Oktober 22, 2021

Ein „Modem“ für den umweltbewussten und sozialgerechten Übermenschen – Dr. Radu Golban

Anmerkung: Eine gewohnt brillante Satire von Dr. Golban. Eigentlich wollte ich auf die humoristische Intention gar nicht hinweisen, doch da Subtilität in dieser Zeit leider arg an Stellenwert verlor, fühlte ich mich dann doch zur Anbringung dieses Disclaimers genötigt, da ich aufgrund der derzeit sehr wässrigen Wetterlage in meiner Heimatstadt Berlin nicht auch noch etwaige Shitstorms per Zuschrift zu bewältigen haben möchte. Ich bitte um Verständnis. Buchstäblich.


Eine 482-seitige strategische Studie von 2002 aus den Archiven des Weißen Hauses1 über konvergierende Technologien (NBICS2) aus dem Bereich der Bio-, Nano-, Informations-, Kognitions- und Sozialwissenschaften lässt die Hoffnung aufkommen, dass die gegenwärtig zur Pandemiebekämpfung eingesetzten Impfstoffe nahezu alle globalen Probleme lösen könnten. Die wissenschaftliche Arbeit, welche keinesfalls der Aufmachung von Science Fiction-Literatur entspricht, würde selbst begnadete Autoren fantastischer Romane mit Minderwertigkeitsgefühlen überströmen und sie das Handtuch werfen lassen.  Im Kapitel “Improving human health and physical capabilities3 (Verbesserung der menschlichen Gesundheit und der physischen Fähigkeiten) führt das Wissenschaftlerteam aus, wie mit der modernen Gentherapie nicht nur eine ökonomisch attraktive Forschung für die Pharmariesen oder ganze Biotechnologiezweige erschaffen wird, sondern auch, wie man mit mRNA- und DNA-basierten Vektorimpfstoffen das revolutionierende Feld der lebensverlängernden Gentherapie betritt. Die ausführliche Erklärung zur Funktionsweise solcher Vakzine ist so überzeugend und vertrauensstiftend, dass man sich getrost von den langweiligen Impfskeptikern, welche auf die fehlende Forschung in diesem Bereich verweisen, abwenden kann. Auch wird damit überflüssig, dass Pharmakonzerne den tatsächlichen Ursprung dieser Impfstrategie offenlegen und immer wieder argumentieren müssen, dass sie in der Krebsforschung damit angeblich Erfolge erzielt haben. Wenn man die jetzt in der Pandemie lebensrettenden Impfungen im Gesamtkonzept der o.g. Studie, also im Zusammenhang mit der Verschmelzung von Mensch und Maschine, betrachtet, wird deutlich, dass sie weit mehr Vorzüge bringen als in den schlecht vermarkteten Impfstrategien sämtlicher Regierungen angepriesen. 

Abbildung 1: Cre-Rekombinase „schneidet“ das inaktive Gen zwischen zwei invertierten LoxP-Stellen und wandelt es in eine aktive Orientierung um, die transkribiert und übersetzt wird
Quelle: Magnetogenetics: You Brain on Magnets – Neurothetical

Diese Studie, zumal sie aus den Archiven der Obama-Administration stammt, ist vielmehr ein solides Argument für die Impfkampagne. Mit der Verknüpfung und Interaktion der NBICS-Disziplinen werden – wenn auch am Rande – nicht nur Viren bekämpft, sondern es wird primär ein fitter und über elektromagnetische Wellen vernetzter Übermensch kreiert, dessen Konsum und zellulärer Ausstoss durch Nanotechnologie überwacht wird, um ein im Einklang mit der Umwelt optimiertes Dasein zu fristen. Mit der Annäherung dieser Zweige wäre mit dem NBICS-Prinzip aber nicht nur der Gesundheit und der Ökologie gedient, wie die Autoren aufzeigen, sondern auch der ungerechte Zugang zu Schulbildung4 würde gelöst werden. Wissen und Informationen liessen sich direkt ins Gehirn übermitteln, oder Verknüpfungen würden den Zugriff auf Informationsdatenbanken in Echtzeit ermöglichen. Der Schulbesuch hätte nur Vergnügungszweck, da Wissensakkumulation ohne Lernleistung erfolgte. Welch beglückende Aussicht, dass man nach einem Jahr Schulschliessungen auch an die junge Generation gedacht hat.

