axel B.C. Krauss. Anmerkung des Übersetzers: Mir ist klar, daß es sich um ein kontroverses und oftmals emotional sehr aufgeladenes Thema handelt. Ich weise deshalb hiermit darauf hin, daß ich diesen Artikel nicht aus dem Englischen übersetzt habe, um für irgendeine „Seite“ Partei zu ergreifen, sondern lediglich, um Informationen und Sichtweisen zu präsentieren, die in der deutschen Presse meistens untergehen. 

Ich habe gerade erst ein paar Tage in New York City verbracht. Als ich am Mittwochmorgen nach Virginia zurückkehrte, machte ich eine etwas merkwürdige Erfahrung. Ich sichtete meine E-Mails, bevor ich das Hotel verließ und las mir außerdem ein paar der enthaltenen Nachrichtenmeldungen durch. Vor allem einer erregte meine Aufmerksamkeit. Er beschrieb das erstaunliches Ergebnis der Vorwahlen der Demokratischen Partei im Stadtteil Queens in New York. Alexandria Ocasio-Cortez gewann vor Mainstream-Platzhirsch Jow Crowley und signalisierte damit, daß nicht jeder in der Demokratischen Partei das Clinton-Modell von guter Regierung qua großzügiger Spender und mächtiger Interessengruppen abkauft. Viele wollen Veränderung und sogar eine radikale Abkehr vom politischen Spiel, durch das ausgebuffte Medien-Lobbygruppen und eng gefaßte Wahlbezirke genutzt werden, um eine regierende Mehrheit zu erzeugen.

Vor allem ein Absatz in diesem Artikel, den ich las, war hochgradig suggestiv, nämlich die Behauptung, Ocasio-Cortez stünde dem routinemäßigen israelischen Abschlachten von Palästinensern in Gaza ablehnend gegenüber, das mittlerweile so wenig Beachtung findet, daß die US-Presse schon gar nicht mehr darüber berichtet. Sie ist außerdem angeblich eine Unterstützerin des „Boycott, Divestment and Sanction Movement“ (BDS), die Druck auf Israel dahingehend ausübt, Diebstahl und Besetzung palästinensischen Landes zu beenden. Der Artikel zeigte sich etwas überrascht, daß irgendjemand in New York City es wagen sollte, etwas Unfreundliches über Israel zu sagen und dennoch zu erwarten, gewählt zu werden.

Ocasio-Cortez, die die Erschießungen von mehr als 130 Gaza-Bewohnern als „Massaker“ bezeichnete, sagte und schrieb Folgendes:

„Kein Staat oder sonst irgendeine Entität kann von Massenerschießungen von Protestierenden freigesprochen werden. Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Palästinensische Menschen verdienen dieselbe würdevolle menschliche Behandlung wie alle anderen auch. Demokraten können nicht länger dazu schweigen. Ich glaube, ich fühlte mich hauptsächlich deshalb dazu berufen, aus moralischen Gründen [darüber zu sprechen], weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie 60 Leute in Ferguson erschossen worden wären. Oder wenn 60 Menschen beim Lehrerstreik in West Virginia ermordet worden wären. Die Vorstellung, daß wir nicht darüber sprechen sollten, wenn Menschen sterben, weil sie sich politisch äußern, bewegte mich wirklich.“

Fünf Stunden später, als ich zuhause in Virginia eintraf, suchte ich den Artikel, den ich am Morgen gelesen hatte, nochmal raus, um ihn eventuell für einen Beitrag meinerseits zu verwenden, war aber etwas überrascht, daß die Stelle über Israel aus dem Text gestrichen worden war. Es war ein weiteres klares Beispiel dafür, wie sich die Presse selbst zensiert, wenn irgendetwas Negatives über Israel gesagt werden kann – und es unterstreicht die Bedeutung jüngst aufgetauchter Berichte in der internationalen Presse, bspw. in „The Guardian“ sowie anderen Publikationen, bezüglich der Art und Weise, wie der jüdische Milliardär Sheldon Adelson die US-Außenpolitik im Mittleren Osten zu großen Teilen diktiert. Das bedeutet, daß das verschwörerische Schweigen bezüglich der Manipulation der US-Regierung durch Israel allmählich aufbricht; Journalisten sind mutig genug geworden, um die real existierende Macht in Frage zu stellen, die pro-israelische Juden über den politischen Prozess erlangen. Adelson, soviel nur am Rande, will einen Krieg mit dem Iran und schlug sogar vor, eine Atomwaffe auf iranischem Boden zu zünden, um „eine Botschaft zu senden“.

