Januar 29, 2023

FTX und die kuriose Geschichte der Farmington State Bank – Ed Berger, Whitney Webb

Seit dem Zusammenbruch von FTX steht eine kleine Bank im ländlichen Washington wegen der Rolle, die sie bei den betrügerischen Aktivitäten der Krypto-Börse gespielt haben könnte, stark unter Beobachtung. Ed Berger und Whitney Webb untersuchen die Geschichte der Bank und decken einige beunruhigende Verbindungen auf.

Quelle: FTX and the Curious History of Farmington State Bank

Ende November begann „Protos“ mit der Entmystifizierung der mysteriösen Verbindungen der bankrotten und von Betrug heimgesuchten Kryptowährungsbörse FTX zu „einer kleinen Bank im ländlichen Washington“, der „Farmington State Bank“. Angesichts der Tatsache, dass sie nur drei Angestellte hat und eine der kleinsten Banken in den gesamten Vereinigten Staaten ist, stellte „Protos“ fest, dass „die Tatsache, dass [diese Bank] irgendwie in den größten Kryptowährungsbetrug der Geschichte verwickelt ist, rätselhaft, beunruhigend und völlig fehl am Platz ist, um das Mindeste zu sagen“.

Während der „Protos“-Artikel etwas Licht auf die „Farmington State Bank“ und ihre jüngste Umwandlung in die „FBH Corp.“ und die „Moonstone Bank“ wirft, steckt mehr hinter der Geschichte. Obwohl es sich um eine kleine, ländliche Bank handelt, hat Farmington/Moonstone seit mindestens 1995 Verbindungen zu einigen der verdecktesten und kriminellsten Offshore-Finanznetzwerke der Neuzeit, mit Verbindungen zu geheimdienstlich organisierten Finanzbetrügern von beträchtlichem Bekanntheitsgrad. 

In dieser „Unlimited Hangout“-Untersuchung machen wir dort weiter, wo „Protos“ aufgehört hat, und beginnen, den Vorhang hinter dem „FTX“-Finanzlabyrinth zu lüften, um die Netzwerke hinter dem ausgeklügelten Krypto-Ponzi-Schema zusammenzusetzen. Dies ist eine kritische Arbeit, da das „FTX“-Insolvenzverfahren auf seltsame Art gesteuert wurde, um zu vermeiden, dass bekannt wird, wer außer Sam Bankman-Fried, dem in Ungnade gefallenen CEO und Gesicht von „FTX“, die Kontrolle über die Börse und ihre Tochtergesellschaften hatte. Das Netzwerk hinter Farmington/Moonstone, um das es in diesem Beitrag geht, ist der erste von vielen Fäden, die mit FTX verknüpft sind und die wir in den kommenden Wochen und Monaten hoffentlich weiterverfolgen werden.

Archie Chan findet Farmington

Farmington, eine verschlafene ländliche Stadt im Bundesstaat Washington, musste während der Großen Depression in den 1930er Jahren mit ansehen, wie sich seine einst vielversprechenden wirtschaftlichen Aussichten in Luft auflösten. Die Große Depression hatte auch die erste Version der „Farmington State Bank“, die 1887 gegründet worden war, in den Ruin getrieben, und im Mai 1929 wurde eine neue Bank mit demselben Namen gegründet. Vieles in der Geschichte der „Farmington State Bank“ ist kaum erwähnenswert. Im Jahr 1973 trat C. Wayne Wexler in die Bank ein, der über ein Jahrzehnt lang als Präsident der Bank fungierte. In den 1970er Jahren verfügte die Bank über Einlagen in Höhe von etwa 1,5 Millionen Dollar, die in den 1980er Jahren leicht auf etwa 3,5 Millionen Dollar anstiegen. 

Um 1995 erregte Farmington aus noch unbekannten Gründen die Aufmerksamkeit eines in Hongkong lebenden britischen Staatsbürgers namens Archie Chan. Laut einem Interview, das der damalige Präsident von Farmington, John Widman, im Jahr 2010 gab, kaufte Chan die Bank 1995, „als er nach einer gecharterten Bank in Washington suchte, die eine Plattform für das internationale Bankgeschäft werden könnte“. Obwohl dies nie geschah, lassen Chans Verbindungen darauf schließen, dass seine Interessen an der kleinen, ländlichen Bank vielfältig gewesen sein könnten.

Chan erwarb Farmington über eine auf den Britischen Jungferninseln (BVI) registrierte Holdinggesellschaft namens „Farmington Finance Corporation“. Der Anwalt, der ihm bei der Einrichtung der Unternehmensstruktur für die neue Farmington-Organisation half, war David K.Y. Tang, der unter anderem Mitglied des „Council on Foreign Relations“ (CFR) ist. Tang, dessen juristische und geschäftliche Laufbahn von Seattle über Hongkong bis nach Peking reicht, war auch Vorsitzender der Federal Reserve Bank of San Francisco – der Zentralbank, die die rechtliche Aufsicht über Farmington hat. Laut einer anderen „Protos“-Untersuchung hat dieselbe Komponente des Federal Reserve Systems „Anfang dieses Jahres die Aufsichtspflicht für [Farmington/Moonstone] übernommen, scheint aber die gewinnorientierten Auslandsinteressen von Moonstone übersehen zu haben“.

