Oktober 24, 2026
MWODavis

Quelle: The Praxian Genocidal Killchain – Part 4

In Teil 1 haben wir die Praxianer definiert, ihre offen erklärte Kontrolle über die Trump-Regierung betrachtet und ihre umfangreichen Partnerschaften mit dem israelischen Rüstungstechnologiesektor untersucht. In Teil 2 befassten wir uns mit Staatsverbrechen gegen die Demokratie (State Crimes Against Democracy, SCADs) und der militärisch-zivilen Verschmelzung innerhalb hybrider Kriegsführung. In Teil 3 untersuchten wir, wie sich globale Kräfte hinter der praxianischen Vision eines Netzwerkimperiums versammelt haben, während wir uns auf eine multipolare Welt der UN 2.0 zubewegen. Nun werden wir im abschließenden Teil 4 sehen, wie all dies in den Ereignissen im Nahen Osten zusammenläuft, wie es die globale Steuerung prägt und wie es im Kleinen auf Neu-Gaza angewandt wird.

In dieser gesamten Reihe haben wir die Anfänge einer neuartigen globalen Steuerungsstruktur untersucht. Wir bewegen uns auf ein multipolares, regionales Gleichgewicht geopolitischer Macht zu, in dem finanzielle und wirtschaftliche Macht von denjenigen ausgeübt wird, die die Knotenpunkte des Finternets programmieren – denjenigen, die unabhängig von ihrem geografischen Standort die einheitliche Regulierungs- und Finanzarchitektur festlegen.

Die Bevölkerungen werden durch die gelenkte Verteilung und Zuteilung sämtlicher Ressourcen kontrolliert werden – Technokratie. Die Vereinten Nationen (UN) glauben, dass globale Steuerung am wirksamsten sein wird, wenn sie außerhalb der Nationalstaaten durch ein Netzwerk von Stadtstaaten ausgeübt wird. Die globalen Steuerungsambitionen der UN passen genau zu den Zielen eines „Netzwerkimperiums“ der Praxianer und der mit ihnen verbundenen Akzelerationisten der neoreaktionären Bewegung (NRx).

Die Praxianer und die NRx-Akzelerationisten wollen einer ihnen ausgelieferten Bevölkerung von „Kunden“ Governance as a Service (GaaS), also Regierungsführung als Dienstleistung, anbieten – mittels agentischer KI. Sie wollen „die Ablösung der Nationalstaaten durch Netzwerkstaaten in Echtzeit“ erreichen und schließlich „eine neue Form menschlicher Zivilisation begründen: das Netzwerkimperium“.

Gleichzeitig wollen die UN „Spitzentechnologie“ – eine breite Palette von Überwachungstechnologien einschließlich einer mit programmierbaren digitalen Währungen verknüpften digitalen Identität – in einem wachsenden Netzwerk von Stadtstaaten einführen. Wie wir sehen werden, sollen Bevölkerungen Digital Nation Stacks aufgezwungen werden, also die aufeinander aufbauenden technischen Systeme einer digitalen Nation. Sie leben in Ländern, die ihren jeweiligen regionalen „Polen“ in einer fragmentierten geopolitischen Welt bilateraler Partnerschaften zwischen Nationen einverleibt werden; dies ist die vorgesehene Grundlage der multipolaren Weltordnung (MWO).

Die multipolare Regionalisierung globaler Lieferketten bringt neue Formen internationaler Wirtschaftspartnerschaften hervor, etwa Pax Silica. Der Pol beziehungsweise die Union der MWO wird daher nicht notwendigerweise eine geografisch zusammenhängende Region oder globale Teilregion sein, sondern vielmehr eine transnationale Partnerschaft zwischen geografisch verstreuten Nationen und Teilregionen.

So wie der Zugang zu den programmierbaren Knotenpunkten des Finternets neue Finanz- und Währungshegemonen hervorbringen wird, wird die Herrschaft über einen Stadtstaat oder Netzwerkstaat – als Knotenpunkt in einem globalen „Flickenteppich von Herrschaftsgebieten [des Netzwerkimperiums]“ – neue geopolitische Hegemonen hervorbringen. Das Netzwerkimperium soll eine globale Partnerschaft von Hegemonen (Oligarchen) begründen, die über die Grenzen der MWO hinweg Einfluss auf die globale Steuerung ausüben.

In Teil 3 erörterten wir eine Forschungsarbeit des Center for International Governance Innovation (CIGI), einer vom Soros-Omidyar-Netzwerk unterstützten politischen Denkfabrik. Das CIGI untersuchte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und deren Aufbau des „Finternets“. Das Finternet wird als „ein einheitliches, programmierbares Finanzinternet beschrieben, in dem digitales Geld, tokenisierte Vermögenswerte, Identitätsnachweise und Compliance-Logik nahtlos über Rechtsräume hinweg zusammenwirken“.

Mit ihrem Finternet strebt die BIZ danach, „die Protokollebene der Macht des 21. Jahrhunderts“ zu beherrschen. Das CIGI erkannte, dass das Finternet „eine neue Form monetärer Hegemonie“ darstellt, die es als „multipolare digitale Finanzordnung (MDFO)“ bezeichnete.

Daniel Araya ist Senior Fellow des CIGI. Er erläuterte, wie die MWO mit der ihr innewohnenden MDFO durch die Aushöhlung der bestehenden Weltordnung entsteht:

In einer multipolaren Weltordnung ist Macht nicht länger in den Händen eines einzigen Hegemons konzentriert, sondern auf eine Konstellation regionaler Akteure verteilt. […] Während der Niedergang der Unipolarität enorme Herausforderungen mit sich bringt, bietet er auch eine Gelegenheit, eine widerstandsfähige Weltordnung aufzubauen. […] Die Dezentralisierung der UN-Tätigkeit ist wesentlich, um schnellere und flexiblere Rahmenbedingungen für die Krisenreaktion zu entwickeln. […] Das bedeutet, die Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen wie der Europäischen Union, dem Verband Südostasiatischer Nationen, der Afrikanischen Union und dem Mercosur auszuweiten.

In meinem Buch The Technocratic Dark State habe ich diese scheinbare Zersplitterung von Autorität den „Dezentralisierungs-und-Rezentralisierungs-Trick“ genannt. Während das System internationaler Beziehungen dezentralisiert erscheint, wird es anschließend durch ein übergeordnetes Compliance-Management-System wieder zentralisiert. Die Praxianer, ihre oligarchischen Partner, die UN und verschiedene nationale Regierungen wollen für diese Aufgabe agentische KI einsetzen.

Araya beschrieb, wie ein solches rezentralisiertes MWO-System aussehen würde:

Aufbauend auf den Effizienzgewinnen durch künstliche Intelligenz und Robotik können die Verwaltungsprozesse der UN automatisiert werden. […] Echtzeit-Datenanalysen können […] humanitäre Krisen verfolgen und die Einhaltung von Vorgaben überwachen. […] Vor allem können digitale Plattformen den Stimmen kleinerer Nationen [und Stadtstaaten] mehr Gewicht verleihen und die Mitwirkung über die elitären Machtzirkel in New York und Genf hinaus demokratisieren.

Die vorgeschlagene Weltordnung, die derzeit aufgebaut wird, unterscheidet sich von jeder Regierungsform und jedem zwischenstaatlichen Steuerungssystem, dem wir je begegnet sind. Die sogenannte multipolare Weltordnung (MWO) ist tatsächlich eine neue Weltordnung.

Trotz der gemeldeten „Kriege“, des vermeintlichen „Technologiewettlaufs“, des behaupteten „intensiven geopolitischen Wettbewerbs“ und des angeblichen „wirtschaftlichen Chaos“ schreitet die Entwicklung hin zu regionalen Lieferketten, neuen internationalen Partnerschaften, digitaler Transformation und einer wachsenden Macht des Privatsektors unaufhaltsam voran.

Nirgendwo ist dieser unaufhaltsame Marsch zur MWO deutlicher zu erkennen als im Nahen Osten. Der als solcher dargestellte „Krieg“ mit Iran führt zum Aufbau regionaler Lieferketten; Gaza soll ein durch agentische KI betriebener GaaS-Stadtstaat werden, und Trumps Epic Fury führt zur Aufspaltung der Hegemonie in Vorbereitung auf die multipolare Welt.

Die Ziele der Praxianer und die Ziele globaler Steuerung stimmen überein. Die Praxianer hatten die Mittel, das Motiv und die Gelegenheit, den Nahen Osten zu destabilisieren. Offenkundig haben sie diese Gelegenheit genutzt.

Unübersehbare Deterritorialisierung

Die Vereinten Nationen wollen innerhalb der multipolaren Regionen und über diese hinweg ein Netzwerk von Stadtstaaten schaffen. Um dorthin zu gelangen, muss die bestehende internationale regelbasierte Ordnung – häufig als Unipolarität bezeichnet – zunächst deterritorialisiert und anschließend als MWO reterritorialisiert werden.

Damit die MWO wie vorgesehen funktioniert, darf es in ihr keine globalen militärischen oder wirtschaftlichen Supermächte geben. Zur Bildung der multipolaren Regionen müssen auch Lieferketten und Energiekorridore deterritorialisiert werden, bevor sie als unabhängigere regionale Netzwerke reterritorialisiert werden, die sowohl physische Infrastruktur als auch – entscheidend – programmierbare digitale Kontrollmechanismen umfassen.

Die globale Steuerung aller Regionen wird dadurch erreicht, dass das Netzwerk intelligenter Stadtstaaten und das globale Finternet die Verteilung und Zuteilung sämtlicher Ressourcen an die Bevölkerungen kontrollieren – Technokratie. Ressourcenbeschränkungen, ermöglicht durch Überwachungstechnologie, die die digitalen Identitäten der Einzelnen mit allen wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten verknüpft, werden es denjenigen, die „den Code schreiben“, erlauben, das Verhalten aller zu kontrollieren.

Behalten wir dieses vorgeschlagene neue System im Hinterkopf und betrachten die erstaunlich vorausschauende Ansprache, die UN-Generalsekretär António Guterres Ende Januar 2026 auf einer Pressekonferenz hielt – nur wenige Wochen bevor die USA und Israel ihren gemeinsamen Angriff auf Iran und den Libanon begannen.

Guterres sagte:

Das Jahr ist noch jung, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass 2026 ein Jahr ständiger Überraschungen und des Chaos wird. […] Wir leben in einer Welt, in der Handlungen – insbesondere rücksichtslose – gefährliche Reaktionen hervorrufen. […] Wenn gefährliche Handlungen nicht auf eine angemessene Reaktion stoßen, destabilisiert sich das System. Straflosigkeit treibt die heutigen Konflikte an – sie befeuert die Eskalation, vertieft das Misstrauen und stößt die Türen auf, damit mächtige Störenfriede aus allen Richtungen eindringen können.

Etwa einen Monat später sollten die Regierungen der USA und Israels jene „rücksichtslosen Handlungen“ demonstrieren, die die „gefährliche Reaktion“ zur Destabilisierung des globalen Systems hervorrufen würden. Doch entgegen den Worten von Guterres war das Chaos, wie wir in dieser Reihe bereits erörtert haben, ganz bestimmt keine „Überraschung“. Wir können erkennen, dass die Verursachung globalen wirtschaftlichen Chaos der Zweck des sogenannten Krieges war.

Wir haben auch erörtert, dass die UN die Übernahme von Spitzentechnologie durch die Bevölkerungen über ein Netzwerk intelligenter Stadtstaaten als wirksamstes Mittel ansehen, ihr neues, durchsetzungsstarkes Modell globaler Steuerung der UN 2.0 durchzusetzen. Die UN haben alles in ihrer Macht Stehende getan, um den weltweiten Aufbau der erforderlichen Smart Cities zu unterstützen und zu fördern. Dabei haben sie gemeinsame Interessen mit den Praxianern gefunden, die ein durch agentische KI betriebenes GaaS-Netzwerkimperium errichten wollen (siehe Teil 3).

Indem er seine Aufmerksamkeit indirekt auf das Netzwerkimperium richtete, sagte Guterres:

Wir erleben möglicherweise die größte Machtübertragung unserer Zeit – nicht von Regierungen an die Menschen, sondern von Regierungen an private Technologieunternehmen. Wenn Technologien, die Verhalten, Wahlen, Märkte und sogar Konflikte prägen, ohne Leitplanken operieren, ist die Folge nicht Innovation, sondern Instabilität.

Guterres’ Lösung besteht natürlich nicht darin, die Souveränität nationaler Regierungen zu stärken, um der Instabilität entgegenzutreten. Das Umbauprojekt UN 2.0 beruht auf der „Machtübertragung […] von Regierungen an private Technologieunternehmen“. Das Heilmittel der UN besteht daher darin, dass die MWO der UN 2.0 für die Errichtung der angeblich notwendigen „Leitplanken“ sorgt, um die Welt vor jener „Instabilität“ zu retten, an deren Entstehung die UN mitwirken.

Indem er die „Chance“ der Instabilität hervorhob, kam Guterres zu dem Schluss, das eigene System öffentlich-privater Partnerschaften der UN sei für die Bewältigung dieser Herausforderungen konzipiert worden:

Unsere Strukturen und Institutionen [globaler Steuerung] müssen die Komplexität – und die Chancen – dieser neuen Zeiten und Realitäten widerspiegeln. Eine Macht allein kann globale Probleme nicht lösen. Ebenso wenig werden sie dadurch gelöst, dass zwei Mächte die Welt in rivalisierende Einflusssphären aufteilen. Es ist wichtig, die Multipolarität bewusst und entschlossen zu beschleunigen – eine Multipolarität, die vernetzt, von Grund auf inklusiv und in der Lage ist, durch Partnerschaften ein Gleichgewicht herzustellen.

Die MWO wird dadurch „vernetzt“, dass das Netzwerkimperium in sie eingebettet wird und sich wie ein Myzel über ihre regionalen und nationalen Grenzen hinweg ausbreitet.

Im Anschluss nutzten die UN den sogenannten Krieg mit Iran und richteten ihren Safeguards Accelerator ein, der angeblich sicherstellen soll, dass die „digitale öffentliche Infrastruktur (DPI)“ – so nennen die UN die von Regierungen überall gleichzeitig installierte Spitzentechnologie – „inklusiv“ ist und einen „substanziellen und gerechten wirtschaftlichen Wandel“ bewirkt. Der von den UN angestrebte „wirtschaftliche Wandel“ ist die neue „multipolare digitale Finanzordnung (MDFO)“, die auf dem interoperablen Finternet der BIZ läuft.

Die Verwendung des Begriffs „Accelerator“ durch die UN sollte nicht übersehen werden. 2005 startete Y Combinator, das zu den Praxianern gehört, das weltweit erste Seed-Accelerator-Programm. Seitdem hat der Akzelerationismus begonnen, das Denken von Regierungen und zwischenstaatlichen Organisationen auf der ganzen Welt zu beherrschen.

„Accelerator“ ist nicht bloß irgendein modisches Etikett, das nationalen und globalen Initiativen zu PR-Zwecken angeheftet wird. Der Begriff hat eine sehr spezifische ideologische Bedeutung. Er signalisiert die Verpflichtung, mittels „schöpferischer Zerstörung“ gesellschaftspolitische und sozioökonomische Strukturen zu deterritorialisieren, um sie anschließend neu zu reterritorialisieren.

Die UN stellen ihren globalen Safeguard Accelerator als „nicht verhandelbare strukturelle Voraussetzung“ dar. Dieses Argument ist auch eine gängige Masche der Praxianer: Die „technologische Singularität“ sei unvermeidlich, auf agentischer KI beruhende GaaS-Neostaaten seien die einzige Lösung, und die Menschheit müsse sich weiterentwickeln, um zu „technoplastischen Wesen“ zu werden. All diese Behauptungen sind lächerliche Propaganda hybrider Kriegsführung. Keine der angeblich unausweichlichen Reaktionen ist unabwendbar oder auch nur notwendig, und keine ist aus Sicht der Menschheit wünschenswert. Das alles sind lediglich unbegründete Behauptungen und propagandistischer Schwachsinn.

Bedenkt man die Ziele, das Netzwerkimperium, die MWO und die dafür erforderliche MDFO zu errichten, könnte die Begeisterung der UN für den Akzelerationismus kaum offener zutage treten. Bei der Ankündigung ihres Safeguards Accelerator zur Schaffung der „Leitplanken“, die uns angeblich schützen sollen, bestehen die UN darauf, dass es ein „entscheidendes Zeitfenster zum Handeln“ gebe und sie daher „die Umsetzung auf Länderebene aktiv gestalten und Wirkung erzielen“.

Die UN verkünden:

Mit der Entwicklung der grundlegenden Ebenen digitaler öffentlicher Infrastruktur (DPI) werden diese zu Systemen, die es verschiedenen Ländern ermöglichen, zusammenzuarbeiten und KI-gestützte Dienste sowohl für öffentliche als auch für private Zwecke zu schaffen. […] Der Accelerator ist der Motor, der die Umsetzung vor Ort antreibt. […] Da die Implementierungen von Pilotprojekten zur Einführung für ganze Bevölkerungen übergehen, müssen die Partner jetzt praktische Schutzvorkehrungen in den produktiv eingesetzten Code, in Konzeption, Bereitstellung, Steuerung, Betrieb und nationale Politik einbauen; andernfalls riskieren sie beim Ausbau dieser Systeme ein Versagen der bestehenden Institutionen. […] Wo ein Land ein Identitätssystem, Zahlungssysteme, eine Datenaustauschschicht oder ein sektorales DPI-System einführt oder weiterentwickelt, benötigen Schutzvorkehrungen häufig kontinuierliche Unterstützung. […] Der Accelerator soll helfen, diese lokalen Kapazitäten aufzubauen.

Ähnlich wie beim Finternet der BIZ ergänzen die UN den „produktiv eingesetzten Code um praktische Schutzvorkehrungen“, um sicherzustellen, dass diejenigen, die den Code für agentische Regierungsführung schreiben, bei ihrer gesamten Programmierung den UN-Zielen Vorrang geben. Ebenso müssen alle programmierbaren Transaktionen den Diktaten globaler Steuerung entsprechen.

Die multipolare Blaupause Pax Silica

Obwohl die EU nach Ansicht des Council on Foreign Relations (CFR) „eine Blaupause ist, der andere Regionalorganisationen folgen“, um hoffentlich einen erfolgreichen „Block“ beziehungsweise MWO-„Pol“ zu bilden, ist sie aus Sicht der Praxianer bislang noch nicht ganz der perfekte Pol. Doch das wird sich nun ändern.

Die EU-Kommission hat Sonderwirtschaftszonen (Special Economic Zones, SEZs) offiziell kritisch betrachtet. Dies stellt ein kleines Problem für Praxianer dar, die in Europa private SEZ-Charter Cities errichten wollen – neue Städte, denen ein besonderer Rechtsstatus zur Schaffung eines neuen Regierungssystems eingeräumt wird –, wie Elon Musk dies beispielsweise in Texas getan hat.

Seit dem EU-weiten SEZ-Verbot von 2007 hat sich die Haltung der EU zu Sonderwirtschaftszonen allmählich verändert. 2017 schufen Änderungen an den Zonenregelungen Spielräume, die es EU-Mitgliedstaaten wie Italien ermöglichten, ihre SEZ-Netzwerke auszubauen. Derzeit gestattet die EU Ausnahmen für ihre Exportverarbeitungszonen (EPZs), wirtschaftlichen Revitalisierungsprojekte, die französischen „Zones Franches Urbaines“ und zahlreiche andere Entwicklungszonen, insbesondere in Osteuropa.

Europäische Sonder- und Freihandelszonen – Quelle

Am 23. Juni 2026 unterzeichnete die EU-Kommission die Pax-Silica-Erklärung. Die Kommission hat die EU verpflichtet, mit „globalen Partnern zusammenzuarbeiten, um KI und Lieferkettensicherheit voranzubringen“. Das erklärte Ziel besteht darin, „neue Chancen für europäische Unternehmen zu schaffen“, doch dies soll angeblich durch „technologischen Fortschritt“ erreicht werden. Bezeichnenderweise ist „wirtschaftliche Sicherheit“ das Ziel – warum dies bezeichnend ist, werden wir gleich sehen. Eine erhebliche Ausweitung des SEZ-Netzwerks der EU ist nun sehr wahrscheinlich.

Bereits 2024 wurde der Draghi-Bericht zur Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit der EU veröffentlicht. Das Forschungsteam unter Leitung von Mario Draghi stellte fest, dass die EU eine „Innovationslücke“ aufweise und hinter den USA und China zurückliege. Daraus folgte beispielsweise die Übernahme des DARPA-Modells durch den Horizon EIC.

Draghi ist ein ehemaliger Managing Director von Goldman Sachs; er war Exekutivdirektor der Weltbank und danach Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB) – einer Tarnorganisation der BIZ –, bevor er Gouverneur der Banca d’Italia wurde. Anschließend war er Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und schließlich, wenn auch relativ kurz, italienischer Ministerpräsident. Draghi ist ein prominenter Bilderberger, regelmäßiger WEF-Teilnehmer und Mitglied der noch exklusiveren Group of 30 (G30). Draghi ist ein prominentes Mitglied des Tiefen Staates, der der Oligarchie dient.

Draghi empfahl, zur Erreichung wirtschaftlicher Sicherheit sei es unerlässlich, „Innovation und technologischen Fortschritt zu beschleunigen“. Die EU müsse „niedrige Handelsbarrieren für digitale Güter, Dienstleistungen und Infrastrukturen gegenüber den USA […] aufrechterhalten, um den Zugang zu den neuesten KI-Modellen und Prozessoren zu gewährleisten“. Zu diesem Zweck, so Draghi weiter, sei es wichtig, „präferenzielle Handelsabkommen mit wichtigen Partnern“ zu sichern sowie „kritische Lieferungen […] und Direktinvestitionen in Produktionsanlagen“ zu gewährleisten. Draghi skizzierte, wie dies erreicht werden könnte:

Die EU muss sicherstellen, dass sich mehr Städte und Regionen an den Sektoren beteiligen können, die das künftige Wachstum antreiben werden, und dabei auf bestehenden Initiativen wie Innovation Valleys [und] Net-Zero Acceleration Valleys aufbauen. […] Dafür werden neue Arten von Kohäsionsinvestitionen und Reformen auf subnationaler Ebene in vielen Mitgliedstaaten erforderlich sein. Insbesondere muss die Kohäsionspolitik neu auf Bereiche wie Bildung, Verkehr, Wohnen, digitale Vernetzung und Planung ausgerichtet werden, die die Attraktivität einer Vielzahl unterschiedlicher Städte und Regionen erhöhen können.