Abbildung 2: Demonstration der Möglichkeit, Neuronen aus der Ferne zu aktivieren und zu hemmen und das Verhalten durch einen magnetisch empfindlichen, modifizierten TRPV1-Ionenkanal zu manipulieren (Stanley et al., 2016). Quelle: https://www.neurothetical.com/research/magnetogenetics

Selbst Rhetorikbegeisterte können mit der NBICS-Konvergenz auf die Entstehung einer neuen Form von nonverbaler Sprache hoffen, welche, ohne nach Worten zu ringen, Bildwahrnehmung oder Intentionen ohne Sprachbarriere direkt in die Gehirnzelle überträgt. Die von Evolutionspragmatikern als antiquiert empfundene Sprache hat ebenso ausgedient wie der überholungsbedürftige Homo Sapiens. Die biologische Sprachmodellierung als Integration von computerisierter Linguistik und biologischer Chemie5 lässt die klassische Philologie wie ein lethargisch wirkendes, gerupftes Huhn aussehen. Die Sprachbarrieren überwindende Methode hat das Potenzial, den sozial- und bildungsbedingten Wortschatz zu nivellieren, wenn nur der Zugang zu den baldigen Sprach-Apps nicht an Standeszugehörigkeit geknüpft sein wird. Doch um künftig Standesunterschiede als ungerecht zu empfinden und dagegen zu rebellieren, bedarf es einer emanzipierten Wahrnehmung, welche vermutlich dank der kognitiven Komponente im NBICS-System, Unkraut gleich, genetisch gejätet werden würde. Da mag Klaus Schwab wohl recht haben, wenn er behauptet, infolge der Pandemie würde ohne einen Great Reset das Risiko sozialer Unruhen zunehmen6.  Ein Neustart, welcher für den Fall, dass er auch zahlreiche Krankheiten von Alzheimer über Krebs bis Parkinson heilt – so wie der Autor verspricht – als Nebenprodukt auch die perfekte Gedankensteuerung ermöglicht.

Einen verständlicheren Begriff für diese Verschmelzung hat die kanadische Regierung mit der “Exploring Biodigital Convergence” (Erforschung der biodigitalen Konvergenz) geprägt7.  Ausgerechnet dieses dünnbesiedelte, zivilisierte Land von ungeheurer Weite hat durch die “Brain and Mind Control8-Technologien etwaige Möglichkeiten zur Bewältigung von traumatisierenden Grizzlybär-Attacken auf Camper identifiziert. Sollten es psychische Schäden sein, dann liessen sich die jeweiligen Gehirnzellen löschen oder überschreiben. Auch könnten am Artificial Intelligence(AI)-System angeschlossene Camper über eine neue Sinneswahrnehmung im Gehirn auf die Gefahr von Bären hingewiesen werden. Anschaulichere fiktive Beispiele zur Nutzung des AI-Assistenten finden sich auf der Seite der kanadischen Behörde9. Besonders renitente Freizeitfreaks liessen sich auch direkt über injizierte nanomagnetische Teilchen von ihrer Absicht abbringen, die stillende Bärenmama zu stören. Der Campingdrang würde kurzerhand über ein gut ausgebautes 5G-Netz ausgeschaltet. Damit hier auf die Tränendrüse der Leserschaft durch echte organische und nicht gesteuerte Regung eingewirkt wird, scheint die Wiedergabe der Ausführungen des an der NBIC-Studie beteiligten Wissenschaftlers Michael J. Hellers von der University of California, San Diego, besonders nützlich zu sein10. Er möchte mit Nachdruck verdeutlichen, wie wichtig es ist, das Verhältnis von Ursache und Wirkung bei der technologischen Entwicklung in der Pharmabranche zu verstehen. Einige würden die genetische Determinierung gänzlich missverstehen, behauptet er, weshalb es für die Pharmaindustrie keinen Sinn machen würde, in Forschung zu investieren, solange immer wieder Wenige an der Wirkung zweifelten oder mit Toxizität argumentieren. Das würde auch auf Gentherapien zutreffen, die nicht nur die physische Leistungsfähigkeit förderten, sondern auch das menschliche Verhalten verändern. Die ewig Gestrigen und gegenüber der missverstandenen genetischen Vorbestimmung Begriffsstutzigen dürften sich nicht gegen eine vielversprechende genetische Heilsbringung stemmen, stellt der Wissenschaftler fest. Heute müsste er sich diese Sorgen nicht mehr machen, da das politische Umfeld sehr wohlwollend ist.