Obwohl die „Farmington State Bank“ weiterhin der BVI-Rechtsprechung unterliegt, geht aus den Jahresberichten hervor, dass die „Farmington Finance Corporation“ von Chan ihre Büros im „Jardine House“ in Hongkong unterhielt. Diese Immobilie ist im Besitz der „Jardine Matheson Holdings“. Diese Gesellschaft ist die Nachfolgerin von „Jardine Matheson & Co“, einer der größten Außenhandelsgesellschaften im Fernen Osten, die während eines Großteils des 19 Jahrhunderts maßgeblich an der Festigung des politischen und wirtschaftlichen Einflusses Großbritanniens in Hongkong beteiligt war. Das Unternehmen spielte auch eine Schlüsselrolle im Opiumhandel. Archie Chan hat behauptet, „Mitglied einer der ältesten und prominentesten Familien Hongkongs“ zu sein, was auf eine mögliche familiäre Verbindung zu den Machtnetzwerken des frühen kolonialen Hongkong hindeutet, in dem Jardine Matheson besonders prominent war. Später zog Chans „Farmington Finance Corporation“ nach St. George’s House, ebenfalls in Hongkong, um. 

Weitere Nachforschungen über Chan ergaben, dass er bis vor relativ kurzer Zeit Geschäftsführer von „Glorious Sun Enterprises“ war. „Glorious Sun Enterprises“ ist das Hauptunternehmen seiner Muttergesellschaft, der „Glorious Sun Group“. Letztere begann Mitte der 1960er Jahre als Textilunternehmen in Hongkong und expandierte in den 1980er Jahren in die Bereiche Finanzen, Immobilien und andere Unternehmungen. Heute verfügt sie über Immobilienbesitz in Hongkong, China, Singapur, Kanada und den Vereinigten Staaten. 

Chans Verbindung mit dem Glorious-Sun-Geschäftskomplex besteht schon seit langem. Nach Angaben der Börsenaufsichtsbehörde SEC wurde er im Februar 2005 zum Unternehmenssekretär von „Glorious Sun Enterprises Limited“ ernannt und trat im August desselben Jahres als Direktor in den Vorstand des Unternehmens ein. Zuvor war Chan jedoch über zwei Jahrzehnte lang als primärer „Unternehmensberater“ der Gruppe tätig, eine Position, in der er die verschiedenen Partnerschaften und Tochtergesellschaften verwalten musste, die die enorme Reichweite des jungen Imperiums ausmachten. In Dokumenten, die „Glorious Sun“ der SEC vorgelegt hat, heißt es, dass er in verschiedenen Joint Ventures, in denen „Glorious Sun“ 50% oder mehr der Unternehmensanteile kontrollierte, als Direktor fungierte. Mit anderen Worten: Chan war der Hauptgeschäftsführer von „Glorious Sun“, als er die „Farmington State Bank“ kaufte. 

„Glorious Sun Enterprises“ wird mehrheitlich von „Glorious Sun Holdings Limited“ gehalten, gefolgt von „Advancetex Holdings“. Weitere Anteilseigner sind Mitglieder der Familie Yeung, einige andere Führungskräfte und die in Texas ansässige „Dimensional Fund Advisors LP“. Sowohl „Glorious Sun Holdings Limited“ als auch „Advancetex“ waren unter der Adresse 263 Main Street in Road Town, der Hauptstadt der British Virgin Islands (BVI), eingetragen. Dies ist der Sitz von „CCS Trustees Limited“, einem Unternehmen, das sich um die rechtliche Registrierung von Unternehmen kümmert, die Holdinggesellschaften oder Tochtergesellschaften in Offshore-Steuerparadiesen wie den BVI gründen wollen. „CCS Trustees“ selbst scheint sich auf Geschäfte in Hongkong zu konzentrieren und unterhält sogar eine Tochtergesellschaft namens „Cayman-Hong Kong Corporate Services Ltd.“. Der Gründer von „CCS“, William Au-Yang, sitzt im Vorstand der „New Media Group“, einem in Hongkong ansässigen Telekommunikationsunternehmen.

Laut SEC-Angaben aus dem Jahr 2007 gehören die „Hongkong and Shanghai Banking Corporation“ (besser bekannt als HSBC) und die „Standard Chartered Bank“ zu den Hauptbankiers von „Glorious Sun“. HSBC und die „Standard Chartered Bank“ stehen seit jeher in enger Beziehung zu Jardine Matheson: Die beiden haben sich an Joint Ventures beteiligt, und Mitglieder der Familie, die Jardine Matheson kontrolliert, die Keswicks, haben häufig Führungspositionen bei HSBC inne. „Standard Chartered“ wiederum ist eng mit der Familie Inchape verbunden, die zur britischen Führungsschicht gehört und zahlreiche Konzerne in der weltweiten Schifffahrt und im verarbeitenden Gewerbe besitzt.

Wenn es um die Ausgabe von Aktien und andere Geschäftsangelegenheiten in den Vereinigten Staaten geht, hat „Glorious Sun“ die Dienste der „Bank of New York“ (jetzt BNY Mellon) in Anspruch genommen, einem Bankinstitut mit einer berüchtigten Geschichte der Beteiligung an Geldwäsche und Kapitalflucht im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen. „Glorious Sun“ selbst hat eine starke Präsenz in New York City beibehalten, wo es ein aktiver Akteur in der Welt der Manhattan-Immobilien war. Zu ihren Aktivitäten in New York gehören Partnerschaften mit „Polylinks International“, einem Konsortium führender Familien aus Hongkong, das in großem Umfang in die Immobilienmärkte in New York, San Francisco, London und anderswo investiert hat. „Polylinks“ ist vor allem für sein Geschäft mit Donald Trump aus dem Jahr 1994 bekannt, an dem „Glorious Sun“ nicht beteiligt war. Als der künftige Präsident eine Reihe von Schulden hatte und nicht in der Lage war, seine Schulden für den Bau seines problembehafteten Projekts „Riverside South“ zu begleichen, sprang „Polylinks“ ein und übernahm praktisch die Kontrolle über das Projekt. Im Jahr 2005 wurden Teile von „Riverside South“ an die „Carlyle Group“ verkauft. 

