Meta-Analyse zur Verwendung von Gesichtsmasken in Gemeinde-Einrichtungen zur Verhinderung der Übertragung von Atemwegsinfektionen zeigt keine Wirkung – ScienceDirect

Quelle: Meta-analysis on facemask use in community settings to prevent respiratory infection transmission shows no effect – ScienceDirect

Sergio Alejandro Gómez-Ochoa, Taulant Muka

Sehr geehrter Herausgeber,

Mit Interesse lasen wir die systematische Übersicht und Meta-Analyse von Chaabna et al., die darauf abzielt, die verfügbaren Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Gesichtsmasken zur Verhinderung der Übertragung von Atemwegsinfektionen im kommunalen Umfeld zusammenzufassen (Chaabna et al., 2020). Die Autoren berichteten über einen offensichtlichen Nutzen der Verwendung von Gesichtsmasken, der eine signifikante Verringerung des Risikos von Influenza, grippeähnlichen Erkrankungen, SARS-CoV und SARS-CoV-2-Übertragung zeige (gepoolter OR = 0,66, 95% Konfidenzintervall: 0,54-0,81). Die Studie weist jedoch mehrere methodische Mängel auf, die zu irreführenden Schlussfolgerungen geführt haben könnten. In den Meta-Analysen zu Gesichtsmasken und Influenza-Outcomes haben die Autoren zunächst sowohl klinische Studien als auch Fall-Kontroll-/Retrospektive Beobachtungsstudien meta-analytisch untersucht, wobei die letzten Studien den Effekt überschätzten. Zweitens schlossen Chaabna et al. fünf Studien ein, die nicht nur die Verwendung von Gesichtsmasken als Vorgehensweise vorsahen, sondern zusätzlich andere Interventionen wie Handhygiene in derselben Gruppe einführten (Aiello et al., 2012, Aiello et al., 2010, Cowling et al., 2009, Simmerman et al., 2011, Suess et al., 2012), eine Bedingung, die die Zuschreibung eines beobachteten Effekts auf die ausschließliche Verwendung von Gesichtsmasken beschränkt. Daher wird ihre Schlussfolgerung, dass „es genügend Beweise dafür gibt, dass medizinische Gesichtsmasken in Gemeindeeinrichtungen wirksam sind, um die Übertragung von respiratorischen Virusinfektionen zu verhindern“, durch ihre Analysen nicht gestützt (Chaabna et al., 2020).

Auf der Grundlage der zehn in die Meta-Analyse einbezogenen klinischen Studien überprüften und analysierten wir die Daten, um zu vergleichen, ob die Verwendung von Gesichtsmasken als alleinige Anwendung mit der Übertragung von Atemwegsinfektionen in der Gemeinde in Zusammenhang steht. Von den zehn in die Studie von Chaabna et al. einbezogenen RCTs verglichen fünf die alleinige Verwendung von Gesichtsmasken mit einer Kontrollgruppe, während drei Studien die alleinige Verwendung medizinischer Gesichtsmasken mit der kombinierten Anwendung von Gesichtsmaske und Händewaschen verglichen (Aiello et al., 2012, Aiello et al., 2010, Cowling et al., 2010, Cowling et al., 2009, Simmerman et al., 2011, Suess et al., 2012). Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der ausschließlichen Verwendung von medizinischen Gesichtsmasken und Kontrollen hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer im Labor bestätigten Influenza und einer grippeähnlichen Erkrankung. Ebenso wurden keine Unterschiede bezüglich des Risikos einer im Labor bestätigten Influenza beobachtet, wenn man die alleinige Maskenanwendung mit der kombinierten Anwendung von Gesichtsmaske und Händewaschen vergleicht, was darauf hindeutet, dass Gesichtsmasken als alleinige Anwendung in der Gemeinschaft nicht mit der Verringerung von Atemwegsinfektionen assoziiert ist. Angesichts der Tatsache, daß in den Studien medizinische Masken verwendet wurden, dürfte die Wirksamkeit von Stoffmasken sogar noch geringer sein; eine randomisierte Clusterstudie zeigte, dass Atemwegsinfektionen beim Gesundheitspersonal, das Tuchmasken verwendet, höher sind als bei medizinischen Masken (MacIntyre et al., 2015).

Abbildung 1. Veranschaulichung des Risikos der Übertragung von Atemwegsinfektionen im Vergleich A. Gesichtsmasken allein im Vergleich zu Kontrollen bei einer im Labor bestätigten Grippe, B. Gesichtsmasken allein im Vergleich zu Kontrollen bei einer grippeähnlichen Erkrankung, C. Gesichtsmasken allein im Vergleich zu Gesichtsmasken und Händewaschen kombiniert bei einer im Labor bestätigten Grippe. Download der Grafik in voller Größe

Mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen deuten auf einen potenziellen Nutzen von Gesichtsmasken bei viralen Atemwegserkrankungen hin; die meisten von ihnen umfassen jedoch zumeist nicht-randomisierte Studien, RCTs mit schwerwiegenden methodischen Problemen und Studien, die sich hauptsächlich aus dem Umfeld des Gesundheitswesens ableiten (Chu et al., 2020, Liang et al., 2020). Andererseits wurde in der systematischen Übersicht und Meta-Analyse von Saunders-Hastings et al. ein signifikanter Schutzeffekt regelmäßiger Handhygiene hinsichtlich des Übertragungsrisikos bei einer Grippepandemie im Jahr 2009 beobachtet (OR = 0,62; 95% CI 0,52-0,73; I2 = 0%), wobei kein Nutzen bei der Verwendung von Gesichtsmasken festgestellt wurde (OR = 0,53; 95% CI 0,16-1,71; I2 = 48%) (Saunders-Hastings et al., 2017). Aufgrund dieser divergierenden Ergebnisse und des Mangels an qualitativ hochwertiger Forschung in diesem Bereich sollten strenge Empfehlungen für die Verwendung von Gesichtsmasken im kommunalen Kontext mit Vorsicht ausgesprochen werden, bis neue Erkenntnisse vorliegen, die ihre Wirksamkeit belegen. Dies ist umso wichtiger, als mehrere Studien gezeigt haben, dass die Maskenanwendung mit der Kopfschmerzinzidenz und der Verschlimmerung bereits bestehender Kopfschmerzen assoziiert ist (Lim et al., 2006, Rebmann et al., 2013, Szeinuk et al., 2000, Radonovich, 2009, Shenal et al., 2011).

Literaturhinweise

Chaabna et al., 2020 K. Chaabna, S. Doraiswamy, R. Mamtani, S. Cheema, Facemask use in community settings to prevent respiratory infection transmission: a rapid review and meta-analysis, Int J Infect Dis (2020)

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Aiello et al., 2010, A.E. Aiello, G.F. Murray, V. Perez, R.M. Coulborn, B.M. Davis, M. Uddin, et al., Mask use, hand hygiene, and seasonal influenza-like illness among young adults: a randomized intervention trial. J Infect Dis, 201 (4) (2010), pp. 491-498

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