Dezember 3, 2022

Keine Bilder mehr auf der Webseite – Ich bin kein Buffet für geldgeile Abmahnadvokaten

Vielen Besuchern meine Webseite dürfte es schon aufgefallen sein: Sämtliche Bilder sind „verschwunden“. Jap. Ich habe sie samt und sonders gelöscht. In einigen Fällen wäre das vielleicht nicht nötig gewesen, aber leider gab es ein Problem: Ich habe aufgrund meiner Arbeitsbelastung nicht die Zeit, 5456 (!) Bilder, die sich in der Mediathek meiner Seite befanden, eins nach dem anderen durchzugehen und auf eventuelle urheberrechtliche Verstöße zu prüfen. Das ist absurd, das ist grotesk.

Um mir die Arbeit zu erleichtern, habe ich deshalb einfach in der Mediathek oben links auf „Alle“ geklickt und dann gelöscht, bis die einzelnen Seiten der Mediathek von allen Bildern befreit waren.

Nachdem ich vor einigen Tagen einen Abmahnbrief erhielt, habe ich mich natürlich noch tiefer in die Materie eingelesen. Und ich kann jedem Bloggerkollegen und Webseitenbetreiber nur empfehlen, dasselbe zu tun. Um dabei festzustellen, daß das deutsche Urheberrecht de facto in vielen Teilen immer noch schwammig ist und einige „Gummiparagraphen“ enthält. Es ist wirklich nicht zu fassen.

Ich hatte in meinem gestrigen Kommentar meine Ansichten dazu bereits geschildert.

Es gibt IMMER eine Möglichkeit, etwaige tatsächliche (oder in Einzelfällen vielleicht auch nur angebliche) Rechtsverstöße zunächst auf dem Wege einer privaten Kommunikation zu lösen, da derjenige, der diese Rechtsansprüche stellt, ja die Hintergründe nicht unbedingt kennen kann. Vielleicht war es wirklich nur ein Versehen. Hier nochmal als Beispiel:

„Ich durfte bei einem Besuch Ihrer Webseite feststellen, daß Sie ein Bild, an dem ich das Urheberrecht habe, verwendet haben und möchte daher fragen, ob sie ein Nutzungsrecht erworben haben. Falls ja, bitte ich Sie, mir einen entsprechenden Nachweis z.B. in Form einer Quittung der jeweiligen Bildagentur zukommen zu lassen, die das daraufhin mühelos durch einen Abgleich in ihren Datenbanken prüfen kann. Falls nicht, muß ich Sie auffordern, das Bild unverzüglich zu entfernen. Ansonsten gehe ich den Rechtsweg.“

Wo zum Henker liegt da ein Problem?

Stattdessen, wie gestern bereits erwähnt, ermöglicht die derzeit geltende Rechtslage, SOFORT – ohne erstmal die naheliegendste, natürliche Lösung anzustreben, also auf privatem Wege eine Klärung zu versuchen – zu einem geldgeilen Abmahnanwalt zu laufen, der daraufhin natürlich erstmal kräftig abspritzt, weil er eine prächtige Gelegenheit bekommt, in der Wahrnehmung der Sache hohe „Rechtsverfolgungskosten“ verlangen zu können.

Wie ich bereits sagte: Ein solches Vorgehen ist eigentlich unverhältnismäßig bzw. mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht vereinbar, weil es in solchen Fällen eindeutig andere Wege gibt, das Problem zu lösen. Man muß ja nicht gleich ohne jede Hintergrundinformation Anwälte bemühen.

Ich habe mich gestern auch schon dezidiert dazu geäußert und werde es sehr gerne wiederholen, denn ich stehe felsenfest zu dieser Meinung:

Die Abmahnindustrie gehört zerschlagen. Sie verstößt gegen den guten Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Wie auch immer man persönlich dazu stehen mag: Aufgrund der Tatsache, daß in Einzelfällen die Rechtssituation eines bestimmten Bildes nicht ohne Weiteres zu ermitteln ist, ich als einfacher Webseitenbetreiber aufgrund meines täglichen Arbeitspensums aber nunmal nicht die Möglichkeit habe, jeden Tag erstmal stundenlag irgendwelchen eventuellen Nutzungs- oder Lizenzrechten hinterher zu recherchieren, die obendrein – siehe dazu bitte das deutsche Urheberrecht – mitunter tatsächlich schwammig/unklar sein können, habe ich deshalb den für mich effizientesten, nervenschonendsten Weg gewählt und deshalb sämtliche Bilder entfernt.

Ich gehe dieses Risiko vorerst nicht mehr ein. Ich habe es allergründlichst satt.

Ich bin kein Buffet für geldgeile Abmahnanwälte und andere Abzocker.

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