April 20, 2024

Quelle: Net Zero, the Digital Panopticon and the Future of Food  – OffGuardian

Die Ernährungswende, die Energiewende, die Netto-Null-Ideologie, programmierbare digitale Zentralbankwährungen, die Zensur der Meinungsfreiheit und die Niederschlagung von Protesten. Was hat es damit auf sich? Um diese Prozesse zu verstehen, müssen wir zunächst den sozialen und wirtschaftlichen Umbruch in den Kontext eines kollabierenden Finanzsystems einordnen.

Der Autor Ted Reece stellt fest, dass die allgemeine Profitrate von geschätzten 43% in den 1870er Jahren auf 17% in den 2000er Jahren gesunken ist. Ende 2019 konnten viele Unternehmen nicht mehr genug Gewinn erwirtschaften. Sinkende Umsätze, gedrückte Margen, begrenzte Cashflows und stark fremdfinanzierte Bilanzen waren weit verbreitet.

Professor Fabio Vighi von der Universität Cardiff hat beschrieben, wie der Lockdown der Weltwirtschaft Anfang 2020 unter dem Deckmantel der Bekämpfung eines angeblich neuen und neuartigen Krankheitserregers es der US-Notenbank ermöglichte, die kollabierenden Finanzmärkte („COVID-Entlastung“) mit frisch gedrucktem Geld zu fluten, ohne eine Hyperinflation auszulösen. Die Lockdowns schränkten die Wirtschaftstätigkeit ein, wodurch die Nachfrage nach dem frisch gedruckten Geld (Kredit) in der physischen Wirtschaft wegfiel und eine „Ansteckung“ verhindert wurde.

Laut dem Enthüllungsjournalisten Michael Byrant wurden allein zur Bewältigung der Krise in Europa 1,5 Billionen Euro benötigt. Der Finanzkollaps, der den europäischen Zentralbankern ins Gesicht starrt, spitzte sich im Jahr 2019 zu. Das Auftauchen eines „neuartigen Virus“ bot eine bequeme Tarnung.

Die Europäische Zentralbank stimmte einer Bankenrettung in Höhe von 1,31 Billionen Euro zu, woraufhin sich die EU auf einen Rettungsfonds in Höhe von 750 Milliarden Euro für europäische Staaten und Unternehmen einigte. Dieses Paket langfristiger, extrem billiger Kredite für Hunderte von Banken wurde der Öffentlichkeit als notwendiges Programm verkauft, um die Auswirkungen der Pandemie auf Unternehmen und Arbeitnehmer abzufedern.

Als Reaktion auf den kollabierenden Neoliberalismus erleben wir jetzt die Einführung eines autoritären „Great Reset“ – eine Agenda, die die Wirtschaft neu gestalten und unsere Lebensweise verändern soll.

Übergang zum Autoritarismus

Die neue Wirtschaft wird von einer Handvoll Tech-Giganten, globalen Konglomeraten und E-Commerce-Plattformen dominiert, und neue Märkte werden auch durch die Finanzialisierung der Natur geschaffen [der Link funktionierte nicht mehr, als ich ihn aufrufen wollte, daher empfehle ich zum Thema „Finanzialisierung der Natur“ den hervorragenden Artikel von Whitney Webb, Anm. d. Übersetzers], die unter dem Deckmantel des Umweltschutzes kolonisiert, kommodifiziert und gehandelt werden soll.

In den letzten Jahren haben wir eine Überakkumulation von Kapital erlebt, und die Schaffung solcher Märkte wird den Superreichen neue Investitionsmöglichkeiten bieten (einschließlich dubioser CO2-Kompensations-Ponzi-Schemata), um ihr Vermögen zu parken und sich zu bereichern.

