Juni 23, 2026

Wie geistloser Einsatz von KI den Buchmarkt entwerten und zerstören würde. Definitiv.

0
Lucid_Realism_a_closeup_of_a_human_head_with_visible_digital_c_1

Dass ich manchmal recht sarkastisch sein kann, ist ja bekannt. Deshalb muss ich mich derzeit vor Lachen natürlich schütteln, wenn so manche besonders brillanten, aufgeweckten, höchst intelligenten Zeitgenossen – oder besser: Zeitinsassen und gedankenlosen Trendwellensurfer – nun in scheinbar zunehmender Zahl der fatal falschen Idee verfallen – um ein momentan besonders populäres und abschreckendes Beispiel zu geben – die „Schlagzahl“ der Bücher, die sie in einem bestimmten Zeitraum veröffentlichen, „dank“ KI drastisch erhöhen zu können. Nein, ich bitte für den aggressiven Tonfall nicht um Entschuldigung. Er ist angemessen. Denn allein solche Vorschläge beweisen schon, welcher Punkt der Entmenschlichung bereits erreicht ist.

Ich kann diesen Unsinn nicht mehr ertragen.

Mithilfe einer zugegebenermaßen stark vereinfachten Modellrechnung (die trotzdem Gültigkeit hat) läßt sich verdeutlichen, dass bei einer extremen „Bücherschwemme“ die Chancen für einzelne Autorinnen und Autoren natürlich nicht steigen, sondern sinken werden. Also, vereinfachtes Modell: Sagen wir, pro Monat kommen 1.000 neue Bücher auf den Markt. Diese werden unter Pi mal Daumen 80 Millionen potenziellen Lesern in Deutschland – darin liegt die Vereinfachung – halbwegs gleichmäßig aufgeteilt (die Realität sieht natürlich etwas anders aus). Lassen Sie uns nun annehmen, dass – fatalerweise – immer mehr Autorinnen und Autoren auf diesen Zug aufspringen und nicht mehr nur 1.000, sondern „dank“ KI plötzlich 10.000 oder 100.000 Bücher monatlich auf den Markt kommen. Es ist kristallklar und völlig erwartbar, dass diese 80 Millionen potenziellen Leser nun diese ganze Flut an Büchern irgendwie bewältigen „müssen“. Genau das wird natürlich nicht passieren. Aus offensichtlichen Gründen.

Erstens, weil gerade heutzutage – in einer wirtschaftlich zunehmend eingetrübten Lage – zu fragen wäre, wer diese ganzen „Werke“ eigentlich noch kaufen soll – wer noch das Geld übrig hat, unentwegt „neue“ (= von KI in Minuten oder vielleicht einer halben Stunde runtergespulte Texte) zu kaufen. Zweitens: Wer hat überhaupt die Zeit, wer kann es sich erlauben, von „morgens bis abends“ nur noch zu lesen? Also nochmal: Wer soll bitte eine solche (erwartbare) Schwemme noch bewältigen?

Aus meiner Sicht handelt es sich dabei ohnehin um Betrug: Nur wer ein Buch wirklich selber geschrieben hat, wer seine eigene Kreativität, seinen eigenen Hirnschmalz einbringt, darf sich auch „Autor“ nennen. Ansonsten kommt die Urheberschaft der KI zu. Nein, es genügt nicht, die KI mit einer Grundidee – einer Prämisse oder mehreren – zu füttern und den Rest dann von ihr erledigen zu lassen. Das ist keine kreative, eigenständige Arbeit. Man könnte hier auch von „Schummeln“ sprechen, von einem Schwindel, von einer Täuschung der Leserschaft.

Mal ganz zu schweigen davon, dass sich daran natürlich noch größere, weitreichendere Fragen knüpfen: Wollen wir nicht lieber konsequent sein und Menschen gleich ganz abschaffen? Wofür bräuchte es denn bitte noch „Kreative“, wenn sie ihre „Arbeit“ von Maschinen, von Computern und Software mehr oder weniger automatisch erledigen lassen? Wer das tut, spielt damit denjenigen (bereits hieb- und stichfest nachgewiesenen) Kräften in die Hände, die genau darauf hinauswollen: Der Mensch soll (vor allem im Rahmen der sogenannten Transhumanistischen Agenda der Technokratie) ein „Auslaufmodell“ sein. Wer sich auf solche brandgefährlichen Wege begibt, braucht sich über die höchst erwartbaren Folgen wirklich nicht zu wundern. Und soll dann bitte auch nicht rumjammern. Told ya so.

Vor allem: Glauben solche Leute tatsächlich, dass es niemandem auffiele? Wenn x Bücher nur noch von KI verfasst werden, wird das relativ schnell bemerkt werden. Soviel ist sicher. Und je mehr Lesern es auffallen wird, desto mehr werden sich abwenden, weil sie sich – zurecht – betrogen fühlen: „Der/die hat das ja gar nicht selber geschrieben. Das hat ja alles – oder fast alles – die KI erledigt.“

Es würde zu einer Entmenschlichung führen: Das Buch entwickelt sich nicht mehr organisch aus einem geistigen Schaffensprozess eines Menschen, sondern wird einfach von Maschinen auf Basis vorprogrammierter Algorithmen automatisiert. Nun könnten manche kurzsichtigen KI-Eiferer einwenden, das müsse ja nicht schlimm sein, denn auch die KI könne wirklich kreativ sein: Nein, kann sie nicht. Ich könnte jetzt auf ziemlich schlaue Köpfe wie z.B. einen Roger Penrose zurückgreifen, der anhand des Gödel’schen Unvollständigkeitstheorems sehr starke Argumente in die Diskussion zu diesem Thema einbrachte, warum KI niemals echte „Intelligenz“ oder Bewusstsein haben könne, aber das dürfte in dieser zunehmend gedankenlosen Zeit nichts bringen, daher spare ich mir das. Lest einfach sein Buch „Shadows of the Mind“ und bildet euch dann euer eigenes Urteil.