Da die EU staatlich subventionierten SEZs angeblich ablehnend gegenübersteht, nennt sie diese stattdessen „Valleys“. Net-Zero Acceleration Valleys sind ein europäisches Netzwerk von SEZs, in denen Mitgliedstaaten Anreize für „private Investitionen in Energie, digitale [Transformation] und Verkehrsinfrastruktur“ bieten. Regional Innovation Valleys (RIVs) sind größere SEZs – unter Einschluss einiger Net-Zero Acceleration Valleys –, die sich auf die „Bewältigung der digitalen Transformation“ etwa von Energie- und Lebensmittellieferketten konzentrieren. Die RIVs bilden ein transkontinentales Netzwerk von EU-Regionen, die „gesellschaftliche Herausforderungen mithilfe modernster Technologie angehen“.

Europäische Regional Innovation Valleys – Quelle

Angesichts der bevorstehenden Unterzeichnung von Pax Silica durch die EU hatten die überzeugten NRx-Akzelerationisten Jacob Helberg und Joe Lonsdale daher guten Grund zum Optimismus, als sie im Mai 2026 miteinander sprachen. Vielleicht erinnern Sie sich aus Teil 1 daran, dass Helbergs Ehemann Keith Rabois – ein akzelerationistischer Investor bei PayPal und Palantir sowie General Partner von Peter Thiels Founders Fund – Wahlkampfspenden sowohl für Trump als auch für Vizepräsident J. D. Vance eingeworben hatte. Es war Vance, der Helberg anschließend zum US-Unterstaatssekretär für Wirtschaftswachstum, Energie und Umwelt ernannte.

Palantir-Mitgründer Joe Lonsdale interviewte Helberg in seinem Podcast American Optimist – Marc Andreessens irreführendes Techno-Optimist Manifesto (siehe Teil 3) greift das Motiv des Optimisten auf. Lonsdale und Helberg sprachen über die Pax-Silica-Erklärung und weitere Themen. Angeblich verfasste Helberg Pax Silica in Abstimmung mit US-Außenminister Marco Rubio, obwohl das vermutlich nicht stimmt.

Der Zweck von Pax Silica besteht darin, transnationale Partnerschaften zu bilden, die „strategische Technologieebenen der globalen Technologielieferkette sichern, darunter unter anderem Softwareanwendungen und Plattformen; modernste KI-Basismodelle; Informationsvernetzung und Netzwerkinfrastruktur; Rechenleistung und Halbleiter; fortgeschrittene Fertigung; Transportlogistik; Mineralraffination und -verarbeitung; sowie Energie“.

Pax Silica ist eine vom US-Privatsektor geführte Operation, die sich durch die „Mobilisierung der immensen schöpferischen und finanziellen Kraft von Privatwirtschaft und Unternehmertum“ die strategischen digitalen Ebenen der Lieferketten aneignen wird.

In der Erklärung heißt es, dass „echte wirtschaftliche Sicherheit den Abbau übermäßiger Abhängigkeiten und den Aufbau neuer Verbindungen zu verlässlichen Partnern und Lieferanten erfordert“. Um „private Investitionen vor Marktverzerrungen zu schützen“, wird daher durch internationale „Zusammenarbeit bei der Durchsetzung unserer jeweiligen Maßnahmen zum Schutz sensibler Technologien und kritischer Infrastruktur vor ungebührlichem Zugang, Einfluss oder Kontrolle“ ein isolationistischer und protektionistischer Pax-Silica-Pol gebildet. Pax Silica ist seinem Wesen nach multipolar.

Es ist einigermaßen ironisch: Während Amerikaner zunehmend den zionistischen Einfluss auf ihre Regierung hinterfragen, treiben die Praxianer – sowie supranationale und zwischenstaatliche Organisationen wie die EU und die UN, zusammen mit wichtigen nationalen Partnern wie der israelischen Regierung – den Aufbau einer globalen multipolaren Technokratie voran. In dieser Hinsicht war Lonsdales Interview mit Helberg wegen seiner offenen Enthüllungen bemerkenswert.

Helberg behauptete, die USA müssten „den Wettlauf um Innovation gewinnen, und wir müssen den Wettlauf um die Sicherung unserer Lieferketten gewinnen“. Wie wir in dieser Reihe bereits erörtert haben, ist der angebliche „Wettlauf“ stärker von Zusammenarbeit als von Wettbewerb geprägt. Das Narrativ vom „Wettlauf“ ist lediglich eine propagandistische Rechtfertigung – in diesem Fall für die Regionalisierung von Lieferketten.

Wie in Teil 3 behandelt, hat Trumps Epic-Fury-„Krieg“ mit Iran globales wirtschaftliches Chaos verursacht, nicht zuletzt durch die Drosselung der Energie- und Rohstofflieferwege durch die Straße von Hormus. Helberg griff diese künstlich geschaffene Gelegenheit auf und betonte, wie wichtig es sei, „die Risiken an den Engpässen zu verringern, von denen unsere Wirtschaft abhängt“. Beim Thema Regionalisierung bleibend, behauptete Helberg, die „Operation Venezuela war unglaublich historisch“, da ihr Zweck darin bestanden habe, den „Einfluss [der USA] in unserer Hemisphäre“ zurückzugewinnen.

Als NRx-Akzelerationisten glauben sowohl Lonsdale als auch Helberg an die Dunkle Aufklärung und daran, die Zukunft durch schöpferische Zerstörung zu gestalten. Sie betrachten sich als unkonventionelle Querdenker, die, wie ihr akzelerationistischer Gesinnungsgenosse Mark Zuckerberg einmal sagte, „schnell vorangehen und Dinge kaputtmachen“. Als mutiger Pionier an der technologischen Grenze des Silicon Valley stimmte Lonsdale Helberg – und in dessen Abwesenheit ihrem Freund Alex Karp – bereitwillig zu, dass die Risikobereitschaft amerikanischer Unternehmen etwas Besonderes sei. Angeblich seien amerikanische Unternehmer „bereit, ketzerisch und gegen den Strom zu denken“. Vermutlich sind Geschäftsleute außerhalb der USA nicht ketzerisch genug. Wie auch immer: Für Lonsdale ist das „Ketzerische wirklich der Schlüssel“.

Menschen in den USA und weltweit äußern zunehmend Besorgnis über die Praktiken praxianischer Megakonzerne wie Palantir. Der Grund dafür ist, dass viele dieser Organisationen unethisch und gewissenlos erscheinen: Sie handeln wie Despoten, die ganzen Bevölkerungen technologische Überwachung aufzwingen und zugleich mit völkermörderischen Wahnsinnigen zusammenarbeiten, um mithilfe fortschrittlicher Waffentechnologie unschuldige Menschen abzuschlachten.

Anscheinend ohne diese Realität wahrzunehmen, sieht Lonsdale offenbar ein grundlegendes PR-Problem, statt die berechtigten Gründe für die Besorgnis der Öffentlichkeit anzuerkennen. Das Problem, so sinniert er, sei, dass die Leute „erfolgreichen Menschen gegenüber wirklich negativ eingestellt“ seien. Sie seien neidisch und dächten, „mit dir stimmt etwas nicht, wenn du zu erfolgreich bist“. Menschen und Institutionen seien „wachstumsfeindlich“, und genau darin liege ihr Versagen, denn in Lonsdales bizarrer, eigennütziger Weltsicht wird „Freiheit“ durch nichts anderes als „Innovation und Fertigung“ in deregulierten „freien Wirtschaftszonen“ erreicht.

Auf dem Planeten Lonsdale sind Vorstellungen wie die souveräne Gleichheit der Individuen, emotionale und spirituelle Selbstverwirklichung und Freiheit von Unterdrückung ein Gräuel. Alles, was zählt, ist wirtschaftliche „Freiheit“. Lonsdale scheint Ausbeutung durch Lohnarbeit nicht zu kennen, erkennt die unbezahlbar gewordenen Lebenshaltungskosten nicht an und hält Arbeitslosigkeit für einen Mythos. Wenn Sie nicht wohlhabend genug sind und es sich nicht leisten können, Glück zu kaufen – nun, dann versteht Joe nicht, „wovon Sie ausgehen“. Er meint, Sie sollten härter für ihn und seine praxianischen Freunde arbeiten, und legt nahe, Sie könnten „geistig zurückgeblieben“ sein, wenn Sie das nicht tun.

Wie viele Praxianer und andere NRx-Akzelerationisten ist Joe Lonsdale ein großer Anhänger von Chinas „freien Wirtschaftszonen“ und erfreut darüber, dass US-Investorenoligarchen „seit einer Generation mit [Chinas SEZs] zusammenarbeiten“ – tatsächlich sind es inzwischen eher zwei oder drei Generationen. Lonsdale verweist auf die Parallelen zwischen dem heutigen chinesischen und dem Silicon-Valley-Ansatz technologischer Entwicklung, während Helberg den Austausch von Fachkompetenz zwischen beiden hervorhebt, und sagt, es sei schade, dass die USA und China nicht enger zusammenarbeiten könnten. Leider könnten sie dies nicht, behauptete er lächerlicherweise, weil die Chinesen „Kommunisten“ seien.

Lonsdale hatte gerade dargelegt, dass China den Wagniskapitalismus übernommen hat, ein kapitalistisches System von Freihandelszonen betreibt – das chinesischen Privatunternehmen ermöglicht, zu florieren – und eine blühende Konsumwirtschaft aufgebaut hat, auch wenn diese stakeholderkapitalistisch ist. Doch laut Lonsdale bleibt China zugleich „kommunistisch“.

Lonsdale widersprach sich selbst, indem er die umfangreiche, generationenübergreifende Ost-West-Partnerschaft und Chinas bevorzugtes Wirtschaftsmodell anerkannte. Diese Beobachtungen standen völlig im Widerspruch zu seinen Behauptungen über die Ost-West-Kluft. Seine Behauptung, Ost und West stünden sich ideologisch unversöhnlich gegenüber, war offenbar weitere Propaganda, die die fortdauernde Fassade der Ost-West-Rivalität rechtfertigen sollte.

Als er auf das Pax-Silica-Abkommen mit der EU zu sprechen kam, betonte Jacob Helberg die Bedeutung des Draghi-Berichts und erklärte, Draghi habe Deregulierung als Weg zu Wachstum in der EU hervorgehoben. Helberg fügte hinzu, private Investitionen würden in die EU fließen, wenn diese „[ihre] Grenze sichern, deregulieren, Steuern senken und die Energiekosten herunterbringen“ könne. Er glaubt, die kulturelle Trägheit Europas müsse sich ändern, da sie „Risikobereitschaft und unorthodoxes Denken entmutigt“.

Um die Bedeutung des Gesprächs zwischen Lonsdale und Helberg zu verstehen, müssen wir den größeren Zusammenhang betrachten. In seinem Interview mit Lonsdale sagte Unterstaatssekretär Helberg:

[Pax Silica] ist eine grundlegend andere Gruppierung als die G7 und die G20 […], die offensichtlich ein Relikt des Kalten Krieges sind; man sieht wirklich auseinanderlaufende Wachstumsentwicklungen. Und weil KI Produktivität bedeutet, bedeutet Produktivität Wachstum. […] Pax Silica ist eine Koalition für wirtschaftliche Sicherheit mit einer Gruppe von inzwischen vierzehn Ländern, von denen jedes einzigartige industrielle Fähigkeiten einbringt, um unsere Lieferketten zu sichern. [W]ir wollen bei der Lieferkettensicherheit einen ganzheitlichen, ökosystembasierten Ansatz verfolgen. Und deshalb besteht eines unserer ersten großen Vorzeigeprojekte in der Einführung dieser Zone wirtschaftlicher Sicherheit.

Die mittelamerikanischen Länder Costa Rica, El Salvador und Panama sind Pax Silica beigetreten. Dasselbe gilt für Chile und Argentinien in Südamerika. Wie kürzlich bei Unlimited Hangout berichtet, scheinen die beteiligten Regierungen, insbesondere die argentinische, damit zufrieden zu sein, dass ihre Bevölkerungen als Versuchskaninchen in einem groß angelegten „Betatest“ dienen, in dem erprobt wird, „was wahrscheinlich zu einem globalen Modell des Techno-Autoritarismus werden wird, bei dem KI-gestützter Kapitalismus (wahrscheinlich mit minimaler menschlicher Beteiligung) völlige Freiheit genießt, während Menschen im Grunde keinerlei Freiheit genießen“.

Aus den ursprünglich vierzehn Pax-Silica-Ländern sind inzwischen fünfzehn Nicht-EU-Staaten zuzüglich der siebenundzwanzig EU-Mitgliedstaaten geworden; sechs davon hatten bereits unterzeichnet, bevor die EU-Kommission ihre eigene Unterschrift hinzufügte. Zu den Nicht-EU-Staaten von Pax Silica gehören auch das BRICS-Gründungsmitglied Indien, Israel und das Vereinigte Königreich sowie die GCC-Mitglieder Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – Letztere wollen bis 2030 eine Regierung einrichten, die zu fünfzig Prozent auf agentischer KI beruht.

Unterstaatssekretär Jacob Helberg, ganz links, gemeinsam mit internationalen Partnern beim Pax-Silica-Gipfel am 12. Dezember in Washington – Quelle

In Vorbereitung auf das durch IMEC ermöglichte Pax Silica trat die Regierung der VAE im Mai dieses Jahres aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) aus. Westliche Denkfabriken wie der Council on Foreign Relations (CFR) vermuten, dies spiegele Spannungen zwischen den VAE und Saudi-Arabien im Zentrum der OPEC wider. Zwar unterstützen die VAE und Saudi-Arabien im Jemenkonflikt gegnerische Seiten und verfolgen unterschiedliche Ansätze in ihren Beziehungen zu Israel, doch die VAE haben offenkundig noch andere Beweggründe für ihre Entscheidung.

Die OPEC legt Preis- und Förderquoten für ihre Mitgliedstaaten fest, und die VAE streben offensichtlich nach größerer Autonomie. Doch seit mehr als zwei Jahrzehnten bemühen sich die VAE, ihre Wirtschaft zu diversifizieren und von ihrer überwältigenden Abhängigkeit von Energieexporten zu lösen. Sie haben ihre wirtschaftliche Basis durch Investitionen in digitale Technologie und den Finanzsektor verbreitert. Ihr jüngster umfassender Plan zur wirtschaftlichen Diversifizierung beruht darauf, das Wachstum des Privatsektors zu fördern und ausländische Direktinvestitionen in den Technologiesektor der VAE anzuziehen; im Mittelpunkt stehen die Entwicklung von KI, erneuerbaren Energien, Finanztechnologie (Fintech) und digitalen Dienstleistungen.

Der umfassende Plan sieht vor, Smart-City-Projekte in den VAE auszuweiten, Investitionen in technologische Innovationszentren zu erhöhen und privaten Investoren und Unternehmen im wachsenden Netzwerk der Sonderwirtschaftszonen (SEZs) der VAE eine Reihe steuerlicher Anreize, öffentlicher Fördermittel und Deregulierungsvorteile anzubieten. Zugleich hat die Zentralbank der VAE beantragt, der „elitären Gruppe“ von Ländern beizutreten, die Währungsswap-Vereinbarungen mit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) definiert eine Währungsswap-Fazilität als „eine Vereinbarung zwischen zwei Zentralbanken über den Austausch von Währungen. Dadurch kann eine Zentralbank Fremdwährungsliquidität von der Zentralbank erhalten, die diese Währung ausgibt.“ Es handelt sich nicht um einen Kredit, sondern um einen Tausch zu einem vereinbarten Wechselkurs für einen festgelegten Zeitraum, nach dessen Ablauf der Tausch rückabgewickelt wird. Der Währungsswap ermöglicht Devisentauschgeschäfte außerhalb der Devisenmärkte (Forex, FX).

Zweck der Swap-Fazilität ist es, in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen und Marktstörungen den Zugang zu Liquidität zu sichern. Trumps Epic Fury hat Turbulenzen und Störungen zweifellos geliefert. Wie wir sehen werden, umfasste die vorhersehbare und erwartete militärische Reaktion Irans Angriffe auf Infrastruktur der VAE sowie das abwechselnde Öffnen und Schließen der Straße von Hormus, was die Öl- und Gasexporte der VAE beeinträchtigt. Doch die VAE verfügen über mehr als 250 Milliarden US-Dollar an US-Staatsanleihen, erhebliche Devisenreserven und geschätzte 1,5 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten; sie benötigen keine Liquiditätshilfe. Offenkundig ist dieser Schritt Teil einer längerfristigen Strategie, Kapital außerhalb regulatorischer Aufsicht zu bewegen.

Die Regierung der VAE steht zugleich im Zentrum von Pax Silica und vertieft ihre strategischen Beziehungen zu Peking – darauf kommen wir gleich zurück. Wie der Analyst Simon Dixon hervorhob, „positionieren sich die VAE so, dass sie den Wandel der Weltordnung überstehen und davon profitieren“. Doch sie tun dies nicht im Alleingang.

Der amerikanisch-israelische Konflikt mit Iran wurde von der New York Times als „Whiplash War“ bezeichnet, als Krieg abrupter Kehrtwenden. Die NYT merkt an, dass ein „Hin und Her zwischen Kämpfen und Ruhe in Friedensprozessen üblich“ sei, stellt jedoch fest, dass „das, was in diesem Krieg geschieht, etwas anderes ist“. Der scheinbar ständige „Wechsel zwischen Konflikt und Verhandlungen“ – bei dem „die Straße von Hormus, eine entscheidende Route des globalen Ölhandels“, mal geöffnet, mal geschlossen wird – verursacht offensichtlich Instabilität und massive Marktunsicherheit.

Wie BlackRock-Chef Larry Fink in einem Interview von 2011 mit Bloomberg sagte: „Märkte mögen keine Unsicherheit; Märkte mögen eigentlich totalitäre Regierungen.“ Der vermeintliche Krieg verschiebt die Weltordnung in Richtung anhaltender Instabilität, die den globalen Märkten zuwider ist. Die Regierung der VAE positioniert sich infolgedessen strategisch.

Trumps Epic Fury erzeugt offenkundig ein verstärktes Verlangen der globalen Märkte nach Stabilität und der Gewissheit, die mit autokratischer Ordnung einhergeht. Dadurch entsteht ein Anreiz, den Pax-Silica-„Pol“ voranzutreiben. Zwar beruht die MWO auf der Deterritorialisierung der gegenwärtigen Weltordnung, zugleich aber gründet sie auf der Reterritorialisierung eines weltweiten Finternets, des Netzwerkimperiums und der „Überwachungsstaats“-Ordnung der UN 2.0. Pax Silica soll all diesen Elementen dienen.

Mit dem Fortschreiten der digitalen Transformation gilt daher: Ganz gleich, wo Sie leben, welchem Pol Sie angehören und welches Land oder welche Stadt Ihre Heimat ist – wenn die Pläne der Oligarchen Erfolg haben, wird jeder seinem jeweiligen Digital Nation Stack unterworfen werden.

Der Digital Nation Stack

Die EU hat bereits einen Plan zum Aufbau von „100 klimaneutralen und intelligenten Städten“ sowie ein wachsendes Netzwerk von SEZs beziehungsweise „Valleys“, in denen deren Bau neben der „digitalen Transformation“ bestehender europäischer Städte wie Paris beschleunigt werden soll. Pax Silica ist das Einfallstor der Praxianer, um ihr auf agentischer KI und GaaS beruhendes Netzwerkimperium in die EU, das Vereinigte Königreich, Israel, Japan, Australien, die GCC-Länder und darüber hinaus auszudehnen.

Wie gerade erörtert, wird „wirtschaftliche Sicherheit“ in der EU laut Draghi durch die „Beschleunigung von Innovation und technologischem Fortschritt“ erreicht. Pax Silica ist ein Abkommen, dem zufolge die „Barrieren für digitale Güter, Dienstleistungen und Infrastrukturen“ zwischen den USA und der EU beseitigt werden müssen, um den „Zugang zu den neuesten [US-]KI-Modellen und Prozessoren zu gewährleisten“. In seinem Interview mit Lonsdale fügte Helberg hinzu, die „Vorzeige“-Prototypplattform sei die „Einführung dieser Zone wirtschaftlicher Sicherheit auf den Philippinen“.

Genauer gesagt: Die von Helberg erwähnte „Zone wirtschaftlicher Sicherheit“ ist das „historische Abkommen“, das Pax Silica mit der philippinischen Regierung geschlossen hat, um in der Subic-Bucht einen „4.000 Acres großen, erstmals von Grund auf KI-basierten Industriepark seiner Art“ zu errichten. Er ist ein Modell für die Netzwerkstaaten, die Pax Silica „miteinander verbinden“ wird, um innerhalb seines Pols wirtschaftlicher Sicherheit das Netzwerkimperium zu bilden. Um die Pläne der Praxianer für die EU und andere Pax-Silica-Mitglieder zu verstehen, können wir ihr Vorgehen auf den Philippinen betrachten.

Die Bases Conversion and Development Authority (BCDA) ist eine staatliche philippinische „Entwicklungsgesellschaft“, die „öffentlich-private Partnerschaften eingeht, um wichtige öffentliche Infrastruktur wie Mautstraßen, Flughäfen, Seehäfen und große Immobilienprojekte voranzutreiben“. Die BCDA will private Investoren anziehen, um „großartige Städte zu bauen“ und „wirtschaftliche Chancen für Filipinos […] innerhalb von Sonderwirtschaftszonen“ auszuweiten.

Die BCDA hat mehrere verbundene Organisationen, darunter die Subic Bay Metropolitan Authority (SBMA). Die SBMA hat den Auftrag, „die Subic Special Economic Zone“ (SSEZ) zu entwickeln. Die SSEZ ist ein „selbsttragendes Industrie-, Handels-, Finanz- und Investitionszentrum“, das ausdrücklich darauf ausgerichtet ist, „produktive ausländische Investitionen anzuziehen und zu fördern“. Die BCDA bildet das öffentlich-private institutionelle Umfeld, das SEZs wie die SSEZ ermöglicht; durch die SEZs erlangen ausländische Privatinvestoren wie die Praxianer rechtliche Autonomie.

Zur Veranschaulichung: Die SSEZ wird ausländischen Investoren „als eigenständiges Zollgebiet“ angeboten, in dem die „Bewegung von Waren und Kapital innerhalb der Subic Special Economic Zone, in sie hinein und aus ihr heraus“ praktisch keinerlei Regulierung unterliegt und „ungehindert“ erfolgt. Die Einfuhr von „Rohstoffen, Kapital und Ausrüstung“ – gleich welcher Herkunft – durch Praxianer und andere „Investoren“ in die SSEZ ist „steuer- und zollfrei“.

