September 28, 2021

Krypto-Führer sind von der Lebensverlängerung besessen. Hier ist der Grund – Kelsie Nabben

Die Krypto-Community ist besessen von der Verlängerung des Lebens und der Finanzierung von Langlebigkeitsforschung – und der Körper von Bitcoin-Ikone Hal Finney ist in flüssigem Stickstoff konserviert. Wir verfolgen die Verbindung zurück zu den Cypherpunks und ihrem Interesse am Extropianismus.

Quelle: Crypto leaders are obsessed with life extension. Here’s why – Cointelegraph Magazine

„Der Transhumanismus strebt danach, den Tod zu überwinden, indem er fortschrittliche Technologie auf den Menschen anwendet. Krypto-Führer sind in der Regel jung, aber auch durch und durch gesättigt mit Technologie, die für die Transhumanismus-Bewegung attraktiv zu sein scheint, was eine interessante Überschneidung darstellt“. – Patrick M. Wood, Herausgeber „Technocracy News“

Anmerkung meinerseits: Im Artikel kommen glücklicherweise auch die großen Risiken dieser neuen Technologien zur Sprache – vor allem die Frage, wie man eine wahrhaft anarchistische Lösung gestalten könnte, also ohne autoritative, schlimmstenfalls totalitäre Strukturen. Ich erwähne dies deshalb, weil die Vision des Leiters des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, für die „Vierte Industrielle Revolution“ genau die Verschmelzung von Mensch und Maschine, von „digitalem Geist“ und Fleisch stark bewirbt, die auch in der transhumanistischen Bewegung gefeiert wird. Es wäre interessant, die Hintergründe der Wortführer und bekanntesten Exponenten dieser Bewegung zu untersuchen; jedenfalls würde es mich nicht überraschen, sollten dabei Verbindungen zu denjenigen Eliten und ihrem gut finanzierten, ausgedehnten institutionellen Netzwerk gefunden werden, die auch hinter der Agenda des „Großen Reset“, des „Build Back Better“ und eben der „Vierten Industriellen Revolution“ stehen.

Ich bin kein Technikfeind. Im Gegenteil. Ich arbeite täglich damit und kann mich für innovative Ideen und neue Erfindungen in den im Artikel angesprochenen Forschungsfeldern begeistern. Solange – wie bereits erwähnt – die Frage nicht geklärt ist, wie die angestrebten freiheitlichen Ziele verwirklicht und autoritäres oder totalitäres Potenzial eingedämmt oder gar ausgeschlossen werden kann, behalte ich natürlich meine kritische und skeptische Distanz. Auch die sogenannte „Singularität“, die im Artikel erwähnt wird, ist ein Langfrist-Projekt der „NWOliten“: eine globale künstliche Intelligenz („Allsehendes Auge“), an die alle Menschen angeschlossen sind und die eine panoptische Gesellschaft ermöglichen würde, in der alles und jeder kontrolliert und überwacht wird. Ganz zu schweigen von der wichtigsten Frage in diesem Zusammenhang, nämlich wie die – wie man gerade an der Covid-Plandemie ja sehr eindrucksvoll studieren kann – destruktiven Herrschaftsstrukturen der Gegenwart zu überwinden wären, um deren Existenz sehr viele Menschen ja noch nicht mal etwas wissen. Es sind ja „Verschwörungstheorien“ … ein Problem läßt sich aber nur dann effektiv lösen, wenn seine Ursachen gut genug bekannt sind.

Deshalb wirkt die Euphorie der „Extropier“ (zur Erklärung des Begriffs siehe den untenstehenden Artikel), zwar durchaus ansteckend auf mich, allerdings auch etwas überdreht und „simplizisstisch“ insofern, da sie sehr komplexe Themenfelder einfach durch einen unbedingten Glauben an die „Allheilkräfte“ eines quasireligiösen Techno-Futurismus lichten zu können hofft.

Drittens und letztens stellt sich mir die Frage, ob „Unsterblichkeit“ oder ein mehrere hundert oder gar tausende Jahre umspannendes Leben wirklich erstrebenswert ist. Einerseits steht nirgendwo festgeschrieben, in welche Richtung die menschliche Entwicklung zu verlaufen hat; andererseits wissen wir über uns selbst immer noch so wenig, daß ich mir die bange Frage stelle, ob ein solches „Herumspielen“ mit der Natur und ihren Kräften, von denen wir noch lange nicht genug verstehen – falls wir das überhaupt jemals werden – nicht dem Öffnen der berühmten Büchse der Pandora gleichkäme.