Bevor das mißverstanden wird: Ich bin kein „Fortschrittsfeind“ und ich habe auch nichts gegen Technik. Im Gegenteil. Ich bin ein „Techie“. Und ich weiß aus Erfahrung, dass KI-Systeme – beispielsweise bei anspruchsvollen Rercherche-Aufgaben – tatsächlich eine Hilfe sein können. Auch das allerdings nur in Grenzen: Wie ich selber erfahren durfte, spuckt die KI bei manchen Anfragen nur „mainstreamige“ Antworten aus. Weil sie so programmiert wurde – das ist nunmal Fakt. Es ging um eine Anfrage meinerseits im Rahmen einer wirtschaftswissenschaftlichen Recherche. Zunächst haute mir die „schlaue“ KI nur Werke von Mainstream-Ökonomen um die Ohren, die ich nicht haben wollte. Ich musste mehrmals nachhaken und meine Anfrage immer mehr präzisieren bzw. eingrenzen, bis ich endlich mal Vorschläge bekam, die den Mainstream-Tellerrand ein klein wenig überschritten.

Wie dem auch sei: Wenn das nun so aussehen soll, dass man – wofür manche tatsächlich schon Werbung in den Sozialen Netzwerken machen – gleich das halbe oder gar das ganze Buch von KI verfassen läßt, so müssen die Verfechter dieser „smarten“ Idee, die, offensichtlich genug, nur auf schnellen Profit aus sind, denn um nichts anderes geht es dabei, eben auch die Fragen beantworten können, die ich hier gestellt habe:

Wer sollte das bitte alles noch kaufen und lesen?

Vermeintliches Gegenargument, eher theoretisch: „Dank“ KI und aufgrund des stark erhöhten Ausstosses könne man ja – oh weh – die Preise der Bücher drastisch senken. Ja eben. Dann verdient man aber noch weniger damit. Welche Autorinnen und Autoren – abgesehen von den „absoluten Stars“ – könnten dann noch was damit verdienen, geschweige denn, davon „leben“ zu können?

Und zweitens,

Wie wollt ihr der damit zwangsläufig einhergehenden inhaltlichen Entwertung und Verwässerung, sprich „Normierung“, „Automatisierung“ oder Sterilisation der Inhalte entgegenwirken? Seid ihr euch ganz sicher, dass eure Leser es wirklich honorieren werden, wenn ihr sie mit einem hurtig runteralgorithmisierten „Werk“ nach dem anderen zukleistert?

Ich kann die (absehbare) Trendwende jetzt schon riechen: Je mehr Urheber so vorgehen werden, desto größer wird der Übersättigungseffekt sein. Und desto mehr Menschen werden sich abwenden und sich zurücksehnen nach echten, originären, authentischen, kreativen Inhalten statt „Wir sind die Matrixmodels und wir seh’n gut aus“. Wollen wir wetten?

Also lasst die KI-Fanatiker Deutschland ruhig mit gefühlt zwölf Trillionen „kreativen“ „Inhalten“ pro Jahr zumüllen. Sie werden sich damit die eigene Existenzgrundlage zerstören. „Woher hätten wir das denn wissen sollen?“ Indem man rechtzeitig mitdenkt – vor allem selber -, statt von Computern „denken“ zu lassen. Wie gesagt: Told ya so.

Einige sehr empfehlenswerte Artikel dazu:

Was, wenn KI nicht Intelligenz, sondern Anti-Intelligenz wäre?

„Algokratie – Regierung für die neue Weltordnung“

Der Aufstieg des unsterblichen Diktators: Was bedeutet KI für Freiheit und Regierung?

Kann KI mit menschlichen Werten in Einklang gebracht werden?

KI: Die erfrischende Wahrheit. Aus diesem Artikel ein kurzes, überaus treffendes Exzerpt:

„Die Welt hat sich so sehr auf jene Elemente menschlicher Aktivität konzentriert, die auf Algorithmen, Berechnungen und Kalkulationen reduziert werden können, dass wir begonnen haben, jene Elemente völlig aus den Augen zu verlieren, die nicht reduziert werden können. Und da wir alles aus den Augen verloren haben, was über bloße Logik und Algorithmen hinausgeht, haben wir begonnen, unser eigenes Leben und unser eigenes Selbst auf die gleiche Ebene zu reduzieren. Höhere Fähigkeiten der Intuition, des Urteilsvermögens und der Unterscheidung – sogar der Moral – haben begonnen zu verkümmern. Wir haben in gewisser Weise begonnen, schlafzuwandeln, und je mehr wir schlafwandeln, desto mehr entstehen die Standardrichtungen für die Gesellschaft aus der Technologie selbst. […] Wenn das passiert – wenn wir keine wachen und engagierten Menschen haben – die das Sagen haben, laufen Systeme immer mehr von selbst, und wenn sie das tun, tendieren sie immer mehr in Richtung Standardisierung, Universalisierung und Zentralisierung. Die hoffnungsvollen Potenziale der Demokratisierung, Dezentralisierung und Ermächtigung, mit denen Menschen bei jeder neuen Technologie beginnen, gehen verloren. […]“

Schreibe einen Kommentar