Gegendarstellung: Ist Reiner Fuellmich (k)ein Held des Widerstands?
Da ich erst kürzlich den Artikel „Dr. Reiner Fuellmich: Ein verfolgter Held des Widerstands“ von Bert Olivier präsentiert hatte, verlinke ich gerne auf vier Artikel des Blogs von Dr. Uwe Alschner, „Alschner.Klartext“. Er hatte sich die Mühe gemacht, viele Informationen zusammenzutragen, die ein in Teilen anderes Bild von Fuellmich liefern. Da ich immer an Gegendarstellungen interessiert bin, die ausgewogenere, vollständigere Bilder zeichnen können, danke ich Leser S. Kunze herzlich dafür, mich darauf aufmerksam gemacht zu haben.
Fuellmich sagt, er habe nicht gewusst, was Scientology ist
Im Visier von Scientology: Fuellmich, eine Aktivistin und die Gerichte
Das “Opfer” Reiner Fuellmich und die “Macht um Acht“
Landgericht Hamburg bestätigt Rechtmäßigkeit von im ZDF über Reiner Fuellmich getätigten Äusserungen
Auszüge:
„Es mag rein zufällig sein, dass Reiner Fuellmich (der zweifellos hervorragende Arbeit geleistet und dazu beigetragen hat, Verbrechen gegen die Menschen in der Welt anzuprangern) in Situationen, in denen eine echte Führungsperson versuchen würde, die Dinge zu beruhigen, auf persönliche Angriffe zurückgreift. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass dies in verblüffender Weise dem ähnelt, was Gerichte in Konflikten festgestellt haben, in die Reiner Fuellmich in den 1990er Jahren verwickelt war:
‚dass sich Dr. Fuellmich (…) eben jener Strategie bediente, wie sie auch von der Scientology-Organisation eingesetzt wurde.‘
– Landgericht Hamburg Aktenzeichen 324 0 510/99„
„Die Debatte um Reiner Fuellmich ist in eine neue Phase getreten. Nach der Osterpause ist im Göttinger Gerichtssaal und in der Öffentlichkeit ein ‚Dossier‘ bekannt gemacht worden, welches Reiner Fuellmich als das Opfer staatlicher Überwachung darstellt. In dem Zusammenhang sei daran gearbeitet worden, ihm das passive Wahlrecht durch ein hohes Strafmaß zu nehmen. Es erschienen zudem mehrere längere Beiträge in gleicher Richtung, die ’staatliche Willkür‘ gegen Fuellmich anprangern und seine ‚Verfolgung‘. Kaum jemand interessiert sich für die Frage, wie es zu dieser Situation kommen konnte, und was der diesbezügliche Beitrag Reiner Fuellmichs war.
Das überrascht insofern, als der Einsatz für Transparenz und demokratische Rechenschaft, an denen es staatliche Stellen während der ‚Pandemie‘ (und offensichtlich schon sehr viel länger davor) so krass haben mangeln lassen, jene, die sich berufen fühlen, den ‚Kampf‘ zu führen, zu besonderem Vorbild ermahnt. Finanzielle Intransparenz und Unaufrichtigkeit in öffentlichen Erklärungen über die eigene Vergangenheit sind alles andere Tugenden, die zu hohen Ämtern befähigen oder gar berechtigen.
In dieser Hinsicht hat Reiner Fuellmich zunehmend mit Glaubwürdigkeitsproblemen zu kämpfen, da ihn seine Vergangenheit als Anwalt, der unliebsame Kritiker mächtiger Organisationen mit ’schwarzer Propaganda‘ überzog, nun einzuholen scheint. Dabei handelt es sich nicht um ‚olle Kamellen‘, die für heute keine Relevanz mehr haben, sondern um wachsende Zweifel, wem Reiner Fuellmich seinerzeit tatsächlich gedient hat, als er nach eigener Aussage als ‚Verbraucheranwalt‘ gegen Banken und große Konzerne vor Gericht zog.
Es geht hierbei keinesfalls darum, zu leugnen, dass er solche Aktivitäten betrieb. Auch nicht, dass dabei nicht von Fuellmich auch durchaus ‚Erfolge für Kleinanleger‘ verzeichnet wurden. Es geht vielmehr um eine genaue Analyse der Hintergründe. Beispielsweise der Frage, warum Fuellmich vorzugsweise solche ‚zweifelhaften Finanzmakler‘ angriff, die sich erfolgreich gegen die Unterwanderung durch Scientology widersetzt hatten, aber keine tatsächlichen scientologischen Finanzmakler (von denen es in den 1990er Jahren vor allem in den neuen Bundesländern zahlreiche gab)? Oder welche Banken er angriff, und welche nicht.
Dahinter steht die Frage: Cui bono? Und es steht die Frage dahinter, ob sein Wirken, welches damals maßgeblich mit dazu beitrug, dass sich die Szene der Kritiker (damals gegen Scientology) heillos zerstritt, irgendwie heute wiederfindet? Gerade in dieser Hinsicht ist es auffallend, dass es immer wieder Reiner Fuellmich war, der in seinen Formulierungen persönlich verletzend gegen Gegner wurde. Dass sich ein angeschlagener Ton in einer homogenen Umgebung (hier der Fangemeinde von Reiner Fuellmich, die neben einigen Agents Provocateurs sehr viele Menschen umfasst, die (noch) echte Dankbarkeit für Fuellmichs Arbeit empfinden). Diese war ja auch in weiten Teilen im und außerhalb des Corona-Ausschusses durchaus erfolgreich und wichtig. Doch auch hier gilt die Gesamtschau. Wem nützte es?“