Was tun? – ESC
Quelle: (14) What Is to Be Done? – by esc
Wladimir Lenin veröffentlichte 1902 „Was tun?“1 – den operativen Bauplan für die bolschewistische Revolution.
Üblicherweise wird diese Schrift als politische Theorie gelesen. Tatsächlich ist es jedoch aufschlussreicher, sie als Beschreibung dessen zu lesen, wie man eine Bevölkerung von passiver Unzufriedenheit zur aktiven Revolution führt – ohne dass diese Bevölkerung versteht, wohin sie letztlich gelenkt wird.
Und dieses Wissen ist in der heutigen aufgeheizten Lage von großer Bedeutung.

Um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert waren Streiks in Russland an der Tagesordnung, und die Unzufriedenheit war weit verbreitet2. Lenin argumentierte, dass all dies für sich genommen nicht ausreiche, weil die Arbeiter lediglich ein »gewerkschaftliches Bewusstsein«3 entwickeln könnten. Sie konnten spüren, dass die Verhältnisse schlecht waren, und sich vor Ort aufgrund ihrer Missstände organisieren. Doch letztlich begriffen sie weder, warum die Verhältnisse schlecht waren, noch konnten sie bestimmen, was dagegen zu tun sei.
Lenin behauptete nicht, die Arbeiter seien dumm. Vielmehr stellte er fest, dass die »richtige« Analyse nicht von selbst entsteht – sie muss von Menschen eingebracht werden, die bereits zum »richtigen« Deutungsrahmen gelangt sind: von der Avantgarde.
Die Aufgabe der Avantgarde besteht darin, die Unzufriedenheit durch die »richtige« Brille zu deuten und die Bevölkerung zur gewünschten Schlussfolgerung zu führen. Für Lenin konnte das revolutionäre Bewusstsein »nur von außen hineingetragen werden«; die Arbeiter liefern die Energie, die Avantgarde gibt die Richtung vor.
Wenn die Avantgarde die Massen jedoch zum »richtigen« Bewusstsein führen soll, müsste sie sie logischerweise auch vor dessen »falschen« Formen schützen – denn diese würden anderswohin führen als zum »richtigen« Ziel. Zu diesem Zweck benannte Lenin einen Typus von Oppositionsführern, die er »Ökonomisten« nannte und die die Menschen durch »falsche« Handlungsempfehlungen in nichtrevolutionäre Richtungen lenken.
Die Ökonomisten sind schlimmer als offene Feinde, weil sie den Raum besetzen, in dem sich revolutionäres Bewusstsein entwickeln sollte; sie saugen die Unzufriedenen auf und verhindern dadurch eine tatsächliche Umgestaltung.

Diese Ökonomisten zu bekämpfen, ist daher eine vorrangige operative Aufgabe4. Lenin argumentiert, die »dringendste Aufgabe« bestehe nicht darin, die Arbeiter zu organisieren, sondern darin, »die Spontaneität zu bekämpfen«: zu verhindern, dass Bewegungen einen nichtrevolutionären Charakter annehmen. Die »Ökonomisten« müssen identifiziert, diskreditiert und durch Menschen ersetzt werden, die die »richtige« Analyse vertreten.
Dafür ist eine bestimmte Organisationsstruktur erforderlich. Lenin befürwortet eine zentralisierte Partei von Berufsrevolutionären anstelle einer breiten, demokratischen Massenbewegung. Die Partei vertritt die Arbeiter nicht – sie führt sie, weil sie über das Bewusstsein verfügt, das die Arbeiter nicht aus eigener Kraft entwickeln können. Die Partei weiß, wohin die Bewegung gehen muss; die Arbeiter liefern die Kraft, um dorthin zu gelangen.
Lenin befasst sich auch mit der Tatsache, dass das Endziel – die Diktatur des Proletariats – genau jene Menschen beunruhigen würde, die die Bewegung gewinnen will. Man sagt den Arbeitern auf Stufe eins nicht, was Stufe fünf verlangt. Auf Stufe eins bestätigt man die Berechtigung ihrer Unzufriedenheit. Auf Stufe zwei liefert man die analytische Perspektive. Auf Stufe drei benennt man den Feind. Auf Stufe vier verordnet man Widerstand. Stufe fünf kommt, wenn die organisatorische Infrastruktur bereits vorhanden ist und die Bevölkerung bis an die Schwelle geführt wurde – einen behutsamen Schritt nach dem anderen.
Jeder Schritt für sich genommen erscheint vernünftig; das Ziel ist nur von oben aus erkennbar.