Ein näherer Blick auf Glorious Sun

Der Vorsitzende von „Glorious Sun“ ist der Unternehmer und Milliardär Charles Yeung. Der aus der chinesischen Provinz Guangdong stammende Charles und sein Bruder Yeung Chun-fan gründeten „Glorious Sun“ in den 1960er Jahren als kleines Unternehmen. Heute besitzen die Brüder die Mehrheit an „Glorious Sun“ über die oben erwähnte, recht komplexe Struktur von Holdinggesellschaften. Sie sind maßgeblich an der „Glorious Sun Holdings“ und an der „Advancetex Holdings“ beteiligt, die größere Anteile an den verschiedenen Unternehmenseinheiten von „Glorious Sun“ hält. 

Der rasche Erfolg von „Glorious Sun“ verhalf den Yeung-Brüdern – insbesondere Charles – nicht nur zu wirtschaftlicher, sondern auch zu politischer Macht in Hongkong. Er gehörte dem Provisorischen Legislativrat an, einem Sondergremium, das während der Übergabe Hongkongs vom Vereinigten Königreich an die Volksrepublik China eingerichtet wurde. Dies verdeutlicht Charles Yeungs Position innerhalb des „wirtschaftsfreundlichen, pijingfreundlichen“ Flügels der herrschenden Klasse Hongkongs. Er war auch Mitglied des Think-Tanks „One Country, Two Systems Research Institute“ und der „Hong Kong Progressive Alliance“, einer von Unternehmen geführten politischen Partei, die Verbindungen zu liberalen Fraktionen in der Kommunistischen Partei Chinas unterhält. Yeung war auch in der „Democratic Alliance for Betterment and Progress of Hong Kong“ aktiv, die 2005 in der „Hong Kong Progressive Alliance“ aufging. 

Charles Yeung scheint auch in Macao, der ehemaligen portugiesischen Kolonie, die seit Ende der 1990er Jahre zu den Sonderverwaltungszonen Chinas gehört, präsent zu sein. Die Volkswirtschaften und Bankensysteme von Macau und Hongkong sind eng miteinander verflochten: Jahrzehntelang war die Stadt als eine der weltweit wichtigsten Zonen für den (damals illegalen) Goldhandel bekannt, der in hohem Maße von Banken aus Hongkong und ihren internationalen Partnern angekurbelt wurde – ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die HSBC. Zu den wichtigsten Goldschmuggelinstituten in Macau gehörte die „Seng Heng Bank“. Viele Jahre lang wurde „Seng Heng“ von einem kleinen Syndikat kontrolliert, zu dem Ho Yin, ein Goldschmuggler mit engen Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas, und Cheng Yu-tung, der Gründer der Hongkonger „New World Development Company“, gehörten. „New World“ war später an dem „Polylinks“-Konsortium beteiligt, das die Kontrolle über das „Riverside South“-Immobilienprojekt von Donald Trump übernahm. 

In den frühen 1980er Jahren verkauften Ho Ying, Cheng Yu-tung und ihr Partner Lu Daohe „Seng Heng“ an den politischen Königsmacher von Arkansas und erfahrenen Kenner der Welt des internationalen Handels und der Geheimdienstoperationen, Jackson Stephens, sowie an seinen engen Freund und Bankpartner Mochtar Riady. Dieser Kauf fand kurioserweise im selben Jahr statt, in dem Stephens und Riady die Kontrolle über die „Worthen Bank“ in Arkansas übernahmen, ein Unternehmen, das eng mit der Anwaltskanzlei „Rose“ in Little Rock und dem aufstrebenden politischen Erfolg der Clintons verbunden war. Was „Seng Heng“ betrifft, so verkauften Stephens und Riady die Bank 1989 an „STDM“. Dieses vom Hongkong-Macao-Milliardär und Geschäftsmann Stanley Ho gegründete Unternehmen hatte ein Monopol auf die Glücksspielindustrie in Macao. Ho selbst wird immer wieder beschuldigt, mit Elementen des organisierten Verbrechens, die in der Unterwelt Macaus operieren, in Verbindung zu stehen. 

An dieser Stelle kommt Charles Yeung wieder ins Spiel. Als die STDM „Seng Heng“ vom Stephens-Riady-Konsortium erwarb, behielt sie 100% der Anteile und setzte ihre eigenen Direktoren und Führungskräfte in den Vorstand der Bank ein. Im Jahr 2007 wurde ein Großteil der Anteile an „Seng Heng“ an die „Industrial and Commercial Bank of China“ (ICBC) verkauft. Aufgrund der Zurückhaltung verschiedener Unternehmen gegenüber „Seng Heng“, die vor allem auf den Ruf der Bank als „Kasinobank“ zurückzuführen war, machte sich die „ICBC“ daran, das Image der Bank zu verbessern. Sie trennte sich von einer Handvoll der alten Direktoren – Figuren wie Stanley Ho blieben jedoch im Vorstand – und ersetzte sie durch Persönlichkeiten, die ein neues Unternehmensethos verkörperten. Charles Yeung war einer der von der ICBC neu ernannten Mitglieder. 