Die philippinische Regierung wird die „Zone und [die] Sicherheit ihrer Außengrenzen“ verteidigen, doch den privaten Eigentümern und Betreibern der SSEZ steht es frei, ihre „eigene innere Sicherheit“ zu organisieren. Mit anderen Worten: Die philippinischen SEZs sind weitgehend autonome Wirtschaftsjurisdiktionen mit eigenen privaten Sicherheitskräften auf philippinischem Staatsgebiet. Nichts davon scheint den Filipinos besonders zugutezukommen.

Als kürzlich Beschäftigte in der Sonderwirtschaftszone Laguna Technopark friedlich protestierten, um auf die festgefahrenen Tarifverhandlungen mit ihrem Arbeitgeber – Package World Inc. – aufmerksam zu machen, wurden die privaten Sicherheitskräfte der SEZ entsandt, um sie mit Wasserwerfern und Schlagstöcken anzugreifen. Die philippinischen SEZs, die viele Filipinos kaum als etwas anderes als „sichere Häfen für Unternehmen, die sich der Verantwortung entziehen wollen“ ansehen, haben eine erschreckende Geschichte der Ausbeutung von Beschäftigten in deregulierten Sweatshops.

US-Vertreter unter Leitung des Unterstaatssekretärs für Wirtschaftsangelegenheiten Jacob Helberg (Dritter von links) posieren am 18. Mai 2026 mit philippinischen Vertretern in Pampanga auf den Philippinen – Quelle

Es zeigt sich, dass die philippinische Regierung identifizierte Beschäftigte und Gewerkschaftsorganisatoren als vermeintliche Kommunisten brandmarkt („Red-Tagging“), wenn Filipinos gegen kaum existenzsichernde Löhne und gefährliche Arbeitsbedingungen in SEZs protestieren. Sie und ihre Familien werden dann Überwachung, Schikanen und gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt, die gelegentlich bis zu staatlich gebilligtem Mord reichen. Filipinos, die in den SEZs ihres Landes für ihre Arbeits-, Wohn- und sonstigen Rechte eintreten, sehen sich immer wieder Gewalt und Einschüchterung ausgesetzt. Praxianer wie Joe Lonsdale beschreiben diese Situation als „gute Leistungen erbringen und erfolgreich sein“.

Die BCDA und die SBMA haben sich mit den NRx-Akzelerationisten und den Praxianern zusammengeschlossen, „um den Hafen von Subic Bay […] zum bevorzugten maritimen Zugangstor der Pax-Silica-Initiative zu machen“. Man sollte bedenken, dass es viele derartige Pax-Silica-Zugangstore gibt, etwa den erweiterten Ausbau des „Jebel-Ali-Ökosystems“ der VAE, eines zentralen Hafenkomplexes am geplanten Indien-Nahost-Europa-Korridor (IMEC) – darauf kommen wir gleich zurück.

Zurück zu den Philippinen. Der Vorsitzende und Administrator der SBMA, Eduardo Jose L. Aliño, sagte:

Die Bestimmung des Hafens von Subic zum bevorzugten Hafen für Pax-Silica-Aktivitäten innerhalb des Luzon-Wirtschaftskorridors ist für die Subic Bay Metropolitan Authority eine große Ehre. […] Als Teil des Luzon-Wirtschaftskorridors sind Subics Tiefwasserhafen und Werftanlagen darauf ausgelegt, Rohstoffe wie Nickel und Kupfer sowie verarbeitete Technologiegüter rasch zwischen dem Hafen und der von Grund auf KI-basierten Economic Security Zone, kurz ESZ, in New Clark City zu transportieren.

Praxianer wie Joe Lonsdale und NRx-Akzelerationisten wie Jacob Helberg haben sich eine Freiwirtschaftszone auf den Philippinen angeeignet, in der sie praktisch tun können, was sie wollen – frei von Regulierung und Steuern. Im Interview mit Helberg sagte Lonsdale, er habe dem Verhandlungsteam angehört, das das Pax-Silica-Abkommen mit der philippinischen Regierung ausgehandelt habe. Nun können er und seine praxianischen Mitstreiter auf den Philippinen „ein paar Sachen bauen“, indem sie nach Belieben „Rohstoffe, Kapital und Ausrüstung“ in die SSEZ hinein- und aus ihr herausbewegen.

Bei der Unterzeichnungszeremonie soll Diana Joyce N. Basco-Galera, Senior Vice President der BCDA für Rechtsangelegenheiten, gesagt haben, Land- und Hafenflächen unter der Zuständigkeit der SBMA würden vermessen und anschließend „strategisch für die Pax-Silica-Initiative genutzt“. Dies werde Infrastruktur, Versorgungsleistungen, Logistik und Hafenunterstützung für Pax Silica bereitstellen. Das wiederum ist Teil der geplanten übergreifenden Entwicklung von Wirtschaftszonen auf den Philippinen.

Wie das Infrastrukturprojekt Greater Bay Area in China (siehe Teil 3) verbindet der Luzon-Wirtschaftskorridor die philippinischen SEZs miteinander. Ziel des gemeinsamen Projekts der Regierungen der USA, Japans und der Philippinen ist es, „Infrastrukturentwicklung mit fortgeschrittenen Industrien zu integrieren, darunter Elektronikfertigung, Rechenzentren und Logistik“.

Folglich können die Praxianer beliebige Rohstoffe und „verarbeitete Technologiegüter“ importieren – etwa sowohl zivil als auch militärisch nutzbare Drohnen –, beliebige nicht deklarierte Finanzmittel in die SSEZ schleusen und diese anschließend verwenden, um den Bau „der von Grund auf KI-basierten Economic Security Zone, kurz ESZ, in New Clark City“ rasch auszuweiten.

New Clark City soll angeblich ein Ort werden, an dem Menschen „leben, arbeiten und spielen“. Wie Helberg im Interview andeutete, wird dort jedoch auch ein „4.000 Acres großes Industriezentrum zur Sicherung von Vorprodukten entstehen, die für amerikanische und globale Lieferketten lebenswichtig sind“. New Clark ist eine neue Stadt, die innerhalb der Clark Freeport and Special Economic Zone (CFSEZ) als „neues Modell für von Grund auf KI-basierte Zentren zur Investitionsbeschleunigung“ dienen wird. Die CFSEZ bietet den Praxianern exakt dieselbe regulatorische und finanzielle Freiheit, die sie in der über Luzon verbundenen SSEZ genießen.

In meinem jüngsten Buch The Technocratic Dark State habe ich festgestellt, dass die nahe der Subic-Bucht gelegene Freeport Area of Bataan (FAB) eine weitere SEZ ist, die im Rahmen des Luzon-Wirtschaftskorridor-Projekts entwickelt wird. Durch den Erwerb eines FAB-Visums (Philippines FIV) erhalten ausländische Investoren eine doppelte Staatsbürgerschaft einschließlich der philippinischen. Die Genehmigung dauert nur fünf Tage; danach erlaubt die erworbene Souveränität dem Investor, Land und Immobilien innerhalb der von der BCDA beaufsichtigten philippinischen SEZs zu kaufen. Dies steht im Widerspruch zu Artikel XII, Abschnitt 7 der philippinischen Verfassung, der Ausländern den Besitz von Land oder Immobilien auf den Philippinen verbietet, sofern sie keine historische materielle Verbindung zu den Philippinen oder ihrer Bevölkerung nachweisen können. Unabhängige SEZ-Rechtsräume umgehen Verfassungen.

Der Dienst zur Beschaffung des Philippines FIV wird von Metropolis Global betrieben. Passend zum Anspruch des Netzwerkimperiums lautet der Slogan von Metropolis Global: „Die Nationen von morgen gestalten“. Auf ihrer Website erklärt uns die Firma:

Metropolis errichtet integrierte rechtliche, finanzielle und technologische Rahmenstrukturen, die die kommunale und wirtschaftliche Entwicklung beschleunigen. […] Wir helfen Nationen dabei, Sonderwirtschaftszonen (SEZs) und Charter Cities zu aktivieren. […] Wir entwickeln digitale Wirtschaftsinfrastruktur, die Rechtsräumen hilft, Zugang zur digitalen Wirtschaft zu erhalten und neue Wege der Teilnahme an globalen Märkten zu eröffnen.

Der „Chief Evangelist & Founding Strategic Advisor“ von Metropolis Global ist Peter Thiels Protegé Patri Friedman, der 2008 gemeinsam mit dem Praxianer Thiel das Seasteading Institute gründete. Drei Jahre später verlagerte Friedman, erneut von Thiel unterstützt, seinen erkennbaren Schwerpunkt vom Bau neuer Städte auf dem Wasser zu deren Errichtung an Land. Mit der Gründung von Future Cities Development Inc. im Jahr 2011 startete Friedman ein Projekt zum Bau einer privaten Charter City in Honduras, die heute als Próspera bekannt ist.

Friedman ist Gründer und General Partner von Pronomos Capital, das sich auf Investitionen in Startup-Gesellschaften und Charter Cities spezialisiert. Das Investmentportfolio von Pronomos Capital umfasst Próspera und Praxis Nation. Das Manifest von Praxis Nation erklärt offen die Absicht der Praxianer, „eine neue Form menschlicher Zivilisation zu begründen: das Netzwerkimperium“. Die Methode der Praxianer zur Errichtung des Netzwerkimperiums besteht in der „Ablösung der Nationalstaaten durch Netzwerkstaaten in Echtzeit. Netzwerkstaaten werden Nachbarschaften zusammenführen und Städte bauen.“

Wie Peter Thiel, Joe Lonsdale, Alex Karp, Jacob Helberg und jeder andere praxianische Oligarch und NRx-Akzelerationist verfolgt Patri Friedman als Lebenswerk das „Flippening“, die Ablösung der bestehenden Staaten. Unabhängige SEZ-Rechtsräume bieten Praxianern und anderen Privatinvestoren den regulatorischen Spielraum, ihre Stadtstaaten des Netzwerkimperiums aufzubauen.

Derzeit gibt es weltweit mehr als 7.000 SEZs in über 140 Ländern. Wie bereits bei Unlimited Hangout berichtet, unterscheiden sich SEZs hinsichtlich Größe und Vergünstigungen: von kleinen Gebieten wie Exportverarbeitungszonen, die gewisse Zollvorteile bieten, bis hin zu größeren Charter Cities, die umfangreiche Steuererleichterungen und äußerst wenige Vorschriften genießen, um den Bau von Gewerbe- und Wohngebieten zu erleichtern – im Grunde Stadtstaaten.

2022, vier Jahre bevor Helberg die Pax-Silica-Erklärung veröffentlichte, hatte sich das Charter Cities Institute (CCI) bereits auf die Entwicklung der philippinischen SEZs konzentriert. Unter Hinweis darauf, dass die „Subic Special Economic Zone ein selbsttragender Rechtsraum [ist]“, schrieb Jeffrey Mason, Leiter des Politikbereichs beim CCI:

Die Subic-SEZ [wird] als eigenständiges Zollgebiet mit freiem Waren- und Kapitalverkehr, Finanzmarktliberalisierung, ohne lokale oder nationale Steuern und ohne Devisenkontrollen verwaltet. […] Was ich bisher beschrieben habe, ist ein sehr weit fortgeschrittenes Sonderwirtschaftszonen-Regime mit einem hohen Maß an übertragener administrativer Kontrolle. […] Was Subic Bay und dieses Ermächtigungsgesetz jedoch besonders einzigartig macht, ist die Art, wie die Gründung der SEZ und ihr Verhältnis zu den umliegenden Gemeinden geregelt wurden. Bei der Errichtung der SBMA erhielt jede benachbarte Kommunalverwaltung die Wahl, sich dem besonderen Rechtsraum anzuschließen oder nicht.

Jeffrey Mason will auch Gaza digital umgestalten und in einen SEZ-Stadtstaat verwandeln. Mit Blick darauf, dass Gazas überlebende Bevölkerung jung und mittellos ist und Gaza dem Erdboden gleichgemacht wurde, sieht Mason eine verlockende Gelegenheit und schrieb:

Angesichts des Ausmaßes der physischen Zerstörung in Gaza kommt der Umfang des notwendigen Wiederaufbaus im Grunde der Errichtung einer völlig neuen Stadt gleich. […] Die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone in Gaza oder, noch ambitionierter, die Erklärung des gesamten Gebiets zur SEZ wird dazu beitragen, eine große Bevölkerung junger Menschen im erwerbsfähigen Alter zu nutzen, die wirtschaftliche Chancen benötigen.

Pax Silica wurde uns als US-Vorstoß zur Sicherung einer eigenständigen Halbleiterlieferkette präsentiert, und man sagt uns, dies „markiere den jüngsten Schritt im erbitterten geopolitischen Wettbewerb zwischen China und den USA“. Tatsächlich markiert es die programmierbare digitale Kontrolle regionaler Lieferketten – eine Voraussetzung für die MWO, die sowohl die US-Regierung als auch die chinesische Regierung gleichermaßen unterstützen. Da sich die EU, das Vereinigte Königreich, die VAE, Israel, Indien und viele andere Länder Pax Silica verschreiben, entsteht ein neuer Pol. Dieser Pol beruht nicht auf geografischer Nähe, sondern auf gemeinsamer „wirtschaftlicher Sicherheit“ und der Bildung eines Flickenteppichs „besonderer Rechtsräume“.

Wir haben gerade die Einrichtung des Safeguards Accelerator durch die UN erörtert, der „Leitplanken“ für ausgereifte Ebenen digitaler öffentlicher Infrastruktur (DPI) schaffen soll, die interoperabel sein und sich „grenzüberschreitend“ erstrecken werden, um eine „KI-gestützte Schnittstelle für öffentliche und private Dienstleistungen“ zu errichten. Ziel ist die „Einführung für ganze Bevölkerungen“ eines öffentlich-privaten Netzwerks, das „Schutzvorkehrungen“ globaler Steuerung „in den produktiv eingesetzten Code, die Konzeption, Bereitstellung, Steuerung, den Betrieb und die nationale Politik“ einbettet.

Der Zweck eines Systems ist das, was es tut (siehe Teil 3). Der Zweck des globalen Safeguards-Accelerator-Systems der UN besteht darin, uns alle an digitale Identitäten zu binden, die mit programmierbaren digitalen Währungen verknüpft sind, durch die jeder Aspekt unseres Verhaltens gemäß einer globalen Steuerungsagenda geformt und kontrolliert werden kann.

Wir haben außerdem erörtert, wie die Ambitionen der Praxianer und der NRx-Akzelerationisten mit derselben globalen Steuerungsagenda ineinandergreifen; das gilt auch für Pax Silica, ein praxianisches akzelerationistisches Projekt. Deshalb überrascht es nicht, dass Metropolis Global zur Vorbereitung auf das neue programmierbare Regime seinen Digital Nation Stack entwickelt hat.

Der Digital Nation Stack von Metropolis Global – Quelle

Sich durch irreführende NRx-Propaganda zu kämpfen, ist bisweilen mühsam – und kaum irgendwo mehr als beim Lesen des Geschwafels von Metropolis Global über seinen Digital Nation Stack. Obwohl alles als freie Marktentscheidung, als datenschutzfreundliche Bequemlichkeit und als eine Art auf digitalen Ökosystemen beruhender Freiheit dargestellt wird, ist der Digital Nation Stack ein unverhohlenes System der Versklavung.

So sieht die Realität des Digital Nation Stack aus:

  • Der Stack „ermöglicht“ nicht „allen Weltbürgern den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen“; er beschränkt, begrenzt und kontrolliert den Zugang der „Kunden“ zu grundlegenden Dienstleistungen.
  • Die „neue Ära konkurrierender Regierungsangebote und der Mobilität“ ist das Versprechen der Dunklen Aufklärung: „kein Mitspracherecht, freier Austritt“. Dabei erwerben „Kunden“, keine Bürger, durch agentische KI betriebene GaaS-Leistungen; ihnen bleiben keinerlei Möglichkeiten, Abhilfe einzufordern, sondern nur die harte Wahl zwischen Gehorsam und Verbannung.
  • Die „eindeutige digitale Identität“ ist ein Sklavenbrandmal, keine befreiende „Brücke“. Sie „gewährt“ keinen Zugang zur „digitalen Nation oder Gemeinschaft“, sondern kontrolliert vielmehr den Zugang zu allem.
  • Das „digitale Unternehmensgründungssystem“ bietet „Weltbürgern“ keine „maximale Flexibilität bei der künftigen Gründung von [Unternehmens-]Rechtsträgern“; es zentralisiert die Macht über sämtliche Unternehmen. Es ist „über Rechtsräume hinweg“ kompatibel, weil es auf dem weltweiten „Standard“-Rahmenwerk des Finternets beruht und alle besonderen Rechtsräume durch eine einheitliche programmierbare Ebene verbindet, die jegliches „Vertrauen in Geschäftstransaktionen“ überwachen und manipulieren wird.
  • Eine monetäre „Welt aus Stablecoins, Kryptowährungen, traditionellem Fiat-Bankwesen und allem dazwischen“ zu vereinen und anschließend die globale Kontrolle über die „Identitätsnachweise“ zu zentralisieren, durch die jeder Mensch auf der Erde „Zugang“ zum neuen globalen Netzwerk digitaler „Finanzdienstleistungen“ erhält, bedeutet nicht, ein „Ökosystem von Partnern“ zu stärken, die der Menschheit bloß mehr Bequemlichkeit verschaffen wollen. Es bedeutet die Schaffung eines autoritären globalen programmierbaren Systems zur Geld- und damit zur Verhaltenskontrolle.
  • „[E]in einfaches, leicht bedienbares Portal“, in dem nur Personen mit festgelegten „Benutzeridentitäten“ „in Immobilien und andere Vermögenswerte investieren“ können, bietet Menschen keine flexiblere und egalitärere Möglichkeit, „Land und Vermögenswerte“ zu erwerben. Es ist eine digitale Finanzpipeline, durch die nur den Begünstigten und Zugelassenen erlaubt werden wird, überhaupt etwas zu besitzen – einschließlich nationalen Territoriums. Die Einführung „anteiligen Eigentums“ gewährleistet keine „maximale Transparenz für alle“; sie ist lediglich die Tokenisierung sämtlicher Vermögenswerte, von der ausschließlich die ausgewählten „Stakeholder“ profitieren werden (Teil 3).
  • „Sonderwirtschaftszonen oder Charter-Zonen“, die „maßgeschneidert sind, um diese digitalen Plattformen zu nutzen“, um „herkömmliche Systeme zu überspringen, indem Eigentum transparent mit Identität verknüpft wird“, und so „digitales Eigentum an realen Vermögenswerten wie Grundstücken oder Wohnungen“ zu etablieren, wodurch „Charter-Zonen [entstehen, die] sich zu Charter-Kleinstädten und sogar Charter-Großstädten entwickeln“ – auf diese Weise wird sich der Netzwerkstaat ausbreiten, das Netzwerkimperium bilden und Nationalstaaten ablösen. Dies ist ein globales Imperium, in dem nur die ausgewählten „Stakeholder eine Stimme haben“. Alle anderen sind verurteilt und verdammt, ausgeschlossen und verbannt – überwacht, eingeschüchtert, verprügelt und ermordet.

Mit ihrem Beitritt zu Pax Silica haben sich die EU, das Vereinigte Königreich, die VAE, Indien, Israel und andere Pax-Mitglieder verpflichtet, ihren Bevölkerungen diesen übergeordneten Digital Nations Stack aufzuzwingen. Das European Centre for Development Policy Management (ECDPM) – eine globalistische politische Denkfabrik mit Schwerpunkt auf den Beziehungen zwischen der EU und Afrika – nennt die EU-Version des digitalen Versklavungsnetzes Euro Stack:

Die weltweite Diskussion über DPIs baut auf dem Erfolg des indischen digitalen Identitätssystems Aadhaar auf. […] Eine globale Debatte über digitale öffentliche Infrastruktur (DPI) hat Fahrt aufgenommen. […] Innerhalb der Europäischen Union (EU) wächst die Unterstützung für ein Modell souveräner Infrastruktur, das zunehmend als ‚Euro Stack‘ bezeichnet wird und auf einem Ansatz aufbaut, der den gesamten Technologie-Stack umfasst – von physischer Infrastruktur bis zu Softwarelösungen und Governance. […] Der EuroStack betont die Bedeutung souveräner Lösungen.

Das „Paket zur technologischen Souveränität“ der EU, das verspricht, „Europas Anspruch zu verwirklichen, ein KI-Kontinent zu werden, seine digitale Autonomie zu stärken und zum Aufbau einer nachhaltigeren digitalen Zukunft beizutragen“, ist absurde Propaganda. Als Pax-Silica-Mitglied hat sich die EU einer internationalen Technologielieferkette innerhalb eines globalen Steuerungssystems regionaler Machtbalance verpflichtet. Souveränität ist lediglich ein Codewort für multipolare Regionalisierung und die Durchsetzung des Digital Nation Stack gegenüber jedem EU-„Kunden“.

Die Absurdität der sogenannten EU-Souveränität wird dadurch unterstrichen, dass Indien und die EU, wichtige Pax-Silica- und IMEC-Partner, im Januar 2026 ein gewaltiges Freihandelsabkommen unterzeichneten, das zwei Milliarden Menschen an den Digital Nation Stack der EU beziehungsweise Indiens bindet – den Euro Stack und den auf Aadhaar beruhenden India Stack. Es ist eine Souveränität, die von einer transnationalen öffentlich-privaten Partnerschaft zugestanden wird, welche die Knotenpunkte programmiert und dabei Milliarden gewöhnlicher Menschen keinerlei Souveränität lässt.

Die Welt wird so reterritorialisiert, wie es die Praxianer und ihre globalen oligarchischen Partner wünschen. Die dafür notwendige digitale Transformation wird durch den „Krieg“ im Nahen Osten beschleunigt, und das scheint einer der Hauptgründe für die offensichtliche Entscheidung der Praxianer zu sein, ihn anzuzetteln.

Wer schickte die USA in den Krieg?

Zuvor in dieser Reihe haben wir die enge Zusammenarbeit zwischen den Technologieunternehmen der Praxianer und sowohl US-amerikanischen als auch israelischen Geheimdiensten erörtert. Wir betrachteten die begründete Möglichkeit, dass die Praxianer an der Manipulation jener angeblichen Versäumnisse der Fernmelde- und elektronischen Aufklärung (SIGINT) beteiligt waren, die angeblich zum nahezu ungehinderten Hamas-Angriff vom 7. Oktober führten. Wir legten dar, wie der Hamas-Angriff sowohl den Praxianern als auch dem israelischen Staat zugutekam.

Eine der wohl zutreffendsten Einschätzungen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober stammte vom Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah – Berichten zufolge 2024 bei einem Luftangriff getötet. Er sagte, die genozidale Reaktion der israelischen Regierung auf den Angriff werde sich mit Unterstützung der praxianischen Tötungskette wahrscheinlich zu einem regionalen Konflikt ausweiten. Genau das ist geschehen.