Ethereum-Mitbegründer Vitalik Buterin ist auf einer Mission, die Menschen unsterblich zu machen. Buterin, 27, vertritt die Idee, dass „Altern ein technisches Problem ist“.

Mit seinem kombinierten Interesse an Bitcoin und Biohacking ist er nicht allein. Der berühmte biomedizinische Alternsforscher Aubrey de Grey, der Xanadu-Architekt und Agoric-Chefwissenschaftler Mark Miller, der Bitcoin-Cash-Milliardär Roger Ver und der ehemalige Chief Technology Officer von „Coinbase“ und „a16z“-Hauptgesellschafter Balaji Srinivasan sind alle vom Streben nach Langlebigkeit fasziniert.

De Grey hat kürzlich ein dezentralisiertes Kollektiv beraten, das Langlebigkeitsforschung finanziert. Er sagt:

Ich freue mich seit den Anfängen der Blockchain über die enorme Fangemeinde, die ich und die Langlebigkeitsbewegung dort haben.

Miller ist nicht nur ein berühmter Ingenieur, sondern auch ein Senior Research Fellow des „Foresight Institute“, einer gemeinnützigen Organisation, die 1986 mit dem Ziel gegründet wurde, „Technologie zum langfristigen Nutzen des Lebens voranzutreiben“.

„Ich bin sehr stark in diese neue Welt des Kryptohandels involviert, die oft als Blockchain-Sektor bezeichnet wird“, sagt er. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass damit ein Ökosystem geschaffen wird, in dem sichere Software dominieren wird, denn unsichere Software führt schnell zu massiven Verlusten, ohne dass es Regressmöglichkeiten gibt.“

In seiner Twitter-Bio beschreibt Srinivasan seine Vision wie folgt: „Unveränderliches Geld, unendliche Grenzen, ewiges Leben. #Bitcoin.“ Srinivasan erklärt, dass „der ultimative Zweck der Technologie darin besteht, die Sterblichkeit zu beseitigen“ und dass „die Verlängerung des Lebens das Wichtigste ist, was wir erfinden können.“

Die Blockchain-Community ist eindeutig von der Langlebigkeit begeistert. Aber was hat Kryptowährung mit Lebensverlängerung zu tun, und wohin könnte diese Zukunft führen?

Es stellt sich heraus, dass die Verbindung zwischen Kryptowährungen und Kryogenik bis zum Kern der dazu Beitragenden und der Cypherpunks-Mailingliste und ihren Verbindungen zu transhumanistischen Gruppen zurückreicht, einschließlich der ersten Person, die Bitcoin mit Satoshi transaktiert hat – Hal Finney.

Krypto-Leute finanzieren Langlebigkeitsforschung

Krypto-Philanthropen spenden beträchtliches Vermögen für diesen Bereich, für den es normalerweise schwierig ist, Unterstützung von der breiten Masse zu bekommen. Sie sind vielleicht die einzigen Menschen auf dem Planeten, die optimistisch genug sind, um Technologien zu finanzieren, die derzeit nur in Science-Fiction-Romanen existieren.

Laut Buterin ist die Langlebigkeit ein Kampf, für den es sich zu kämpfen lohnt. Buterin spendete im Juni 2021 25 Millionen Dollar in SHIB-Kryptowährungstoken an das „Future of Life Institute“ und hat über 350.000 Dollar an die „SENS Research Foundation“ gespendet, um „das Altern neu zu erfinden“.

Er diskutierte das Thema in jüngsten Podcast-Interviews mit Leuten wie Lex Fridman und Tim Ferriss und sagte, dass „Lebensverlängerung definitiv sehr wichtig für mich ist.“

Ich hoffe, dass die Vorstellung, seine Eltern und Großeltern sterben zu sehen, langsam aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet, da es sich um eine Sache handelt, die im Laufe eines halben Jahrhunderts passiert.

Buterin hat betont, dass er an der moralischen Philosophie des effektiven Altruismus festhält. Dieser Wert, der Transhumanisten als moralische Dringlichkeit der Lebensrettung bekannt ist, ist vielleicht der Grund für seine Spenden von Dog Coins sowohl für die COVID-19-Hilfe in Indien als auch für die Lebensverlängerung.

„Selbst der Prozess des Alterns wird zu etwas, das umkehrbar ist, und Menschen können anderthalb oder zwei Jahrhunderte alt werden und sogar noch länger“, erklärt Buterin.

