Zur Geschichte der „Illuminati“ – Teil 3

Kurzer Einschub: Erinnern Sie sich an das „Glaubensbekenntnis von Cecil Rhodes“? Darin hieß es:

„Heute, als Mitglied des Freimaurer-Ordens, betrachte ich den Reichtum, die Macht und den Einfluß, den sie besitzen, denke über ihre Zeremonien nach und frage mich, wie eine so große Zahl von Menschen sich Ritualen hingeben kann, die manchmal lächerlich, absurd und ohne Zweck und Ziel erscheinen.“

Zwar schrieb Rhodes nicht explizit, die Freimaurerei sei für die imperialen, mithin globalen Zwecke des British Empire, von denen er in seinem Glaubensbekenntnis sprach, einzuspannen; es könnte dennoch ein Indiz dafür sein, daß man beabsichtigte, sie zu infiltrieren und die bereits vorhandenen Strukturen, vor allem die „wärmende Decke“ der Geheimhaltung, der dieser Orden ja unterliegt, für sich zu nutzen.

Andere hingegen behaupten, es sei die Freimaurerei selbst, der nicht über den Weg zu trauen sei. So zum Beispiel der sechste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, John Quincy Adams:

„Es ist nun zwanzig Jahre her, da in den Vereinigten Staaten eine ernsthafte und zeitweise vehemente Diskussion über die Natur und den Effekt der Verbindung aufkam, die diejenigen Bürger eingingen, die der Gesellschaft der freien und akzeptierten Maurer beitraten. Die Aufregung, die angesichts der damaligen Enthüllungen entstand, hatte zur Folge, zumindest für gewisse Zeit, wenn nicht gar dauerhaft, die weitere Verbreitung dieses Bundes zu beobachten. Die legislative Macht einiger Staaten wurde angerufen und schließlich eingeschaltet, die Anwendung außergerichtlicher Eide zu unterbinden, inklusive all derjenigen natürlich, die in der Freimaurerei geschworen wurden. Dies war der weiteste Punkt, den die Opposition jemals erreichte. ie war nicht erfolgreich darin, die Auflösung der Organisation des Ordens zu vermitteln, noch nicht mal den Widerruf der Satzung, unter der er eine anerkannte Existenz im Gesellschaftssystem führte. Von Moment der Annahme des Strafgesetzes an, das als stark genug angesehen wurde, den größten Übeln zu begegnen, über die man sich beschwerte, begann die Furcht vor der Freimaurerei abzuklingen. Gegenwärtig spricht man nicht mehr darüber. Die Aufmerksamkeit der Menschen wurde schrittweise auf andere Dinge gelenkt, bis schlußendlich gesagt werden kann, daß nur wenige Leute sich der Tatsache bewußt sind – vorausgesetzt, man bringt sie nicht gesondert zur ihrer Kenntnis -, daß die Freimaurerei nicht nur weiterhin existiert, sondern auch andere Verbindungen an ihrem Geheimwesen teilnehmen, wenn sie nicht sogar an ihren unverantwortlichen Verpflichtungen und nicht einfach nur leben, sondern in ihrer Mitte regelrecht aufblühen.

Sich dieses Standes der Dinge vollauf bewußt, sind einige private Bürger, die sich für die Untersuchung stark interessierten, als das Thema zum ersten Mal vorgebracht wurde, der Ansicht, ihre Pflicht sei nicht vollständig erfüllt, solange sie nicht jeden Schritt in Erwägung gezogen haben, der nach ihrem Dafürhalten dafür gesorgt hätte, unter ihren Landsleuten eine wachsame Beobachtung des Wesens und der Absichten von Geheimgesellschaften am Leben zu erhalten. Ohne auch nur im Entferntesten ein Verlangen zu pflegen, selbst wenn man ihnen die Erwartung unterstellen würde, eine alte Begeisterung wiederzubeleben, sind sie nichtsdestotrotz sehr erpicht darauf, die Übel ähnlicher Verbindungen bloßzustellen und ihnen eine dauerhaft zugängliche Form zu geben dergestalt, wie dieses Böse vor Jahren bei einer Untersuchung des Freimaurerischen Eides illustriert wurde.

