Mai 25, 2024

Musk, make Twitter great again! Drehbücher fürs Massenmanagement, auf den Kopierer gelegt

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Trump, make America great again!
Musk, make Twitter great again!

Erkennen Sie die Melodie?

Richtig: Es ist die sirenenhafte Verführungsmelodie der Erleichterung, wenn man all seine Hoffnungen auf Veränderung an jemand anderen delegieren kann. Selber braucht man nichts dafür zu tun. Einfach hoffen und beten: Irgendwann wird schon jemand kommen (meistens aus den Reihen einer Machtelite …), der diese Arbeit für mich übernehmen wird.

Über die Psychologie des modernen Massenmanagements hatte ich mich bereits ausgelassen. Daher an dieser Stelle höchstens nur noch in Kurzform: Es ist (zumindest bisher) unmöglich, Millionen von Menschen auf individueller Ebene gedanklich zu kontrollieren. Es wäre zu arbeitsintensiv, zweitaufwendig und wohl auch kostspielig. Stattdessen könnte man z.B. das Erziehungs- und Bildungssystem so aufbauen, daß es Menschen schon von Kindesbeinen an darauf trainiert bzw. konditioniert, sich nicht als souveränes Individuum zu sehen, sondern als Teil eines Kollektivs, einer Herde, einer „Masse“, die stets einem „Anführer“ folgen sollte.

„Fichte statuierte, dass die Erziehung darauf abzielen sollte, den freien Willen zu zerstören, so dass die Schüler, nachdem sie die Schule verlassen haben, für den Rest ihres Lebens unfähig sein sollten, anders zu denken oder zu handeln, als es ihre Schulmeister wünschten. Aber zu seiner Zeit war dies ein unerreichbares Ideal: Das seiner Meinung nach beste System, das es gab, brachte Karl Marx hervor. In der Zukunft werden solche Misserfolge nicht mehr vorkommen, wenn es eine Diktatur gibt. Ernährung, Injektionen und Anordnungen werden schon in jungen Jahren kombiniert werden, um die Sorte von Charakter und die Art von Überzeugungen hervorzubringen, die die Obrigkeit für wünschenswert hält, und jede ernsthafte Kritik an den Machthabern wird psychologisch unmöglich. Selbst wenn alle unglücklich sind, werden sich alle für glücklich halten, weil die Regierung ihnen sagt, daß sie es sind.

Bertrand Russell, „The Impact of Science on Society“, Kapitel „Scientific Technique in Oligarchy“, 1953, US-Kongreßbibliothek, Katalognummer 68-54290, S. 50. Hervorhebungen durch mich.

Es ist kein Zufall, daß unser Schulsystem tatsächlich genau so aufgebaut ist: Eine größere Gruppe („Masse“) von Schülern folgt stets dem (oder der) einen vorne an der Tafel, der/die ihnen sagt, was sie lernen sollten. Dergestalt konditioniert könnte man mit einer Prise Sarkasmus sagen: Ist es da ein Wunder, daß solche Menschen, nachdem sie dieses Trainingsprogramm durchlaufen und das Erwachsenenalter erreicht haben, immer noch glauben, sie bräuchten nur alle vier Jahre den einen „Richtigen“ vorne an der „Bundestafel“ zu wählen, der ihnen sagt, „wo’s langgeht“? Der ihre Probleme löst? Trump, make America great again? Natürlich ist das Bullshit.

Das Einzige, was ein Land braucht, um „groß“ zu werden, ist seine Bevölkerung. Punkt. Ihre Schaffens- und Vorstellungskraft, ihre Fähigkeit zu Innovationen, ihre Phantasie und Genialität, ihr Wunsch, sich weiterzuentwickeln, ihr Streben nach Verbesserung – um es so einfach wie möglich auszudrücken.

Dazu ist keine einzelne Gestalt in irgendeinem Haus nötig, ob’s nun das Weiße Haus ist, Downing Street No. 10 oder von mir aus das Bundesoligarchenbordell (Bundestag).

Doch genau darin besteht eben der Trick: Die Menschen im Sinne eines effizienten Massenmanagements davon zu überzeugen, es genüge, all ihre Hoffnungen auf diese einzelne Gestalt zu setzen. Oder auch eine im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung kleine Gruppe wie z.B. eine Partei …


Denn eine solche, kleine Gruppe oder gar einen einzelnen „Anführer“ kann man um Welten einfacher „einsacken“ und kontrollieren als Millionen von Menschen … Man, nach dieser Erkenntis bin ich aber sowas von überrascht, daß sämtliche „führenden“ Politiker nachweislich demselben Club zugehören. Ob nun Bilderberger Christian Lindner, Bilderberger Olaf Scholz, Young Global Leader Annalenchen, ECFR-Özdemir, „Klimaforscher“ Mojib Latif (Club of Rome). Ach, ist doch egal ob in Politik, Presse, der Wirtschaft oder dem Militär. Hauptsache, es bleibt in der schrecklich hübschen Familie …

Es ist Kopfwäsche. Es ist eine regelrechte PsyOp. Es ist nur ein Glaube, mehr nicht, daß Menschen alle möglichen Aufgaben stets an eine Regierung delegieren müßten.

Du brauchst nur den „Richtigen“ (oder die „Richtige“) zu wählen – schon wendet sich alles zum Guten. Recht besehen ist so ein Glaube, mit Verlaub, infantil. Es ist eigentlich albern und kindisch.