Auf Buterins Twitter-Seite findet sich ein Essay mit dem Titel „Die Fabel vom Drachentyrannen“ von Professor Nick Bostrom, dem Leiter des „Future of Humanity Institute“. Er argumentiert, dass es unethisch ist, den Tod im Alter zuzulassen. Wenn man das Altern als eine Krankheit betrachtet, macht die Dringlichkeit, das transhumanistische Projekt zu unterstützen, auch Sinn.

„Wir haben zwar noch keine wirksamen und akzeptablen Mittel zur Verlangsamung des Alterungsprozesses, aber wir können Forschungsrichtungen erkennen, die in absehbarer Zeit zur Entwicklung solcher Mittel führen könnten“, erklärt Bostrom. Der Schlüssel zur Befreiung der Menschheit vom Drachen, dem Tyrannen des Alterns, ist die Finanzierung. Die neuen Reichtümer aus Kryptowährungen sind der Schlüssel dazu.

Der Gründer von „Bitcoin.com“, Roger Ver, hat sich bereits angemeldet, um kryogenisch eingefroren zu werden. „Anstatt in Kryptowährungen zu investieren, möchte ich mich auf die Technologien zur extremen Lebensverlängerung konzentrieren, denn wenn man stirbt, kann man sein Leben nicht mehr genießen“, sagte Ver gegenüber „Cointelegraph“. Er ist so überzeugt von der Technologie, dass er 2002 sogar in Erwägung zog, sich kryogenisch einfrieren zu lassen – als legitime Alternative zum Gefängnisaufenthalt.

Auch DAOs beteiligen sich an dieser Lebensverlängerung. „Es gibt eine starke Überschneidung von Krypto-Leuten und Langlebigkeits-Leuten“, sagt Vincent Weisser, Kernteam-Mitglied bei „VitaDAO“ gegenüber „Cointelegraph“. „VitaDAO“ finanziert die Langlebigkeitsforschung und hat sein ursprüngliches Token-Raise-Finanzierungsziel von 490.000 US-Dollar im Juni 2021 überschritten.

Jetzt arbeiten sie mit der beliebten Blockchain-Crowd-Funding-Plattform „Gitcoin“ zusammen, um eine zukünftige Finanzierungskategorie für Langlebigkeit und Lebensverlängerung aufzunehmen.

Transhumanistische Philanthropie und Finanzierung in großem Maßstab haben das Potenzial, die Langlebigkeitsforschung und das transhumanistische Projekt erheblich zu beeinflussen.

Was ist Transhumanismus?

Transhumanismus ist eine lose definierte Bewegung, die sich für den Einsatz von Technologie zur Verbesserung der menschlichen Existenz einsetzt. Dazu gehören Informationstechnologie, Gentechnik und künstliche Intelligenz zur radikalen Verlängerung der menschlichen Lebensspanne, zur Steigerung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, zur Kolonisierung des Weltraums und zu superintelligenten Maschinen.

Das Ziel ist nicht nur die Verlängerung des Lebens, sondern „mehr“, bis hin zum Übermenschen. Obwohl das transhumanistische Streben nach Posthumanität oft als medizinisch betrachtet wird, umfasst das Spektrum der transhumanistischen Technologien auch die wirtschaftliche und soziale Gestaltung von Institutionen und die kulturelle Entwicklung.

Wie die Krypto-Gemeinschaften basiert auch der Transhumanismus auf einer Vision der Evolution und der individuellen Entscheidungsfreiheit. In der Praxis führt dies zu einem Gefühl der persönlichen Verantwortung, zu Lösungen beizutragen, wie z. B. Biohacking oder Vorkehrungen zu treffen, um kryogenisch eingefroren und eines Tages hoffentlich wiederbelebt zu werden. Das Ziel des transhumanistischen Gesellschaftsprojekts basiert auf der Freiheit bei der Festlegung sozialer Arrangements, die durch sich selbst generierende Systeme und spontane Ordnung ermöglicht werden. Diese Beschreibung immerwährender, offener Systeme ist der Blockchain ähnlich.

Nicht jeder hält das ewige Leben oder die Philosophie, die ihm zugrunde liegt, für eine gute Idee. Der politische Ökonom Francis Fukuyama bezeichnet den Transhumanismus als „die gefährlichste Idee der Welt“ und argumentiert, es handele sich um „eine seltsame libertäre Bewegung“, deren „Kreuzritter“ „nichts Geringeres wollen, als die menschliche Rasse von ihren biologischen Zwängen zu befreien.“ Er listet die Risiken auf, die sich aus dem Wunsch der Menschheit ergeben, ewig zu leben, die Auswirkungen auf die Gleichheit zwischen den „Besitzenden“ und den „Nichtbesitzenden“ und dass das Wesen der Menschheit die Sterblichkeit ist. Dennoch hat der Transhumanismus eine lange Geschichte in Krypto-Gemeinschaften.