[…]

Die Institution der Freimaurerei wurde in den britischen Kolonien Nordamerikas vor mehr als hundert Jahren eingeführt. Sie entwickelte sich zunächst langsam, aber seit der Zeit der Revolution immer schneller, bis sie es im ersten Viertel dieses Jahrhunderts geschafft hatte, sich durch alle Abteilungen des politischen Körpers der Vereinigten Staaten zu winden und die Genehmigung vieler der bedeutendsten Männer des Landes für sich zu reklamieren. Bis zum Jahre 1826 geschah nichts, um ihren Fortgang zu trüben oder ihrem triumphalen Erfolg auch nur das kleinste Hindernis in den Weg zu stellen. Das Vertrauen ihrer Mitglieder in ihre Macht war so groß, daß sie den lauten Ton der Gratulation bemühten, dem einige ihrer Oratoren auf ihren öffentlichen Festivitäten frönten, und unter ihnen sprach niemand verwegener als Mr. Brainard; die Passage wird im vorliegenden Buch zitiert werden. Er verkündete, daß die Freimaurerei ihren Einfluß in der Kirche, in der Gesetzgebung und im Gerichtswesen ausübe, jedoch bekam die Wahrheit, die er aussprach, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt, daß seine Erklärung überhört und von Nichteingeweihten eher als rhetorische Floskel abgetan wurde, mit der junge Redner manchmal ihre Sache überhöhen. Seine denkwürdigen Worte wären auch nicht vor der Vergessenheit gerettet worden, wäre nicht gleich im nächsten Jahr etwas geschehen, das ihre Bedeutung in
außergewöhnlicher Weise illustriert hätte.“ (John Quincy Adams, „Letters on the Masonic Institution“, Boston: Press of T.R. Marvin, No. 24 Congress Street, 1847, S. 3-5. Übersetzung aus dem Englischen durch mich)

Adams bezieht sich mit diesem außergewöhnlichen Geschehnis auf den Mord an William Morgan – doch dazu mehr dazu später.

„Gegenwärtig, zwischen den konvulsivischen Kämpfen der Freimaurerei, ihr über den Gesetzen stehendes Imperium in diesem Gemeinwesen zu erhalten und den andauernden Anstrengungen der Anti-Freimaurerei, ihre Vormachtstellung zu tilgen, scheinen sich alle große Parteien des Staates in ihre Einzelteile aufzulösen. Eure politischen Spaltungen werden zu kleinlichen Auseinandersetzungen für die Menschen – die Gemeinschaft des Fühlens und des Interesses an öffentlichen Belangen zerlumpt. Ihr wahrt nicht fähig, eure Stimmen mit vereinter Energie so weit zu konzentrieren, die gewöhnlichen Beamten eurer Regirung zu wählen. Ihr habt, weil ihr euch dafür entschieden habt, keinen Gouverneur, keinen stellvertretenden Gouverneur, kaum einen Bruchteil eurer Senats und eine Vielzahl von Repräsentanten eurer Gemeinden wurden nicht von euch gewählt. Eine lange Fortsetzung dieses Status Quo wird euch und eure Interessen der Gnade derjenigen ausliefern, die mit euch im nationalen Vertrag verbunden sind – und doch empfinden sie keine Sympathie für euch, sondern schon viel eher eine Neigung, euch unter ihren Füßen zu zertrampeln. Der Grund all dessen ist die FREIMAUREREI.

Laßt die Mitglieder dieser Bruderschaft nicht mehr über eure Grenzen, wandelt ihre Logen in Lyzeen um und wendet ihre Eide nicht mehr an, und schon werdet ihr wieder ein glückliches und vereintes Volk sein.