Mir selbst hätte lieber gesehen, wenn Ocasio-Cortez noch weiter gegangen wäre, viel weiter. Israel ist ein Ort, an dem konventionelle Moralvorstellungen ersetzt wurden durch eine theokratisch und kulturell befeuerte Anspruchshaltung, was bedeutet, daß alles erlaubt ist, wenn es um die Behandlung geringerwertigerer Christen und muslimische Araber geht. Es bedeutet außerdem, daß die Vereinigten Staaten als Sündenbock vorgeführt werden von Leuten, die von sich selbst glauben, Amerikanern in jeder Hinsicht überlegen zu sein.

Die Frage nach der Beziehung zu Israel wird zu einem Zeitpunkt gestellt, da jeder in Amerika, so scheint es, sich darum sorgt, wie Kinder von ihren Eltern, die die Grenze zu Mexiko Richtung USA überquert haben, getrennt werden. Die Sorge ist angesichts der groben und manchmal brutalen Rechtfertigungen, die aus dem Weißen Haus kommen, berechtigt, aber es ist doch komisch, daß der israelische Mißbrauch und sogar das Töten von Araberkindern nicht ebenso geschmäht wird. Wenn ein jüdischer Fanatiker/israelischer Siedler palästinensische Kinder tötet und dabei und von seiner Regierung geschützt wird – wo bleibt da der Aufschrei in der US-Presse? Siedler und Soldaten töten Palästinenser, jung und alt – und gehen straffrei dabei aus bzw. werden fast nie dafür zur Rechenschaft gezogen. Sie zerstören ihre Obstgärten und Viehbestände, um sie durch Eliminierung ihrer Lebensgrundlagen zu vertreiben. Sie ebnen ihre Häuser und Dörfer mit Bulldozern ein. Die „Immigration and Customs Enforcement Agency“ macht nichts dergleichen, wird aber von den Mainstream-Medien dennoch stets beharkt – was ist dann mit Israel?

Ein jüngst veröffentlichte Geschichte illustriert, wie grausam Israelis sein können, ohne daß aus Washington auch nur irgendein Widerstand gegen dieses Verhalten käme. Da die Vereinigten Staaten die einzige Macht sind, die Israel irgendwie dazu bewegen könnte, zur Besinnung zur kommen, sich aber dagegen entscheidet, macht das politische Entscheider der US und somit auch die Bürger Amerikas zu Komplizen, was Israels Verbrechen betrifft.

Der besonders grausige Bericht, auf den ich mich beziehe, beschreibt, wie fanatische jüdische Siedler eine palästinensische Familie im Westjordanland bei lebendigem Leibe verbrannten – inklusive eines Babys – und dann die Ermordung feierten, während sie die überlebenden Familienangehörigen der Opfer verhöhnten, als sie daraufhin vor Gericht erschienen. Über diesen Vorfall wurde in Israel und Europa berichtet, allerdings auch nicht ansatzweise in den US-Mainstreammedien, soweit ich das überblicken konnte.

Jüdische Siedler aus Israel verübten ihre beschämende Tat vor einem Platz in der Stadt Lod, wobei sie sangen „Ali wurde verbrannt, wo ist Ali? Es gibt keinen Ali. Ali ist verbrannt. Im Feuer. Ali liegt auf dem Grill!“, womit sie das 18 Monate alte Baby Ali Dawabsheh meinten, das im Jahre 2015 bei lebendigem Leibe von jüdischen Siedlern verbrannt wurde, die Molotow-Cocktails in einer Haus in Duma auf der West Bank warfen. Auch Alis Mutter Riham und sein Vater Saad starben an ihren Verbrennungen und wurden in die Gesänge eingeschlossen: „Wo ist Ali? Wo ist Riham? Wo ist Saad? Ärgerlich, daß Ahmed nicht auch gleich mit verbrannte.“ Der fünf Jahre alte Ahmed, der den Angriff als einziger mit schweren Verbrennungen überlebte, wird für den Rest seines Lebens Narben davontragen.

