Markus Kralls Gespräch mit Oliver Janich: Wie man der libertären Szene schwersten Schaden zufügt
Über eine besorgniserregende Entwicklung, die sich im günstigsten Fall bald von selbst erledigt haben wird …
Vor einigen Tagen machte ein Gespräch zwischen Dr. Markus Krall und Oliver Janich zum Gaza-Krieg die Runde, das bislang – soweit mir bekannt ist – erstaunlich wenig Widerstände aus der libertären Szene hervorrief. Kurzer Prozess: Geht es so weiter, ohne dass solche Kapriolen die dringend nötigen Widerworte auf den Plan rufen, wird die libertäre Szene Deutschlands nicht nur weiterhin schwer geschädigt, sondern schlimmstenfalls ein sinkendes Schiff sein. Ich bin keineswegs zu „dramatisch“. So darf es nicht weitergehen. Es geht mir dabei nicht um den Inhalt des Gesprächs – dass Janich mal wieder seinen halbgebildeten Denkdung auskippte, versteht sich von selbst – sondern um etwas anderes:
Seit Jahren höre ich immer wieder von Libertären, man hätte es im staatsgläubigen und -treuen Deutschland sehr schwer, Fuß zu fassen. Man bekomme einfach kein Bein auf den Boden und schaffe es nicht, genügend Menschen zu überzeugen. Das ist zwar nicht falsch, aber meiner Erfahrung nach leidet die Szene oftmals unter einem Mangel an Konfliktfähigkeit und Widerstandsbereitschaft, wenn ihr – ob nun beabsichtigt oder nicht, lasse ich jetzt mal dahingestellt sein (ich tendiere allerdings stark zu ersterem …) – dadurch unnötigerweise schwer zugesetzt wird, äußerst fragwürdige Figuren, die weitaus mehr schaden als nützen, auch noch als regelrechte „Lichtgestalten“ oder, was noch schlimmer ist, dem Publikum fälschlicherweise als „führende Köpfe“ dieser Bewegung zu empfehlen.
Ich muss mich fragen, welcher Teufel Krall eigentlich geritten hat, ausgerechnet einen nicht nur grenzwertigen, sondern längst jenseits aller Grenzen des Akzeptablen und Zumutbaren agierenden Produzenten für alternative Düngemittel wie Oliver Janich zu konsultieren – als hätte der deutsche Libertarismus nicht mehr zu bieten, als gäbe es in Deutschland keine viel vernünftigeren, gebildeteren, fachlich kompetenteren Vertreter dieser politischen Philosophie. Als positives Gegenbeispiel, wie man es richtig macht und Seriosität aufbaut: Es hat mich sehr gefreut, dass bei der diesjährigen Verleihung des Roland Baader-Preises ein besonnener, kluger Kopf wie Rahim Taghizadegan ausgezeichnet wurde.
Für alle, die mit dem Namen vielleicht noch nicht vertraut sind oder seine Arbeit nicht kennen: Oliver Janich hatte sich als Sachbuchautor mit seinen Büchern „Das Kapitalismus-Komplott“ sowie „Die Vereinigten Staaten von Europa“ eine gewisse Glaubwürdigkeit aufgebaut.
Die er in den Folgejahren und bis heute allerdings restlos und vollständig zerstörte. Heute gehört Janich leider nur noch zu den größten Produzenten von Stuss, Schund und vor allem Desinformationen in den deutschen Alternativmedien bzw. unter den „Libertären“. Keine aus den USA angelieferte politische Propaganda ist zu platt, keine „Disinfo“ zu doof, als dass Janich sie nicht sofort seinen „Followern“ andienen und fleißig verbreiten würde. Er handelt mittlerweile völlig verantwortungslos. Begriffe wie „Qualitätskontrolle“ oder „Quellenprüfung“ scheinen ihm völlig entfallen zu sein. Eine Handvoll Beispiele genügt völlig.