Menschlicher als Menschsein

Transhumanistische Werte spiegeln sich in den ideologischen Grundlagen der Blockchain-Gemeinschaften wider: Anarchie und Autonomie, Selbstverbesserung und eine langfristige Denkweise.

Transhumanistische Ideen gibt es seit langem in den Technologiegemeinschaften, die den Grundgedanken der öffentlichen Blockchains entwickelt haben. So betrachtete sich beispielsweise der Kryptografie-Pionier Ralph Merkle (Erfinder der öffentlichen Schlüsselverteilung und der Merkle-Bäume) als Transhumanist und veröffentlichte unter anderem über „Die molekulare Reparatur des Gehirns“.

Darüber hinaus gab es einen regen Ideenaustausch zwischen der Mailingliste „Cypherpunks“, auf der in den 1990er und 2000er Jahren im Vorfeld der Erfindung von Bitcoin im Jahr 2008 Ideen zu Privatsphäre und digitalem Geld diskutiert wurden, und der Mailingliste „Extropian“.

Extropie ist „das Ausmaß der Intelligenz, Information, Ordnung, Vitalität und Verbesserungsfähigkeit eines Systems“. Laut den 1998 vom Präsidenten des „Extropy Institute“, Max Moore, veröffentlichten „Principles of Extropy“ sind Extropier „diejenigen, die danach streben, die Extropie zu erhöhen“. Die Kernprinzipien, die 2010 in „The Extropist Manifesto“ verfeinert wurden, sind „endlose eXtension“, d.h. immerwährendes Wachstum und Fortschritt in allen Aspekten menschlicher Bestrebungen; die Überwindung der Beschränkungen von Autoritarismus, Überwachung oder sozialer Kontrolle; die Überwindung von Eigentumsrechten, einschließlich geistigem Eigentum und Geld, durch das Teilen von Wissen, Kultur und Ressourcen; Intelligenz, einschließlich unabhängigem Denken und persönlicher Verantwortung; und intelligente Maschinen, insbesondere das Erreichen einer „freundlichen künstlichen Intelligenz“, die menschliche Fähigkeiten übersteigt, durch Finanzierung und günstige Gesetzgebung.

Extropier befürworten und erforschen die Philosophien des Transhumanismus (technologische Verbesserung), der Extropie (Verbesserung des menschlichen Zustands) und der Zukunft. Zahlreiche prominente Cypherpunks haben sich auch bei der „Extropian“-Mailingliste angemeldet, darunter die Mitbegründer der Cypherpunk-Bewegung, Timothy C. May und Eric Hughes.

Ein weiteres aktives Mitglied der Extropier war Hal Finney. Finney war Mitentwickler des ersten anonymen Remailers, die erste Person, die Bitcoin mit Satoshi transferierte und der erste Betreuer der Bitcoin-Codebasis. Er wurde kryogenisch eingefroren, als er starb – in der Hoffnung, in der Zukunft zu leben, zusammen mit seiner Frau Fran, die anmerkte, dass „Hal die Gegenwart mochte. Aber er blickte in die Zukunft.“ Für diese Gemeinschaft boten Technologien wie digitales Bargeld eine Möglichkeit, langfristig über die Zukunft der Menschheit, den Transhumanismus sowie über Lösungen und Vorbeugungsmaßnahmen für Kryogenik, den Weltraum und katastrophale ökologische oder gesellschaftliche Zusammenbrüche nachzudenken.

Das Interesse der Cypherpunks am Extropianismus und umgekehrt bestand darin, heute eine Infrastruktur aufzubauen, die die Zukunft der menschlichen Evolution sichern würde. In gewisser Weise macht dies Sinn.

Damit der kryogene Scheintod eines Menschen bezahlt, aufrechterhalten und rückgängig gemacht werden kann, um ihn in einer weit entfernten Zukunft aufzuwecken, in der die Wissenschaft so weit fortgeschritten ist, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, muss es einen Anreiz geben. Im Jahr 1994 berichtete das Magazin „Wired“ über 27 eingefrorene Menschen (technisch gesehen 17 eingefrorene Köpfe und 10 ganze Körper) bei der „Alcor Life Extension Foundation“, der gleichen Firma, bei der Roger Ver unterschrieben hat.