So wie die Belege darauf hindeuten, dass die Praxianer zu der buchstäblich unglaublichen Kette angeblicher israelischer Irrtümer und Fehler beitrugen, die offenkundig den Angriff vom 7. Oktober ermöglichten, zeigt sich auch im Vorfeld der Entscheidung der US-amerikanischen und israelischen Regierung, einen offensichtlich rechtswidrigen „Krieg“ gegen Iran zu beginnen, ein verdächtig ähnlicher praxianischer Geheimdiensteinfluss. Um zu erkennen, wie die Praxianer möglicherweise einen Prozess manipuliert haben, der eigentlich der politischen Entscheidungsfindung dienen sollte, müssen wir zunächst die Vorgeschichte betrachten.

Bereits 2015 machte die US-Regierung unter Obama digitale Überwachungstechnologie zum Rückgrat des Atomabkommens Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) mit Iran. Der JCPOA war vom System der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zur Überprüfung der iranischen Einhaltung nuklearer Verpflichtungen abhängig.

Wenig überraschend wurde Palantir ausgewählt, die Überwachungsarchitektur bereitzustellen, und passte seine angebliche Software zur vorausschauenden Polizeiarbeit an, um sie in die Überwachungsverfahren der IAEO zu integrieren. Das Überwachungssystem von Palantir und IAEO hieß MOSAIC – derselbe Name wie der weltweit erste Webbrowser mit grafischer Benutzeroberfläche, der von einem Team unter Leitung des Erz-Praxianers Marc Andreessen entwickelt wurde.

Laut IAEO ist Palantirs MOSAIC eine Sammlung von Softwarepaketen. Die Collaborative Analysis Platform (CAP) von MOSAIC ermöglicht es der IAEO Berichten zufolge, „mehrere Daten- und Informationsquellen zu durchsuchen, zu sammeln und zu integrieren, um umfassende Analysen zu ermöglichen“. Dazu gehört die automatisierte Erfassung und Analyse „öffentlich zugänglicher Daten aus offenen Quellen“, etwa von Social-Media-Beiträgen gewöhnlicher Iraner. Das Electronic Verification Package (EVP) „bündelt und verarbeitet Verifikationsaktivitäten vor Ort“, um „sämtliche verfügbaren Informationen zu einer Verifikationsaktivität zu verknüpfen, anzuzeigen und zugänglich zu machen“.

Die erste Trump-Regierung entzog dem JCPOA 2018 ihre Unterstützung und verhängte stattdessen erneut US-Sanktionen gegen Iran. Zu diesem Zeitpunkt hatte das praxianische Flaggschiff Palantir, eingebettet in die UN-Organisation IAEO, offenbar vollständigen Einblick in das iranische Nuklearverifikationsprogramm und erheblichen Einfluss darauf; dieses wurde unabhängig von der Beteiligung der US-Regierung fortgesetzt.

Anfang 2024 ging Palantir seine offizielle strategische Partnerschaft mit dem israelischen Verteidigungsministerium ein. Im Juni 2025 änderte die US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard, die nur wenige Wochen zuvor ausgesagt hatte, Iran „baue keine Atomwaffe“ (siehe Teil 3), ihre Einschätzung plötzlich vollständig und erklärte, Iran stehe „nur wenige Wochen“ vor der Entwicklung einer Atomwaffe.

Die genozidale Tötungskette der Praxianer – Teil 3. In Teil 1 definierte Iain Davis die Praxianer, betrachtete ihre offen erklärte Kontrolle über die Trump-Regierung und untersuchte ihre umfangreichen Partnerschaften mit dem israelischen Rüstungstechnologiesektor. In Teil 2 betrachtete Davis globale Ereignisse durch die Linse der Staatsverbrechen gegen die Demokratie (SCADs) und stellte fest, wie militärisch-zivile Verschmelzung und hybride Kriegsführung in Verbindung mit SCADs ein angestrebtes neues globales „Gleichgewicht“ durch gesellschaftliche Manipulation herbeiführen. Hier in Teil 3 untersucht er eingehend, wie sich globale Kräfte hinter der praxianischen Vision eines Netzwerkimperiums versammelt haben, auf dem Weg zu einer multipolaren Weltordnung der UN 2.0.

Diese Kehrtwende bei der Geheimdienstbewertung war angeblich auf ein geheimes israelisches Spionagedossier zurückzuführen, dem die US-Geheimdienste äußerst skeptisch gegenüberstanden. Es widersprach nicht nur zehn Jahren IAEO-Bewertungen, sondern beruhte vollständig auf mysteriösen Behauptungen über konspirative Gruppen iranischer Wissenschaftler, die heimlich und außerhalb offizieller Strukturen an Atomwaffen arbeiteten. Als einziger Beleg wurde das israelische Dossier selbst angeführt; kein Teil davon konnte von irgendjemandem überprüft werden – außer angeblich von den strategischen israelischen Verteidigungs- und Geheimdienstpartnern der Praxianer.

Eine am 31. Mai 2025 veröffentlichte neue Bewertung der auf MOSAIC angewiesenen IAEO begleitete die Veröffentlichung des israelischen Dossiers. In nahezu identischer Weise behauptete die IAEO, Iran habe ein „nicht deklariertes strukturiertes Nuklearprogramm durchgeführt“ und besitze „nicht deklariertes Nuklearmaterial“.

Man sagt uns, die Trump-Regierung habe daraufhin beschlossen, die Operation Midnight Hammer zu beginnen und Irans Nuklearanlagen zu bombardieren – und damit die USA an der Seite Israels in den sogenannten Zwölftage–Krieg gestürzt. Doch wie der Investigativjournalist Nafeez Ahmed hervorhob:

Palantirs Doppelrolle – als analytischer Motor der Nuklearverifikation und gleichzeitig als strategischer Militärpartner der US-amerikanischen und israelischen Regierung – stellt einen grundlegenden Interessenkonflikt im Herzen der globalen Architektur zur Nichtverbreitung von Atomwaffen dar.

Es erscheint höchst wahrscheinlich, wenn nicht sogar überdeutlich, dass Palantir MOSAIC entscheidend an der Bereitstellung jener Geheimdienstinformationen beteiligt war, die binnen Tagen zu einer neuen und höchst fragwürdigen Bewertung der iranischen nuklearen Bedrohung führten. Israel begann umgehend die „Operation Rising Lion“, kurz darauf gefolgt von der US-amerikanischen „Operation Midnight Hammer“, um iranische Atomkraftwerke zu bombardieren.

Der Investigativjournalist Freddie Ponton bemerkte:

Verteidiger werden behaupten, MOSAIC habe lediglich beratende Funktion gehabt, die letzte Entscheidungsgewalt sei bei menschlichen politischen Entscheidungsträgern verblieben, und Geheimdienstversagen habe es schon vor Algorithmen gegeben. Leider hält diese Verteidigung einer genaueren Prüfung nicht stand. Wenn die Maschine eine in Stunden bemessene Dringlichkeit erzeugt, wird menschliche Abwägung zum bloßen Abnicken. Warum sonst änderte sich die offizielle US-Position nach Jahren eines stabilen Konsenses innerhalb weniger Wochen? Warum begannen die Angriffe, bevor Inspektoren wieder physischen Zugang erhielten, um die Schlussfolgerungen der Maschine infrage zu stellen? Die zeitliche Abfolge deutet nicht auf Beratung hin. Sie deutet auf Automatisierung hin.

Zurück zu den jüngeren Ereignissen: 2026 behauptete Trump erneut, „Iran stelle eine Bedrohung durch Atomraketen dar“. Doch kurz nach Beginn der „Operation Epic Fury“ sagte IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi: „[W]ir sehen [in Iran] kein strukturiertes Programm zur Herstellung von Atomwaffen.“ Grossi räumte ein, dass die IAEO seit mehr als acht Monaten keinen physischen Zugang zu iranischen Nuklearanlagen gehabt hatte. Von wem oder wovon erhielt die Trump-Regierung also jene Geheimdienstinformationen, auf deren Grundlage sie 2026 beschloss, Iran erneut anzugreifen?

Wie Sie sich erinnern werden, haben wir in Teil 1 erörtert, wie die Übernahme von Palantirs Maven Smart System (MSS) und seiner Artificial Intelligence Platform (AIP) in der gesamten NATO durch die „Task Force Maven“ ihres Joint Warfare Centre beschleunigt wurde. Ebenso veröffentlichte das US-Kriegsministerium (Department of War, DOW) kurz vor seinem Angriff auf Iran seine Strategie für künstliche Intelligenz.

Angeblich war es Pete Hegseth, der „das Kriegsministerium anwies, Amerikas militärische KI-Dominanz zu beschleunigen, indem es in sämtlichen Bereichen, von der Front bis zum Hinterland, zu einer ‚AI-first‘-Streitmacht wird“. Diese Innovation werde „durch das zunehmende Tempo kommerzieller KI-Innovation aus Amerikas Privatsektor angetrieben“.

Bei der Darstellung seines „Beschleunigungsansatzes“ erklärte das DOW, über die „Joint Acceleration Reserve“ stünden Mittel bereit, um „entscheidende grundlegende Voraussetzungen [im Privatsektor] zu erschließen, die zur Beschleunigung kriegsentscheidender Anstrengungen erforderlich sind“. Zwei „Komponenten“ der Beschleunigungsstrategie des DOW waren die „Pace-Setting Projects“ (PSPs), die richtungweisenden Projekte Open Arsenal und Project Grant.

Technologische Aufklärung, kurz TechINT, wird definiert als „Erkenntnisse aus der Sammlung, Verarbeitung, Analyse und Nutzung von Daten und Informationen über ausländische Ausrüstung und ausländisches Material“. Erklärtes Ziel des PSP Open Arsenal war die „Beschleunigung der Entwicklungskette von TechINT zu Fähigkeiten, um Geheimdienstinformationen in Stunden statt in Jahren in Waffen umzusetzen“. Mit dem PSP Project Grant verpflichtete sich das DOW zudem, „die Umgestaltung von Abschreckung zu ermöglichen – weg von statischen Haltungen und Spekulationen, hin zu dynamischem Druck mit interpretierbaren Ergebnissen“.

Zusammen lenkten Open Arsenal und Project Grant die US-Geheimdienstgewinnung eindeutig hin zu einer noch stärkeren Abhängigkeit von automatisierter TechINT. Die KI-gestützte TechINT sollte ausdrücklich Geheimdienstinformationen „in Stunden statt in Jahren“ in kinetische Gewalt umsetzen und die US-Regierung rasch „von statischen Haltungen und Spekulationen zu dynamischem Druck“ führen. In den USA kontrollieren praxianische Technologiekonzerne diese TechINT nahezu ausschließlich.

Seit 2017 ist Palantirs MSS für das DOW und die US-Geheimdienste das bevorzugte Instrument zur Informationsgewinnung und -analyse. MSS „aggregiert, organisiert und visualisiert gewaltige Ströme von Geheimdienst-, Überwachungs- und Aufklärungsdaten (ISR)“, und über Palantirs AIP führt KI die „Ad-hoc-Analysen“ dieses gewaltigen, von MSS aggregierten Datenbestands durch. Ebenfalls in Teil 1 erwähnten wir die Äußerungen von US-Luftwaffen-Generalmajor Daniel Simpson, der die Nutzung von MSS durch die Zielerfassungssysteme der Praxianer als „selbstsicher falsch“ beschrieb.

Bis heute hat die Trump-Regierung keine überprüfbaren oder dokumentierten Belege dafür vorgelegt, weshalb sie fälschlich annahm, Iran entwickle aktiv Atomwaffen. Wir wissen, dass praxianische TechINT mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dafür verantwortlich war, dass das Trump-Team 2025 zu derselben falschen Schlussfolgerung gelangte. Hinzu kommt, dass die eigene KI-Strategie des DOW die Abhängigkeit der nationalen Sicherheit und der Geheimdienste der USA von praxianischer TechINT klar darlegt.

Die Praxianer verfügten über die Mittel und die Gelegenheit, die Trump-Regierung zu einem Angriff auf Iran zu manipulieren, und sie hatten ein starkes Motiv dafür.

Die Motive der Praxianer für den Krieg gegen Iran

Pete Hegseth – der vermeintliche US-Kriegsminister –, der als Vordenker hinter der US-Strategie für künstliche Intelligenz präsentiert wird, wird gelegentlich vorgeführt, um sich vor der gefügigen Presse öffentlich zum Gespött zu machen; viel weiter reicht sein Einfluss jedoch nicht. Seine Clownerien verstärken den Eindruck einer dysfunktionalen US-Regierung, was ein erkennbares Ziel der Praxianer ist.

Wie ich in The Technocratic Dark State feststellte, sprechen die Belege deutlich dafür, dass Pete Hegseth eine Marionette der Praxianer ist:

In einem Interview mit CNBC sagte Joe Lonsdale, Mitgründer von Palantir und ein Thiel-Protegé, der massiv in Anduril investiert: […] „Pete Hegseth, unser Verteidigungsminister, hat sehr deutlich gemacht, dass er Wettbewerb will, dass sich die besten Ideen durchsetzen sollen. […] Und das bedeutet, dass Unternehmen wie Anduril und Palantir weiterhin sehr schnell wachsen werden.“ […] Pete Hegseths öffentliches Venmo-Profil offenbart seine enge Beziehung zu der mit Thiel und Musk verbundenen Fraktion, die nach der Kontrolle über das Verteidigungsministerium (DOD) strebt. […] Offenbar ist Lonsdales Bemerkung, Hegseth sei „unser Verteidigungsminister“, sehr viel konkreter gemeint, als den meisten amerikanischen Wählern bewusst ist.

Nahezu alle Praxianer und die meisten NRx-Akzelerationisten bezeichnen sich selbst als Zionisten oder christliche Zionisten. Wie wir in Teil 3 erörterten, liegt der Verdacht nahe, die Trump-Regierung habe ihren Epic-Fury-Irrsinn auf Geheiß der zionistischen Lobby und/oder der israelischen Regierung begonnen. Allerdings sind die Praxianer und ihre oligarchischen Partner, ganz gleich, was sie zu glauben behaupten, keine Nationalisten irgendeiner Art; sie sind keine Zionisten.

Für Oligarchen wie die Praxianer sind Nationalstaaten, einschließlich Israels, geostrategische Hebel zur Verwirklichung ihrer kollektiven und persönlichen Ambitionen. Die Praxianer bauen ihr Netzwerkimperium auf und nutzen dazu ihre strategische Partnerschaft mit dem israelischen Staat. Doch für die Praxianer zählt das Netzwerkimperium, nicht das zionistische Projekt.

Wenig überraschend bezeichnet sich die praxianische Marionette Hegseth als christlicher Zionist. Im Gegensatz zu seinen praxianischen Herren glaubt Hegseth möglicherweise tatsächlich an den Zionismus. Allerdings scheint er die Mentalität eines emotional instabilen Jugendlichen zu besitzen, sodass seine Überzeugungen vermutlich noch nicht besonders ausgereift sind.

Als Hegseth im März 2026 vom Kongress weitere 200 Milliarden US-Dollar aus den Taschen der US-Bürger forderte, um den Krieg im Nahen Osten auszuweiten, sagte er – öffentlich –: „Es kostet Geld, die Bösen zu töten.“ Es ist durchaus denkbar, dass ihm einer seiner praxianischen Strippenzieher, Joe Lonsdale, diese Worte in den Mund gelegt hat.

Wenige Monate zuvor, im Dezember 2025, lobte Lonsdale die außergerichtlichen Tötungen des Trump-Hegseth-DOW, das eigenmächtig entschieden hatte, Menschen zu ermorden, die es ohne Beweise als „Narko-Terroristen“ bezeichnete. Über Musks Plattform X erklärte Lonsdale:

Die Bösen zu töten, ist die Aufgabe des DoW [sic]. [Hegseth] sollte mehr damit prahlen. Männliche Wahrheit: Mutige, tugendhafte Männer schrecken das Böse ab.

Offenkundig besteht Hegseths Rolle darin, im Namen der Praxianer sichtbar die Ankündigungen zu machen, vor aller Augen die Befehle zu unterzeichnen und öffentlich den Haushaltsmitteln zuzustimmen.

Alles deutet darauf hin, dass der milliardenschwere stellvertretende US-Verteidigungsminister Steve Feinberg das Kriegsministerium (DOW) tatsächlich führt. Feinberg gehört zu einer Gruppe „wichtiger“ Vorstandsvorsitzender, die seit 1933 im Washingtoner Business Council zusammenkommen, um US-Regierungen an ihrer „beruflichen, intellektuellen und Führungskompetenz“ teilhaben zu lassen. Wie Thiels Dialog (siehe Teil 3) ermöglicht der Business Council Leuten wie Feinberg und Alex Karp, Ideen auszutauschen, daraus politische Maßnahmen zu formen und anschließend Politiker zu deren Umsetzung anzuweisen.

Krieg nützt stets einigen, und der Krieg mit Iran ist für Feinberg definitiv ein Segen. Er ist Gründer und ehemaliger Co-CEO von Cerberus Capital Management. 2024 legte Cerberus seinen ersten Risikokapitalfonds als „auf Startups ausgerichtetes Anlagevehikel“ auf, das auf „US-Verteidigungsaufträge für KI-, Quantencomputer-, Lieferketten- und Fusionsenergietechnologien“ abzielt. Feinberg, der derzeit die Geldmittel des DOW kontrolliert, befindet sich weiterhin in einem klaren finanziellen Interessenkonflikt. Er sagt, er wolle seine Cerberus-Beteiligungen veräußern, und hat Goldman Sachs ausgewählt, ihm dabei zu helfen herauszufinden, wie diese sehr einfache Geschäftstransaktion durchzuführen ist – doch bislang hat er es noch nicht ganz geschafft.

Es ist schwer, eine politische Maßnahme oder Entscheidung von Trumps Regierung zu finden, die nicht den Interessen der Praxianer dient. Als Trump etwa angeblich erwog, wer das DOW seiner Regierung tatsächlich führen sollte, waren offenbar zwei Namen im Rennen: Trae Stephens, Partner in Peter Thiels Founders Fund und Mitgründer von Anduril, sowie Feinberg, ein Startup-Risikokapitalgeber, der Anduril inzwischen einen „einheitlichen unternehmensweiten Auftrag“ im Wert von 20 Milliarden US-Dollar erteilt hat. Sehr zur Freude der praxianischen Anduril-Investoren, darunter Thiels und Stephens’ Founders Fund sowie Marc Andreessens Andreessen Horowitz.

Andurils Software ist inzwischen im US-Verteidigungssektor verankert. Unterdessen hat Cerberus Capital seine Kontrolle über SubCom gefestigt, das Unternehmen für Untersee-Glasfaserkabel, das als exklusiver Kabelauftragnehmer für den militärisch-industriellen Komplex der USA tätig ist. Cerberus Capital eignet sich einen größeren Teil der Hardware-Infrastruktur des US-Militärs an, während sein ehemaliger CEO das Ministerium beaufsichtigt, das die Aufträge vergibt.

Palantir ist nun offiziell der Eckpfeiler der Pentagon-Strategie und damit wohl der mit Abstand mächtigste Einflussfaktor im militärisch-industriellen und geheimdienstlichen Komplex der USA. Weniger als einen Monat nach Beginn des US-Angriffs auf Iran im Jahr 2026 berichtete Reuters:

Das KI-System Maven wird zu einem offiziell festgeschriebenen Beschaffungsprogramm, erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister Steve Feinberg in einem Schreiben an die Pentagon-Führung. […] Das Memorandum ordnete die Aufsicht über Maven an. Es wies das Chief Digital Artificial Intelligence Office des Pentagon an, die Aufsicht über Maven von der National Geospatial Intelligence Agency zu übernehmen. Von der National Geospatial-Intelligence Agency an das Chief Digital Artificial Intelligence Office des Pentagon. […] Feinbergs Anordnung ist ein bedeutender Erfolg für Palantir, das eine wachsende Zahl von Aufträgen der US-Regierung erhalten hat. […] Diese Aufträge haben dazu beigetragen, den Aktienkurs des Unternehmens im vergangenen Jahr zu verdoppeln und seinen Börsenwert auf nahezu 360 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. […] Pentagon-Vertreter Cameron Stanley [sagte], die Maven-Plattform könne zur Zielbestimmung für Waffeneinsätze im Nahen Osten verwendet werden.

Krieg ist für die Praxianer sowohl eine bevorzugte Strategie als auch ein großes Geschäft. Nach dem Epic-Fury-Angriff auf Iran stieg Palantirs Aktienkurs stark an. Joe Lonsdale – Mitgründer von Palantir Technologies und Mitgründer seiner Technologie-Startup-Investmentfirma 8VC – war seit Langem ein lautstarker Befürworter eines Krieges mit Iran. Im Juni 2025 behauptete Lonsdale in der CNBC-Sendung „Squawk Box“, „das persische Volk, die Kurden, die anderen [seien] viel natürlichere Verbündete der Juden, der USA, des Westens“.

Er fügte hinzu:

Ich freue mich wirklich darauf, in Iran zu investieren, wenn wir dieses Land dazu bringen können, eine Art Republik zu werden, die nicht von Verrückten regiert wird. […] Das ist viel einfacher als in Afghanistan oder anderswo. […] Es ist ganz klar, dass diese Regierung sagt, es gehe um die Beseitigung der nuklearen Bedrohung. Das ist ihr Ziel. […] Iran ist eindeutig ein wirklich böses Regime. Deshalb bin ich gegen das iranische Regime. Ich bin schon lange dafür, Iran zu befreien.

Mit der „Befreiung“ Irans meinte Lonsdale, Iraner anzugreifen und zu töten. Die Entschlossenheit der Trump-Regierung, die angebliche iranische nukleare Bedrohung zu beseitigen – einer der zweifelhaften vorgeschobenen Kriegsgründe –, ging offenbar unmittelbar auf praxianische TechINT zurück. Binnen weniger Monate erhielten Lonsdale und seine praxianischen Mitstreiter von jener Trump-Regierung, die sie ins Amt gebracht hatten, erneut genau das, was sie wollten.

Für die Praxianer hängt die Möglichkeit, ihr Netzwerkimperiumsprojekt auf Iran auszuweiten, davon ab, die gegenwärtige iranische Führungshierarchie zu verdrängen. Das erklärt Lonsdales Begeisterung für einen Krieg mit Iran. Bemerkenswert ist, dass Lonsdale sich „wirklich“ auf die potenziellen Chancen „freut“, die ein Regimewechsel in Iran ihm und seinem praxianischen Netzwerk eröffnen könnte.