Cheung selbst war jedoch mit Vorwürfen der Verwicklung in Geldwäsche konfrontiert, insbesondere im Zusammenhang mit den Geschäften von „Glorious Sun“ auf den Philippinen. „Glorious Sun“ errichtete dort 1976 eine Produktionsstätte, die sich bis 1983 zum zweitgrößten Bekleidungsexporteur der Philippinen entwickelte. Diese Verlagerung, die Teil der Bemühungen von Glorious Sun war, seine Produktion auf der Suche nach niedrigeren Kosten aus Hongkong zu verlagern, fand zeitgleich mit einem Tauwetter in den Beziehungen zwischen China und den Philippinen statt. Während eines Großteils des Kalten Krieges war die Regierung des philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos strikt antikommunistisch eingestellt und unterhielt enge Beziehungen zum Rivalen der VR China, der Kuomintang (KMT) oder den nationalistischen Chinesen. Ebenso arbeitete Marcos eng mit der pro-KMT-„China-Lobby“ in den Vereinigten Staaten zusammen.

Laut Sterling und Peggy Seagrave lassen sich die Wurzeln des Tauwetters bis zu einer Vereinbarung zurückverfolgen, die im Rahmen der Nixon-Kissinger-Ouvertüren gegenüber China getroffen wurde, um die Devisenreserven in den chinesischen Banken durch die Infusion von Gold und anderen Metallen und Bargeld im Besitz der Familie Marcos zu stärken. Es gibt eine dokumentierte Spur, die zeigt, dass in den 1970er Jahren ein schrittweiser, aber stetiger Kapitalfluss in verschiedene Banken auf dem chinesischen Festland und in Hongkong erfolgte.

„Glorious Sun“ wurde beschuldigt, am Schmuggel von philippinischem Vermögen ins Ausland beteiligt gewesen zu sein, das von der Marcos-Familie durch eine komplizierte Reihe von Transaktionen und Aufträgen zwischen den Philippinen und Hongkong entwendet wurde. In einer beim Obersten Gerichtshof der Philippinen eingereichten Klage wurde Yeung und anderen Führungskräften von „Glorious Sun“ vorgeworfen, dass sie „als Frontsoldaten oder Attrappen, Kumpane oder anderweitig willige Werkzeuge der Eheleute Ferdinand und Imelda Marcos … bei der illegalen Anhäufung von Devisen fungierten“. Sie taten dies angeblich, indem sie „Stoffe von nur einem Lieferanten … zu Preisen einführten, die viel höher waren als die, die von anderen Nutzern ähnlicher Materialien gezahlt wurden“. Aus anderen Dokumenten zu diesem Fall geht hervor, dass auch Archie Chan als Beteiligter an dem System identifiziert wurde. 

Am Ende wurde „Glorious Sun“ vom Vorwurf der Beteiligung am „Dollar Salting“ (d. h. der Verlagerung von Kapital aus dem Land heraus ohne die Genehmigung der philippinischen Zentralbank) freigesprochen – allerdings unter besonderen Umständen. In anderen Akten ist vermerkt, dass „das Gericht feststellte, dass die für diese Anschuldigung [gegen Glorious Sun] relevanten Beweise unzulässig waren, da es sich lediglich um Fotokopien handelte“.

Die Tatsache, dass „Glorious Sun“ und Archie Chan Verbindungen zur Marcos-Familie und ihren finanziellen Machenschaften haben, ist insofern von Bedeutung, als andere Schlüsselfiguren, die diese Machenschaften ermöglichten, sich mit dem Jeffrey Epstein-Ghislaine Maxwell-Netzwerk überschneiden, das in „One Nation Under Blackmail“ untersucht wurde. Einer der Hauptkomplizen der Marcos-Familie war kein Geringerer als der Waffenhändler und Geheimdienstmitarbeiter Adnan Khashoggi. Eine Schlüsselrolle bei Khashoggis undurchsichtigen Finanzen in den 1980er Jahren spielte Jeffrey Epstein, der – für einen nicht näher bezeichneten Zeitraum – von Khashoggi angeheuert wurde, um entweder große Summen „geplünderten“ Geldes zu finden oder zu verstecken (Epstein half Khashoggi wahrscheinlich bei beidem). Ein weiterer hochrangiger „Finanzberater“ von Imelda Marcos war der Schauspieler George Hamilton, der in den frühen 1990er Jahren ein Vertrauter und Urlaubsbegleiter von Ghislaine Maxwell war, bis sie sich kurz nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1991 öffentlich mit Jeffrey Epstein verbündete.

„Glorious Sun“ könnte über „Mast Industries“, ein in Hongkong ansässiges Export-Import-Unternehmen, das sich auf Textilwaren aus ganz Asien spezialisiert hat, weitere Verbindungen zu diesem Netzwerk haben. In den frühen 1970er Jahren schloss Leslie Wexner mit „Mast“ einen Vertrag über die Lieferung von Stoffen für sein Flaggschiff „The Limited“. Gegen Ende des Jahrzehnts kaufte Wexner „Mast“ auf und machte es zu einer wichtigen Tochtergesellschaft seines Firmenimperiums. 