Dieser große Reset sieht eine Umgestaltung der westlichen Gesellschaften vor, die zu einer dauerhaften Einschränkung der Grundfreiheiten und Massenüberwachung führt. Das Weltwirtschaftsforum (WEF), das unter dem wohlwollenden Begriff der „Vierten Industriellen Revolution“ geführt wird, sagt, dass die Öffentlichkeit schließlich alles, was sie benötigt, „mieten“ wird (erinnern Sie sich an das WEF-Video „Sie werden nichts besitzen und glücklich sein“?): Unter dem Deckmantel einer „grünen Wirtschaft“ und untermauert durch die Rhetorik des „nachhaltigen Konsums“ und des „Klimanotstands“ wird das Recht auf Eigentum abgeschafft.

Der Klima-Alarmismus und das Mantra der Nachhaltigkeit dienen der Förderung von Geldmacherei. Aber sie dienen auch einem anderen Zweck: der sozialen Kontrolle.

Der Neoliberalismus hat seinen Lauf genommen und zur Verarmung großer Teile der Bevölkerung geführt. Um aber Widerspruch zu dämpfen und die Erwartungen zu senken, wird das gewohnte Maß an persönlicher Freiheit nicht mehr toleriert. Dies bedeutet, dass die breite Bevölkerung der Disziplin eines entstehenden Überwachungsstaates unterworfen wird.

Um sich gegen jede abweichende Meinung zu wehren, wird den Bürgern gesagt, dass sie ihre persönlichen Freiheiten opfern müssen, um die öffentliche Gesundheit, die gesellschaftliche Sicherheit (diese schrecklichen Russen, islamische Extremisten oder der von Sunak als Feindbild bezeichnete George Galloway) oder das Klima zu schützen. Anders als in der alten Normalität des Neoliberalismus vollzieht sich ein ideologischer Wandel, bei dem die persönlichen Freiheiten zunehmend als gefährlich dargestellt werden, weil sie dem Gemeinwohl zuwiderlaufen.

Der wahre Grund für diesen ideologischen Wandel besteht darin, die Massen an einen niedrigeren Lebensstandard zu gewöhnen und diesen zu akzeptieren. Man denke nur an die Aussage des Chefvolkswirts der Bank of England, Huw Pill, dass die Menschen „akzeptieren“ sollten, ärmer zu sein. Und Rob Kapito von der weltgrößten Vermögensverwaltungsfirma „BlackRock“ sagt, dass eine „sehr anspruchsfixierte“ Generation zum ersten Mal in ihrem Leben mit Knappheit umgehen muss.

Gleichzeitig wird die Botschaft verbreitet, dass der niedrigere Lebensstandard das Ergebnis des Konflikts in der Ukraine und der durch den Krieg und den „Virus“ verursachten Versorgungsengpässe sei, um das Gesamtbild zu verschleiern.

Die Agenda der Netto-Null-Emissionen wird dazu beitragen, einen niedrigeren Lebensstandard zu legitimieren (Verringerung des CO2-Fußabdrucks) und gleichzeitig die Vorstellung zu verstärken, dass unsere Rechte für das Allgemeinwohl geopfert werden müssten. Sie werden nichts besitzen – nicht etwa weil die Reichen und ihre neoliberale Agenda Sie arm gemacht hätten, sondern weil Sie angewiesen werden, nicht länger „unverantwortlich“ zu sein und zum Schutz des Planeten zu handeln.

Netto-Null-Agenda

Aber was ist mit der Umstellung auf Netto-Null-Treibhausgasemissionen und dem Plan, unseren Kohlenstoff-Fußabdruck zu verkleinern? Ist das überhaupt machbar oder notwendig?

Gordon Hughes, ein ehemaliger Ökonom der Weltbank und jetziger Wirtschaftsprofessor an der Universität Edinburgh, sagt in einem neuen Bericht, dass die derzeitige britische und europäische Netto-Null-Politik wahrscheinlich zu einem weiteren wirtschaftlichen Ruin führen wird.