Die iranische Regierung hat sich bereits zur notwendigen Umwandlung in „smarte“ Strukturen verpflichtet und die SEZ-Rechtsräume eingerichtet, die Praxianern und ihren oligarchischen Partnern den Bau ihrer privaten Stadtstaaten ermöglichen. Aus praxianischer Sicht ist die Lage in Iran jedoch noch nicht optimal. Teheran errichtet die gesamte notwendige digitale Überwachungs- und Kontrollinfrastruktur und teilt Iran wie erforderlich in Zonen ein, will dieses System zur Verhaltenskontrolle der Bevölkerung jedoch zugleich zur Festigung seiner eigenen politischen Macht nutzen. Das entspricht nicht ganz dem gemeinsamen Ziel der UN und der Praxianer, „Nationalstaaten […] durch Netzwerkstaaten abzulösen“.

Nach der Bombardierung Irans scheint der geplante, von den USA unterstützte und privat finanzierte Reconstruction and Development Fund (RDF) jedoch der potenziell gezielt geschaffene Zugang für Praxianer und andere Oligarchen zu Iran zu sein. Berichten zufolge soll sich der RDF darauf konzentrieren, „Kredite zu sichern, Kreditlinien einzurichten oder den Wiederaufbau direkt zu finanzieren“ – und zwar den Wiederaufbau der zerstörten iranischen „Energie-, Logistik-, Fertigungs- und Verkehrsinfrastruktur“.

Obwohl kaum Einzelheiten vorliegen, berichtet Reuters, dass bereits Zusagen privater Investoren über 150 Milliarden US-Dollar für den RDF gesichert seien. Der RDF strebt Gesamtinvestitionen von 300 Milliarden US-Dollar an und ist laut Reuters ein „privates Investitionsvehikel […] für Unternehmen mit Sitz in den USA, den arabischen Golfstaaten, Asien, Südamerika und Afrika“.

Wenn die iranische Regierung mitspielt, werden ausländische Direktinvestitionen (FDI) des Privatsektors in Irans wachsendes Netzwerk von SEZs und Freihandelszonen (FTZs) fließen. Die iranische Regierung hat ihre SEZs und FTZs zu Fertigungs- und Produktionszentren weiterentwickelt, um die iranische Wirtschaft zu diversifizieren und von ihrer starken Abhängigkeit von Energieexporten zu lösen. Vor der Operation Epic Fury hatte sie beträchtliche ausländische Direktinvestitionen in ihre Zonen angezogen. Infolge von Trumps Epic Fury könnten die Direktinvestitionen von Oligarchen deutlich zunehmen.

So berichtete beispielsweise die Tehran Times Anfang Februar 2026:

Die Freihandelszone Chabahar besitzt besondere strategische Bedeutung: Sie fungiert als iranischer Endpunkt des Internationalen Nord-Süd-Transportkorridors (INSTC), eines multimodalen Netzwerks, das Indien mit Zentralasien, Russland und darüber hinaus verbinden soll.

Wenige Wochen später bombardierten die USA die Freihandelszone Chabahar und behaupteten, sie sei ein militärisches Ziel. Als die Kampfhandlungen weitergingen – nach dem offensichtlichen Scheitern der Verhandlungen und des Islamabad-Memorandums (siehe Teil 3) –, griffen die USA ohne erkennbaren militärischen Grund erneut Chabahar an. Berichten zufolge bedrohte dies die Investitionen der indischen Regierung in die Freihandelszone Chabahar; zufällig hatte die indische Regierung ihre Beteiligung jedoch kurz vor Beginn von Epic Fury vorübergehend an ein iranisches Unternehmen übertragen.

Sollte der RDF letztlich wie vorgesehen umgesetzt werden, könnte die Zerstörung durch den sogenannten Krieg Investitionen in die Freihandelszone Chabahar und andere iranische SEZs fördern statt abschrecken. Dies wiederum könnte möglicherweise dem von Indien unterstützten „Internationalen Nord-Süd-Transportkorridor (INSTC)“ zugutekommen.

Allerdings haben sich Indiens strategische Interessen im Nahen Osten seit der ersten Ankündigung des INSTC-Projekts vor mehr als fünfundzwanzig Jahren verändert. Saima Afzal, freie Journalistin, Analystin sowie Gastdozentin und -forscherin an der deutschen Liebig-Universität, erläuterte, wie sich Indiens regionale Interessen vom INSTC zum Wirtschaftskorridor Indien–Nahost–Europa (IMEC, bisweilen auch IMEEC) verlagert haben. Dieser umgeht iranisches Staatsgebiet und bietet vor allem alternative Bahnverbindungen durch Saudi-Arabien, durch die sich die Passage durch die Straße von Hormus möglicherweise vermeiden lässt.

Der geplante Wirtschaftskorridor Indien–Nahost–Europa – Quelle

Insbesondere stellte Afzal fest, wie sich die indische Regierung von der „Diplomatie der Zeit nach dem Kalten Krieg“ entfernt habe und stattdessen auf ihre regionalen „wirtschaftlichen Interessen, Vernetzungsinitiativen [und] Abkommen zur Verteidigungszusammenarbeit“ konzentriere. Sie hob hervor, dass „Indiens Partnerschaften mit Israel, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sich in beispiellosem Tempo vertieft [haben]“.

Afzal schrieb:

Israel hat sich zu einem der engsten Verteidigungs- und Technologiepartner Indiens entwickelt und liefert fortschrittliche Militärsysteme, nachrichtendienstliche Zusammenarbeit, Cybersicherheitsfähigkeiten sowie Fachwissen in Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. Die Verteidigungszusammenarbeit geht inzwischen über Waffenverkäufe hinaus und umfasst Forschung, Innovation und Technologietransfer. Unterdessen sind die Golfmonarchien zu zentralen Akteuren für Indiens wirtschaftliche Ambitionen geworden. Die VAE und Saudi-Arabien zählen zu Indiens größten Handelspartnern und sind zunehmend wichtige Quellen für Investitionen in Infrastruktur, Logistik, erneuerbare Energien und neue Technologien.

Die indische Regierung baut durch ein Netzwerk bilateraler Abkommen regionale Partnerschaften auf. Dabei vertieft sie die Beziehungen zu den Ländern des Golfkooperationsrats (GCC) und zu Israel. So ist beispielsweise das umfassende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen Indien und den VAE (India-UAE CEPA) ein bilaterales Abkommen, das den öffentlich-privaten Partnerschaften beider Länder erhebliche Vorteile verschafft.

CEPA nimmt Exporteure aus den VAE von indischen Untersuchungen zu der Praxis aus, Exporte zu subventionieren, um indische Unternehmen preislich zu unterbieten; es öffnet die öffentliche Beschaffung der VAE für indische Unternehmen und gewährt Unternehmen aus den VAE zugleich einen Preisvorteil von zehn Prozent beim Verkauf an den indischen öffentlichen Sektor; es senkt oder beseitigt Handelszölle zwischen Indien und den VAE und legt vor allem weltweit vereinbarte „Standards als Grundlage technischer Vorschriften“ fest.

Nur wenige Tage bevor Trumps Epic Fury weltweites Lieferkettenchaos verursachte und nachdem seine Regierung ihre iranischen Beteiligungen vorübergehend abgegeben hatte, sprach der indische Premierminister Narendra Modi vor der israelischen Knesset. Er warb für engere Beziehungen zwischen beiden Ländern und sagte, beide Regierungen seien „entschlossen, den Handel auszuweiten, Investitionsströme zu stärken und gemeinsame Infrastrukturentwicklung zu fördern“. Modi fügte hinzu, Indien und Israel würden „beim Wirtschaftskorridor Indien–Nahost–Europa und bei den I2U2-Rahmenvereinbarungen eng zusammenarbeiten“.

Gaza soll nun ein wichtiger IMEC-Knotenpunkt werden.

I2U2 ist eine öffentlich-private Partnerschaft mit Schwerpunkt auf „Infrastrukturmodernisierung“. Nominell von den Regierungen Indiens, Israels, der VAE und der USA geführt, „zielt I2U2 darauf ab, Kapital und Fachwissen des Privatsektors zu mobilisieren, um eine Vielzahl von Zielen zu erreichen“. Zu diesen Zielen gehört es, den in allen vier Nationalstaaten tätigen Privatsektoren die Kontrolle über „Wasser, Energie, Verkehr, Technologie, Weltraum, Gesundheit und Ernährungssicherheit“ zu übertragen. Die Überschneidung mit Pax Silica ist ebenso deutlich wie die Absicht, dem Privatsektor die Kontrolle über sämtliche lebensnotwendigen Ressourcen zu verschaffen.

Pax Silica und IMEC sind eng miteinander verknüpft. Ausgehend von den Abraham-Abkommen von 2020 – die die Beziehungen zahlreicher arabischer Staaten zu Israel normalisieren sollten – und im Anschluss an den I2U2-Rahmen unterzeichneten die Regierungen Indiens, der USA, der VAE, Saudi-Arabiens, Frankreichs, Deutschlands und Italiens gemeinsam mit der EU das grundlegende IMEC-Memorandum of Understanding. Jordanien und Israel wurden als Transitgebiete vorgesehen, gehörten jedoch nicht zu den Unterzeichnern.

Der Konflikt mit Iran hat die Defizite der physischen Infrastruktur von IMEC ins Rampenlicht gerückt. Die geplante nördliche Bahnstrecke – durch Saudi-Arabien, Jordanien und anschließend Israel – ist auf den Zugang zu Häfen der VAE wie Jebel Ali und Khalifa angewiesen, die an der Straße von Hormus liegen. Diese sind offensichtliche Ziele Irans und zunehmend auch des Jemen, doch davon erfährt man nicht unbedingt.

So sollen wir beispielsweise glauben, die mehreren Explosionen im März 2026 in Jebel Ali – einem Hafen, der zufällig als Tiefwasserhafen der US-Marine dient – seien sämtlich durch umherfliegende Trümmer abgeschossener iranischer Drohnen verursacht worden. Ebenso wurde uns erzählt, die zahlreichen gewaltigen Brände in Jebel Ali im August 2026 – Berichten zufolge nach sieben großen Explosionen innerhalb von zwanzig Minuten – seien bloß gewöhnliche Lagerhausbrände gewesen. Dies macht Jebel Ali offenbar ungewöhnlich brandanfällig, wenn man den Berichten Glauben schenken will.

Wie Geopolitical Monitor berichtete, hat der Konflikt die Hoffnungen auf IMEC nicht zunichtegemacht, da der Hafen Fujairah in den VAE und „omanische Häfen wie Salalah, Duqm und Sohar“ potenzielle Alternativen für die vorgesehenen nördlichen Bahnverbindungen von IMEC bieten. Stattdessen habe der Krieg „eine strukturelle Begrenzung in der Konzeption [von IMEC] offengelegt“.

Die Konzentration auf die möglichen physischen Verkehrs- und Energiekorridore übersieht jedoch einen entscheidenden Aspekt der IMEC-Konzeption. Dr. Gedaliah Afterman, regelmäßiger Autor für das von Rothschild unterstützte Lowy Institute, eine internationale öffentlich-private Denkfabrik, stellte in Geo Horizon fest:

Der strategische Wert von IMEC […] liegt zunehmend im technologischen, digitalen und regulatorischen Bereich: in den Systemen, Standards und Governance-Rahmen, die es Produktionsnetzwerken ermöglichen, über Regionen hinweg verlässlich zu funktionieren. […] Digital IMEC […] verwandelt IMEC von einem geografisch begrenzten Korridor in einen Rahmen für regionsübergreifende Beteiligung, auch durch Länder wie Japan, die nicht entlang der physischen IMEC-Route liegen. Diese Initiative umfasst Sicherheitsrahmen, technische Standards, […] interoperable Zollplattformen, sicheren Datenaustausch [und] intelligente Hafensysteme.

In der Region Indien–Nahost ist Digital IMEC praktisch nicht von Pax Silica zu unterscheiden. Es ähnelt auch sehr stark der von China geführten Initiative Digital Belt and Road beziehungsweise „Digitale Seidenstraße“ (DSR), die regionale „integrierte Netzwerke zur Datenerfassung“ vorsieht. Die 2017 vom obersten Führer Xi Jinping offiziell angekündigte DSR ist ein multipolares regionales Gegenstück zu Pax Silica und Digital IMEC.

Die DSR ist ein regionales beziehungsweise multipolares öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt mit Schwerpunkt auf Entwicklungs- und Schwellenländern, an dem führende chinesische Unternehmen wie Alibaba sowie internationale Partner wie der US-Technologieriese Accenture aktiv beteiligt sind. Nach Xis Ankündigung von 2017 berichtete das chinesische Informationsamt des Staatsrats:

Das Land [China] wird sich auf Spitzenbereiche wie digitale Wirtschaft, künstliche Intelligenz, Nanotechnologie und Quantencomputing konzentrieren. […] Xi betonte die Bedeutung des Ausbaus von Big Data, Cloud-Computing und Smart Cities.

Wie bereits erörtert, besteht der Zweck des Finternets der BIZ darin, die interoperable Architektur technologischer Standards zu schaffen, auf der die neue globale Fintech-Wirtschaft funktionieren wird. So wie Pax Silica die Bedeutung regional interoperabler „Softwareanwendungen und Plattformen, modernster KI-Basismodelle [und] Informationsvernetzung“ betont, versucht die DSR ihre regionalen Vernetzungsstandards für „Mobilfunknetze der fünften Generation (5G), das Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Smart Cities, Rechenzentren und Cloud-Computing im Zeitalter der digitalen Wirtschaft“ festzulegen.

Zurück zur Analyse von Geopolitical Monitor: Infolge des sich ausweitenden Nahostkonflikts, der mit dem Hamas-Angriff und Israels genozidaler Reaktion begann und in den Flächenbrand mit Iran mündete, „funktioniert [IMEC] derzeit als Bündel bilateraler Abkommen sowie digitaler Projekte und Energieprojekte. […] Diese Konfiguration ist gegenüber jedem einzelnen Konflikt widerstandsfähiger, weil sie nicht von der gleichzeitigen Zusammenarbeit aller Beteiligten abhängt.“

Die in Neu-Delhi ansässige Observer Research Foundation (ORF), eine globale öffentlich-private politische Denkfabrik, die von – nun ja – allen unterstützt wird, bezeichnet die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf IMEC als das Paradox der Resilienz:

Als eine gemeinsame Kampagne der Vereinigten Staaten (USA) und Israels gegen Iran Teherans Schließung der Straße von Hormus auslöste, wurden genau jene Seewege, die IMEC überqueren sollte, zur am stärksten beeinträchtigten maritimen Lebensader der Weltwirtschaft. […] Der Konflikt hat ein strategisches Paradox hervorgebracht. Er hat zugleich die grundlegende Logik von IMEC bekräftigt, sich von konzentrierten Engpässen wegzudiversifizieren, und seine Umsetzung erschwert, da die physischen Knotenpunkte des Korridors selbst durch das gegenwärtige Konfliktgebiet verlaufen. Ob IMEC die geopolitische Fragmentierung übersteht, hängt nicht davon ab, ob der Konflikt endet, sondern davon, ob die Architektur des Korridors neu ausgerichtet wird, um einer ehrlicheren Risikobewertung Rechnung zu tragen.

Wieder einmal setzt das vermeintliche Paradox voraus, dass „geopolitische Fragmentierung“ nicht der Zweck von Epic Fury der Praxianer gewesen sei. Es ist ziemlich deutlich, dass genau diese „geopolitische Fragmentierung“ von den Architekten des Netzwerkimperiums angestrebt wird, und sie scheint für die Praxianer ein starkes Motiv zu sein, einen Krieg zu beginnen.

Ein fragmentiertes und diversifiziertes globales geopolitisches System bilateraler Abkommen schafft ein System internationaler Beziehungen, das nicht von umfassenderen internationalen Vereinbarungen abhängt. Dadurch entstehen die strukturellen politischen Voraussetzungen dafür, dass sowohl Multipolarität als auch das Netzwerkimperium gedeihen.

Die Journalistin Valentina Pesquali berichtete für Arabian Gulf Business Insight, ein Sprecher des US-Außenministeriums habe AGBI mitgeteilt, das Treffen zwischen emiratischen und US-amerikanischen Vertretern im März 2026 sei die erste formelle Konferenz im Rahmen des bilateralen Abkommens über die US-UAE AI Acceleration Partnership gewesen. Wie zuvor bei Unlimited Hangout berichtet:

Im Mai 2025 unterzeichnete Trump […] ein Abkommen über die Lieferung von US-KI-Chips, einschließlich NVIDIA-Prozessoren, an das KI-Zentrum für digitale Transformation in Abu Dhabi. […] Trump nannte das Abkommen die „U.S.-U.A.E. A.I. Acceleration Partnership“. […] Für die KI-Partnerschaft zwischen den VAE und China, insbesondere das Zentrum für digitale Transformation in Abu Dhabi, besteht eine Vereinbarung mit der Trump-Regierung zur Lieferung der Prozessoren; zugleich dient es als „entscheidende Basis für chinesische KI-Unternehmen“.

AGBI berichtete weiter:

Pax Silica und der Indien-Nahost-Europa-Korridor (IMEC) haben unterschiedliche Ursprünge und Ziele, zielen aber im Großen und Ganzen darauf ab, Lieferketten für künstliche Intelligenz und andere lebenswichtige Industrien von China und seiner Belt and Road Initiative [BRI] wegzuverlagern. Sie hängen außerdem stark von der Zusammenarbeit zwischen den VAE, Katar, Saudi-Arabien und anderen GCC-Mitgliedern sowie Israel ab.

Doch Pax-Silica-bezogene Projekte wie die US-UAE AI Acceleration Partnership entfernen sich nicht von Chinas Interessen. Genau dieselbe Verbindungsinfrastruktur samt ihren finanziellen und digitalen Verkehrswegen wird von China und seinen Partnern durch die DSR und seine bilateralen Partnerschaften errichtet, etwa durch seine eigene KI-Partnerschaft mit den VAE. Der chinesische Privatsektor, angeführt von globalen Konzernen wie DeepSeek, China Mobile, Huawei, ZTE und Dahua, hat sich demselben multipolaren globalen Steuerungssystem ebenso verpflichtet. Diese entstehende neue „fragmentierte“ Weltordnung zeigt sich am deutlichsten im Nahen Osten.

Die GCC-Länder bilden den neuen Pax-Silica-Pol und stärken gleichzeitig ihre bilateralen Handels-, Wirtschafts- und Verteidigungspartnerschaften mit China. Auch Israel strebt nach größerer Autonomie, indem es seine Abhängigkeit von US-Militärhilfe beendet, während es eine tiefere bilaterale Integration mit seinen GCC-Partnern und damit auch mit China, Indien und anderen BRICS-Partnern verfolgt.

Multipolarität, die von der Regionalisierung der Lieferketten und der Aufspaltung von Hegemonie abhängt, ist ein monumentaler Betrug. Die hybride Propaganda behauptet, regionaler Protektionismus schaffe „Win-win-Kooperation“. Diese Behauptungen sind lediglich Versuche, ein neues globales Steuerungssystem zu rechtfertigen, das, wie António Guterres sagte, auf „der größten Machtübertragung unserer Zeit – nicht von Regierungen an die Menschen, sondern von Regierungen an private Technologieunternehmen“ beruht.

Ost und West tragen gemeinsam zu einer globalen Anstrengung bei, ein einziges, angeblich multipolares globales Steuerungssystem zu errichten, das auf dem Prinzip fragmentierter internationaler Beziehungen beruht. Kennzeichnend für Multipolarität ist ein Netzwerk bilateraler Abkommen. Die geopolitische Deterritorialisierung wird durch die Vereinheitlichung der Einhaltung internationaler Handelsvorschriften über sämtliche Lieferketten hinweg in eine zentralisierte Technokratie reterritorialisiert.

Suzanne M. Richer verfügt über dreißig Jahre Erfahrung als führende Analystin für die Einhaltung globaler Handelsvorschriften und Lieferkettenrisiken. Sie stellt fest, dass agentische KI „zunehmend bei der Einhaltung globaler Handelsvorschriften eingesetzt wird“. Sie wird für „automatisierte zolltarifliche Einreihung und Echtzeit-Sanktionsprüfungen“ verwendet.

Richer merkt außerdem an, dass der Einsatz agentischer KI zur Durchsetzung globaler Handelsvorschriften „erhebliche rechtliche, operative und ethische Risiken“ mit sich bringt. Nach ihrer Einschätzung „verstärken“ die „Intransparenz, Skalierbarkeit und Entscheidungsautonomie“ agentischer KI „bestehende Compliance-Herausforderungen und erschweren Erklärbarkeit, Prüfbarkeit und Fehlerbehebung“. Richer plädiert für „menschenzentrierte Aufsicht […], um Rechenschaftspflicht, Nachverfolgbarkeit und Rechtssicherheit zu bewahren“.

Durch unsere analytische Linse „Der Zweck eines Systems ist das, was es tut“ (Teil 3) betrachtet, könnten wir vermuten, dass Richer den entscheidenden Punkt verfehlt. Die Zentralisierung standardisierter Systeme zur Einhaltung internationaler Handelsvorschriften mit agentischer KI als Durchsetzungsmechanismus verleiht denjenigen, die die Knotenpunkte programmieren, immense Macht und Autorität. Zusammen mit einem Finternet, das die buchstäbliche Programmierung sämtlicher Transaktionen „grenzüberschreitend“ und „in Echtzeit“ ermöglicht, scheint ein intransparenteres und weniger überprüfbares System des internationalen Handels genau das Ziel zu sein, das die Oligarchen mit der weltweiten Skalierung der Compliance-Überwachung durch agentische KI verfolgen.

Welcher Kampf um die Weltherrschaft?

So wie die Korridore und Finanzinfrastrukturen von Pax Silica/IMEC die Korridore und Infrastrukturen von DSR/BRI spiegeln und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit interoperabel sein werden, verbindet sich auch die physische Infrastruktur von IMEC und BRI an zahlreichen Orten. Dennoch sollen wir weiterhin das absurde Narrativ hybrider Propaganda akzeptieren, wonach im Nahen Osten „der Kampf um die Weltherrschaft“ ausgetragen werde – mit westlichen Mächten aus den USA und Europa auf der einen Seite sowie China und seinen Partnern auf der anderen.

Im September 2023, nur wenige Wochen vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober, stellte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der UN-Generalversammlung seinen Plan für einen Neuen Nahen Osten (New Middle East, NME) vor. Er schlug eine Annäherung Israels an die VAE, Jordanien, Sudan und Saudi-Arabien vor, um den angestrebten NME zu bilden. Palästina – sowohl Gaza als auch das Westjordanland – fehlte auffällig auf der Israel-Karte, die er zur Darstellung seines geopolitischen NME-Konzepts zeigte.