[…]

IhrFreund und Mitbürger,

John Quincy Adams.“ (John Quincy Adams, „Letters and Adresses on Freemasonry“, United Brethren Publishing House, Dayton, Ohio, 1875, S. 324-325. Übersetzung aus dem Englischen durch mich. Hervorhebung aus dem Original übernommen)

Nachdem wir nun feststellen konnten, daß es seitens mehrerer Autoren und prominenter Köpfe dieser Zeit große Sorgen gab, die Freimaurerei könnte von einer Art „fanatischen Sekte“ unterwandert und für ihre Ziele mißbraucht worden sein (wohingegen Adams die Freimaurerei selbst böswilliger Umtriebe beschuldigt), soll nun der Gründer der Illuminaten, Adam Weishaupt, zu Wort kommen – zitiert nach John Robinson („Proofs of a Conspiracy“):

Wir müssen die Führung der Erziehung übernehmen, der Kirchenverwaltung, der professoralen Lehrstühle und der Kanzeln. Wir müssen unsere Meinungen durch jeden Kunstgriff zur Mode machen – sie unter den Leuten mithilfe junger Schriftsteller verbreiten. Wir müssen die wärmste Fürsorge für die Menschheit predigen, und dafür sorgen, daß Menschen gegenüber allen anderen Angelegenheiten indifferent werden. Wir müssen sicherstellen, daß unsere Schreiber gut aufgestellt werden, und das die Rezensenten sie nicht abwerten; deshalb müssen wir mit allen Mitteln danach trachten, die Kritiker und Journalisten auf unsere Seite zu ziehen; und wir müssen auch versuchen, die Buchhändler zu gewinnen, die mit der Zeit erkennen werden, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, auf unserer Seite zu stehen.“ (Adam Weishaupt, zitiert nach John Robinson, „Proofs of a Conspiracy against all the Religions and Governments of Europe, carried on in the Secret Meetings of Free Masons, Illuminati, and Reading Societies, collected from good Authorities“, vierte Auflage, „Printed and Sold by George Foreman, No. 64, Water Street“, New York, 1798, S. 109. Übersetzung aus dem Englischen und Hervorhebungen durch mich)

Und weiter heißt es:

Die große Stärke unseres Ordens liegt in seiner Geheimhaltung; laßt ihn nie und nirgendwo unter seinem eigenen Namen erscheinen, sondern verdeckt unter anderen Namen und anderer Okkupation. Nichts ist dafür geeigneter als die unteren drei Grade der Freimaurerei; die Öffentlichkeit ist an sie gewöhnt, erwartet wenig von ihnen und nimmt deshalb auch wenig Notiz. Daran anknüpfend ist die Schaffung einer Bildungs- oder Literaturgesellschaft für unseren Zweck am besten geeignet, und hätte die Freimaurerei nicht schon existiert, wäre wohl diese Tarnung benutzt worden; und es könnte viel mehr als nur Tarnung sein, es könnte eine mächtige Maschine in unseren Händen darstellen. Durch die Schaffung von Lesezirkeln und Leihbibliotheken unter unserer Führung, die wir mit unseren Arbeiten bestücken, könnten wir die öffentliche Meinung in jede von uns gewünschte Richtung lenken. In derselben Manier müssen wir versuchen, an Einfluß in den Militärakadamien zu gewinnen (dies könnte mächtige Konsequenzen haben), den Verlagshäusern, den Buchläden und den Synoden, kurz, in allen Ämtern, mit deren Hilfe man das menschliche Bewußtsein entweder formen, manipulieren, ja sogar steuern kann: Malerei und Gravierkunst haben unsere besondere Zuwendung verdient.“ (a.a.O., S. 112. Hervorhebungen durch mich)

Ständig diese Geheimhaltung. Was soll das? Wenn doch die Ziele des Ordens – laut seiner eigenen offiziellen Verlautbarungen – darin bestanden haben sollen, Glück und Frieden für die Menschheit auf Erden herbeizuführen, warum dann soviel Getuschel und Gemauschel darum machen? Meiner Meinung nach besteht der Zweck der Geheimhaltung im Wesentlichen darin – unter machtpragmatischen Gesichtspunkten – einen Informationsvorsprung vor den anderen zu erlangen. Wenn ich etwas weiß, was andere nicht wissen, kann ich eine solche stark asymetrische Informationsverteilung natürlich auch zum Aufbau einer Machtbasis nutzen, dazu, um Herrschaft über andere auszuüben. Und wie könnte man diese Machtbasis absichern? Nun, eben durch fortgesetzte Geheimhaltung. Nur den Mitgliedern bzw. Initiierten, und auch dort nur einem kleinen, innersten Kreis, steht dieses Wissen zur Verfügung. Was natürlich nicht ausschließt, daß irgendein Mitglied vielleicht auch mal „ausschert“, sich mit den Zielen meiner Gruppe womöglich nicht mehr identifizieren kann und sich als, wie man neudeutsch sagen würde, „Whistleblower“ betätigt, der ein paar meiner Geheimnisse verrät. Auch dies soll durch ein knappes Zitat erläutert werden. Robinson schreibt es Freiherr Adolph Franz Friedrich Lugwig Knigge zu, dem Autor der berühmten Schrift „Über den Umgang mit Menschen“, der von Weishaupt nach heftigen Auseinandersetzungen um den Kurs des Ordens ausgeschlossen worden sein soll:

„Unter nicht geringen Schmerzen versuchte ich, die Ängste einiger zu zerstreuen, die glaubten, unsere Anführer wollten das Christentum abschaffen; aber nach und nach würden ihre Vorurteile verschwinden, und sie würden erleichtert sein. Würde ich sie wissen lassen, daß unsere Generäle sämtliche Religionen als Lüge betrachten, und sich des Deismus sogar bedienen, nur um Menschen an der Nase herumzuführen; würde ich mich abermals den Freimaurern anschließen und ihnen von unseren Plänen erzählen, ihre Bruderschaft […] zu ruinieren … […] Nein, so weit soll meine Wut mich nicht tragen. Ein Orden wahrlich, der in dieser Weise die menschliche Natur mißbraucht und die Menschen in eine schlimmere Knechtschaft führen wird als das Jesuitentum – all das könnte ich auf respektable Füße stellen, und wie Welt würde uns gehören. Sollte ich unsere fundamentalen Prinzipien erwähnen (sogar nach allen Mühen, die ich zu ihrer Entschärfung auf mich nahm), die so gefährlich für die Welt sind, wer würde übrigbleiben? Was zeichnet die unschuldigen Zeremonien des Priestergrades aus, wie ich ihn zusammenstellte, im Vergleich mit ihrer Maxime, daß wir für einen guten Zweck diejenigen Mittel anwenden sollten, die von den Frevelhaften für einen niederträchtigen genutzt werden?“ (Freiherr von Knigge, zitiert nach John Robinson, „Proofs of a Conspiracy“, vierte Auflage, „Printed and Sold by George Foreman, No. 64, Water Street“, New York, 1798, S. 124, Übersetzung und Hervorhebungen durch mich)

Oder diente die ganze Geheimniskrämerei und das Herumreiten auf der angeblich uralten und sagenhaften Geschichte des Ordens und seinen nur Eingeweihten zugedachten „höheren Weihen“ womöglich nur als eine Art metaphysische Möhre, die man Neuankömmlingen als esoterischen Lockstoff vor die Nase band? Dies scheint eine andere Äußerung Weishaupts nahezulegen:

Von allen Mitteln, die ich kenne, um Menschen zu führen, ist das effizienteste ein verhülltes Mysterium. Das Verlangen des Verstandes ist unwiderstehlich; und hat ein Mensch sich in den Kopf gesetzt, eine Sache enthielte ein Mysterium, ist es unmöglich, es ihm wieder auszutreiben, sei es durch Argumente oder Erfahrung. Und so können wir Vorstellungen nur durch ein einziges Wort ändern.Was könnte verachtenswerter sein als Fanatismus; aber nenne es Enthusiasmus und füge das kleine Wörtchen nobel hinzu, und du kannst ihn um die ganze Welt führen. Wir sind, in diesen hellen Tagen, keinen Deut besser als unsere Väter, die eine Vergebung ihrer Sünden mysteriöserweise in einer noch größeren dadurch fanden, ihre Familie zu verlassen und barfuß nach Rom zu pilgern.“ (Adam Weishaupt, zitiert nach John Robinson, „Proofs of a Conspiracy“ vierte Auflage, „Printed and Sold by George Foreman, No. 64, Water Street“, New York, 1798, S. 129, Hervorhebungen durch mich)

Der Codename Weishaupts im Orden lautete „Spartacus“; alle Mitglieder gaben sich solche Tarnnamen. Laut Antony Sutton trug z.B. Johann Wolfgang von Goethe den Decknamen „Abaris“.

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