Es ist dieser Punkt, der in den meisten Diskussionen rund um Elon Musk und seinen Kauf von Twitter völlig vernachlässigt wird. Es geht nämlich vorrangig nicht um die Frage, was Musk nun mit Twitter im Einzelnen vor hat oder auch nicht – sondern darum, den Menschen zu suggerieren, sie bräuchten immer irgendeinen Anführer, einen Pimp, einen „Zuchtmeister“ (siehe Russell-Zitat), einen „Erlöser“, der sie vor irgendetwas „rettet“, etwas „groß“ für sie macht, Probleme für sie „löst“ etc. etc. – die sie eigentlich selber lösen können.

Meinungsfreiheit kann nicht von Musk „gerettet“ werden. Jeder einzelne Mensch muß dafür einstehen – vor allem durch sein eigenes Verhalten.

Nochmal umformuliert: Durch die Externalisierung psychischer Prozesse – die eigentlich im Individuum selber (intern) ablaufen sollten, um echte Veränderung herbeizuführen – und ihre möglichst vollständige Projektion auf einen „Hoffnungsträger“, einen „Retter“, einen „Anführer“, der mit „der Faust aber jetzt mal auf den Tisch haut“ und etwas für sie ändert usw., versucht man die Menschen von genau dieser Erkenntnis der eigenen Kraft für Veränderungen – ihrer Eigenverantwortlichkeit – abzulenken.

Oh Wunder, daß die übelsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts – Adolf Hitler, Josef Stalin, Mao – einen ausgeprägten Persönlichkeits- und Führerkult pflegten. Das waren natürlich extreme Negativbeispiele. Es gibt sie auch in weniger ausgeprägter, „abgeschwächter“, „leichter verdaulicher“ Form.

Boah, guck mal! Das Limited Hangout Tucker Carlson hat mit seinem neuen Video bereits 100 Millionen Aufrufe erzielt! Wahnsinn! Und was bedeutet das? Nun, das bedeutet ganz klar, daß sein Wort wahrhaftiger ist als dasjenige Gottes …

Muß ja so sein, wenn Legion ihm zustimmt …

Oh man.

Ich hatte es bereits mehrfach erläutert:

Es handelt sich um einen kollektivistischen Massenformierungs- und Gefolgschaftskult zum Zwecke des erleichterten Massenmangements. Dazu bedient er sich eines Ego-, „Star“-, Persönlichkeits- und Führerkultes.

So funktioniert „Massenmanagement“ nunmal: Sollten die Menschen erkennen, wozu sie selber fähig wären, würden sie sich auf ihre eigenen Stärken, Fähigkeiten und Möglichkeiten konzentrieren – wozu bitte bräuchten sie dann noch eine Machtelite, die das für sie tut?

Der amerikanische Historiker Antony C. Sutton, den ich in diesem Kontext sehr gerne zitiere, gerne auch öfter, da diese Problematik leider noch nicht breitflächig genug verstanden worden zu sein scheint, schrieb über diese kollektivistische Methode des Massenmanagements:

„In der gesamten jüngeren Geschichte ist die Geschichte der Operation Keelhaul wohl die ekelerregendste. Die Operation Keelhaul beinhaltete die zwanghafte Repatriierung von Millionen von Russen auf Anordnung von Präsident (damals General) Dwight D. Eisenhower und war eine direkte Verletzung der Genfer Konvention von 1929 und der langjährigen amerikanischen Tradition des politischen Asyls. Die Operation Keelhaul, die unseren sämtlichen Begriffen von Anständigkeit und individueller Freiheit zuwiderläuft, wurde auf direkte Anordnung General Eisenhowers durchgeführt und war, so dürfen wir heute annehmen, Teil eines weitreichenden Programms zur Förderung des Kollektivismus, sei es der sowjetische Kommunismus, des Hitlerfaschismus oder Roosevelts New Deal. Dennoch wurde jeder, der es bis zur jüngsten Veröffentlichung dokumentarischen Beweismaterials durch Julius Epstein anzudeuten wagte, daß Eisenhower Millionen unschuldiger Einzelpersonen für politische Zwecke verraten haben könnte, boshaften und gnadenlosen Angriffen ausgesetzt. Was diese revisionistische Geschichte uns wirklich lehrt ist, daß unsere Bereitwilligkeit als einzelne Bürger, politische Macht an eine Elite abzugeben, die Welt von 1820 bis 1975 etwa zweihundert Millionen Menschenleben gekostet hat. Hinzu kommen das unsägliche Elend der Konzentrationslager und der politischen Gefangenen, die Unterdrückung und Unterbindung derer, die bemüht sind, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Wann wird das alles ein Ende nehmen? Es wird kein Ende nehmen, solange wir nicht nach dem einen einfachen Axiom handeln: daß das Machtsystem nur so lange besteht, wie Einzelne das wollen […] Der Tag, an dem eine Mehrheit von Einzelpersonen erklärt, sie wolle nichts von der Regierung beziehungsweise danach handelt; an dem sie erklärt, sie werde sich um ihr eigenes Wohl und ihre Interessen selbst kümmern – an diesem Tag sind die Machteliten zu ihrem Schicksal verurteilt.“

– Antony C. Sutton, „Wall Street und der Aufstieg Hitlers“, herausgegeben von Andreas Bracher, Perseus Verlag, Basel, 2008, basierend auf der englischen Originalausgabe, erschienen 1976 bei Bloomfield Books, England, S. 174. Hervorhebungen durch mich.

Volltreffer, würde ich sagen.

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