David A. Hughes ist Senior Lecturer an der University of Lincoln5 und hat Abschlüsse in Germanistik und Internationalen Beziehungen – nicht in Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen oder Systemarchitektur. Seit 2020 veröffentlicht er über das, was er als globalen Klassenkrieg beschreibt – die zentrale These des Marxismus6 –, geführt von einer transnationalen herrschenden Klasse mittels Technokratie, psychologischer Operationen und dessen, was er »Omniwar«7 nennt.

Der erste Band seines zweibändigen Werkes „»Covid-19«, Psychological Operations, and the War for Technocracy“8 erschien 2024. Er betreibt einen aktiven Substack, organisiert über die „Study Group on Technology and Power“9 regelmäßig Symposien und hat ein Erklärungsmodell entwickelt: »Drei Lager des Bewusstseins«.
Die Übereinstimmung zwischen Hughes’ Lagern und Lenins Vorgaben von 1902 ist beträchtlich.
Lenin unterteilt die Bevölkerung in jene ohne Bewusstsein (die Massen), jene mit falschem Bewusstsein (die Ökonomisten) und jene mit richtigem Bewusstsein (die Avantgarde). Hughes unterteilt die Bevölkerung in jene, die die Narrative des Mainstreams unkritisch übernehmen (Lager 1), jene, die sie durchschauen, aber in einem »Auffangbecken« kontrollierter alternativer Medien gefangen sind (Lager 2), und aufrichtige Wahrheitssucher, die mithilfe der richtigen Methode nach echter Erkenntnis streben (Lager 3).
Die Einteilung ist identisch, und das Zuordnungskriterium ist dasselbe: die »richtige« Analysemethode, nicht eine bestimmte politische Position.
Lenins vorrangiges operatives Anliegen ist die Bekämpfung der Ökonomisten. Hughes’ wichtigstes operatives Erzeugnis ist ein umfangreicher Leitfaden zu Lager 210 – ein Katalog von Indikatoren, mit deren Hilfe sich falsche Führungsfiguren in den alternativen Medien erkennen lassen sollen: finanzielle Warnsignale, Nähe zu Machtstrukturen, abgestimmte Botschaften, denkblockierende Floskeln und die »Verschleierung der Klassenverhältnisse durch Berufung auf Außerirdische oder die Erklärung ethnischer Gruppen zu Sündenböcken«. Jeder, dessen Analyse sich nicht auf den Klassenkonflikt reduzieren lässt, gehört nach den Kriterien dieses Modells zu Lager 2.
Die Ökonomisten haben ein neues Etikett bekommen, doch die Funktion bleibt dieselbe: Sie müssen diskreditiert werden, damit die richtig geführte Bewegung diesen Raum besetzen kann.

Hughes’ Modell setzt eine identische Struktur voraus. Lager 1 fehlen die notwendigen Werkzeuge, um Propaganda zu erkennen und infrage zu stellen. Der Weg von Lager 1 über Lager 2 zu Lager 3 erfordert Führung, und das Drei-Lager-Modell selbst ist das Werkzeug, das diese Führung leistet: Es ordnet die Bevölkerung ein, weist den richtigen Weg und warnt vor den Abwegen.
Lenin befürwortet eine kleine, disziplinierte, zentralisierte Organisation anstelle einer breiten demokratischen Bewegung: die Avantgarde. Hughes agiert über die „Study Group on Technology and Power“; einen Studienzirkel mit rechtlicher Infrastruktur – genau das, was Lenin vorgab. Ob sich die Mitwirkenden dessen bewusst sind, ist eine andere Frage.
Lenins schrittweise Methode – die Berechtigung der Unzufriedenheit bestätigen, den Deutungsrahmen liefern, den Feind benennen, Widerstand verordnen, das Endziel niemals vorzeitig offenlegen – lässt sich präzise auf Hughes’ Veröffentlichungen übertragen. Die Reden und Bücher beginnen mit einer ausführlichen Diagnose, gehen zur marxistischen Klassenanalyse über (die als einzige unverschleierte Perspektive präsentiert wird), benennen den Feind (die transnationale herrschende Klasse und ihre Helfer aus Lager 2) und münden in abstrakte Empfehlungen für den Widerstand (»Finde heraus, wo du etwas bewirken kannst«, lehne smarte Technologie ab, pflege das Göttliche). Was sie niemals im Einzelnen darlegen, ist, was an die Stelle des gegenwärtigen Systems treten soll. Das Endziel fehlt – genau so, wie es Lenins Methode verlangt.
Lenin hält fest, dass sich die Avantgarde vor Vereinnahmung schützen muss11 – davor, Mitglieder wieder an das falsche Bewusstsein zu verlieren. Hughes hält fest, dass Menschen sich »zwischen den Lagern vor- und zurückbewegen können, einschließlich einer erneuten Vereinnahmung aus Lager 3 zurück in Lager 2«. Das Problem ist dasselbe. Die Sprache übrigens auch.
Ob diese Übereinstimmung beabsichtigt ist oder nicht, ist eine Frage, die das Modell Lager 3 nicht einmal zu stellen erlaubt – denn schon die Frage wäre eine Verschleierung der Klassenverhältnisse, und das ist definitionsgemäß ein Indikator für Lager 2.