Auch wenn es derzeit keine Beweise dafür gibt, dass „Glorious Sun“ die Dienste von „Mast Industries“ in Anspruch genommen hat (was angesichts des Status als eines der größten Bekleidungsunternehmen Hongkongs auch nicht verwunderlich wäre), gibt es dennoch Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen. In den späten 1970er Jahren gründete „Mast Industries“ ein Joint Venture namens „Sinotex“ mit der „Crystal Group Limited“, einem weiteren Bekleidungshersteller mit Sitz in Hongkong. Ein Blick auf die Verbindungen des Gründers der „Crystal Group“, Kenneth Lo, zeigt, dass er sich in vielen der gleichen Kreise bewegt wie Charles Yeung von „Glorious Sun“ (beide sind beispielsweise ehrenamtliche stellvertretende Vorsitzende der „Hang Seng University of Hong Kong“). Der Leiter der Abteilung für Unterwäsche der „Crystal Group“ ist Lo Wing Sing Eddie, der zuvor als Geschäftsführer der wichtigsten Tochtergesellschaft von „Glorious Sun“, „Jeanwest“, tätig war. 

Neben „Glorious Sun“ und der Familie Yeung hat Archie Chan noch eine weitere Verbindung, die erwähnenswert ist. Im Jahr 2009 wurde Chan zum Ritter des Königlichen Ordens des Königreichs Polen ernannt. Sein Sponsor war Paul Kan Man-Lok, ein auf Technologie spezialisierter Geschäftsmann aus Hongkong, der zuvor „von Königin Elisabeth und zahlreichen Staatsoberhäuptern für seine humanitären Dienste geehrt wurde“. Paul Kan ist der Gründer und Vorsitzende von „Champion Technology Holdings“. Wie „Glorious Sun“ und Chans „Farmington Finance Corporation“ hat „Champion Technology“ von Holdinggesellschaften Gebrauch gemacht, die in Road Town auf den BVI gegründet wurden. 

Kans „Champion Technology“ unterhält seit langem Beziehungen zur Volksbefreiungsarmee (PLA), der wichtigsten militärischen Organisation der Volksrepublik China. Die PLA ist ein aktiver Akteur in der chinesischen und der Hongkonger Geschäftswelt, der sowohl offen als auch verdeckt am Erwerb und der Entwicklung von Spitzentechnologie beteiligt ist. Wie in einem „Forbes“-Artikel aus dem Jahr 1997 berichtet wird, fand sich Kan in den späten 1980er Jahren als Partner der PLA wieder, als er hoffte, in China eine Abteilung von „Champion Technology“ zu gründen, die sich mit Funkruftechnologie befassen sollte. „Die Bürokraten im Ministerium für Post und Telekommunikation zögerten“, heißt es in dem Artikel, „aber Unternehmen, die dem Militär gehören, ergriffen die Chance … Kan … hat jetzt Funkruf-Franchises in Dutzenden von Städten in ganz China, hauptsächlich durch Partnerschaften, die von lokalen Einheiten der PLA kontrolliert werden.“ 

Besitzwechsel

Wie „Protos“ letzte Woche feststellte, soll Archie Chan von 1995 bis vor kurzem im Wesentlichen nichts mit der „Farmington State Bank“ zu tun gehabt haben. Seine Verbindungen deuten jedoch darauf hin, dass er möglicherweise mehr mit der Bank oder zumindest mit seiner „Farmington Finance Corporation“ zu tun hatte, als es den Anschein hat. Im Jahr 2020 verkaufte Chan die Bank an die „FBH Corporation“, die 2019 gegründet wurde und deren Vorsitzender Jean Chalopin ist, ein „erfahrener Unternehmer“, der in den 1980er und 1990er Jahren eine wichtige Rolle im Kinderfernsehen spielte und später der größte Anteilseigner der „Deltec Bank and Trust“ und deren Vorsitzender wurde. Es ist nicht bekannt, ob Chalopin Chan vor dem Verkauf kannte und wie oder warum Chalopin sich für die kleine Bank mit Sitz in Washington interessierte.

Kurz nach dem Verkauf von „Farmington“ an Chalopins „FBH Corp.“ wurde Chalopin Mitglied des Vorstands von „Farmington“. Die „Deltec Bank and Trust“, bei der Chalopin den Vorsitz innehat, wurde von „Protos“ als „eine der wichtigsten Banken sowohl für Alameda Research [FTX‘ Handelszweig, der eine zentrale Rolle bei dem Zusammenbruch spielte] als auch für Tether“ bezeichnet. Wie der Enthüllungsjournalist Nicola Borzi feststellte, gibt es bei „Deltec“ Verbindungen zu dem Netzwerk, das in den 1980er Jahren hinter der extremen Korruption und dem Insiderhandel von Kidder Peabody und Drexel Burnham Lambert stand (dessen Verbindungen zum Schattenbankwesen und zu Jeffrey Epstein in „One Nation Under Blackmail“ detailliert beschrieben werden), sowie zu Geheimdienstleuten wie Armand Hammer. Auf die Verbindungen zwischen „FTX“ und der „Deltec Bank“ wird in Kürze näher eingegangen.

Chan verkaufte „Farmington“ an ein in Baltimore ansässiges Unternehmen namens „GUVJEC Investment Corporation“, dessen Präsident Chalopin ist. „GUVJEC“ wurde jedoch ursprünglich von Robin Trehan gegründet, einem selbsternannten Bank- und Fintech-Berater, dessen Schwerpunkt darauf liegt, „die Blockchain-Technologie durch die Integration der Fintech-Branche und des traditionellen Bankwesens der breiten Masse zugänglich zu machen.“ Laut LinkedIn ist er seit Jahrzehnten Partner von „Credit Capital Funding“ mit Sitz in Chicago. Trehan ist jedoch Senior Vice President von „Deltec International“, der Muttergesellschaft von „Deltec Bank and Trust“. Seltsamerweise gibt Trehan dies in seinem LinkedIn-Profil nicht an. 