Benjamin Netanjahu stellt der UN-Generalversammlung im September 2023 sein NME-Konzept vor – Quelle

Bei der Erläuterung des „Ausmaßes der Transformation“, die ihm vorschwebte, beschrieb Netanjahu als expansionistisches Projekt nicht das von Analysten häufig hervorgehobene „Großisrael“-Projekt, sondern etwas völlig anderes.

Netanjahu sagte, ihm schwebe Folgendes vor:

Ein Korridor, der sich über die Arabische Halbinsel und Israel erstrecken wird. Er wird Indien durch Seeverbindungen, Bahnverbindungen, Energiepipelines und Glasfaserkabel mit Europa verbinden. Dieser Korridor wird maritime Engpässe [die Straße von Hormus und den Suezkanal] umgehen. Sehen Sie, das Land Israel liegt am Schnittpunkt zwischen Afrika, Asien und Europa. Wir werden einen neuen Korridor bauen […], der Asien über die VAE, Saudi-Arabien, Jordanien und Israel mit Europa verbindet. Das ist ein außergewöhnlicher Wandel, ein monumentaler Wandel, ein weiterer Wendepunkt der Geschichte.

Der Zionismus ist nicht die treibende Kraft hinter der globalen digitalen Transformation; diese Transformation ist es jedoch, die Bevölkerungen weltweit unter ihren jeweiligen Digital Nation Stacks unterdrücken wird. Sorgen über eine zionistische Kontrolle des amerikanischen Gemeinwesens sind beispielsweise begründet, dienen aber letztlich als Ablenkung. Während Medien, Politiker und die empörte Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf solche Fragen richten, schreitet das eigentliche Projekt hinter den Kulissen rasch voran. Der Zionismus ist der Aufmerksamkeitskäfig der Oligarchen, der das öffentliche Bewusstsein von dem ablenken soll, was sie tatsächlich tun.

Das häufig vorgebrachte Argument, beim Genozid in Gaza und beim Konflikt mit Iran gehe es im Kern um israelischen Expansionismus, lenkt die Bevölkerungen in die falsche Richtung. Während Menschen zu Recht gegen abscheuliche israelische Kriegsverbrechen protestieren und die entsetzliche Rhetorik zionistischer Extremisten anprangern, nutzen die transnationalen Kapitalisten die Empörung aus, um weitgehend unbehelligt von öffentlicher Kontrolle ihren Geschäften nachzugehen.

Im Kern ist Netanjahus vorgeschlagener NME kein zionistisches Projekt, auch wenn Zionisten ihm wahrscheinlich applaudieren werden. Es handelt sich um ein transnationales Infrastrukturprojekt, das den Nahen Osten zum Kreuzungspunkt eines globalen Handels- und Finanznetzwerks machen soll: zu einem multipolaren weltweiten Engpass fragmentierter bilateraler Abkommen auf der Grundlage einer einheitlichen Regulierungs- und Finanzarchitektur.

Der Hafenausbau in Haifa (Israel) ist Teil des geplanten IMEC, den Netanjahu darstellte. Der „Krieg“ soll Israels Handelsbeziehungen in der Region belastet haben, und die vorgeschlagene gemeinsame türkisch-saudische Neuführung von IMEC hat manche zu der Vermutung veranlasst, Haifa könnte außen vor bleiben.

Das geopolitische Argument hat den israelischen globalen Logistikriesen GADOT Group nicht davon abgehalten, seine Investitionen in Haifa zur Unterstützung von IMEC zu erhöhen. GADOT-Group-Chef Opher Linchevski sagte Berichten zufolge, der Erfolg von IMEC hänge von der „Fähigkeit ab, Häfen, Terminals, Lagerinfrastruktur, Logistikzentren, Transportmittel und Vertriebsnetze zu einer einzigen nahtlosen Lieferkette zu verbinden“.

Linchevski hat guten Grund, hinsichtlich der GADOT-Investition in den Haifa-Komplex zuversichtlich zu sein, denn dieser ist auch ein wichtiger Hafen für die BRI. Das globale Bauunternehmen, das den Ausbau von Haifa leitet, ist die Shanghai International Port (Group), die einen Hafenmanagementvertrag über fünfundzwanzig Jahre besitzt. Wie der Staatsrat der Volksrepublik China 2022 berichtete:

China und Israel haben erlebt, wie sich die bilaterale Zusammenarbeit zu ihrem enormen gegenseitigen Nutzen entwickelt und ausgeweitet hat. […] Von der Belt-and-Road-Zusammenarbeit bis zum Austausch in Technologie und Innovation haben die chinesisch-israelischen Beziehungen im Lauf der Jahre fruchtbare Kooperationen in verschiedenen Bereichen hervorgebracht. […] Der von der israelischen Regierung unterstützte neue Hafen von Haifa ist ein Mikrokosmos der Win-win-Kooperation zwischen China und Israel im Rahmen der Belt and Road Initiative.

Der Ausbau des Hafens Jebel Ali in den VAE, der Teil der Jebel Ali Free Zone (SEZ) ist, liegt sowohl an IMEC als auch an der BRI. Dasselbe gilt für den Hafen Khalifa in Abu Dhabi, der gemeinsam mit Chinas COSCO SHIPPING Ports Limited entwickelt wurde. Der öffentlich-private UAE-China Joint Investment Cooperation Fund finanziert das Projekt.

Unterdessen behauptet die indische Regierung, die Khalifa als integralen Bestandteil des östlichen IMEC-Abschnitts betrachtet, sie sei entschieden gegen die BRI. Angeblich liegt dies an ihren Bedenken gegenüber Chinas Schuldendiplomatie, einer möglichen strategischen Einkreisung, Umweltfragen und – geradezu komisch – mangelnder Transparenz in Chinas „bilateralen Abkommen“ mit seinen regionalen GCC-Partnern. Die indische Regierung hat praktisch identische und ebenso undurchsichtige bilaterale Abkommen mit denselben regionalen GCC-Regierungspartnern.

Als Beispiel für die Absurdität der geopolitischen Geschichten über offenkundig nicht bestehende Feindschaften, die man uns auftischt, behauptet die NATO – vertreten durch ihre von den USA dominierte Denkfabrik Atlantic Council –, IMEC müsse gerade wegen des vermeintlichen „Krieges“ umgesetzt werden, der jene weltwirtschaftlichen Turbulenzen ausgelöst hat, die jeder vorhergesehen hatte. Die NATO sagt nun, die von ihrem mächtigsten Mitgliedstaat, den USA, herbeigeführte Lage müsse durch ein neues „Netzwerk von Korridoren“ behoben werden.

Die NATO erklärt, Saudi-Arabien sei das „strukturelle Rückgrat“ von IMEC und die Schienenanbindung bleibe die „folgenreichste Infrastrukturlücke“ des Korridors; sie empfiehlt, IMEC durch den Bau des Folgenden voranzutreiben:

Die Saudi Landbridge – eine 950 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Riad und Dschidda mit Erweiterungen nach Dammam und zu bedeutenden Industriezentren – würde Saudi-Arabien von einem straßenabhängigen Transitkorridor in ein vollständig integriertes Schienenrückgrat verwandeln, das den Arabischen Golf mit dem Roten Meer verbindet.

Glücklicherweise für die NATO – und die von den USA geführte Denkfabrik Atlantic Council – dürfte die saudische Landbrücke von Riad nach Dschidda verwirklicht werden, denn sie ist ein bedeutender Transitkorridor entlang der „Eisernen Seidenstraße“. Die BRI-Bahnverbindung wird die saudi-arabische Halbinsel tatsächlich von einer Region, die „auf Schifffahrtswege angewiesen ist, in eine [Region] verwandeln, die diese ersetzt“.

Das Projekt Eiserne Seidenstraße wird vom „Saudi China Landbridge Consortium (SLCC) geleitet, einem strategischen Gemeinschaftsunternehmen unter Beteiligung von [Saudi Arabian Rail] SAR und der China Civil Engineering Construction Corporation (CCECC)“. Riad und Dschidda – ein Zentrum gemeinsamer saudisch-chinesischer technologischer Innovation – sind lediglich zwei weitere der vielen Endpunkte und Logistikzentren, die IMEC in der Nahostregion direkt mit der BRI verbinden.

In Kürze werden wir die vorgeschlagenen Modelle für den Wiederaufbau Gazas erörtern. Im Mai 2024, kurz nachdem die Praxianer ihre strategische Partnerschaft mit dem israelischen Staat formalisiert hatten, schlug die israelische Regierung die Freihandelszone Gaza–Arisch–Sderot beziehungsweise das Projekt „Gaza 2035“ vor.

Gaza 2035 sah vor, Gaza zu einer Smart City und einem regionalen Zentrum für Energieerzeugung, KI-Innovation und regionalen Handel zu machen. Über eine Hochgeschwindigkeitsbahnverbindung sollte die saudische NEOM-SEZ mit Gaza verbunden werden, wodurch NEOM direkten Zugang zum Mittelmeer erhalten würde; weitere Strecken zu anderen Häfen, darunter Haifa, waren ebenfalls geplant.

Eine von der israelischen Regierung in Auftrag gegebene Darstellung ihres Projekts „Gaza 2035“ – Quelle

Die Vorstellung, IMEC, die BRI und andere geplante globale Handelsinfrastrukturprojekte – etwa der russisch-iranische Handelskorridor – stünden einander entgegen oder sollten einander „entgegenwirken“, ist völliger Unsinn. Während sich alle zunehmend über den Einfluss des Zionismus aufregen, soll das entstehende System, das sowohl physische als auch digitale Infrastruktur umfasst, interoperabel sein und damit die transnationalen kapitalistischen Oligarchen stärken. Ihnen geht es darum, die Knotenpunkte eines vorgesehenen agentischen GaaS-Netzwerks zu programmieren, nicht um Zionismus.

Über das System besteht Einigkeit, und es wird aufgebaut. Die tatsächlich bestehende Rivalität spielt sich zwischen einigen öffentlichen, vor allem aber privaten „Einheiten“ ab, die um Zugang zur programmierbaren Finanz- und Regulierungsinfrastruktur der Netzwerke konkurrieren. Der Krieg im Nahen Osten dient als SCAD-Vorwand, um das Projekt voranzutreiben. Die daraus entstehende geopolitische Fragmentierung erhöht die regionale Abhängigkeit von bilateralen Beziehungen und leitet die Aufspaltung der Hegemonie selbst ein.

Die Aufspaltung der Hegemonie

Die renommierte westliche Politik-Denkfabrik Chatham House stellte fest, dass die Operation Epic Fury zunächst zu einem Islamabad-Memorandum (MOU) führte, das „praktisch dem gesamten Katalog iranischer Forderungen entgegenkommt“ (siehe Teil 3). Obwohl das MOU inzwischen angeblich aufgegeben wurde und die Kampfhandlungen zeitweise wieder aufflammten, zeigt bereits die Tatsache, dass die Trump-Regierung einem solchen MOU überhaupt zustimmte, dass die USA in der Golfregion „ihre wichtigsten Druckmittel, seien sie wirtschaftlicher oder militärischer Art“, verloren haben.

Am 21. Juli 2026 betrachtete Chatham House aus seiner subjektiven Perspektive die weiteren Folgen des militärischen Scheiterns der USA. Die verantwortliche Chatham-House-Analystin Dr. Aniseh Bassiri Tabrizi ist eine Stütze der westlichen Hierarchie. Es ist begründet zu vermuten, dass sie dafür bezahlt wird, Analysen zu erstellen, die der Förderung der Interessen der angloamerikanischen Oligarchie dienlich sind.

Dr. Tabrizi bezeichnete die US-Strategie als „Wunschdenken“ und schrieb:

Fast fünf Monate nachdem die Vereinigten Staaten und Israel ihren militärischen Feldzug gegen Iran begonnen haben, wird es zunehmend schwieriger, sich einer Schlussfolgerung zu entziehen: Die zentralen Ziele, auf denen Washingtons Entscheidung für den Krieg beruhte, sind nicht verwirklicht worden. […] Das wahrscheinliche Ergebnis ist weder ein entscheidender Sieg noch ein dauerhafter Frieden, sondern ein zunehmend vertrauter Kreislauf aus Vergeltungsschlägen, vorübergehenden Waffenruhen, gescheiterten Verhandlungen und erneuter Eskalation. […] [D]er Krieg droht, sich selbst aufrechtzuerhalten, weniger angetrieben von erreichbaren politischen Zielen als von der Hoffnung, dass die nächste Runde militärischen Drucks dort Erfolg haben werde, wo jede vorherige Runde gescheitert ist.

Das ist jener zuvor erwähnte „Whiplash War“, der Krieg abrupter Kehrtwenden. Angesichts der vom Krieg verursachten weltwirtschaftlichen Verwerfungen, der prowestlichen Establishment-Haltung von Chatham House und der beobachtbaren Auswirkungen auf die GCC-Staaten drängen sich drei wesentliche Schlussfolgerungen auf.

Erstens ist der Krieg abrupter Kehrtwenden eine Geißel, die funktionale Oligarchien entweder einsetzen können, um weltwirtschaftliche Schmerzen zu verursachen, oder zurückhalten, um diese zu lindern. Zweitens wird der sogenannte Krieg auf absehbare Zeit wahrscheinlich nicht gewonnen, sondern aufrechterhalten werden; dadurch gewöhnt man uns alle an zermürbende finanzielle Not und prägt uns die Bereitschaft ein, jede beliebige Lösung zu akzeptieren. Schließlich ist die Projektion amerikanischer militärischer Supermacht im Nahen Osten als Täuschung entlarvt worden.

Die Verurteilung von Trumps Epic Fury durch westliche Politik-Denkfabriken war auffallend. Der Council on Foreign Relations (CFR) berichtete, alles, was der „Krieg“ erreicht habe, sei die „schwere Schädigung von Amerikas Verbündeten“ und die Störung des lebenswichtigen „Schiffsverkehrs durch entscheidende Wasserstraßen“.

Man muss verstehen, dass Denkfabriken wie der CFR und Chatham House sowie sogenannte unabhängige Analysemedien wie Foreign Policy Magazine – die eng mit dem westlichen Tiefen Staat verbunden sind – nichts ohne Absicht veröffentlichen. Der CFR-Artikel wurde von Senior Fellow Ray Takeyh verfasst, der erklärte: „Es ist noch immer nicht völlig klar, warum Präsident Trump im Februar den Krieg in Iran begonnen hat. Die Erklärungen der Regierung haben sich verändert, und die Zielmarken wurden ständig verschoben.“ Aus Sicht des Narrativs ist dies zwar eine zutreffende Darstellung der Ereignisse, zugleich aber irreführend.

Die USA sind eine funktionale Oligarchie, und die Vorstellung, ein Aufschneider wie Trump führe die Nation, ist eine Farce. Takeyhs offensichtlicher Zweck bei der Behauptung, Trump führe tatsächlich irgendetwas, besteht darin, die Illusion aufrechtzuerhalten, gewählte Amtsträger träfen alle wichtigen Entscheidungen. Das Täuschungsmanöver soll die tatsächlich herrschenden Oligarchen vor öffentlicher Kontrolle schützen und in der Bevölkerung falsche Hoffnungen auf politische Lösungen wecken.

Takeyh fuhr fort:

[Iran kann] sowohl der Weltwirtschaft als auch den amerikanischen Steuerzahlern Kosten aufbürden. Die Frage lautet nicht, wer mehr Schmerzen zufügen kann, sondern wer bereit ist, mehr auszuhalten. […] Unberechenbarkeit scheint das bestimmende Merkmal von Trumps Strategie zu sein, wobei militärische Kampagnen wiederholt abgebrochen und dann rasch wieder aufgenommen werden. […] Je länger der Krieg dauert, desto wahrscheinlicher wird die Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Zielen erodieren. So entfalten sich humanitäre Krisen – Schritt für Schritt.

Der CFR baut Trump zum Sündenbock auf. Während der Konflikt weitere Menschen tötet und den finanziellen Druck auf arbeitende Familien weltweit erhöht, soll Trump als der unfähige Narr dargestellt werden, der es versäumte, eine wirksame US-Strategie zu planen. Den bedrängten Amerikanern wird als Lösung angeboten werden, einen anderen politischen Führer zu wählen, der genauso machtlos und formbar ist wie Trump.

Schließlich offenbart Takeyh den übergeordneten Zweck der CFR-Propaganda:

Die Vereinigten Staaten sollten sich an die Vereinten Nationen wenden, um eine multinationale Truppe zu autorisieren, die die sichere Passage aller Schiffe durch den Golf gewährleisten soll.

Die Lösung für unberechenbare Politiker, die katastrophale Entscheidungen treffen, ist bessere globale Steuerung – die multipolare Weltordnung.

Das mit westlichen Denkfabriken verbundene Medium Foreign Policy Magazine (FP) legt nahe, die Ereignisse im Nahen Osten hätten einen grundlegenden geostrategischen Wandel ausgelöst. Eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen den Golfstaaten sei infolgedessen wahrscheinlich. Die FP-Autoren Rabah Arezki, Senior Fellow an der Harvard Kennedy School, und Tarik M. Yousef, Senior Fellow beim Middle East Council on Global Affairs, schrieben:

Siebzig Jahre lang hatte die von den USA geführte Ordnung Bestand, weil Handel und Sicherheit Hand in Hand gingen. Der Nahe Osten ist der erste große Schauplatz, an dem sich dieser Zusammenhang auflöst. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Abhängigkeiten weisen in unterschiedliche Richtungen, und das Ergebnis ist kein reibungsloser Übergang von einem Hegemon zum anderen, sondern eine mögliche Aufspaltung der Hegemonie selbst.

Arezki und Yousef betonen die Aufspaltung der Hegemonie, die zu einem System internationaler Beziehungen führt, das nicht auf die Gunst oder Schirmherrschaft von Supermachtpartnern angewiesen ist. Im Nahen Osten entstehe eine „enger gefasste und pragmatischere“ Ordnung, erklären sie. Nationale Autonomie, die durch den Fokus auf regionale Verhandlungen auf „externe Vermittlung“ verzichtet, sei das neue Gebot.

Die Analysten sagen, regionale Partner „müssen einander nicht vertrauen“, wenn sie „ihre Meinungsverschiedenheiten kodifizieren und Kanäle schaffen, die Krisen überstehen können“. Die beiden fügen hinzu, eine „vollständig institutionalisierte regionale Ordnung“ sei nicht mehr notwendig.

Mit Blick darauf, dass China zu einem unverzichtbaren regionalen Partner des GCC geworden ist, hebt FP hervor, wie Chinas wirtschaftlicher Wert für die Region als deren „größter Handelspartner“ „eine neue Ära der Zusammenarbeit mit Schwerpunkt auf Energie und Infrastruktur eingeläutet“ habe. Dieser Wandel hat globale Folgen, und die beiden Analysten westlicher Denkfabriken kommen zu dem Schluss:

Je diffuser die internationale Ordnung wird, desto größer ist für die Mächte des Nahen Ostens der Anreiz, ihre Anfälligkeit gegenüber Großmachtrivalitäten zu verringern, indem sie Spannungen direkt untereinander regeln. […] Die Anzeichen dafür, dass Staaten des Nahen Ostens zunehmend auf Vermittler verzichten – also direkt miteinander statt über externe Schutzmächte verkehren –, sind kaum zu übersehen. […] Die Golfstaaten stimmen sich mit ihren Nachbarn bei Energieinfrastruktur, Verkehrskorridoren und Logistik in einer Weise ab, die vor einem Jahrzehnt politisch undenkbar gewesen wäre. Diskrete Kanäle zwischen Riad und Teheran, Ankara und Kairo sowie Abu Dhabi und Doha treten zunehmend an die Stelle der guten Dienste Washingtons.

China ersetzt die USA nicht als Supermacht. Vielmehr sind die chinesische Außenpolitik und die chinesischen Handelsbeziehungen – als diejenigen des offensten Verfechters globaler Steuerung auf internationaler Bühne – das Transportmittel, über das sich die Aufspaltung der Hegemonie vollzieht. Die westlichen Denkfabriken stehen dieser neuen Weltordnung erkennbar zumindest offen gegenüber. Tatsächlich ist eine globale Ordnung regionaler Machtbalance seit mehr als einem Jahrhundert das Ziel der angloamerikanischen Oligarchie.

Geopolitisch bildet die „Aufspaltung der Hegemonie“ die Grundlage der Multipolarität. Das Fehlen einer Supermachthegemonie ebnet einem Netzwerk privatwirtschaftlicher Hegemonen den Weg. Die neuen Hegemonen werden die finanziellen Knotenpunkte programmieren. Sie werden sich zu Gründern des Netzwerkimperiums erklären – eines transnationalen, regionsübergreifenden Netzwerks intelligenter Stadtstaaten, das schutzlosen Kunden, die unter ihren Digital Nation Stacks unterdrückt werden, Spitzentechnologie aufzwingt.

Gaza soll ein herausragendes und abscheuliches Beispiel eines Netzwerkknotens werden.

Vorstellung des Netzwerkstaats Gaza

Alles, was wir in vier Artikeln in Bezug auf die Praxianer, ihre Pläne und ihre bisherigen Fortschritte erörtert haben, verdichtet und manifestiert sich derzeit in Gaza auf die abscheulichste vorstellbare Weise. Die Praxianer und ihre Partner versuchen, einen ihrer Netzwerkstaaten buchstäblich auf den zertrümmerten Knochen der palästinensischen Familien zu errichten, zu deren Ermordung sie Beihilfe geleistet haben.

Nichts ist entschieden, und die Oligarchen müssen viele Probleme überwinden, bevor in Gaza irgendeine Form groß angelegten Wiederaufbaus beginnt. Einigkeit besteht im Grunde nur über das Ausmaß des Problems – oder genauer: der Gelegenheit.

Im Februar 2025 schätzte die Weltbank, eine Sonderorganisation der UN, in Zusammenarbeit mit der EU die Wiederaufbaukosten auf etwas mehr als 53 Milliarden US-Dollar. Seitdem haben Israel und die Praxianer die Zerstörung fortgesetzt. Gemeinsam haben sie seit Beginn des Genozids mindestens 73.000 Palästinenser getötet, mehr als 173.000 verletzt und etwa 1,9 Millionen gewaltsam vertrieben. Die geschätzten Wiederaufbaukosten sind auf rund 71 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Es gibt außerdem konkurrierende Vorstellungen für Gazas Wiederaufbau und Neugestaltung.

