Dezember 3, 2022

Elbits Mikro-Selbstmord-Drohnenschwärme können Feinde im Stadtkampf jagen – Seth J. Frantzman/The Jerusalem Post

Da Drohnen immer vielseitiger werden, können sie immer mehr Einsätze in Städten durchführen, was auch Fragen über den Einsatz von Technik im Krieg aufwirft.

Quelle: Elbit’s micro-suicide drone swarms can hunt enemies in urban combat – The Jerusalem Post

Für einen Technokraten ist Effizienz wie Katzenminze für eine Katze – man kann ihr nicht widerstehen, selbst wenn es darum geht, automatische Tötungsmaschinen zu schaffen. Warum sollte man sich überhaupt die Hände schmutzig machen? Und wenn man einen Fehler macht und die falsche Person tötet, dann kann man das einfach als gelegentlichen Kollateralschaden oder „friendly fire“ abtun. Dieses Wettrüsten lässt sich nicht mehr aufhalten.Patrick M. Wood, „Technocracy News“


Eine neue Drohne des israelischen Unternehmens „Elbit Systems“ mit dem Namen „Lanius“ vereint eine Reihe von Technologien, die das Unternehmen zu einem Vorreiter in der Frage machen, wie Drohnen den Krieg verändern.

Gleichzeitig werfen die Berichte über die Drohne Fragen darüber auf, wie diese Technologie den Krieg kontroverser machen kann, wenn „Roboter“ eine größere Rolle darin spielen.

Je mehr Armeen und Rüstungsunternehmen in neue Technologien investieren, die es ermöglichen, Gefechte aus der Ferne zu führen – ohne dass Soldaten beispielsweise mit Zivilisten interagieren -, desto mehr scheint es sich um „Roboterkriege“ zu handeln.

Nach Angaben von „Elbit Systems“ ist Lanius „Teil der robotergestützten und autonomen Kampflösung Legion-X“. Elbit ist eines der drei größten israelischen Verteidigungsunternehmen und steht an der Spitze der Verteidigungstechnologie.

Auf der Website des Unternehmens heißt es, die Drohne sei „eine hochmanövrierfähige und vielseitige Drohnenmunition, die für Kurzstreckeneinsätze im städtischen Umfeld konzipiert ist“.

Die Drohne kann Gebäude auskundschaften und kartografieren, indem sie durch kleine Korridore und Türöffnungen fliegt. Das bedeutet, dass sie dem Nutzer helfen kann, „Points of Interest“ für mögliche Bedrohungen zu finden, zu erkennen, zu klassifizieren und mit den Legion-X-Lösungen von Elbit Systems zu synchronisieren. Lanius kann tödliche oder nicht-tödliche Nutzlasten tragen und ist in der Lage, ein breites Spektrum von Missionsprofilen für Spezialkräfte, Militär, Strafverfolgung und HLS auszuführen.“

Die kleine Drohne hat ein interessantes Aussehen, das sie von anderen kleinen Quadcopter-Drohnen unterscheidet. Sie verwendet zwar kleine Rotoren, hat aber auch einen großen, käferähnlichen Kopf voller Optiken, die ihr vermutlich helfen, besser zu „sehen“ und sie bei Missionen zu unterstützen, bei denen es um die Kartierung von Innenräumen geht.

Quadcopter-Drohnen wurden für die kommerzielle Nutzung entwickelt, aber das Militär hat diese kleinen „taktischen“ Drohnen schnell für den Einsatz mit Truppen im Feld angepasst.

Kleine Drohnen haben in der Regel keine große Reichweite und können nicht über lange Zeiträume eingesetzt werden. Da das Militär sie jedoch einsetzt, müssen sie robust sein und bei Hitze und Kälte eingesetzt werden können, im Gegensatz zu ihren kommerziellen Verwandten, die in der Wüste leicht überhitzen können.

Nachdem das Militär und die Verteidigungsunternehmen das grundsätzliche Problem, dass diese Drohnen leicht beschädigt werden können, z. B. wenn die Rotoren in die Äste von Bäumen geraten, überwunden hatten, stellte sich die Frage, wie die Drohnen nicht nur Einsätze überleben, sondern auch das tun können, was Soldaten von ihnen erwarten.

„THE LANIUS“ hat sowohl Überwachungs- als auch „Angriffs“-Fähigkeiten, eine weitere Funktion, die moderne Drohnen benötigen.

Als die kommerziellen Drohnen, mit denen man Videos von Hochzeiten und Ähnlichem aufnimmt, für den militärischen Einsatz angepasst wurden, war die Idee, dass sie Überwachungsaufgaben übernehmen könnten. Das bedeutet, dass Soldaten, die hinter einer Mauer kauern, anstatt sich dem feindlichen Feuer auszusetzen, eine kleine Drohne hochschicken können, um zu sehen, was in der Umgebung passiert.