Trehan und Chalopin sind laut SEC-Anmeldungen vom Februar dieses Jahres als leitende Angestellte der „FBH Corp.“ aufgeführt. Als Direktoren von „FBH“ sind Noah Perlman und Gary Rever (in den Unterlagen als A. Gary Rever bezeichnet) aufgeführt. Perlman war zum Zeitpunkt der Gründung von „FBH Corp.“ Chief Compliance Officer der Krypto-Börse „Gemini“. Er ist jetzt Chief Operating Officer von „Gemini“, eine Position, die er seit 2020 innehat. Insbesondere die Implosion von „FTX“ verursachte einige Probleme für „Gemini“, das die Abhebungen aus seinem „Gemini Earn“-Programm aufgrund der Auswirkungen der „FTX“-Pleite vorübergehend stoppte. Die „FTX“-Implosion hatte den Hauptkreditgeber des „Gemini“-Programms, „Genesis“, betroffen. Frühere Berichte legen nahe, dass Perlman an der Entscheidung von „Gemini“ im Jahr 2021 beteiligt war, mit „Genesis“ zusammenzuarbeiten. Wie Trehan schließt auch Perlman jede Erwähnung seiner Rolle bei „Moonstone“ in seinem LinkedIn-Profil aus.

Kurz nach dem Kauf durch die von Chalopin geführte „FBH Corp.“ stellte Farmington „auf den Handel mit Kryptowährungen und internationalen Zahlungen um“, stieß jedoch auf Probleme beim Geldtransfer. Das Unternehmen löste diese Probleme, indem es die Genehmigung der Federal Reserve beantragte und im Juni 2021 Teil des Federal Reserve System wurde.

Im März dieses Jahres ließ die „Farmington State Bank“ den Namen „Moonstone Bank“ markenrechtlich schützen und nahm diesen Namen drei Tage später an. Vier Tage später, am 7. März, investierte der Handelsarm von „FTX“, „Alameda Research“, 11.5 Millionen Dollar in „FBH Corp.“/“Moonstone Bank“. Damals erklärte Chalopin zu dieser Investition: „Die Investition von Alameda Research in die FBH Corp und die Moonstone Bank ist ein Zeichen dafür, dass eines der innovativsten Finanzunternehmen der Welt den Wert dessen anerkennt, was wir anstreben. Dies ist ein neuer Schritt auf dem Weg zur Zukunft des Bankwesens“. Der Chief Digital Officer von „Moonstone“, Janvier Chalopin, Sohn von Jean Chalopin, erklärte gegenüber „Protos“, dass es sich bei der Investition um eine „Anschubfinanzierung … zur Umsetzung unseres neuen Plans, eine technologieorientierte Bank zu sein“, handelt. 

Am selben Tag, an dem diese bedeutende Investition angekündigt wurde, wurde Ronald Oliveira als Chief Executive Officer von „Moonstone“ eingesetzt, bis er „Moonstone“ im August aus noch unklaren Gründen verließ. Ein Teil der Verwirrung bezieht sich auf eine Unstimmigkeit zwischen den Behauptungen von „Moonstone“-Führungskräften über den Grund für Oliveiras Weggang (dass er „eine Jobchance bekommen habe, die er nicht ablehnen konnte“) und dem, was Oliveira öffentlich über seine Arbeit seit seinem Weggang von der Bank geschrieben hat (dass er jetzt als selbständiger Berater tätig ist). 

Bevor er zu „Moonstone“ kam, war Oliveira der US-CEO von „Revolut“, „einem globalen Fintech-Unternehmen mit Hauptsitz in Großbritannien.“ In der Pressemitteilung, in der sowohl die Investition als auch Oliveiras neue Rolle bei „Moonstone erörtert wird, heißt es, dass Oliveira „den offiziellen Markteintritt von Revolut in den USA eingefädelt hat“. „Revolut“ wurde 2015 von „NJF Capital“ gegründet, um eine „führende digitale alternative Bank“ zu werden. „NJF Capital“ wurde von Nicole Junkermann gegründet und wird von ihr geleitet, einem ehemaligen Model und engen Vertrauten des Sexhändlers und Finanzkriminellen Jeffrey Epstein. Junkermann war angeblich an wichtigen Aspekten seiner Sex-Erpressungsaktivitäten beteiligt, einschließlich der sexuellen Erpressung von zwei amtierenden US-Senatoren in den frühen 2000er Jahren, und spielte später eine Schlüsselrolle in nachrichtendienstlich orientierten Firmen, die Epstein finanziert hatte, wie „Carbyne 911“. Es ist nicht bekannt, ob die „Alameda“-Investition in „Moonstone“ die Entscheidung, Oliveira einzustellen, beeinflusst hat oder umgekehrt, obwohl beides nicht ausgeschlossen werden kann. 