„Unsterblichkeit ist mathematisch, nicht mystisch“, erklärte Mike Perry, der Leiter der Stiftung. Die Hoffnung ist, dass Bitcoin ein belastbarer langfristiger Anreiz für jemanden sein wird, der Hal, Fran und andere Freunde aufweckt. Hierin liegt die Notwendigkeit einer langfristigen Blockchain-Infrastruktur, die als sichere monetäre Belohnung bis ins nächste Jahrhundert reicht, wenn das „Unfreezing“ möglich ist.

Zu den von Moore dargelegten Grundsätzen des Extropianismus gehört die „intelligente Technologie“, d. h. Technologien, die nützliche Ergebnisse bringen, darunter „Gentechnik, lebensverlängernde Biowissenschaften, Intelligenzverstärker, intelligentere Schnittstellen zu schnelleren Computern, Neural-Computer-Integration, weltweite Datennetze, virtuelle Realität, intelligente Agenten, schnelle elektronische Kommunikation, künstliche Intelligenz, Neurowissenschaften, neuronale Netze, künstliches Leben, Migration außerhalb des Planeten und molekulare Nanotechnologie“.

„Erwarten Sie im nächsten Jahrzehnt mehr Lebensverlängerung, Gehirn-Maschine-Schnittstellen, Regeneration von Gliedmaßen, Heilung von Taubheit, bionisches Sehen und weitere unglaubliche Leistungen“, so Srinivasan. Transhumanisten sagen eine unvermeidliche „Singularität“ voraus, wenn die Technologie intelligent, unkontrollierbar und unumkehrbar wird, was um 2035 der Fall sein soll. Die Blockchain ist Teil dieses Technologiebündels.

Wo sich Transhumanismus und Krypto überschneiden

Die hochfliegenden, futuristischen Ideen der Transhumanisten hängen von der Widerstandsfähigkeit und der digitalen Infrastruktur ab. Dies gilt insbesondere für das Ziel einer freundlichen künstlichen Intelligenz, die als Voraussetzung für eine rasche Entwicklung aller anderen Kernprinzipien des Projekts angesehen wird. Dank der Blockchain-Technologie und der Blockchain-Philanthropie verfügen wir allmählich über die Ressourcen, um dies zu erreichen.

Ein unveränderlicher „weltweiter Computer“ ermöglicht es einer dezentralisierten autonomen Organisation, unser hochgeladenes Gehirnbild automatisch mit einer freundlichen künstlichen Intelligenz auf dezentralisierte, freiheitsliebende Weise zu koordinieren.

Die Unveränderlichkeit der Blockchain macht sie zur perfekten langfristigen Infrastruktur. Die Cypherpunks waren paranoid hinsichtlich Orwellscher Dystopien, in denen die Behörden die Geschichte so umschreiben, dass sie der staatlichen Propaganda entspricht. Die architektonische und politische Dezentralisierung von öffentlichen Blockchains bedeutet, dass niemand die Aufzeichnungen der Geschichte manipulieren, kontrollieren oder löschen kann. Das macht sie zur perfekten Infrastruktur für die Aufzeichnung, wenn wir ewig leben wollen.

Dies ist von entscheidender Bedeutung, wenn es um Ihr Gehirnbild oder Ihr Bitcoin-Guthaben geht. Um zu dokumentieren, wem welche Münzen gehören, wenn Sie kryogenisch eingefroren werden und im nächsten Jahrhundert wieder aufwachen, brauchen Sie belastbare, langfristige und manipulationssichere Blockchains. Die Werte der Unabhängigkeit und Unveränderlichkeit sind sowohl für Krypto-Enthusiasten als auch für Transhumanisten von wesentlicher Bedeutung. Buterin erklärt:

Es ist toll, dass es Menschen gibt, die versuchen, Gehirnscans hochzuladen oder zu verbessern. Es ist auch großartig, dass es Leute gibt, die Kryonik einbeziehen, so dass wir einfach in der Gefriertruhe einschlafen können und schließlich, hoffentlich, irgendwann in der Zukunft […] jeder, der kryogenisch eingefroren wird, in der Lage sein wird, aufzuwachen.