Der einzige gangbare Weg, das Geld für ausreichende neue Investitionen (in Wind- und Solarinfrastruktur) aufzubringen, wäre ein zwei Jahrzehnte andauernder Rückgang des privaten Verbrauchs um bis zu 10 Prozent. Einen solchen Schock hat es im letzten Jahrhundert außerhalb von Kriegen noch nie gegeben, und selbst dann nicht für mehr als ein Jahrzehnt.

Aber diese Agenda wird auch zu einer ernsthaften Verschlechterung der Umwelt führen. Das sagt Andrew Nikiforuk in seinem Artikel „The Rising Chorus of Renewable Energy Skeptics“, in dem er darlegt, wie zerstörerisch der grüne Techno-Traum in hohem Maße ist.

Er zählt die verheerenden Umweltauswirkungen eines noch mineralienintensiveren Systems auf der Grundlage erneuerbarer Energien auf und warnt:

„Der gesamte Prozess der Ersetzung eines im Niedergang begriffenen Systems durch ein komplexeres bergbaubasiertes Unternehmen soll nun mit einem fragilen Bankensystem, dysfunktionalen Demokratien, unterbrochenen Lieferketten, kritischen Mineralienknappheiten und einer feindseligen Geopolitik einhergehen.“

All dies setzt voraus, dass die globale Erwärmung real ist und vom Menschen verursacht wird. Nicht alle stimmen dem zu. In dem Artikel „Globale Erwärmung und die Konfrontation zwischen dem Westen und dem Rest der Welt“ argumentiert der Journalist Thierry Meyssan, dass die Netto-Null-Politik eher auf politischer Ideologie als auf Wissenschaft beruht. Doch solche Aussagen sind in den westlichen Ländern zur Ketzerei geworden und werden mit dem Vorwurf der „Leugnung der Klimawissenschaft“ abgetan.

Ungeachtet solcher Bedenken geht der Marsch in Richtung Netto-Null weiter, und der Schlüssel dazu ist die „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklungsziele.

Heute finden sich in fast jedem Geschäfts- oder Unternehmensbericht, auf jeder Website oder in jeder Broschüre zahlreiche Hinweise auf „Kohlenstoff-Fußabdrücke“, „Nachhaltigkeit“, „Netto-Null“ oder „Klimaneutralität“ und darauf, wie ein Unternehmen oder eine Organisation seine Nachhaltigkeitsziele erreichen will. Grüne Profilierung, grüne Anleihen und grüne Investitionen gehen Hand in Hand mit der Darstellung „grüner“ Referenzen und Ambitionen, wann und wo immer es möglich ist.

Es scheint, als ob jeder in der Wirtschaft seine Unternehmensflagge auf dem Gipfel der Nachhaltigkeit aufstellt. Nehmen Sie zum Beispiel „Sainsbury’s“. „Sainsbury’s“ ist einer der sechs großen Supermärkte im Vereinigten Königreich und hat 2019 eine Vision für die Zukunft der Lebensmittel veröffentlicht.

Hier ein Zitat daraus:

Personalisierte Optimierung ist ein Trend, der dazu führen könnte, dass Menschen wie nie zuvor gechipt und vernetzt werden. Das Aufkommen persönlicher Mikrochips und neuronaler Fußfesseln ist ein bedeutender Schritt in Richtung der heute verwendeten tragbaren Technologie und hat das Potenzial, dass alle unsere genetischen, gesundheitlichen und situativen Daten aufgezeichnet, gespeichert und von Algorithmen analysiert werden, die genau herausfinden könnten, was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt in unserem Leben brauchen. Einzelhändler wie Sainsbury’s könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen und die Lieferung der benötigten Lebensmittel innerhalb von dreißig Minuten organisieren – vielleicht per Drohne.

Verfolgt, zurückverfolgt und gechipt – zu Ihrem eigenen Nutzen. Unternehmen, die auf alle unsere persönlichen Daten zugreifen, bis hin zu unserer DNA. Der Bericht ist gespickt mit Verweisen auf Nachhaltigkeit, Klima und Umwelt, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er so geschrieben ist, damit der Leser vor den technologischen Möglichkeiten in Ehrfurcht erstarrt.