Abbildung 3: Wildtyp-Mäuse, denen das Transgen injiziert wurde, zeigten keine Präferenz. Diese Ergebnisse zeigen erneut die Möglichkeit, das Verhalten von Mäusen mit einem nicht-invasiven Aktivator fernzusteuern (Wheeler et al., 2016). Quelle: https://www.neurothetical.com/research/magnetogenetics

Geradezu romantisierend mutet der NBICS Beitrag11 von Jeffrey Bonadio von der University of Washington an, auf den evolutionistischen12 Nutzen und die Gefahr von Viren zu verweisen. So wie unsere Vorfahren sich Bakterien zunutze gemacht hätten, um Brot, Wein, und Käse herzustellen, nutzen wir heute Viren, um die Einschleusung von Genveränderungen in unseren Körper zu ermöglichen13, konstatiert er. Somit ein Prosit mit einem durch Bakterien gegorenen Traubensaft auf die Viren als ein natürliches Mittel, um rekombinante DNA oder mRNA in menschliche Körper zu überführen14.  Vom Rausch der Wissenschaft ergriffen, entgeht dem funktionalen Analphabeten, welcher diese These verfasst, dass eine vorübergehende alkoholbedingte Beeinträchtigung der Geistestätigkeit sich von der Unumkehrbarkeit genetischer Eingriffe unterscheidet.

Ausgerechnet dem Panikmachervirus Nummer 1 in dieser Welt, auf philosophischer Ebene, doch noch nützliche Eigenschaften zuzuschreiben? Nun führt für ein verheissungsvolles, längeres und gesünderes Leben an der Einschleusung vom modifiziertem Genmaterial durch Viren und mRNA- oder DNA-Impfvektoren kein Weg vorbei. In der Gesamtschau mögen die Vorteile überwiegen, uns allen ein “Modem” zu verabreichen, welches einerseits unsere Immunabwehr stärkt, anderseits aber uns alle in NBICS-Manier verknüpft, damit wir ein für alle Mal die signifikanten Herausforderungen der alten Welt mit links meistern. Umweltbelastung, Konflikte, sozialer Unfrieden, Bildungsnotstand, Gesundheitsversorgung und Verteilungskämpfe würden ebenso der Vergangenheit angehören wie das Personalpronomen “ich“.

Warum es für einen sich alle sechsstelligen Jahrtausende ereignenden Entwicklungsschub, welcher nur durch einen banalen Nadelstich bewerkstelligt werden kann, einer schrecklichen Pandemie bedurfte, ist im Hinblick auf eine fortgeschrittene und zukunftsorientiere Gesellschaft nicht nachvollziehbar. Gewiss hätten gesellschaftsübergreifend mehr Menschen für die Implementierung der biodigitalen Konvergenz durch eine Spritze gestimmt, als gegen Pandemiebekämpfungsmassnahmen zu rebellieren. Sowohl das Wissen, das technische Know-how und der unumkehrbare Trend zu dieser Entwicklung waren offensichtlich Jahrzehnte vor Beginn der Pandemie bereits schon da.

Waren florierende Demokratien, erfolgreiche soziale Marktwirtschaften und solide Sozialversicherungssysteme nicht ein Garant dafür, dass freie Bürger sich in demokratischen Prozessen für die biodigitale Konvergenz als Vollendung ihres wahren Glücks auf Erden entscheiden würden? Es ist auch heute nicht zu spät, sich für ungeahntes Wirtschaftswachstum der NBICS-Branchen, genau erfasste Leistungsabrechnung15 der physischen und psychischen Tätigkeit hybrider Wesen16, die für eine klimaneutrale Welt in einem Social-Credit-System vegetieren, endlich eine solidarische Schnittstelle spritzen zu lassen. Ob NBICS oder “Biodigital Convergence”, beides ist so verheissungsvoll, dass es keiner Angstszenarien bedarf, Freiwillige für die Schaffung eines gezähmten17, gesunden, langlebigen Übermenschen zu finden. So betrachtet, wäre eine Seuche gar nicht nötig gewesen, um die Entgrenzung von Biologie und Technik zu vollziehen, und es bedarf keiner Mobilisierung mit den Argumenten von Klaus Schwab, wonach nur ein Krieg oder eine Pandemie transformative Kräfte entfachen.

Das zeitgleiche Eintreffen einer gesundheitsbedrohlichen Lage und zahlreicher Studien zur biodigitalen Konvergenz durch Regierungen und Forscher sowie einer nachdrücklichen Impfkampagne und des Anspruchs der Politik, die Klimaerwärmung wie auch soziale Fragen schleunigst zu lösen, begleitet von einer ebenso zeitgleichen Realisierung der 5G-Netzinfrastruktur lassen die berechtigte Erwartung aufkommen, dass die heilbringende NBICS-Konvergenz unmittelbar bevorsteht.

Anmerkung: Obschon es sich beim vorliegenden Artikel um eine publizistische Arbeit handelt, welche keinen wissenschaftlichen Anforderungen genügen muss, möchte ich mit der Literaturliste anbei dem interessierten Leser die Möglichkeit zur Recherche einräumen.