Zukunft machen

Die Kombination aus transhumanistischer Philosophie, Blockchain-Technologie, Gemeinschaftsbesessenheit und Geld ermöglicht ganz neue Möglichkeiten. Die transhumanistische Blockchain-Vision ist, dass wir alle miteinander verbunden sein werden, Menschen und maschinelle Intelligenz, durch dezentralisierte, automatisch ausgeführte intelligente Verträge und Marktplätze.

Blockchains bieten eine Plattform-Infrastruktur, die eine Vielzahl technologisch fortschrittlicher Mensch-Maschine-Zukünfte ermöglicht. Ein Beispiel ist ein dezentraler Marktplatz für KI, wie „SingularityNET“ des Künstliche-Intelligenz-Forschers, Transhumanisten und CEO Ben Goertzel. Hier kaufen, verkaufen und tauschen intelligente Computeragenten über eine Blockchain Arbeit gegen digitale Token.

In „The Transhumanism Handbook“ prognostiziert Melanie Swan, dass „Krypto-Cloudminds“, in denen Mind-Node-Peers über Multicurrency-Zahlungskanäle mit digitalen Bezeichnungen interagieren, durch die Privatsphäre und Transparenz von Blockchains algorithmisch gutes Verhalten zwischen Menschen und Maschinen erzwingen werden. Laut Srinivasan könnte dies auch zu „Wolkenstädten“ führen, die es ihren Mitgliedern ermöglichen, mit anderen Gerichtsbarkeiten zu verhandeln und Crowdfunding in der physischen Welt zu betreiben.

Wie der Mensch befindet sich auch der Transhumanismus erst im Anfangsstadium seiner Entwicklung.

Mit seinem Fokus auf Übermenschen und Langlebigkeit anstelle eines Lebens nach dem Tod kann der Transhumanismus als so etwas wie ein religiöser Impuls betrachtet werden. Obwohl viele Transhumanisten ihre Weltanschauung als Gegensatz zu religiösen Lebensanschauungen betrachten, könnte der Transhumanismus zur Religion der Blockchainer werden. Doch diese Doktrin kommt nicht ohne eine klare Last der Verantwortung daher.

Die Verantwortung des Ingenieurs

Auch wenn manche den Transhumanismus fürchten, ist es doch ein zentraler Grundsatz, dafür zu sorgen, dass die Technologie positive Ergebnisse für die Menschheit hervorbringt. Transhumanisten treten dafür ein, dass die Entscheidung, die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern, beim Einzelnen liegt.

Ein Teil der Forschungsagenda zur Langlebigkeit besteht darin, herauszufinden, wie man die Risiken einer freundlichen künstlichen Intelligenz messen und sie wirklich freundlich gestalten kann, um eine Katastrophe zu vermeiden. Transhumanisten wollen das „X-Risiko“ vermeiden, d. h. das existenzielle Risiko für die Menschheit durch ein hypothetisches, globales, katastrophales zukünftiges Ereignis, das das menschliche Wohlbefinden beeinträchtigen oder die menschliche Zivilisation zerstören könnte. Deshalb ist die Kolonisierung des Weltraums, wie sie Elon [Musk, Anm. d. Übersetzers] und andere Krypto-Enthusiasten anstreben, so logisch. In den „Extropian Principles, v. 3.0“ von Max Moore aus dem Jahr 1998 wird dies betont: „Die Migration in den Weltraum wird die Energie und die Ressourcen, die unserer Zivilisation zur Verfügung stehen, immens vergrößern.“ Natürlich werden uns intelligente Maschinen auch bei der Erforschung des Weltraums helfen, da sie beim Eintritt in die Umlaufbahn anderer Planeten eine höhere Gravitationskraft aushalten können als Menschen.

Für einen Transhumanisten besteht das Ziel der Technologie darin, unsere Fähigkeiten zu erweitern und die menschlichen Freiheiten zu vergrößern. „Wie können wir sicherstellen, dass die Menschheit ewig lebt und sich das Leben im Universum ausbreitet?“, fragt Weisser von „VitaDAO“. „Es geht um Wahrscheinlichkeiten und darum, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Menschheit überlebt“, sagt er.

Eine langfristige Denkweise behandelt das Altern als ein technisches Problem. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Überschneidung von Blockchain-Philanthropie, VitaDAOs Forschungskollektiv und anderen dezentralen, transhumanistischen Bestrebungen vorsichtig und kollektiv mit der Art von „Langfristigkeit“ vorangetrieben wird, die der Menschheit zugute kommen wird. Wie Buterin sagt:

Ich hofffe, ihr könnt […] zu meiner tausendsten Geburtstagsparty kommen.

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