Die Förderung einer schönen neuen Welt der technologischen Innovation, die nichts über die Macht aussagt – wer die Politik bestimmt, die zu massiven Ungleichheiten, Armut, Unterernährung, Ernährungsunsicherheit und Hunger geführt hat, und wer überhaupt für die Umweltzerstörung verantwortlich ist – ist jedoch nichts Neues.

Das Wesen der Macht wird bequemerweise ausgeblendet, nicht zuletzt, weil diejenigen, die hinter dem vorherrschenden Ernährungsregime stehen, auch das techno-utopische Märchen gestalten, in dem alle glücklich und zufrieden leben, indem sie Käfer und synthetische Lebensmittel essen und in einem digitalen Panoptikum leben.

Fake-Grün

Die Art von „grüner“ Agenda, die vorangetrieben wird, ist eine Multi-Billionen-Marktchance, um die Taschen reicher Investoren und subventionssaugender grüner Infrastrukturunternehmen zu füllen, und auch Teil einer Strategie, die erforderlich ist, um die Einhaltung der für die „neue Normalität“ erforderlichen Vorschriften sicherzustellen.

Darüber hinaus handelt es sich um eine Art von „Grün“, die plant, einen großen Teil der Landschaft mit Windkraftanlagen und Solarpaneelen zu bedecken, während die meisten Landwirte keine Landwirtschaft mehr betreiben. Ein Rezept für Ernährungsunsicherheit.

Denjenigen, die in die „grüne“ Agenda investieren, geht es in erster Linie um Profit. Das äußerst einflussreiche Unternehmen „BlackRock“ investiert in das derzeitige Lebensmittelsystem, das für verschmutzte Wasserwege, degradierte Böden, die Vertreibung von Kleinbauern, eine sich zuspitzende Gesundheitskrise, Unterernährung und vieles mehr verantwortlich ist.

Sie investiert auch in das Gesundheitswesen – eine Industrie, die von den Krankheiten und Zuständen lebt, die durch den Verzehr der minderwertigen Lebensmittel entstehen, die das derzeitige System produziert. Hat Larry Fink, der Spitzenmann von „BlackRock“, plötzlich ein Gewissen entwickelt und ist ein Umweltschützer geworden, der sich um den Planeten und die einfachen Menschen kümmert? Nein, natürlich nicht.

Jede ernsthafte Überlegung über die Zukunft der Ernährung würde sicherlich Themen wie Ernährungssouveränität, die Rolle der Agrarökologie und die Stärkung von Familienbetrieben – dem Rückgrat der derzeitigen globalen Nahrungsmittelproduktion – berücksichtigen.

Der bereits erwähnte Artikel von Andrew Nikiforuk kommt zu dem Schluss, dass wir unsere Bedürfnisse einschränken und die Gesellschaft vereinfachen müssen, wenn es uns mit unseren Auswirkungen auf die Umwelt wirklich ernst ist.

Im Hinblick auf Lebensmittel liegt die Lösung in einem Ansatz mit geringem Input, der ländliche Gemeinschaften und lokale Märkte stärkt und kleinbäuerlichen Betrieben, kleinen unabhängigen Unternehmen und Einzelhändlern, lokalisierten demokratischen Lebensmittelsystemen und einem Konzept der Ernährungssouveränität auf der Grundlage von Selbstversorgung, agrarökologischen Prinzipien und regenerativer Landwirtschaft den Vorrang gibt.

Es geht darum, das Recht auf kulturell angepasste Lebensmittel zu fördern, die aufgrund vielfältiger Anbaumethoden eine hohe Nährstoffdichte aufweisen und frei von giftigen Chemikalien sind, und gleichzeitig das lokale Eigentum und die Verwaltung gemeinsamer Ressourcen wie Land, Wasser, Boden und Saatgut sicherzustellen.

Das ist der Punkt, an dem echter Umweltschutz und die Zukunft der Ernährung beginnen.

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