Er beteiligte sich ohne jede Hintergrundrecherche – zu der gerade er eigentlich fähig sein sollte – an der geheimdienstlich gesteuerten „QAnon“-PsyOp. Er geriet völlig aus dem Häuschen und tunkte Donald Trump in Weihwasser, als dieser die Präsidentschaftswahl 2016 gewann. Keine Spur von kritischer Distanz: Stattdessen wiederholte Janich über ein Jahr lang (!) die scheinheilige, verlogene Frage, wann sie denn nun endlich losgingen, die „Massenverhaftungen“ der „Bösen“ („Drain the Swamp!“). Das allein war schon kindisch genug. Dass er dabei ständig – wie es generell seine Art ist – darauf hinweist, es könne alles auch falsch sein, ist kein Trost: Sprüche wie „Könnte sein, könnte auch nicht sein“ sind nicht mehr als eine denkbar faule Flucht aus der Verantwortung und vor allem vor seriösem Arbeiten.
Er verblüffte und revolutionierte die Welt der Wissenschaft mit der fachlich fundierten Aussage, Zitat: „Evolution ist Quatsch“. Und erst kürzlich ging er auch noch mit „interdimensionalen Aliens“ hausieren, indem er einen Beitrag der Ulknudel bzw. des „Nutzdeppen“ Tucker Carlson teilte. Dieser hatte eine vermeintliche „Whistleblowerin“ des US-Militärs interviewt, die – wie es seit Jahren regelmäßig geschieht – auftragsgemäß Schwachfug verbreitete, um die „Truther“-Szene in Verruf zu bringen (woran diese selber leider alles andere als unschuldig ist, da es in ihr genug „I want to believe“-Dussel gibt, die sowas natürlich sofort für bare Münze nehmen und wie einen Kuhfladen breittreten).
Zitat Janich auf Telegram: „In meinem Buch erkläre ich, was Aliens sind“. Eine bemerkenswerte Leistung, für die ihm der Nobelpreis für Exobiologie sicher sein dürfte. Sowas erinnert stark an den wohl berühmtesten Witz über die Bild-Zeitung: „Astronauten auf dem Mond – Bild war schon vorher dort und sammelte erste Eindrücke“.
Er bezog sich dabei auf sein jüngstes Machwerk „Das offene Geheimnis“ – das Buch ist dermaßen schlecht und enthält so viele Fußnoten zu unseriösen Quellen, dass ihm naturgemäß nichts anderes übrigblieb, als es von anderen brillanten „Aufklärern“ bewerben zu lassen wie z.B. dem Kreml-Agitprop-Superspreader Jürgen Elsässer, mit dem er ohnehin auf Du und Du ist. Elsässer ist ein geistig unreifer, ideologisch verbohrter Fanatiker, der in Russland unter Putin ein regelrechtes Elfenreich erblickt, wohingegen bei ihm natürlich immer nur „der Westen“ an allem schuld ist. Solche Däumchenlutscher-Weltbilder sind es, die Leute wie Elsässer, ein Thomas „Röputin“ Röper oder der bis in die Haarspitzen selbstvernarrte Plappermaulheld Kayvan Soufi-Siavash (ehem. Ken Jebsen) ständig verbreiten. Insofern passt es wie die Faust aufs Auge, wenn sowohl Elsässer als auch Siavash natürlich keinerlei Probleme haben, nicht die geringsten, mit einem Kindskopf wie Janich in dasselbe Boot zu steigen. Da haben sich die Goldrichtigen gefunden.
Von qualitativ längst gründlich abgewirtschafteten Portalen wie „NuoViso“ fange ich erst gar nicht an; dass einem Frank Höfer und Robert Stein natürlich auch nichts Geistreicheres mehr einfällt, als ihrem Publikum einen Janich zu empfehlen – geschenkt, die haben eh fertig.
Wie dem auch sei: Kein Wunder, dass Janich für sein jüngstes Lachwerk keine seriöse Unterstützung fand, denn kein Mensch, der halbwegs bei Trost ist, würde solchen blanken Unsinn auch noch weiterempfehlen. Der KOPP-Verlag, in dem diese Albernheit verlegt wird, bewirbt das Buch ohne jeden Anflug peinlicher Berührtheit mit den Worten: „Dieses Buch enthält die Geheimnisse, mit denen die Menschheit die Bruderschaft des allsehenden Auges besiegen kann.“ Na dann is‘ ja alles supergut, ne.