In einem Interview mit Chuck Fall am 26. September 202612 machte Hughes die Übereinstimmung noch deutlicher. Er erklärte, »die Grundlagen des Marxismus sind stichhaltig«, bei seinem Ansatz gehe es »ganz wesentlich um den klassischen Marxismus«, und spätere Entwicklungen seien »im Wesentlichen Verballhornungen oder Verfälschungen des Marxismus« gewesen.
Aus kapitalistischer Sicht, so argumentierte er, sei der Marxismus »die eine Form des Wissens, über die die Menschen auf keinen Fall verfügen sollen«.

Diese Aussage ist aufschlussreich, vor allem durch das, was sie verbirgt. Hughes stellt sich als Purist dar – als Verteidiger des klassischen Marx gegen die »Verzerrungen« späterer Anwender. Doch der Vermittlungsmechanismus, den er einsetzt, ist derjenige Lenins. Die Drei-Lager-Einteilung ist Lenins Bewusstseinshierarchie, der Leitfaden zu Lager 2 dessen Handbuch zur Säuberung von Ökonomisten, die Study Group dessen Avantgardezelle und das schrittweise Vorenthalten des Ziels dessen Stufenarchitektur.
Er verkauft Marx über Lenins Vertriebssystem, während er die leninistische Tradition als Verfälschung des Produkts bezeichnet, das er vertreibt. In jeder ingenieurwissenschaftlichen Disziplin lautet das Wort dafür nicht Widersprüchlichkeit – es lautet Verschleierung.
Hughes’ »Omniwar«13 – ein globaler Klassenkrieg, der in sämtlichen menschlichen Lebensbereichen geführt wird – hat seine eigene Traditionslinie. Alexander Bogdanow, Lenins früher Rivale und Mitstreiter, vertrat die Auffassung, jeder Bereich menschlicher Erfahrung solle zum Schlachtfeld werden14.

Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule15 machte daraus schließlich eine Waffe, indem sie den politischen Kampf auf Kultur, Sprache, Psychologie und Erkenntnistheorie ausdehnte. Hughes’ »Omniwar«-Modell ist eine jüngere Erscheinungsform davon.
Die Entwicklungslinie führt von Bogdanow über die Frankfurter Schule zu Hughes; jede Station erweitert das Schlachtfeld, während der marxistische Analysekern erhalten bleibt.