Dies liegt zum Teil daran, dass der umstrittene Stablecoin „Tether“ auch bei einer anderen von Chalopin geleiteten Bank, der „Deltec Bank and Trust“, untergebracht ist. In einer kürzlich von „Revolver News“ durchgeführten Untersuchung wurde detailliert dargelegt, dass „Tether“ Anzeichen dafür aufweist, dass es sich um ein Ponzi-Schema handelt, nicht unähnlich „FTX“. In der Untersuchung wurde auch festgestellt, dass der Mitbegründer des Stablecoins, Brock Pierce, Verbindungen zu Jeffrey Epstein hat. Pierce, ein ehemaliger Kinderdarsteller in Disney-Filmen, war zuvor Mitbegründer und leitender Angestellter bei „Digital Entertainment Network“ (DEN), wo er und andere leitende Angestellte der sexuellen Nötigung beschuldigt wurden. Das Verfahren gegen Pierce wurde eingestellt, nachdem Pierce eine beträchtliche Summe an einen der Anwälte des Klägers gezahlt hatte. Sein Mitangeklagter Marc Collins-Rector, der andere Mitbegründer von „DEN“, wurde jedoch strafrechtlich angeklagt. Als Collins-Rector 2002 von Interpol verhaftet wurde, fand man in der spanischen Villa, die er mit Pierce teilte, Gewehre, Macheten und Kinderpornografie. „DEN“ produzierte während seines kurzen Bestehens ein Programm, das als eine „schwule pädophile Version von Silver Spoons“ beschrieben wurde.

Was „Tether“ selbst betrifft, so glaubt nicht jeder, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt, wie der oben erwähnte Bericht von „Revolver News“ nahelegt. So sagte Marty Bent, ein bekannter Bitcoiner, der „TFTC.io“ betreibt, gegenüber „Unlimited Hangout“, dass „Tether“ in der Lage war, nach dem Preisverfall der Kryptowährungen „TerraUSD/Luna“ im vergangenen Mai schnell 10 Milliarden Dollar an Abhebungen zu verarbeiten. Dies würde darauf hindeuten, dass „Tether“ tatsächlich die Reserven bei der „Deltec Bank and Trust hat“, die es zu haben behauptet. Bent deutete an, dass „Tether“ kein Ponzi-Schema, sondern „extrem risikoreich“ und der Gnade der US-Regulierungsbehörden und anderer Finanzbehörden ausgeliefert sei. Inzwischen wurde berichtet, dass gegen Sam Bankman-Fried von „FTX“ wegen der möglichen Rolle von „FTX“, „Alameda Research“ und der bereits erwähnten „Genesis Trading“ bei der Manipulation der „TerraUSD/Luna“-Preise zu Beginn dieses Jahres ermittelt wird, die zum Absturz ihres Wertes im Mai führte.

Darüber hinaus wurde, wie „Dirty Bubble Media“ feststellte, Tethers früherer Bankpartner vor dem von Chalopin geführten Deltec, „Crypto Capital“, bei der Geldwäsche für Drogenkartelle erwischt (etwas, bei dem die bereits erwähnte „HSBC“ ebenfalls in großem Umfang erwischt wurde). Darüber hinaus stellte „Dirty Bubble Media“ fest, dass die Führung von „Tether“ auch hohe Geldstrafen für Lügen über den Zustand ihrer Reserven, die angeblich von „Deltec“ gehalten werden, gezahlt hat. Darüber hinaus waren der CFO und der CEO von „Tether“ „in eines der größten Mehrwertsteuerhinterziehungsprogramme in der europäischen Geschichte“ verwickelt. 

Wie bereits erwähnt, war „Alameda Research“ auch maßgeblich an Chalopins „Deltec Bank and Trust“ beteiligt, ebenso wie andere Unternehmen, die mit dem „FTX“-Netz und Sam Bankman-Fried verbunden sind. Diese Verbindungen zwischen dem FTX-Netz und Deltec bestanden bereits zum Zeitpunkt der geheimnisvollen Investition von „Alameda“ in „FBH Corp/Moonstone Bank“. Aus Dokumenten, die von John Ray, dem nach dem Konkurs von „FTX“ neu ernannten CEO, vorgelegt wurden, geht hervor, dass „FTX“ und verbundene Unternehmen/Tochtergesellschaften insgesamt 17 Konten bei Deltec hatten. Die meisten dieser Konten gehörten zu „Alameda Research“ und „West Realm Shires Services“, die beide letztlich von Sam Bankman-Fried kontrolliert wurden. Diese 17 Konten wurden Berichten zufolge in einer Vielzahl von Währungen geführt, darunter US-Dollar, Euro, Schweizer Franken, kanadische und australische Dollar sowie das britische Pfund Sterling. In den letzten Wochen kursierten Gerüchte, dass „FTX“ aufgrund seiner Verbindungen zu Deltec in der Lage war, „Ansbacher“, eine andere auf den Bahamas ansässige Bank, zu Beginn dieses Jahres zu übernehmen. Deltec hat diese Behauptungen jedoch vehement zurückgewiesen. „Deltec“ hat es insbesondere auch abgelehnt, sich zu Einzelheiten seiner Beziehungen zu Unternehmen zu äußern, die von Sam Bankman-Fried kontrolliert werden oder mit „FTX“ in Verbindung stehen. Die Verbindung zwischen „Deltec“ und „Tether“ und die Verbindung zwischen „Deltec“ und „FTX/Alameda“ scheinen auf ein Muster für das von Chalopin geführte „Deltec“ hinzudeuten. Diese Verbindungen lassen auch darauf schließen, warum Chalopin versuchen würde, die „Farmington/Moonstone Bank“ von jemandem wie Archie Chan zu erwerben.

Unabhängig von der wahren Geschichte hinter der Umwandlung von „Farmington“ in „Moonstone“ und der Entscheidung von „Alameda“, kurz darauf in die Bank zu investieren, stieg die Höhe der von der Bank gehaltenen Einlagen nach diesen Entwicklungen erheblich an. Wie „Protos“ feststellte, meldete die Bank im dritten Quartal 2022 Einlagen in Höhe von 84 Mio. USD, nachdem sie jahrzehntelang ständig Einlagen in Höhe von 10 Mio. USD ausgewiesen hatte. 71 Millionen Dollar dieser Einlagen stammten von nur vier neuen Konten.