Zwei dieser Visionen werden dazu führen, dass die überlebenden Palästinenser gezwungen werden, in einer auf der Spitzentechnologie der UN 2.0 beruhenden Smart City unter einem vollständigen Digital Nation Stack zu leben. Die dritte wird wahrscheinlich zum selben Ergebnis führen, räumt den Palästinensern aber mehr Kontrolle ein. Die ersten beiden Vorschläge, die wir erörtern werden, sind der Plan der Arabischen Liga für Early Recovery, Reconstruction, and Development of Gaza (ERRDG; frühzeitige Erholung, Wiederaufbau und Entwicklung Gazas) sowie der Plan der Trump-Regierung für Gaza Reconstruction, Economic Acceleration and Transformation (GREAT; Wiederaufbau, wirtschaftliche Beschleunigung und Transformation Gazas).

Der ERRDG wird von der Arabischen Liga unterstützt, angeführt von Saudi-Arabien, den VAE und Ägypten. Als einflussreiche interne Gruppierung innerhalb der Liga unterstützt auch der GCC den Plan offiziell. Folglich unterstützt China den ERRDG, ebenso wie die russische Regierung. Auch die europäischen Regierungen Frankreichs, Deutschlands, Italiens und des Vereinigten Königreichs haben sich hinter den ERRDG gestellt.

Die EU-Kommission verfolgt unter der gelegentlichen Bezeichnung Team Gaza Initiative einen etwas anderen Ansatz und hat weder den ERRDG- noch den GREAT-Plan offiziell gebilligt. Stattdessen versucht sie, sich als Vermittlerin zwischen beiden Vorschlägen zu positionieren, obwohl sie zum GREAT-Plan tendiert und mehr Einfluss für sich selbst anstrebt.

Die Hamas – weiterhin die De-facto-Regierung Gazas – vertritt und verteidigt angeblich das Leben und die Interessen der Palästinenser in Gaza. Sie hat den ERRDG nicht unterstützt, sondern sich dafür entschieden, den von den USA geführten GREAT-Plan zu billigen. Der GREAT-Plan schützt das palästinensische Volk nicht einmal ansatzweise und dient ihm ebenso wenig; doch das tat auch der Angriff auf Südisrael am 7. Oktober 2023 nicht, mit dem zunächst die Deterritorialisierung der gesamten Region beschleunigt wurde.

In Wahrheit ist die Unterstützung der Hamas für den GREAT- oder den ERRDG-Vorschlag irrelevant. Beide Pläne bedeuten für die Palästinenser eine fortdauernde Katastrophe.

Die Arabische Liga erklärt uns, der ERRDG „zielt darauf ab, die Grundlagen für eine nachhaltige und umfassende Entwicklung zu schaffen, die die Stadtlandschaft [zu einem] integrierten urbanen Umfeld umgestaltet“. Angeblich „erfordert dieses Vorhaben eine zukunftsorientierte Vision auf der Grundlage präziser wissenschaftlicher Planung [Technokratie] und des Einsatzes neuester Technologien beim Wiederaufbau und beim intelligenten Bauen“.

Im Rahmen des ERRDG lauten die Infrastrukturvorschläge für seine Version des künftigen Gaza wie folgt:

  • Integration erneuerbarer Energien, effizienter Gebäude und intelligenter Abfallwirtschaft zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks.
  • Entwicklung fußgängerfreundlicher Straßen und multifunktionaler Räume, um soziale Interaktion zu fördern und zum Gehen zu ermutigen.
  • Stärkung des öffentlichen Verkehrs, intelligenter Infrastruktur und nahtloser Mobilität zur Verbesserung der Erreichbarkeit.
  • Einführung digitaler Regierungsführung, intelligenter Netze und KI-gestützter Dienstleistungen, um Effizienz und Flexibilität zu erreichen.
  • Unterstützung von Unternehmertum, Investitionen und lokalen Industrien, um Arbeitsplätze zu schaffen und das Wirtschaftswachstum zu stärken.

Das heißt: Wenn der ERRDG-Plan Erfolg hat, werden die Menschen in Gaza in einer 15-Minuten-Stadt leben müssen, der gesamten Palette von Überwachungs- und Verhaltenskontrolltechnologien unterworfen. Dort wird ihnen agentische KI als Kunden GaaS bereitstellen – innerhalb eines Innovationszentrums, das den Interessen der Investoren dient, nicht ihren eigenen. Der GREAT-Plan ist etwas ungünstiger, doch der Unterschied ist minimal.

Es gibt allerdings eine dritte Option, die die in Gaza lebenden Palästinenser möglicherweise wählen könnten: The Phoenix Gaza. Andere Pläne, etwa Palestine Emerging (2024) und der Al-Habtoor-Plan aus den VAE (2025), sind als Technokratien angelegt und inzwischen weitgehend in den ERRDG eingeflossen. Der Phoenix-Gaza-Plan hebt sich etwas davon ab.

Phoenix wurde von „einem ehrenamtlichen, multidisziplinären Team palästinensischer Fachleute und Wissenschaftler aus Gaza, dem Westjordanland und der Diaspora“ entworfen. Im Mittelpunkt stehen der Erhalt und die Weiterentwicklung palästinensischer „Eigentumsrechte“. Der Plan wendet sich gegen die „Auslöschung und Ausbeutung“ der Menschen. Er will die palästinensische „lokale Selbstverwaltung stärken [und] unterstützt gemeinsame Planung durch […] kontinuierlichen Dialog mit [palästinensischen] Institutionen“. Der Phoenix-Plan „lehnt“ angeblich „aufgezwungene Masterpläne ab“ und bevorzugt stattdessen palästinensische „freiwillige Zusammenarbeit“.

Leider beruht Phoenix auf dem „von Dar Al-Omran (DAO) entwickelten Masterplan“, und angesichts seines Bekenntnisses zu Nachhaltigkeit, Resilienz und Kreislaufwirtschaft ist weiterhin wahrscheinlich, dass auch Phoenix Gaza in eine weitere programmierbare Smart City verwandeln wird. Dennoch bietet Phoenix den Palästinensern wenigstens gewisse Eigentumsrechte und eine aktive Stimme beim Wiederaufbau ihrer Heimat. In Wirklichkeit bietet ihnen weder GREAT noch ERRDG dergleichen. Die tatsächliche Einbeziehung der Palästinenser in den Phoenix-Planungsprozess erklärt vermutlich, warum keine einzige Regierung, supranationale oder zwischenstaatliche „Einheit“ diesen Plan unterstützt. Die Hamas tut es ganz sicher nicht.

Auf dem Weg zum Netzwerkstaat Gaza

Nachdem die Trump-Regierung den israelischen Genozid an den Palästinensern finanziert, bewaffnet, ausgerüstet und diplomatisch unterstützt und maßgeblich zur Einebnung Gazas beigetragen hatte, gab sie am 29. September 2025 offiziell ihren 20-Punkte-Friedensplan für Gaza bekannt. Punkt 9 sah das „technokratische […] Komitee“ vor – das Palästinensische Nationale Übergangskomitee –, das ernannt werden sollte, um „den täglichen Betrieb öffentlicher Dienstleistungen und kommunaler Verwaltungen für die Menschen in Gaza“ zu ermöglichen.

Die Punkte 10 bis 12 begründen den Netzwerkstaat Gaza als Technokratie. In Punkt 10 werden die Gründer der Netzwerkstaats-Technokratie Gaza als „Board of Peace“ (Friedensrat) definiert, das das „Expertengremium“ – das technokratische Komitee – beaufsichtigen wird, dessen Mitglieder „einige der florierenden modernen Wunderstädte im Nahen Osten mit aus der Taufe gehoben“ haben.

Laut dem 20-Punkte-Plan der Trump-Regierung sind Wunderstädte solche, die urbane Umgebungen „wiederaufbauen“, indem sie „Investitionen anziehen, die Arbeitsplätze, Chancen und Hoffnung schaffen“.

Mit dem Begriff „moderne Wunderstädte im Nahen Osten“ bezog sich Trump daher auf jüngere oder laufende Stadterneuerungsprojekte in der Nahostregion, die externe Investitionen angezogen haben, um das Stadtbild umzugestalten. Zu den Beispielen gehören Masdar City (VAE – Masdar City Free Zone), King Abdullah Economic City und King Salman Energy Park (Saudi-Arabien – King Abdullah Economic City SEZ beziehungsweise SPARK SEZ), Lusail City (Katar), Beirut Digital District (Libanon), Smart Muscat (Oman) und Smart Amman (Jordanien).

Die genannten „Wunderstädte“ in den VAE und Saudi-Arabien liegen bereits in eigens für sie eingerichteten SEZs. Katar bietet ein landesweites System von SEZs und anderen Freizonen, um ausländische Direktinvestitionen anzuziehen, ebenso wie Oman und Jordanien. Oman und Jordanien ermutigen ausländische Investoren aktiv, die Einrichtung neuer SEZs zu beantragen. Im Rahmen des Systems der Package Deal Contracts (PDC) erhalten große ausländische Direktinvestoren im Libanon eine zehnjährige Befreiung von Einkommen- und Dividendensteuern, vollständige Befreiung von Grundbucheintragungsgebühren sowie halbierte Gebühren für Aufenthalts- und Baugenehmigungen. Faktisch ist der gesamte Libanon eine Sonderwirtschaftszone.

Alle diese „modernen Wunderstädte im Nahen Osten“ weisen klar erkennbare gemeinsame Merkmale auf. Es handelt sich durchweg um Smart-City-Projekte, und alle nutzen nachhaltige Entwicklung als Vorwand, um ihren Einwohnern Spitzentechnologie aufzuzwingen, mit der deren Verhalten überwacht, beobachtet und kontrolliert wird. Folglich sind sie alle darauf ausgelegt, sich der durchsetzungsstarken globalen Steuerung der UN 2.0 zu fügen.

Wie es für die Bildung eines besonderen Rechtsraums des Netzwerkimperiums – etwa New Clark City auf den Philippinen – erforderlich ist, verkündet Punkt 11 des angeblich von Trump stammenden Plans, dass eine „Sonderwirtschaftszone mit bevorzugten Zoll- und Zugangskonditionen eingerichtet wird, die mit den teilnehmenden Ländern auszuhandeln sind“. Ganz in der Tradition der Dunklen Aufklärung des „kein Mitspracherecht, freier Austritt“ – der Trump vermutlich folgt – kündigt Punkt 12 an: „Diejenigen, die gehen wollen, dürfen dies frei tun und frei zurückkehren.“

Natürlich steht es Menschen mit begrenzten Mitteln, Personen mit familiären Verpflichtungen oder Familien, die ihr Leben, vielleicht über Generationen hinweg, in das Land investiert haben, auf dem sie leben, nicht einfach „frei zu gehen“. Ebenso wenig werden sie wahrscheinlich gehen wollen.

Diese angeblich freie Entscheidung ist ein Täuschungsmanöver der Dunklen Aufklärung und ein betrügerisches sogenanntes philosophisches Konzept, das offenbar auch jene teilen, die hinter der geplanten Wunderstadt in Gaza stehen. Falls sich das Netzwerkimperium wie beabsichtigt formiert, wird der überwiegende Teil der städtischen Weltbevölkerung, insbesondere die Palästinenser in Gaza, keine andere Möglichkeit haben, als alles zu erdulden, was ihre Konzernherrscher ihnen auferlegen.

Praktisch alle Palästinenser flohen unter Zwang aus Gaza. Sie wurden durch die Zielerfassungssysteme der Praxianer und Israels Waffen vertrieben. „Kein Mitspracherecht, freier Austritt“ ist tyrannischer Missbrauch, keine libertäre Freiheit.

Punkt 13 nennt die Wunderstadt in Gaza „Neu-Gaza“ und verpflichtet die Hamas dazu, „keinerlei Rolle bei der Regierung Gazas zu spielen, weder direkt noch indirekt noch in irgendeiner Form“. Die Hamas kam dem pflichtgemäß nach, zumindest verbal.

Zur Bildung des technokratischen Komitees erklärte sich die Hamas bereit, mit Fatah zusammenzuarbeiten, ihrem langjährigen Gegner innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Die PA ist eine Koalition palästinensischer Parteien, die von der durch Mahmud Abbas geführten Fatah dominiert wird. 2007 führten Hamas und Fatah einen kurzen palästinensischen Bürgerkrieg, der dazu führte, dass die Hamas die politische und militärische Kontrolle über Gaza übernahm.

Die Punkte 14 und 15 behandeln die Entmilitarisierung Neu-Gazas und die Schaffung einer regionalen Internationalen Stabilisierungstruppe (ISF), die hauptsächlich mit Unterstützung der ägyptischen und jordanischen Regierung in Abstimmung mit den israelischen und ägyptischen Grenzkräften gebildet werden soll. Die ISF wird die Polizei von Neu-Gaza bilden. Der Vorschlag ist praktisch eine Kopie der oben erwähnten israelischen Initiative Gaza 2035, die vorsah, Gaza solle von der israelischen und ägyptischen Regierung verwaltet werden, die die Gaza Rehabilitation Authority (GRA) beaufsichtigen. Im Mai 2024 fügte Netanjahu hinzu, dasselbe Modell könne anschließend „im Jemen, in Syrien und im Libanon wiederholt werden“.

Punkt 16 umreißt Israels augenscheinliche Zustimmung dazu, „Gaza weder zu besetzen noch zu annektieren“. Dies soll schrittweise geschehen, indem die IDF „das von ihnen besetzte Gebiet Gazas nach und nach an die ISF übergeben“.

Eine Zweistaatenlösung wurde nicht erwähnt, und es gab keine Garantie palästinensischer Staatlichkeit. Stattdessen verweist Punkt 20 auf ein „friedliches und wohlhabendes Zusammenleben“ zwischen Israelis und Palästinensern an einem unbestimmten künftigen „politischen Horizont“.

Am 17. November 2025 wurde die Resolution 2803 des UN-Sicherheitsrats (Res. 2803) verabschiedet, die den 20-Punkte-Plan als „Umfassenden Plan zur Beendigung des Gaza-Konflikts“ bezeichnet. Sie formalisierte die Annahme des 20-Punkte-Plans und damit des GREAT-Plans als Grundlage für die Beendigung der Kampfhandlungen.

Chatham House legt nahe, die Trump-Regierung habe die UN – gegenwärtig die zentrale funktionale Oligarchie der Welt – in die Enge getrieben und zur Annahme der Res. 2803 gezwungen. Nachdem die USA mit Unterstützung Katars, Ägyptens, der VAE, Saudi-Arabiens, Indonesiens, Pakistans, Jordaniens und der Türkei erhebliche russische Änderungsentwürfe abgewehrt hatten, sollen sie „eine Schnellkochtopf-Technik angewandt“ haben. Weil der Umfassende Plan angeblich von den durch die Verwerfungen im Nahen Osten „am stärksten betroffenen Regionalstaaten“ unterstützt worden sei, habe dieser raffinierte Schachzug der US-Regierung den UN-Sicherheitsrat irgendwie zur Annahme der Res. 2803 bewegt. Diese Geschichte ist blanker Unsinn. Keine „Einheit“ wünscht sich in Gaza eine Netzwerkstaats-Technokratie mehr als die UN.

Der UN-Sicherheitsrat hat fünf ständige Mitgliedstaaten – die USA, China, Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich. Jeder von ihnen verfügt über ein Vetorecht gegen Resolutionen des Sicherheitsrats. Zehn weitere Ratsmitglieder werden alle zwei Jahre auf Empfehlung des Sicherheitsrats und mit Zustimmung der Generalversammlung ausgewählt. Res. 2803 wurde mit 13 Ja-Stimmen, keiner Gegenstimme und zwei Enthaltungen angenommen. Weder China noch Russland legten ihr Veto ein; sie enthielten sich.

Chinas UN-Botschafter Fu Cong sagte, China habe auf sein Veto verzichtet, weil „ein dauerhafter Waffenstillstand“, humanitäre Hilfsmaßnahmen und die „Einleitung des Wiederaufbaus nach dem Krieg […] für die Menschen in Gaza“ Vorrang vor allem anderen hätten. Bei der Darlegung der Vorbehalte der chinesischen Regierung sagte Fu Berichten zufolge, „der Resolutionsentwurf verkörpert nicht den grundlegenden Prinzipiengedanken, dass Palästinenser Palästina regieren“ – als ob der von China unterstützte ERRDG-Plan dies täte. Wäre das die Sorge der chinesischen Regierung gewesen, hätte sie den Phoenix-Plan unterstützt und gegen den GREAT-Plan ihr Veto eingelegt.

China und Russland machten von ihrem Vetorecht keinen Gebrauch, weil sie sich gleichermaßen einem durchsetzungsstarken globalen Steuerungssystem der UN 2.0 verschrieben haben, das auf der Einführung von „Spitzentechnologie“ in einem internationalen Netzwerk programmierbarer intelligenter Stadtstaaten beruht. Genau dazu steht Gaza nun kraft einer Resolution des UN-Sicherheitsrats kurz davor zu werden.

Wie allen Regierungen, die für die Resolution stimmten oder sich enthielten, sehr wohl bewusst ist, bewirkt Res. 2803 weit mehr, als bloß die Grundlage für einen Waffenstillstand und den Wiederaufbau Gazas zu schaffen.

Binnen weniger Wochen, am 22. Januar 2026, unterzeichnete die Trump-Regierung mit der weltweiten Autorität der UN im Rücken die Charta des Board of Peace (BoP) – nicht in New York oder Washington, sondern im schweizerischen Davos auf dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums, dem zeremoniellen Zuhause der globalen öffentlich-privaten Partnerschaft (Stakeholder-Kapitalismus).

Die Charta ermächtigt das BoP angeblich, in allen „von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten“ mit dem Bau programmierbarer intelligenter Stadtstaaten zu beginnen. Es kann öffentliche und private juristische „Einheiten“ mit internationaler Stellung schaffen, die „Verträge schließen, unbewegliches und bewegliches Eigentum erwerben und veräußern, Gerichtsverfahren einleiten, Bankkonten eröffnen [sowie] private und öffentliche Gelder empfangen und auszahlen“ können.

Das BoP ist als private Dynastie konzipiert. Trump ist persönlich – nicht kraft seines öffentlichen Amtes – Vorsitzender auf Lebenszeit, und nur der Vorsitzende hat die „Befugnis, nachgeordnete [öffentliche oder private] Einheiten“ des BoP „zu schaffen, zu verändern oder aufzulösen“. Vor seinem Rücktritt kann allein der Vorsitzende seinen beziehungsweise ihren Nachfolger ernennen; das „Executive Board“ kann den Vorsitzenden nur bei Amtsunfähigkeit ersetzen. Das BoP ist seinem Aufbau nach faktisch eine CEO-Diktatur.

Um sich einen Anteil an der Netzwerkstaats-Technokratie in Gaza – oder tatsächlich irgendwo sonst – zu kaufen, müssen nationale Regierungen im ersten Jahr eine Milliarde US-Dollar an Steuergeldern zusagen. Die Amerikaner haben bereits zehn Milliarden Pfund zugesagt. Nur relativ wohlhabende Nationen brauchen sich zu bewerben.

Bislang haben die Steuerzahler allen Berichten zufolge 17 Milliarden US-Dollar aufgebracht, damit das BoP sein Netzwerkimperium betreiben kann; offen gesagt lässt sich allerdings unmöglich feststellen, wie viel von wessen Geld auf seinen privaten Bankkonten herumschwimmt. Wie die Financial Times (FT) vier Monate nach Unterzeichnung der BoP-Charta berichtete:

Anstatt den von der Weltbank verwalteten und von den UN gebilligten Fonds zu nutzen, hat der Rat Spenden direkt über sein JPMorgan-Konto erhalten. […] Während die Weltbank über die Finanzlage des Gaza-Fonds berichten muss […], bestehen für das JPMorgan-Konto keinerlei unabhängige Transparenzanforderungen.

Die FT fügte hinzu, der demokratische US-Senator Brian Schatz habe gesagt, Trump habe das BoP als „eine Art Königshof“ bezeichnet. Das scheint eine ziemlich treffende Beschreibung zu sein.

Rechtswissenschaftler sind ratlos. Sie können einfach nicht verstehen, wie die UN eine solche Situation überhaupt entstehen lassen konnten.

In Jurist News berichtete Ayesha Naz: „[D]ie Charta des Rates erwähnt Gaza kein einziges Mal. Sie stellt den Rat als dauerhafte globale Institution zur Konfliktlösung im Allgemeinen dar.“ Sie folgerte, die UN hätten durch Res. 2803 „eine Einheit außerhalb des UN-Systems geschaffen, die über vom [UN-Sicherheits-]Rat verliehene Autorität verfügt, ohne einer vom Rat auferlegten Rechenschaftspflicht zu unterliegen“. Außerdem bedeute die BoP-Charta, dass nichts „den Vorsitz an seine Amtszeit als Präsident bindet“. Wen auch immer Trump zu seinem Nachfolger bestimmt, ob aus dem öffentlichen oder privaten Sektor – diese Person wird der König sein.

Obwohl Naz damit rang, das von ihr Entdeckte zu begreifen, und es vielleicht nicht als den wahren Zweck von Res. 2803 erkannte, verstand sie die Konsequenzen dennoch vollständig:

Wenn der [Sicherheits-]Rat […] Gremien Autorität verleihen kann, die außerhalb [der Artikel der UN-Charta] geführt werden, beginnt die Unterscheidung zwischen UN-autorisiertem Handeln und privat kontrolliertem Handeln zusammenzubrechen.

Genau das bedeutet Res. 2803. Es ist mehr als lächerlich, sich vorzustellen, das Heer von Rechtsberatern der fünfzehn Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats, die über Res. 2803 abstimmten, selbst wenn sie sich enthielten, sei sich dessen nicht bewusst gewesen. Natürlich wussten sie es.

Der Zweck von Res. 2803 besteht darin, die Unterscheidung zwischen den UN und den mit ihnen verbundenen, privat kontrollierten „Einheiten“ – etwa dem WEF – zusammenbrechen zu lassen. Das BoP ist ein globales öffentlich-privates Partnerschaftsgeschäft. Wie das Weiße Haus bei der Einrichtung des „technokratischen Komitees“ zur Regierung Gazas erklärte, stehe das Handeln des privat kontrollierten und niemandem rechenschaftspflichtigen BoP „vollkommen im Einklang mit Resolution 2803 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen“.

Viele haben behauptet, das BoP sei als Gegenmodell zu den UN geschaffen worden. Diese Kritik verfehlt vollständig den Punkt, dass die UN die „Machtübertragung […] von Regierungen an […] private Technologieunternehmen“ unterstützen. Die zunehmende Macht und der wachsende Einfluss des Privatsektors sind die zentrale Säule des UN-Plans, letztlich die Nationalstaaten „abzulösen“ und dadurch ihre multipolare globale Steuerungsordnung UN 2.0 fest zu etablieren.