(PDF) Hacking a Brain for Contemptuous Interests: Ethical Risks of Advancing Neuroscience Techniques for Mind Control (researchgate.net)

A Possible Inductive Mechanism for Magnetogenetics | bioRxiv

A spike-ferritin nanoparticle vaccine induces robust innate immune activity and drives polyfunctional SARS-CoV-2-specific T cells | bioRxiv

Biodigital Philosophy, Technological Convergence, and Postdigital Knowledge Ecologies | SpringerLink

Can Magnetism Help Us Control the Brain, Remotely? – University at Buffalo

Engineered Ferritin for Magnetogenetic Manipulation of Proteins and Organelles Inside Living Cells – PubMed (nih.gov)

Ethical brain stimulation—Neuroethics of deep brain stimulation in research and clinical practice | Request PDF (researchgate.net)

Genetically engineered ‚Magneto‘ protein remotely controls brain and behaviour | Science | The Guardian

Lipid Oxidation Induced by RF Waves and Mediated by Ferritin Iron Causes Activation of Ferritin-Tagged Ion Channels – ScienceDirect

Magnetic control of cellular processes using biofunctional nanoparticles – Chemical Science (RSC Publishing)

Magnetic Entropy as a Proposed Gating Mechanism for Magnetogenetic Ion Channels – ScienceDirect

Magnetic fields for modulating the nervous system: Physics Today: Vol 74, No 2 (scitation.org)

Magnetic nanoparticle therapy for Parkinson’s disease | Results In Brief | CORDIS | European Commission (europa.eu)

Magneto Protein Could Help Magnets Control Brain Circuitry | Inside Science

Magneto: remote control over neuronal activity and behaviour (uzh.ch)

Magnetogenetics Controls the Brain and Behavior of Zebrafish and Mice (epigenie.com)

Magnetogenetics: A New Technique for Controlling Mouse Behavior (conductscience.com)

Magnetogenetics: Your Brain on Magnets — Neurothetical

Magnetothermal genetic deep brain stimulation of motor behaviors in awake, freely moving mice | eLife (elifesciences.org)

Manipulating neurons with magnetogenetics | Nature Methods

Nanoparticle-based local translation reveals mRNA as a translation-coupled scaffold with anchoring function (nih.gov)

http://ndl.ethernet.edu.et/bitstream/123456789/75096/1/214.pdf

Optogenetics blog posts | Noldus

Sub-second multi-channel magnetic control of select neural circuits in behaving flies | bioRxiv

Viana_whole_thesis_ex_pub_mat.pdf (utas.edu.au)

Wireless control of cellular function by activation of a novel protein responsive to electromagnetic fields | Scientific Reports (nature.com)

Verweise

[1] Converging Technologies for Improving Human Performance NANOTECHNOLOGY, BIOTECHNOLOGY, INFORMATION TECHNOLOGY AND COGNITIVE SCIENCE, Microsoft Word – NBIC_0_frontmatter.doc (archives.gov)

[2] “NBIC” oder “NBICS” Nano-Bio-Info-Cogno-Socio

[3] Siehe Fussnote 1, S. 179

[4] Ebd. S. 63, 166, 432, “instant learning” S. 183

[5] Ebd. S. 442

[6] Weltwirtschaftsforum schaltet in den Krisenmodus | Wirtschaft | DW | 19.01.2021,
 
WEF-Gründer Schwab sieht Chance für bessere Welt nach Corona-Krise | HZ (handelszeitung.ch)

[7] Exploring Biodigital Convergence – Policy Horizons Canada

[8] “Biodigital convergence is opening up striking new ways to: Change human beings – our bodies, minds, and behaviours, Change or create other organisms, Alter ecosystems, Sense, store, process, and transmit information, Manage biological innovation, Structure and manage production and supply chains.” (Die biodigitale Konvergenz eröffnet erstaunliche neue Möglichkeiten, um: Menschen zu verändern – unseren Körper, Geist und unser Verhalten, andere Organismen zu verändern oder zu erschaffen, Ökosysteme zu verändern, Informationen zu erfassen, zu speichern, zu verarbeiten und zu übertragen, biologische Innovationen zu managen, Produktions- und Lieferketten zu strukturieren und zu verwalten).

[9] “Good morning biodigital”, Exploring Biodigital Convergence – Policy Horizons Canada

[10] Siehe Fussnote 1, S. 205

[11] Ebd. S. 127

[12] Ebd. 128, 130

[13] Ebd. S. 126, 213, 215, 334

[14] Ebd. S. 217

[15] WO2020060606 CRYPTOCURRENCY SYSTEM USING BODY ACTIVITY DATA (wipo.int)

[16] Kevin Warwick. “Implications and consequences of robots with biological brains.” Ethics and Information Technology. (2010): 223-234 https://www.researchgate.net/publication/225865087_Implications_and_consequences_of_robots_with_biological_brains ,  Exploring Biodigital Convergence – Policy Horizons Canada

[17]:

Schreibe einen Kommentar