Der „Protos“-Bericht kommt zu folgendem Schluss: 

Niemand ist in der Lage festzustellen, wofür die 11,5 Millionen Dollar Investition von Alameda Research verwendet wurde, niemand kann erklären, warum eine kleine, ländliche Bank im Südosten des Staates Washington von Alameda benutzt wurde, um Millionen von Dollar zu bewegen, und niemand kann die Verbindungen zwischen Farmington, Deltec, FTX/Alameda und Tether vollständig erklären. Ganz zu schweigen davon, dass nach wie vor unklar ist, wie ein auf den Bahamas ansässiges Unternehmen wie FTX, gegen das laufende Ermittlungen der obersten Finanzaufsichtsbehörden laufen, eine Beteiligung an einer staatlich zugelassenen Bank erwerben konnte.

Diese Punkte wurden auch von der „New York Times“ angesprochen, die Camden Fine, einen Berater der Bankbranche, mit den Worten zitierte: 

Die Tatsache, dass ein Offshore-Hedgefonds, der im Grunde eine Kryptofirma war, einen Anteil an einer winzigen Bank für ein Vielfaches des angegebenen Buchwerts kaufte, hätte bei der F.D.I.C., den staatlichen Aufsichtsbehörden und der Federal Reserve massive Alarmglocken schrillen lassen müssen … Es ist einfach erstaunlich, dass all dies genehmigt wurde.

Moonstone und die „Brücke“ zu den CBDCs

Nur wenige Wochen vor der Implosion von „FTX“, Ende Oktober, ging die „Moonstone Bank“ eine Partnerschaft mit einem wenig bekannten Unternehmen namens „Fluent Finance“ ein, um „die Einführung von Kryptowährungen durch die Ausgabe von US+ Stablecoin zu beschleunigen“. Diese Partnerschaft soll es „Fluent und der Moonstone Bank ermöglichen, das traditionelle Finanzsystem mit der aufstrebenden Web-3-Wirtschaft zu verbinden.“ 

„Fluent Finance“ hat drei Mitbegründer: Bradley Allgood, Oliver Gale und Jaime Plata. Obwohl Allgood oft als das Gesicht des Unternehmens dargestellt wird, sind es Gale und Plata, die die meiste Aufmerksamkeit verdienen. Oliver Gale ist der selbsternannte „Erfinder“ der Zentralbank-Digitalwährung (CBDC), denn er war der Vordenker des „Eastern Caribbean Digital Dollar“. Berichten zufolge verließ Gale das Programm aufgrund des „ideologischen Wandels“ hin zu einem „Permissioned Blockchain“-Modell, das den Zentralbanken eine nie dagewesene Kontrolle über das von ihnen gedruckte Geld ermöglicht. Heute jedoch ist Gale trotz seiner Befürwortung des Datenschutzes „nicht gänzlich gegen CBDCs, vorausgesetzt, sie laufen auf einer Infrastruktur, die ihre Nutzer nicht gefährdet“. In Artikeln wurde Gales Einfluss auf wichtige CBDC-Papiere erwähnt, die von den mächtigsten Finanzinstituten und Zentralbanken der Welt unterstützt werden, wie z. B. die vom CBDC-Think Tank veröffentlichten Papiere. Jaime Plata hat als „strategischer Berater“ für die Zentralbank der Ostkaribik gearbeitet, wo er an Gales Digital-Dollar-Projekt mitwirkte, indem er der Bank half, „ihre Kernbankanwendung zu ersetzen, CBDCs und ein Echtzeit-Bruttoabrechnungssystem zu integrieren“.

Der US+ Stablecoin von „Fluent Finance“ soll „als technologische Brücke fungieren, die alte [z. B. bestehende] Bankensysteme mit dem digitalen Finanzwesen verbindet.“ Es wird offen damit geworben, dass er mit CBDCs kompatibel ist und über „eingebaute digitale Identitätsstandards“ verfügt. 

Es ist sicherlich interessant, dass zwei Bankunternehmen, die mit Jean Chalopin verbunden sind, „Deltec“ und „Moonstone“, beide enge Partnerschaften mit Dollar-basierten Stablecoins, „Tether“ und jetzt US+, haben. Wenn „Tether“ im Zuge des Zusammenbruchs von „FTX“ aufgelöst wird, wie einige glauben, scheint US+ das „vertrauenswürdige“ Gegenstück zu sein, das das „alte“ Finanzsystem in die CBDC-Ära treiben soll, in der die Zentralbanken die totale Kontrolle haben werden. Dies könnte jedoch ein Schachzug gewesen sein, der darauf abzielte, die ultimativen Ambitionen von Sam Bankman-Fried für „FTX“ zu erfüllen, nämlich „FTX“ zur „Alles-Börse“ und zur „Alles-App“ zu machen. Mit anderen Worten: „FTX“ wollte die wichtigste Kraft im Fintech-Bereich weltweit werden. 

Während solche Träume im Zuge der Implosion von „FTX“ zerplatzt sind, führten die Bemühungen der Börse, in jede Anlageklasse zu expandieren, unweigerlich zu einer Expansion durch ein labyrinthisches Netzwerk, das erst allmählich enträtselt wird. Wie diese Untersuchung jedoch zu zeigen versucht hat, zeigen die Verbindungen, die sich aus der Beziehung zur „Farmington State Bank“ ergeben, dass die korrupten Akteure und Einrichtungen in dieser Geschichte weit über Bankman-Fried und „FTX“ hinausgehen.

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