Ob das BoP Erfolg hat oder nicht – und ihm stehen viele Hürden im Weg –, es ist genau die Art internationaler „Einheit“, die die UN sehen wollen. Das durch Res. 2803 etablierte Funktionsprinzip ist es, dessen Förderung den UN besonders am Herzen liegt.

Der Zweck eines Systems ist das, was es tut.

Der Zweck der vorgeschlagenen Wunderstadt in Gaza ist ebenso offensichtlich. Der GREAT-Plan übernimmt jede einzelne technologische und strukturelle Komponente eines praxianischen Netzwerkstaats. Wir sollen ernsthaft hinnehmen, dass auch dies bloß Zufall sei. Trump, von den Praxianern gekauft und bezahlt, sei, so sagt man uns, der unabhängig denkende US-Präsident hinter dem gesamten Projekt.

Der Netzwerkstaat Gaza

Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Hamas-Angriff, am 7. Oktober 2025, gab das US-Militärkommando CENTCOM die Eröffnung des Civil-Military Coordination Center (CMCC) in der Stadt Kirjat Gat im Südbezirk Israels, nahe der Grenze zu Gaza, offiziell bekannt. Das CMCC bringt angeblich „Stakeholder zusammen, die das Ziel einer erfolgreichen Stabilisierung Gazas teilen“. Zu den ausgewählten Stakeholdern gehören Vertreter von „Partnerstaaten, Nichtregierungsorganisationen, internationalen Institutionen und dem Privatsektor“.

Zu diesen „privatwirtschaftlichen“ Partnern gehören die Praxianer. Wie 972Mag berichtete, ist Palantirs Logo auf dem Maven Smart System (Palantir MSS), das CMCC-Mitarbeiter in veröffentlichtem Werbevideomaterial benutzen, deutlich erkennbar. Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass Palantir MSS laut Palantirs Technologiechef Shyam Sankar „die Tötungskette optimiert“.

Foto, das deutlich zeigt, wie CMCC-Mitarbeiter Palantirs Maven MSS verwenden – Quelle

Als die Trump-Regierung im Oktober 2024 erstmals das mögliche GREAT-Projekt ins Gespräch brachte, zeigte das Werbevideo die Firmenlogos von Tesla, Amazon, Constellis – ehemals Blackwater – und anderen. Auf Anfragen von Journalisten bestritten die meisten dieser Unternehmen jegliche Beteiligung. Tesla, Amazon und Constellis lehnten eine Stellungnahme ab.

Der Einsatz von Constellis und ähnlichen Söldnerorganisationen in und um Gaza ist eine durchgängig angewandte Regierungstaktik. Die israelische Regierung hat offen eingeräumt, dass sie sogenannte paramilitärische „Anti-Hamas“-Gruppen in Gaza wie die Popular Forces finanziert, bewaffnet und ausrüstet. Wenn diese „verbündeten Gruppen“ an der Seite von IDF-Truppen Palästinenser offensichtlich ermordet haben, die verzweifelt versuchten, an Lebensmittel und medizinische Hilfe zu gelangen, hat die israelische Regierung dies Berichten zufolge als „zeitlich unbefristete Kontrolle über Gaza“ bezeichnet.

Wie wir zuvor in unserer Erörterung von Pax Silica feststellten, ist der Einsatz „privater Sicherheitskräfte“ in autonomen Rechtsräumen (SEZs) ein wesentliches Merkmal des Netzwerkimperiums. Der GREAT-Plan beziehungsweise „Trust“ bezeichnet dies als „hybride Sicherheit“. Private Sicherheitsauftragnehmer (Söldner) werden „die Verteilung von Hilfsgütern absichern und vorübergehende Wohnzonen bauen und betreiben“. Sobald Neu-Gaza etabliert ist, werden die privaten Auftragnehmer „die öffentliche Ordnung aufrechterhalten“. Falls die BoP-Pläne umgesetzt werden, wird die Internationale Stabilisierungstruppe (ISF) in Neu-Gaza letztlich ein privates Militärunternehmen (PMC) sein.

Daher überrascht es nicht, dass PMCs wie Constellis, die behaupten, auf die Erbringung „entscheidender humanitärer Dienstleistungen in […] komplexen und hochriskanten Umgebungen“ spezialisiert zu sein, eifrig um die lukrativen Aufträge bieten. Wiederum im Oktober 2024 – zeitgleich mit den ersten Andeutungen zum GREAT-Plan – brachte der israelisch-amerikanische Tycoon Mordechai „Moti“ Kahana die Idee ins Spiel, „gut ausgebildete private Sicherheitskräfte“, die „für nicht tödliche und tödliche Methoden der Kontrolle von Menschenmengen ausgerüstet“ und „im Einsatz tödlicher Gewalt geschult“ seien, sollten in Gaza „abgeschlossene Wohnsiedlungen“ polizeilich kontrollieren. Kahana ist Gründer und CEO der Global Delivery Company (CDC), die er als „Uber für Kriegsgebiete“ bezeichnet hat. Zu den weiteren Vorstandsmitgliedern der CDC gehören ehemalige US-amerikanische und israelische Geheimdienst-, Militär- und Polizeibeamte.

Im Januar 2025 erhielten zwei US-PMCs – UG Solutions und Safe Reach Solutions (SRS) – die Aufträge zum Betrieb von Überwachungskontrollpunkten in Gaza, was als Bildung „biometrischer Ghettos“ beschrieben wurde. Die SRS-Einsätze wurden vom ehemaligen Geheimdienstoffizier der US-Spezialkräfte Phillip F. Reilly geleitet. SRS ist ein registrierter Vertreter von Two Oceans Trust, LLC.

Two Oceans ist eine in Wyoming ansässige „unabhängige, im Besitz ihrer Partner befindliche Treuhandgesellschaft“, die „ultrahochvermögenden Privatpersonen, Familien und Stiftungen“ „Steuervorteile, moderne Trust-Gesetze und Schutz der Privatsphäre“ bietet. Two Oceans, das offenkundig auf Dienstleistungen für ultrareiche Technologieoligarchen spezialisiert ist, erklärt, es sei das „erste US-Finanzinstitut, das Kunden mit erheblichen digitalen Vermögenswerten ein umfassendes generationenübergreifendes Management anbietet“. Aufgrund der Vertraulichkeit für Investoren können wir diese Technologieoligarchen nicht identifizieren, aber wir können eine fundierte Vermutung anstellen.

Private Kapitalinvestitionen sind jedenfalls ein Kernbestandteil des GREAT-Plans. Im Dezember 2025 präsentierten, wie das Wall Street Journal (WSJ) berichtete, Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Impresario eines Immobilienimperiums, und Steve Witkoff, der als US-Sondergesandter für den Nahen Osten tätige Immobilienmagnat, das Project Sunrise, auch bekannt als GREAT-Plan.

Mit veranschlagten Gesamtkosten von 112,1 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre stellte Kushner einen Plan vor, Gaza in eine „digital gesteuerte Smart City“ zu verwandeln. Kritiker wiesen sofort darauf hin, dass der Plan an der Schwierigkeit scheitern werde, den sogenannten „Konflikt“ zu lösen. CFR-Fellow Steven Cook merkte an, der Plan beruhe auf einer Entwaffnung der Hamas, und erklärte: „Die Hamas wird sich nicht entwaffnen, also wird nichts geschehen.“

Die Hamas hat jedoch kürzlich öffentlich zugestimmt, sich selbst zu entwaffnen, in der Hoffnung, das GREAT-Projekt voranzubringen. Das mag überraschend erscheinen, doch die Hamas hat häufig als Stellvertreter der US-amerikanischen und israelischen Regierung gedient; deshalb sollte es niemanden schockieren, am wenigsten die Fellows des CFR.

Eine Folie aus Jared Kushners offizieller Präsentation von Project Sunrise – Quelle

Project Sunrise wird als Trumps „Masterplan“ bezeichnet; 60 Milliarden US-Dollar für die „vorgesehenen Arbeitsstränge“ sollen durch „Zuschüsse und Garantien“ der US-Regierung für Schuldverpflichtungen finanziert werden. Mit anderen Worten: Der öffentliche Sektor der USA würde das finanzielle Risiko für private Investoren übernehmen.

Sobald Neu-Gaza in Betrieb wäre, sollten die noch benötigten Finanzmittel durch die „Monetarisierung von 70 % der Küstenlinie Gazas“ aufgebracht werden, um weitere ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. Mit dem möglicherweise zur Aneignung bereitstehenden Offshore-Gasfeld Gaza Marine – das schätzungsweise jährliche Einnahmen von vier Milliarden US-Dollar generiert – und als potenzieller IMEC- und BRI-Knotenpunkt nur 70 Kilometer südlich von Israels Silicon Wadi: Was sollte daran oligarchischen Investoren und globalistischen Gesellschaftsgrößen nicht gefallen, die ein Steuerparadies direkt am Mittelmeerstrand suchen?

Nach der feierlichen Unterzeichnung der BoP-Charta im Januar 2026 erläuterte Kushner den Masterplan bei einer Folgeveranstaltung in Davos näher. Kushner sagte, es gebe keinen „Plan B“, und ganz im Sinne des neoreaktionären akzelerationistischen Ethos der schöpferischen Zerstörung erklärte er, der Plan werde „katastrophalen Erfolg“ nutzen. Kushner fügte hinzu, die beteiligten Parteien, einschließlich der Hamas, hätten „eine Vereinbarung unterzeichnet, [und] wir sind alle entschlossen, diese Vereinbarung zum Funktionieren zu bringen“.

Bei der formellen Ankündigung des GREAT-Trusts beziehungsweise -Plans im Februar 2025 – auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Benjamin Netanjahu im Weißen Haus – deutete Trump zunächst an, der GREAT-Plan enthalte keine Vorkehrungen zur Wiederunterbringung irgendwelcher Palästinenser in Gaza. Vollständig der Netzwerkstaatsstrategie folgend, sagte Trump, das BoP solle „langfristiges Eigentum“ übernehmen, offenkundig mit dem Ziel, Gaza zu einem leuchtenden Vorbild des Netzwerkimperiums in einem neuen Nahen Osten zu machen. Nun, da es geräumt sei, sei Gaza, so sagte er, ein „gutes, frisches, wunderschönes Stück Land“.

Wäre Gaza nicht ihre Heimat, könnten wir uns angesichts dessen, was der GREAT-Plan für jene Palästinenser bereithält, die das Unglück haben, darin zu leben, fragen, warum überhaupt jemand bleiben möchte. Wenn sie wohlhabend genug sind, dürfte es ihnen gut gehen; für alle anderen aber wird Neu-Gaza ein Gefangenenlager sein.

Durchgesickerte Dokumente, über die Dropsite News berichtete, enthüllten, dass das CMCC weit fortgeschrittene Pläne für „geplante Siedlungen“ von Palästinensern hat, in denen diese unter ständiger biometrischer Überwachung stünden; ihre Bewegungen würden durch Kontrollpunkte streng reglementiert; ihre Einkäufe und Zahlungen würden über eine mit digitaler Währung verknüpfte digitale Identität fortwährend kontrolliert und überwacht; und ihre Kinder würden Umerziehungslagern unterworfen, um ihre Sicht auf Israel zu „normalisieren“.

Im Rahmen des Plans Gaza Reconstitution, Economic Acceleration and Transformation (GREAT; Wiederherstellung, wirtschaftliche Beschleunigung und Transformation Gazas) für Neu-Gaza und Neu-Rafah wird ein vollständiger Netzwerkstadtstaat errichtet.

„Eine beispiellose öffentlich-private Partnerschaft [zum] Wiederaufbau Gazas“ wird Neu-Gaza zu einem fantastischen Profitunternehmen für Oligarchen machen. Prognostiziert wird, dass eine „Privatinvestition von 35–65 Milliarden US-Dollar“ nach zehn Jahren einen Ertrag von „324 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten [zuzüglich] 37 Milliarden US-Dollar an Steuern (aus 185 Milliarden US-Dollar an Umsätzen der investierenden Länder [und] Unternehmen)“ erzielen soll. Vermögende Investoren und Unternehmen werden durch jährliche Einnahmen Neu-Gazas angelockt, die „bis zum zehnten Jahr 4,5 Milliarden US-Dollar übersteigen“ sollen.

Multinationale Konzerne werden sich vor allem aufgrund seiner strategischen Lage „am Kreuzungspunkt einer neuen abrahamitischen Architektur“ (NAA – IMEC) nach Neu-Gaza verlagern. Es wird multinationale Konzerne zur Ansiedlung bewegen, weil es ein „regionales Handelszentrum“ im Herzen der „proamerikanischen Regionalarchitektur“ sein wird. Es wird ein „mediterranes Zentrum für Fertigung, Handel, Daten und Tourismus“ sein, das die Märkte „Europas, des GCC [und] Asiens“ verbindet und ihre Ressourcen sowie regionalen Entwicklungspläne zusammenführt.

Die übergeordnete SEZ, die ganz Neu-Gaza umfasst, wird in Unterzonen aufgeteilt. Die „Elon Musk Smart Manufacturing Zone“ etwa wird florieren, weil sie „von der NAA (IMEC) gespeist wird und diese speist“. „Private Industrieinvestoren“ werden das notwendige „regionale Rechenzentrum für Cloud-Dienstanbieter sowie fortgeschrittene Fertigungsanlagen (zum Beispiel Gigafabriken)“ errichten.

Darüber hinaus wird Neu-Gaza als deregulierte Beschäftigungszone mit verzweifelten und gebundenen „jungen Arbeitskräften“ eine verlockende Fertigungszone für „israelische Technologie“ und ein attraktives Ziel für „GCC-Investitionen“ sein.

Neu-Gaza wird auf einem vernetzten System „geplanter Städte in Gaza“ beruhen, bestehend aus „6–8 dynamischen, modernen und KI-gestützten intelligenten Planstädten auf der Innenseite des Gaza-Rings [der Grenze]. Alle Dienstleistungen und die gesamte Wirtschaft in diesen Städten werden über ein identitätsbasiertes digitales System abgewickelt.“

Die Durchsetzung der Spitzentechnologie der UN 2.0 und der dafür erforderlichen Verhaltenskontrollsysteme ist garantiert. Das vom CMCC geplante System bewaffneter PMCs, die an mit Biometrie und digitaler Identität verknüpften Kontrollpunkten patrouillieren, ist ein konzeptionelles Merkmal Neu-Gazas.

Wie in jedem ordentlichen Netzwerkstaat existiert in Neu-Gaza nichts, was nicht auf der Blockchain erfasst ist, und jeder Wert wird digital. Beabsichtigt ist, durch die Nutzung der „Blockchain als Eigentumsnachweis (zum Beispiel digitale Grundbucheintragung)“ „Token für anteiliges Eigentum zu schaffen und zu registrieren“. Folglich werden alle Palästinenser, die noch in Neu-Gaza leben, „ihr privat besessenes Land in den Trust einbringen müssen, im Austausch gegen einen Token, der ein Recht auf eine dauerhafte Wohneinheit verleiht“.

Mindestens während der ersten beiden Jahre werden alle Palästinenser in Lagern mit „kurzfristigen modularen Unterkünften“ leben, weil der „Bau [dauerhafter Wohnungen] im zweiten Jahr beginnt“. Ohne Landrechte werden den Palästinensern programmierbare digitale On-Chain-Token als widerrufbare Genehmigungen ausgestellt, die ihnen unter Bedingungen den Verbleib erlauben – im Austausch gegen das Land, das ihnen einst gehörte.

Die Miete für das „tokenisierte“ Zuhause, das sie nicht besitzen können, wird „für vier Jahre subventioniert“, Lebensmittel im ersten Jahr. Danach wird beides nicht mehr subventioniert. Für die anschließende Zeit sind weder Mietpreisbegrenzungen noch langfristige Pläne für Lebensmittelverteilung oder lokale Landwirtschaft vorgesehen. Palästinenser, die aus ihrer „kurzfristigen modularen Unterkunft“ herauskommen, werden in Neu-Gaza schließlich nichts besitzen und glücklich sein – oder auch nicht. Für Investoren, nicht für gewöhnliche Palästinenser, wird all dies „den [Vermögens-]Wert Gazas von heute null auf etwa 324 Milliarden US-Dollar erhöhen“.

Die prognostizierte „Ausgangsbevölkerung Gazas beträgt etwa 2,14 Millionen bei einer jährlichen Wachstumsrate von 2,02 %“, unter der Annahme, dass „75 % der Einwohner Gazas während des Wiederaufbaus in Gaza bleiben werden“. Palästinensern werden jeweils 5.000 US-Dollar angeboten, um zu gehen. Dies ist wichtig, weil sich die Zeitpläne und letztlich die Gewinne verbessern werden, wenn „die Zahl der Einwohner Gazas, die während des Wiederaufbaus freiwillig Gaza verlassen“, maximiert wird.

Dass das CMCC Palantir-Software nutzt oder die Trump-Regierung die Firmenlogos der Praxianer auf ihren Werbevideos und Broschüren platziert, belegt für sich allein noch nicht, dass die Praxianer zu den privatwirtschaftlichen Stakeholdern gehören, die die GREAT-Neugestaltung Gazas anführen. Dass das Tony Blair Institute – eine Tarnorganisation Larry Ellisons – am Project Aurora beteiligt war, das im Oktober 2024 die Zwangsumsiedlung von Palästinensern aus Gaza modellierte, tut dies ebenfalls nicht. Auch die Benennung von Zonen Neu-Gazas nach Praxianern ist kein schlüssiger Beweis.

Es sind die offen erklärte Kontrolle der Praxianer über die Trump-Regierung, die jahrelange tiefe Verflechtung praxianischer Konzerne mit Israels Verteidigungs- und Überwachungstechnologiesektor, ihre strategischen Partnerschaften mit Israel für „kriegsbezogene Einsätze“, die gemeinsame Entwicklung von KI-Zielerfassungs- und Überwachungssystemen mit dem israelischen Staat sowie ihre zunehmende finanzielle und technologische Präsenz innerhalb Israels, die ihre Macht und ihren Einfluss in der Region belegen.

Der endgültige Beweis dafür, dass Neu-Gaza ein praxianisches Projekt ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass es als exemplarisches Smart-City-Stadtstaatsprojekt der UN 2.0 konzipiert wurde: als Netzwerkstaat innerhalb eines rasch entstehenden Netzwerkimperiums.

Fazit der Reihe

In vier Essays haben wir das globale System auseinandergenommen, das sich im geplanten Neu-Gaza im Kleinen besonders deutlich verdichtet. Über diese Beobachtungen zu berichten bedeutet nicht, hoffnungslosem Pessimismus zu verfallen – „blackpilled“ zu sein. Zu ignorieren, wie Machtstrukturen funktionieren und wessen Interessen sie dienen, bedeutet dagegen, bildlich gesprochen den Kopf in den Sand zu stecken.

Weil nahezu jede Regierung mitschuldig ist, habe ich die chinesische, die US-amerikanische, die israelische, die iranische und viele weitere Regierungen kritisiert. Ich habe weder die von diesen Regierungen beherrschten Menschen noch ihre Nationen noch ihre Kulturen herabgewürdigt.

Was den Zweck der Reihe betrifft, die Sie gerade gelesen haben, möchte ich den ehemaligen moldauischen stellvertretenden Ministerpräsidenten und Journalisten Iurie Roșca sinngemäß wiedergeben: Ich habe diese Zeilen in uneingeschränkter Solidarität mit den Menschen geschrieben und unterscheide klar zwischen den Herrschenden und den Beherrschten.

Die Praxianer wollen aus dem gegenwärtigen westfälischen System aussteigen, ein paralleles Netzwerk intelligenter, durch agentische KI betriebener GaaS-Stadtstaaten aufbauen und diese anschließend verteidigen, indem sie mit zwischenstaatlichen Organisationen zusammenarbeiten, um diplomatische Anerkennung zu erlangen. Sie und ihre oligarchischen Partner hoffen, auf diese Weise ein technofeudales globales Steuerungssystem zu errichten.

Um einen in dieser gesamten Reihe betonten Punkt zu wiederholen: Wir müssen keine dieser Maßnahmen zur Verhaltenskontrolle akzeptieren. Wir können die Technokratie zurückweisen, wir können den Machtgriff des Netzwerkimperiums vereiteln, und wir können den Ehrgeiz der Oligarchen beenden, eine dauerhafte globale Herrschaft endgültig zu etablieren.

Wir könnten einen Teil der Technologie, die derzeit zu unserer Unterdrückung installiert wird, umwidmen, um uns zu befreien. Es ist unsere Entscheidung. Wenn wir gemeinsam handeln, können wir bessere Gesellschaften aufbauen, die Oligarchen unmöglich kontrollieren können. Die globale Oligarchie weiß das, und deshalb werden wir mit so viel Propaganda überflutet, die uns spalten soll.

Wir können unser eigenes „Flippening“ betreiben. Wir könnten einige der Grundkonzepte umwidmen, auf denen das geplante Netzwerkimperium angeblich beruht. Auch wir könnten aussteigen, aufbauen und verteidigen – nicht neofeudale, durch agentische KI betriebene GaaS-Stadtstaaten, sondern freiwillige Demokratien. Wir können erlaubnisfreie DeFi (dezentralisierte Finanzdienstleistungen) und Fintech (Finanztechnologie) kombinieren, um Gegenökonomie zu einer Katallaxie weiterzuentwickeln, in der spontane Ordnung die einzige Ordnung ist, die wir benötigen.

Das ist lediglich mein Vorschlag. Ich bin sicher, es gibt viele andere langfristige Ziele, die wir verfolgen könnten, und zahlreiche unterschiedliche friedliche Taktiken, mit denen wir sie erreichen könnten. Welchen Weg wir auch wählen: Es ist unerlässlich, die bösartigen Pläne der Praxianer und ihrer oligarchischen Partner entschieden zu vereiteln. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die Alternative Sklaverei ist.

Während Macht „von Regierungen an private Technologieunternehmen“ übertragen wird, kommen unser fortgesetztes Mitmachen und unser Gehorsam gegenüber dem System nicht länger infrage. Glücklicherweise können wir uns alle an massenhafter Verweigerung beteiligen.

Wenn wir beschließen, Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, und uns verpflichten, als ehrenhafte Menschen zu handeln, können wir unsere individuelle Souveränität maximieren. Wir können die Politik des Gehorsams aufgeben und durch freiwilligen Austausch in einer freien und offenen Gesellschaft ersetzen – einer Gesellschaft, in der das Naturrecht studiert und natürliche Gerechtigkeit von jedem Einzelnen von uns angewandt wird, die wir als gleiche Menschen mit gleichen unveräußerlichen Rechten und gleichen Verantwortlichkeiten leben: ein Leben ohne Herrscher, nicht ein Leben ohne Regeln.

Also packen wir es an!

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