Die Siedler verspotteten Alis Großvater Hussein Dawabsheh, der Ahmed zu einer vorläufigen Anhörung begleitete, in der das Gericht einen Mann anklagte, der die Morde gestand – sowie einen Minderjährigen, der ihm dabei half. Ein Video der singenden Siedler zeigt israelische Polizisten, die daneben stehen und nichts unternehmen. Das Erscheinen vor Gericht deckte außerdem auf, daß Siedler im Mai noch einen weiteren Angriff mit Molotow-Cocktails auf ein anderes Haus der Dawabsheh-Familie verübten, wobei es sich um einen Versuch gehandelt haben könnte, Zeugenaussagen zum ersten Angriff zum Schweigen zu bringen. Glücklicherweise gelang es der Familie, zu entkommen.

Nach allen vorliegenden Berichten war dieser Irrsinn auch nicht der erste Vorfall, bei dem die Verbrennung des palästinensischen Babys gefeiert wurde. ein Hochzeitsvideo vom 15. Dezember zeigte Siedler, die an einer lärmenden Party teilnahmen, auf der mit Molotow-Cocktails getanzt und Messer sowie Schußwaffen geschwungen wurden. Ein Foto des Babys wurde herumgezeigt und wiederholt darauf eingestochen. Ein Jahr später wurden dreizehn Leute, die an dieser als „Mörderhochzeit“ bekannt gewordenen Festivität teilnahmen, wegen Anstiftung zum Terrorismus angeklagt, aber bis heute wurde niemand tatsächlich bestraft. Israelis, die Araber töten, werden selten angeklagt oder verurteilt. Wenn es sich um einen Soldaten oder Polizisten handelt, was viel zu oft vorkommt, geschieht entweder gar nichts oder es gibt einen Klaps auf die Hand. Tatsächlich wurde den Scharfschützen, die neulich auf Gaza-Bewohner schossen, befohlen, unbewaffnete Zivilisten zu töten und jeden auszuschalten, der ein „Anführer“ zu sein schien, was auch medizinisches Personal einschloss.

Die Trump-Regierung könnte die israelische Brutalität natürlich stoppen, wenn sie dies wollte, scheint aber nicht zu glauben, daß Benjamin Netanjahus Verbrechen gegen die Menschlichkeit es wert wären, auf die Agenda gehoben zu werden. Ebensowenig wie Clinton, Bush und Obama die Macht der Lobby Israels herauszufordern wagten, auch wenn Obama auf vergebliche Art ein wenig Gegendruck auszuüben versuchte.

Irgendjemand in Washington sollte mal fragen, warum die Vereinigten Staaten unnötige Kriege führen und somit zu einem internationalen Außenseiter werden sollten, die ein Land und Menschen verteidigen, die glauben, sie wären von Gott „auserwählt“? Man kann nur hoffen, daß der Wahrnehmungswechsel hinsichtlich der Mittelost-Politik bei Demokraten wie Ocasio-Cortez auf stabilen Füßen steht und zu einem echten Wandel in der US-Außenpolitik führt. Um Erfolg zu haben, werden die Demokraten einige große Hürden innerhalb ihrer eigenen Partei überwinden müssen, vor allem den Clinton-Flügel und Leute wie Senator Chuck Schumer, Minderheitenführer im Senat, der sich selbst als Israels „Shomer“ oder „Verteidiger“ im Oberhaus beschreibt. Vielleicht sollte jemand aus der Herausgeber-Etage der New York Times Shumer öffentlich vorschlagen, er möge sich doch um ein Amt in Israel bewerben, da er es dem Land vorzuziehen scheint, in dem er reich und mächtig wurde. Aber natürlich werden weder die Times noch alle anderen Mainstreammedien, die verantwortlich sind für das, was über Israel und seine amerikanischen Mundstücke wir nicht zu wissen erlaubt sind, einen solchen oder ähnlichen Vorschlag nie auch nur in Betracht ziehen.

 

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