Janich bezog sich regelmäßig – und tut es heute noch – auf das U-Boot Alex Jones, einen mit Amphetaminen und Koks zugedröhnten Desinformanten, der mit dem „Council on National Policy“ (CNP) zusammenhängt – der Think Tank steuert seit Jahren die sogenannte „neurechte Szene“ in den USA und gibt ihr die (irreführenden) Narrative vor. Er teilt unentwegt „Beiträge“ der besonders blonden Eva Hermann, die nicht mehr zustande kriegt, als ellenlange Zitate aus Artikeln der Mainstreampresse per Copy & Paste in ihren Telegramkanal zu klatschen und das dann als „alternativen Journalismus“ feilzubieten. Er teilt regelmäßig Beiträge des Gatekeepers und Erkenntnisbremsers Henning Rosenbusch; des fachlich unbeleckten Stefan Schubert; des künstlich zum „Meinungsführer“ aufgebauten Limited Hangouts und Desinformanten Stefan Magnet (AUF1).
Und so geht es bei ihm in einem fort – eine endlose Reihe qualitativen Elends.
Es gibt nun wirklich keinen Grund mehr, keinen einzigen, sich zurückzuhalten oder in falscher Diplomatie zu üben: Janich betätigt sich seit Jahren als extremer Niveaudrücker.
Hat Krall denn im Vorfeld nicht recherchiert? Ein kurzer Blick in Janichs Telegram-Affenzirkus hätte völlig genügt, um ensetzt gleich rückwärts wieder rauszupurzeln. Ein besonderes Schmankerl noch: Als das (angebliche) Attentat auf Donald Trump fehlschlug, futterte sich Janich in gewohnter Manier ein paar Wikipedia-Wissensfetzen über Bewusstseinsforschung an und argumentierte dann allen Ernstes, der Anschlag sei dadurch vereitelt worden, dass „das Bewusstsein“ von Trumps Fans sich „geändert“ habe – und somit auch die physikalische Realität. Welcher landwirtschaftliche Betrieb erbarmt sich, diesen Riesenhaufen auf seinen Äckern zu verteilen?
Solange solche Gestalten auch noch hofiert (!) und quasi als „Fachleute“ zitiert werden, braucht sich kein Libertärer in diesem Land zu wundern und zu beschweren, sollte er sich Sprüche anhören müssen wie „Ah, du bist Libertärer. Du gehörst also zu diesen Spinnern wie Janich?“. Genau das kam nämlich schon öfter vor. Oh Wunder.
Ich habe meine Meinung dazu ja schon in zurückliegenden Artikeln deutlich gemacht: Als Libertärer will ich mit dem boshaften, verlogenen, charakterlich verlotterten Milieu eines Janich und seiner Desinformanten-Meschpoke („Zitierkartell“), die ihr Unwesen vor allem auf Telegram treibt und auch nicht umsonst schon seit geraumer Zeit mit schier bösartiger Energie versucht, ihre Mitmenschen in die „X“-Falle des Obertechnokraten Elon Musk zu locken, also Musks Reichweitenbeschränkungsportal – wohlwissend, dass ihre Kritiker dort algorithmisch in die Unsichtbarkeit gefiltert werden können – in keinster Weise in Verbindung gebracht werden – noch nicht mal auf hundert Lichtjahre Entfernung.
Es ist wahrlich nicht nötig, dem Libertarismus dadurch eine Clownsfratze aufzusetzen, solche Chefstusser auch noch hoffähig machen zu wollen. Ich lasse es wie gesagt dahingestellt sein, wie „echt“ ein Dr. Markus Krall ist. Ich weiß nur eins, aber das dafür absolut sicher: Es gibt in der libertären Szene bereits genug Maulwürfe. Jedenfalls ist es doch sehr merkwürdig, wenn ein promovierter Kopf (!) sich auf das „Niveau“ eines Janich begibt. Ich kenne in meinem privaten Umfeld jedenfalls niemanden, der über diesen Halodri nicht lachen würde.
Eine gute Nachricht gibt es zum Schluß allerdings auch, sogar eine sehr gute: Das Problem wird sich in absehbarer Zeit sowieso erledigt haben, ganz von selbst. Denn wie gesagt: Kein Mensch oberhalb eines gewissen Bildungs- und Intelligenzniveaus nimmt diesen Experten für transdimensionalen Truther-Trash noch ernst.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich selber soweit diskreditiert haben wird, dass selbst der Allerdümmste lachend abwinkt, wenn er den Namen Janich hört.