Wenn man neue Technologien und künstliche Intelligenz in die Software der Drohne einbaut, kann sie helfen, Ziele oder interessante Punkte zu identifizieren. Eine Drohne kann einem Soldaten zum Beispiel sagen, ob sie einen Feind mit einer Panzerfaust oder einen Mann sieht, der sein Dach wischt. Sie kann helfen, Ziele zu klassifizieren.

Wie sieht es aus, wenn die Drohne die Fähigkeit hat, das Ziel zu neutralisieren? Hier kam die Idee ins Spiel, Drohnen mit Angriffsfunktionen auszustatten.

Ursprünglich wurden diese Art von Drohnen mit anderen Namen bezeichnet, wie z. B. „Abwartende Munition“, und ihr Hauptmerkmal war, dass sie einen eingebauten Sprengkopf hatten. Das machte sie entbehrlich, so dass sie entweder für hochrangige Ziele wie Radare eingesetzt werden mussten oder billig und entbehrlich sein sollten.

Die Kombination der verschiedenen Funktionen in einer leichtgewichtigen Drohne wie „Lanius“ scheint ein entscheidender Faktor zu sein, wenn es darum geht, den Soldaten die Werkzeuge zu geben, die sie auf einem modernen Schlachtfeld benötigen.

Das bedeutet, dass der Soldat nicht unbedingt sein Leben riskieren muss und dass es dazu beiträgt, Kollateralschäden zu verringern, was bedeutet, dass Soldaten nicht in Feuergefechte in Städten verwickelt werden, bei denen Zivilisten in die Schusslinie geraten können. Angeblich kann der Einsatz von Drohnen die Reibungsverluste und die Zahl der Opfer verringern.

Auf der Website von „Elbit“ heißt es, die neue Drohne sei „für den Einsatz mit einem Ziel ausgestattet (Man-in-the-Loop)“, was bedeutet, dass eine Person die Operationen der Drohne abzeichnet. Auf der Website heißt es weiter, die Drohne sei sehr manövrierfähig, habe „geringe Kollateralschäden“ und sei sehr schnell. Sie verfügt über einen Bordcomputer, der „fortschrittliche KI-Algorithmen zur Kollisionsvermeidung, Kartierung und Klassifizierung“ unterstützt.

 Ein Video, in dem die Drohne vorgestellt wird, zeigt ihren Einsatz in einer städtischen Umgebung: Wenn Soldaten in ein Feuergefecht verwickelt sind, wird die „Lanius“ zur Hilfe geschickt. Das Video zeigt eine Art Drohnen-„Mutterschiff“, das mehrere Lanius losschicken kann. Die Drohnen schwirren dann wie ein Bienenschwarm herum, identifizieren feindliche Ziele und helfen den Soldaten, die sich festgefahren haben, den Feind zu besiegen.

Drohnen sind aus demselben Grund wie Panzer, Flugzeuge und andere Systeme immer beliebter geworden. Die Drohne als Plattform ermöglicht einer Armee eine Vielzahl von Einsätzen und schützt dabei die Truppen. Wenn ein unbemanntes Fahrzeug Sprengkörper aufspüren kann, müssen Soldaten nicht auf Minen treten; wenn eine Drohne ein verdächtiges Objekt untersuchen kann, müssen Menschen nicht in Gefahr gebracht werden.

Gleichzeitig wird befürchtet, dass Drohnen den Streitkräften die Möglichkeit geben, Operationen aus der Ferne durchzuführen. Das könnte eine gute Sache sein, denn es bedeutet, dass weniger Soldaten mit Zivilisten in Kontakt kommen oder in städtischen Gebieten in Feuergefechte geraten. Kritiker sehen ein anderes Problem, nämlich dass „Roboter“ möglicherweise Ziele identifizieren und Benutzer die Ziele per Knopfdruck neutralisieren können, wodurch der Krieg zu etwas wird, das eher einem Videospiel ähnelt.

Einige befürchten, dass dies die Verantwortung der Streitkräfte verringert oder zu Fehlern führen kann. Andererseits neigen Länder wie Russland oder der Iran, wenn sie Kamikaze-Drohnen einsetzen, dazu, diese absichtlich auf zivile Ziele zu richten, wie es der Iran letzte Woche gegen einen kommerziellen Tanker getan hat. Daher können Drohnen in den falschen Händen zu schlimmen Folgen führen.

Letztes Jahr war eine türkische Drohne Berichten zufolge in einen Angriff in Libyen verwickelt, bei dem die Drohne die Entscheidung für einen Angriff selbst traf. Die Berichte hinter dieser Geschichte lassen viele Fragen offen, und es ist unwahrscheinlich, dass die Drohne ihren Auftrag wirklich „autonom“ erfüllte und auch einen Angriff ohne eine Person „im Entscheidungskreislauf“ ausführte. Nichtsdestotrotz haben die Berichte die Frage aufgeworfen, ob die Drohnen ihren Betreibern voraus sind.

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