Hinzu kommt die Frage, wer entscheidet. Wenn Lager 3 durch das richtige Bewusstsein definiert wird, beurteilt von jenen, die bereits behaupten, darüber zu verfügen, ist das Zuordnungskriterium selbstbezüglich. Jedes Mitglied, das den Schlussfolgerungen des Modells widerspricht, kann Lager 2 zugeordnet werden, und jede Gruppierung, die eine eigene Lesart der richtigen Analyse entwickelt, kann als unzureichend bewusst abgetan werden. Lenin löste dieses Problem durch Parteidisziplin und Säuberungen – eine zentralisierte Autorität, die endgültig darüber entschied, wer dazugehörte und wer nicht. Hughes hat seinen entsprechenden Mechanismus nicht benannt. Das bedeutet entweder, dass die Bewegung über keinen Schutz gegen Zersplitterung verfügt, oder – wahrscheinlicher –, dass der Mechanismus existiert, aber noch nicht offengelegt wurde.
Es gibt eine Frage, die das Modell niemals beantwortet, und dieses Auslassen hat eine tragende Funktion. Wenn Lager 3 gewinnt – wenn die transnationale herrschende Klasse identifiziert, bekämpft und besiegt wird –, was tritt dann an die Stelle des gegenwärtigen Systems? Hughes verordnet Widerstand im Abstrakten. Er legt niemals dar, wer danach regiert, mithilfe welcher Infrastrukturen und unter welchen Machtbeschränkungen.
Darin spiegelt sich die Leerstelle wider, die Marx und Engels hinterlassen haben. Die Diktatur des Proletariats sollte »absterben«, doch keiner der beiden Autoren erklärte jemals, wie ein zentralisierter Apparat totaler Kontrolle sich freiwillig selbst auflöst.
Auf diese Frage gibt es in der marxistischen Literatur keine befriedigende Antwort – nicht, weil sie übersehen worden wäre, sondern weil eine ehrliche Antwort das Ziel offenlegen würde. Eine Diktatur, die mit der von ihr übernommenen Infrastruktur verschmolzen ist, »stirbt« nicht »ab« – sie wird zur Infrastruktur.
Das Ziel wird in Marx’ eigenem Werk angedeutet.
In den Grundrissen (1857–58) beschreibt sein »Maschinenfragment«16 die Entwicklungslinie: Mit der Entwicklung der Maschinerie nimmt diese das in sich auf, was Marx als »general intellect« bezeichnet. Diese Maschine wird zur vorherrschenden Produktivkraft; menschliche Arbeit reduziert sich darauf, einen Apparat zu bedienen und zu überwachen, der zunehmend von selbst läuft. Marx stellt dies nicht als Warnung dar, sondern als dialektische Bewegung des Kapitals auf seine eigene Aufhebung hin. Aus heutiger Sicht gelesen, beschreibt die Passage künstliche Intelligenz – allgemeines Wissen, das von der Maschine aufgenommen wird; die Maschine, die autonom wird; der Arbeiter, der untergeordnet wird. Hughes warnt vor Technokratie und empfiehlt zugleich das Denkmodell, dessen Urheber die Technokratie als Ziel ebenjenes Prozesses beschrieb, den er analysierte.
Lenin ergänzte die operativen Einzelheiten17. In „Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten?“18 legte er dar, dass die Großbanken »das Gerippe der sozialistischen Gesellschaft« seien – sie sollten nicht abgeschafft, sondern übernommen werden. Eine einzige Staatsbank würde »eine gesamtstaatliche Buchführung, eine gesamtstaatliche Rechnungsführung über die Produktion und Verteilung der Produkte« gewährleisten. Sein Begriff für diesen Mechanismus lautet »Rechnungsführung und Kontrolle«: die zentralisierte Überwachung und Prüfung sämtlicher materieller und wirtschaftlicher Ströme, abgewickelt über die übernommenen Institutionen.

Auf diese Weise »stirbt« die Diktatur in die Infrastruktur hinein »ab«, und was daraus entsteht, ist ein technokratischer Apparat – die zentralisierte Kontrolle aller Ströme durch ein System der Überwachung und Prüfung.
Hughes benennt die Technokratie als Feind und empfiehlt zugleich das Denkmodell, dessen Endzustand Technokratie ist. Der einzige Unterschied zwischen seiner Diagnose und seinem Rezept besteht darin, wer die Kontrolle hat – wenn überhaupt.
Wie sich zeigt, hat dieses Muster einen Vorläufer. Die Freedom-Academy-Gesetzentwürfe von 1959 bis 1965 schlugen vor, die sowjetische ideologische Infrastruktur zu bekämpfen … indem man eine westliche Nachbildung davon errichtete – also die Architektur des Gegners unter einer anderen Flagge importierte. Das Problem bleibt dasselbe: Man kann kein Spiegelbild eines alles vereinnahmenden Systems errichten, ohne selbst zu einem solchen zu werden.
Doch diese Vorlage findet sich nicht nur bei Hughes.
„Game B“ arbeitet unter anderem Namen mit derselben Architektur: eine nach ihrem Bewusstsein für die »Metakrise« sortierte Bevölkerung, ein eng geschlossener Kern, der über die richtige Analyse verfügt; abstrakte Empfehlungen für eine »Zivilisation, in der alle gewinnen«, die niemals näher bestimmt wird; und ein Endziel, das sich – sobald es sichtbar wird – als KI-gesteuerte Koordination über zentrale Informationsvermittlungsstellen erweist.
Das Vokabular ist ein anderes, doch die Struktur ist identisch. Und der Endpunkt ist – einmal mehr – Technokratie.
Der Leitfaden zu Lager 2 ist nicht bloß beschreibend – er ist operativ. Jeder unabhängige Analyst mit einer Anhängerschaft, der seine Arbeit nicht durch die marxistische Klassenanalyse führt, ist – nach den Kriterien des Modells – ein »Ökonomist«, der einen Raum besetzt, in dem sich revolutionäres Bewusstsein entwickeln sollte. Der Leitfaden dient dazu, solche Personen zu identifizieren und zu diskreditieren; dabei ist das indirekte Vorgehen Teil der Methode – ein direkter Angriff birgt das Risiko, die Aufmerksamkeit des Publikums auf jemanden zu lenken, den es überzeugend finden könnte.
Hughes’ Schweigen folgt derselben Logik: Man sagt dem Publikum auf Stufe eins nicht, was Stufe fünf verlangt. Das Ausbleiben der Antwort ist, wie schon bei Lenin, die Antwort.
Hughes präsentiert drei Lager, doch die Architektur hat tatsächlich vier Ebenen. Erich Jantschs transdisziplinäres Modell von 197019 – entwickelt aus der Systemtheorie der OECD, die auf Bogdanows Tektologie20 zurückgeht – ordnet sie ausdrücklich übereinander an: die empirische, die pragmatische, die normative und die zweckbestimmende Ebene. Die ersten drei entsprechen Hughes’ Lagern. Die vierte – die zweckbestimmende Ebene, der teleologische Grund, aus dem das System existiert – fehlt in seiner öffentlich präsentierten Einteilung.
Lager 3 glaubt, die oberste Stufe einzunehmen. Das tut es nicht. Es ist die normative Ebene: Menschen mit der richtigen Analyse, die nicht wissen, wozu diese Analyse dient. Und sollten sie ihre Meinung ändern, sind sie wieder in Lager 2.

Auf seiner Über-mich-Seite21 beschreibt Hughes sein Tun mit Worten, denen Marx entschieden widersprochen hätte. »In vielerlei Hinsicht (nicht zuletzt in religiöser)«, schreibt er, »ist das, was ich hier versuche, ganz buchstäblich ein Glaubenssprung«.
Das Zugangskriterium des Modells ist die marxistische Klassenanalyse, die Religion als »Opium für das Volk«22 behandelt – als falsches Bewusstsein. Der Leitfaden zu Lager 2 stuft spirituelle und esoterische Erklärungen als falsche Perspektive ein. Und der Architekt des Systems beschreibt sein eigenes Projekt als »nicht zuletzt religiös« – und seine eigene Methode als Glauben.
Das Zuordnungskriterium für Lager 3 ist nicht Analyse – es ist Glaube. Er sagt es einem selbst.
Doch dieser Glaube stellt letztlich eine Scheinalternative dar, denn sein nicht näher bestimmtes Rezept führt am Ende an denselben Ort wie die Technokratie, vor der er warnt.

Fußnoten
1. https://www.marxists.org/archive/lenin/works/1901/witbd/
2. https://www.bbc.co.uk/bitesize/guides/zwxv34j/revision/3
3. https://www.marxists.org/archive/lenin/works/1901/witbd/ii.htm
4. https://www.marxists.org/archive/lenin/works/1900/nov/tasks.htm
5. https://miseeire.ie/speakers/david-hughes.html
6. https://www.marxists.org/history/etol/writers/marcy/gclasswar.pdf
7. https://davidahughes.net/tag/omniwar/
8. https://www.scienceopen.com/book?vid=a0c7aed4-481d-4f51-953c-b0ff04bc571c
10. https://davidahughes.net/a-guide-to-identifying-camp-2/
11. https://socialistvoice.ie/2025/10/the-communist-party-as-the-vanguard-lenins-lessons-for-today/
12. https://dhughes.substack.com/p/interview-with-truth-action-project
13. https://davidahughes.net/tag/omniwar/
14. https://philarchive.org/archive/GARABA-3
15. https://plato.stanford.edu/entries/critical-theory/
16. https://thenewobjectivity.com/pdf/marx.pdf
17. https://www.marxists.org/archive/lenin/works/cw/pdf/lenin-cw-vol-26.pdf
18. https://www.marxists.org/archive/lenin/works/1917/oct/01.htm
19. https://link.springer.com/article/10.1007/BF00145222
20. https://monoskop.org/images/e/e9/Bogdanov_Alexander_Tektology_Book_1.pdf
21. https://davidahughes.net/about-2/
22. https://law.marquette.edu/facultyblog/2015/01/karl-marx-on-religion/comment-page-1/